Doppeltest Saab 9-5 3.0t V6 gegen Volvo S80 2.9

Wenn zwei Schweden das Gleiche tun, sprich eine Sechszylinder-Limousine mit Frontantrieb bauen, dann kann das Ergebnis höchst unterschiedlich ausfallen. Der Saab 9-5 3.0t V6 SE und der Volvo S80 2.9 sind der Beweis.

Zu den Vorzügen schwedischer Autos zählt von jeher, dass sie ein wenig anders sind und auch danach aussehen. Das prägt – zumindest außerhalb Skandinaviens – ihr Image. Ein Hauch von Vollwertkost und Knäckebrot schwingt immer mit, selbst wenn die Produktmenüs der nordischen Anbieter Saab und Volvo traditionell auch Kalorienreiches zu bieten haben.

Die beiden in der oberen Mittelklasse angesiedelten Konkurrenten, die auto motor und sport für diesen Schweden- Vergleich herauspickte, machen da keine Ausnahme. Der neue Volvo S80 mag nicht mehr so kantig daherkommen wie sein Vorgänger. Aber dass er sich mit seiner ausgeprägten Nase und den gotisch anmutenden Heckleuchten abseits der stilistischen Norm bewegt, ist nicht abzustreiten. Ähnliches lässt sich vom Saab 9-5 behaupten.

Dem Stil des Hauses entsprechend wirkt er aber deutlich zierlicher als der ausladend karossierte Volvo – eine optische Täuschung, wie ein Blick auf die Abmessungen verrät: Mit stattlichen 4,81 Meter Länge steht er dem S80 nicht nach. Allerdings ist Volvo zugute zu halten, dass man dort den umbauten Raum besser zu nutzen versteht. Der Saab ist zwar keineswegs eng und bietet im Fond spürbar mehr Platz als beispielsweise ein BMW der Fünfer- Reihe. Aber im Volvo sitzt es sich noch luftiger, was auch mit der üppigeren Innenbreite zusammenhängt. Nur beim Gepäck haben Volvo-Reisende das Nachsehen: 440 Liter Ladevolumen und eine Zuladung von 417 Kilogramm sind für ein Auto dieses Kalibers mehr als dürftig. Vergleichsweise manierlich ist dagegen der Kofferraum im Saab (500 Liter und 449 Kilogramm).

Hier wie dort lässt sich die Ladekapazität durch Umklappen der geteilten Rücksitzlehnen noch vergrößern.

Es gehört zum Leumund schwedischer Fabrikate, dass sie nicht nur praktisch, sondern auch besonders sicher und obendrein von gehobener Qualität sind. Umso mehr verwundert, dass bei beiden Exemplaren einige Sicherheitsfeatures durch Abwesenheit glänzen.

Wer auch hinten auf Seitenairbags nicht verzichten möchte, hat Pech gehabt, und die mittlerweile alles andere als exotische Technik der elektronischen Fahrstabilitätsregelung (ESP) kann nur Volvo bieten, und das auch nur gegen Aufpreis (1936 Mark). Selbst die Bremsen sind nichts, worauf die beiden schwedischen Hersteller stolz sein können. Die gemessenen Verzögerungswerte fallen bei beiden Kandidaten bescheiden aus und lassen bei hoher Beanspruchung noch deutlich nach.

Immerhin erreicht der Saab etwas bessere Werte als der Volvo. Qualitativ vermögen die Schweden die hohen Erwartungen weitgehend zu erfüllen. Unterschiede gibt es aber im subjektiven Eindruck, speziell was das Ambiente betrifft. Der Volvo-Innenraum entspricht ganz der Tradition der Marke und empfängt die Passagiere mit kühler Nüchternheit. Im Saab geht es wohnlicher zu, wobei es bezüglich der Funktionalität der Bedienungselemente in beiden Fällen kaum Beanstandungen gibt.

Bei den getesteten Ausführungen handelt es sich um die modellhierarchisch oben angesiedelten Sechszylindervarianten. Ungeachtet der Einverleibung der schwedischen Marken durch Weltkonzerne – Saab gehört zu General Motors und Volvo neuerdings zu Ford –, leisten sich beide die gebotenen technischen Eigenständigkeiten. So stammt der Dreiliter-V6 im Saab zwar im Prinzip von Opel, aber die 9-5-spezifische Version mit 200 PS geriet als schwach aufgeladener Softturbo letztlich doch zu einem typischen Saab- Triebwerk. Der S80 ist logischerweise vom Ford-Einfluss noch gänzlich unbefleckt, Volvo pur also. Seine technische Besonderheit ist die Motoranordnung: Einen quer eingebauten Reihensechszylinder gibt es sonst nirgends. Aus 2,9 Litern bezieht er in der aktuellen Version nur noch 200 PS statt vormals 204 PS, erfüllt nun aber im Gegensatz zum Saab die scharfe D4-Abgasnorm.

