Doppeltest Renault Twingo 1.2 16 V gegen VW Lupo 1.4

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es bekanntlich noch nicht dasselbe. Das gilt auch für den erstarkten Renault Twingo 1.2 16V mit 75 PS, der sich mit dem leistungsgleichen VW Lupo 1.4 messen muss.

Freunde des VW Lupo kennen es bereits, für Twingo-Fahrer ist es jedoch eine gänzlich neue Erfahrung: Auf längeren Autobahn-Ge­fällestrecken erwischt man
die Tachoanzeige unweit der magischen 200er-Marke, und bergauf keimt das Gefühl, schwächere BMW-Modelle ein wenig schieben zu müssen.

Gut, der Tacho schwindelt etwas, aber mit knapp 170 km/h ist der Twingo in der Ebene durchaus zügig unterwegs. Kann der beliebte Oldie mit seinem neuen 16 V-Motor mit 75 PS dem gleich starken VW Lupo Paroli bieten?

Die Vorzüge des Twingo rühmen hieße Eulen nach Athen tragen. Er bietet seinen Fondpassagieren für ein so kleines Auto unübertroffen viel Platz, und der Trick mit der längs verschiebbaren Rück­sitzbank erlaubt eine variable Raumaufteilung: Mehr Platz fürs Gepäck oder für die Passagiere, lautet die Devise.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Federungskomfort des Twingo, allerdings nur bei nicht zu schneller Fahrt auf nicht zu schlechten Straßen.

Legt der Fahrer nämlich ein Tempo vor, wie es oft mit dem Kürzel 16 V in der Typenbezeichnung assoziiert wird, gerät das Twingo-Fahrwerk auf minderen Landstraßen an seine Grenzen: Die Räder springen, die Lenkung stößt, die Vorderachse klappert, auch beim scharfen Bremsen auf Bodenwellen.

Der im Vergleich sportlich straff gefederte Lupo scheint unter solchen Umständen mit zunehmendem Tempo immer mehr in seinem Element zu sein. Was an ihm allerdings sehr störend auffällt, ist die Unart, auf Bodenwellen mit Roll- und Gierbewegungen der Karosserie zu reagieren, die für die Insassen sehr unangenehm sind.

Er bietet dafür die deutlich besseren Sitze und ist, auch das gehört zum Komfort, erheblich leiser. Der auch als Basis-Antrieb im Golf bewährte 1,4 Liter große Aluminium-Vierventiler enthält sich gänzlich nervender Dröhneffekte, wie sie im Twingo über weite Drehzahlbereiche ein ständiger Begleiter sind.

Dass der Lupo-Motor aus seinen zusätzlichen 200 Kubikzentimeter Hubraum auch im Fahrbetrieb spürbar mehr Durchzugskraft schöpft, verwundert nicht. Dass er sie nicht in entsprechend bessere Elastizitäts-Messwerte ummünzen kann, liegt an seiner in den oberen Gängen langen Übersetzung. Sie rangiert um bis zu 17 Prozent über der des Twingo – und ist zugleich einer der Gründe, warum der Lupo rund einen halben Liter weniger verbraucht.

Beiden Kandidaten kann ein stabiles, leicht untersteuerndes Eigenlenkverhalten mit nur geringen Lastwechselreaktionen attestiert werden, mit einem hauchzarten Vorsprung für den Lupo.

Wahre Klüfte zwischen den beiden tun sich aber auf, wenn es gilt, Wechselkurven schnell zu durcheilen. Wo sich Fahrbahnkontakt der Lenkung, Sitzposition und Lenkradstellung beim Lupo zu einem nahezu perfekten Ganzen zusammenfinden, bietet sich der Twingo fast schon als Musterbeispiel an für das, was man auf diesem Gebiet so alles falsch machen kann.

Das beginnt mit dem viel zu flach angeordneten Lenkrad, das entweder zu einer weit vorgebeugten Sitzhaltung mit stark angewinkelten Beinen zwingt oder alternativ den Einsatzradius der Hände beim Lenken auf die untere Hälfte des Lenkradkranzes begrenzt.

Die in der Stadt störend indirekte Lenkung nimmt Autobahnfahrten etwas die Schärfe, weil sich mit ihr der Twingo bei etwas Konzentration wenigstens zielgenau dirigieren lässt. Und Konzentration ist nötig, denn die elektrische Servolenkung bietet so gut wie keinen Fahrbahnkontakt.

Der kleine Franzose läuft auch nicht von selbst geradeaus – gerade so, als sei die Vorderachse jeglichen Nachlaufs verlustig gegangen. Abgerundet wird dieses Kapitel von unvermittelt stark ansteigenden Haltekräften bei hoher Querbeschleunigung.

Mit serienmäßigem ABS und Seitenairbags (beides ­kostet beim Lupo Aufpreis) scheint der Twingo durchaus auf der Höhe der Zeit, doch der anachronistisch primitive Türgriff lässt nichts Gutes ­erwarten, wenn nach einem Unfall einmal die Tür aufgewuchtet werden muss. Und gleich 18 Punkte verliert er auf den Lupo mit seiner zwar standfesten, aber weniger wirk­samen Bremse.

Nahezu gleichauf liegen die beiden Konkurrenten im Umweltvergleich. Hier profitiert der Twingo vom günsti­geren Normverbrauch und ­seinem geringeren Gewicht, der Lupo pariert aber mit ­seiner vorteilhaften Euro 4-Abgas­einstufung.

Die einzige Disziplin, die der Twingo sogar mit einem deutlichen Vorsprung für sich entscheiden kann, sind die ­Kosten. Der VW Lupo ist immerhin um 3700 Mark teurer, ABS und Sidebags müssen zusätzlich bezahlt werden, Wartung und Reparaturen schlagen spürbarer zu Buche, und die als Extra lieferbare Klimaanlage kostet 430 Mark mehr als die Kühleinrichtung im Renault Twingo.

Vor zwei Jahren konnte der Twingo den Lupo noch schlagen – in einer anderen Moto­risierungsstufe und mit anderer Ausstattung.

Bei den 75-PS-Versionen hat der Lupo dank hydraulischer Servolenkung, sparsamem und leisem Motor, mit überlegener Ergonomie und der deutlich besseren Gesamtqualität die Nase weit vorn.

Offenbar ist es wirklich nicht dasselbe, wenn zwei das Gleiche tun.

Fazit

1. VW Lupo 1.4
482 Punkte

Der Lupo überzeugt mit seinem kraftvollen, leisen und sparsamen Motor. Verarbeitungsqualität und Funktionalität setzen Maßstäbe. Das sichere Fahrverhalten, die guten Bremsen und die ausgeprägte Agilität sprechen vor allem sportlich eingestellte Fahrer an.

2. Renault Twingo 1.2 16 V
446 Punkte

Das gute Platzangebot, die kommode Federung und das sichere Fahrverhalten sprechen für den Twingo. Der Motor ist für eine Neuerscheinung zu laut und zu durstig. Die Bremsen und die gefühllose Lenkung können nicht befriedigen.

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Technische Daten
Renault Twingo 1.2 16V Expression VW Lupo 1.4 Trendline
Grundpreis 10.550 € 12.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3433 x 1630 x 1423 mm 3527 x 1639 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 168 bis 1096 l 130 bis 830 l
Hubraum / Motor 1149 cm³ / 4-Zylinder 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5500 U/min 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h 172 km/h
0-100 km/h 13,0 s 12,9 s
Verbrauch 5,8 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km 7,0 l/100 km
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