Was die übrigen Qualitäten betrifft, spricht aber fast alles für den Saab-V6.

Sein ausgesprochen bulliger Antritt bei niedrigen Drehzahlen sorgt für hohen Antriebskomfort und überlegene Fahrleistungen. Vom Turboloch ist fast nichts zu spüren, und die Viergangautomatik arbeitet diskret und effizient.

Im Testverbrauch unterbietet er den Volvo um einen Liter und begnügt sich mit 11,8 L/100 km. Die Vorzüge des Volvo-Motors beschränken sich auf die ausgezeichnete Laufkultur. Ansonsten enttäuscht er durch zähes Ansprechen und schlappen Durchzug, und auch die träge Viergangautomatik macht, wenn es pressiert, keine Freude. Dass gerade die dynamischen Fahrer im Volvo weniger auf ihre Kosten kommen als im Saab, liegt aber auch am Fahrwerk. Letzterer neigt zwar etwas stärker zum Untersteuern, wartet aber mit der präziseren Lenkung auf. Im Handling ist er dem Volvo klar über- legen. Aber auch als Komfortlimousine taugt der Saab mit seiner geschmeidiger ansprechenden Federung besser. Kurze Stöße verarbeitet sie erheblich subtiler als der zum Stuckern neigende Volvo, dessen polternde Vorderachse auch bei langsamer Fahrt den Komforteindruck vermiest.

Schwächen leistet sich der Saab nur beim Überfahren großer Unebenheiten, wo er sich etwas stärker aufschaukelt. Für den Volvo sprechen in puncto Komfort nur die bequemeren Sitze, die mehr Seitenhalt bieten, und das etwas dezentere Innengeräusch. Wer außerdem von gehobenem Ausstattungsluxus verwöhnt werden will, muss sich jedoch bei den aufpreispflichtigen Extras bedienen, denn im Vergleich zum Saab ist die Serienausstattung bescheiden. Andererseits kostet der Volvo auch deutlich weniger. Mit 65 911 Mark unterbietet er den Saab um mehr als 7000 Mark. Letzteren gibt es als 3.0t V6 ausschließlich in der SE-Variante, die kaum noch Wünsche offen lässt. Von der automatischen Klimaanlage (beim Volvo nur manuell) über das Audio- System mit CD-Spieler und den Geschwindigkeitsregler bis zu lederbezogenen Sitzen ist alles im Preis enthalten.

Die Mehrausgabe für den Saab ist also gut angelegt. Schließlich bietet er nicht allein die bessere Ausstattung. Er ist ganz einfach der bessere Schwede.

Fazit

1. Saab 9-5 3.0t V6 SE
595 Punkte

Er ist nicht nur für Liebhaber schwedischer Autos interessant, denn er verknüpft landestypischen Charakter mit Allroundqualitäten, die den Vergleich mit der deutschen Konkurrenz nicht zu scheuen brauchen und dem Volvo klar überlegen sind. Sein V6-Motor ist sparsam und kräftig. Auch in Fahrverhalten und Komfort leistet sich der Saab bis auf die fadingempfindlichen Bremsen keine gravierenden Schwächen.

2. Volvo S80 2.9
584 Punkte

Für den Volvo sprechen der niedrigere Preis und das großzügigere Raumangebot. Auch die Laufkultur des Sechszylindermotors beeindruckt, nicht jedoch dessen zähe Leistungsentfaltung und der vergleichsweise hohe Verbrauch. Auch die Qualitäten des Fahrwerks erreichen nicht das Niveau des Saab, speziell was den Federungskomfort betrifft. Kritik verdienen, mehr noch als beim Saab, die Bremsen.

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Technische Daten
Volvo S80 2.9 Saab 9-5 3.0t V6 SE
Grundpreis 35.200 € 39.012 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4822 x 1832 x 1434 mm 4805 x 1792 x 1449 mm
KofferraumvolumenVDA 440 bis 1106 l 500 l
Hubraum / Motor 2922 cm³ / 6-Zylinder 2962 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 6000 U/min 147 kW / 200 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h 235 km/h
0-100 km/h 9,6 s 9,0 s
Verbrauch 10,2 l/100 km 11,0 l/100 km
Testverbrauch 12,8 l/100 km 14,1 l/100 km
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