Doppeltest VW Polo 1.2 gegen Opel Corsa 1.0

Drei Zylinder stellen immer häufiger den Einstieg in die Autowelt dar. Wie sich Opel Corsa 1.0 und VW Polo mit den Minimal-Aggregaten bewegen, klärt der Doppeltest der 58 und 55 PS starken Benziner.

Das Töchterlein macht nächstes Jahr Abi und der Papa hat ihr ein Auto versprochen – ein vernünftiges. Damit hat die Schülerin kein Problem, ihre Favoriten sind schon heute der Opel Corsa 1.0 und der VW Polo.

Der 58 PS starke Corsa Fresh würde das Konto vom Herrn Papa mit 11 620 Euro belasten, der Polo mit 55 PS kostet in der Trendline-Variante 12 000 Euro. Viel billiger geht es bei Opel und VW nicht mehr, und auch auf der Motoren-Skala halten sich die Kandidaten ganz unten auf: Bei-
de begnügen sich mit drei Zylindern.
Dreizylinder sind wieder im Kommen, obwohl die
Physik eigentlich gegen sie spricht: Sie haben mit freien Massenmomenten zu kämpfen und schlingern um die Hochachse, während sie außerdem um die Querachse galoppieren. Aber es gibt Gegenmittel: Geringe Zylinder-Bohrungs-Abstände, elastische Aufhängungen und Gegengewichte an der Kurbelwelle können die Vibrationen bändigen.
Also Rock’n’Roll im Bug, oder haben die Ingenieure die kleinen Rüttler wirklich ruhig gestellt? Tatsächlich erweisen sich die beiden Aggregate als erstaunlich kultiviert. Leichte Schwingungen machen über die Pedalerie und das Lenkrad auf die ungerade Zylinderzahl aufmerksam.
Die zarte Massage wird von einer nicht unangenehmen Geräuschkulisse untermalt. Der Corsa lässt mechanische Geräusche mit leicht kernigem Unterton hören und klingt wie ein Sportmotor, der in der Tiefgarage läuft, während die Zuhörer auf der Terrasse sitzen. Der Polo mit einem
Kölschglas mehr Hubraum grummelt eine Spur basslastiger als der Opel. Sein Ton klingt so sympathisch wie ein in großer Höhe vorbeiziehender Flugzeug-Oldtimer.
Von der Kraft eines Flugzeugmotors ist der VW-Dreier aber weiter entfernt als der Mond von der Erde. Im Antritt spielt der kleine VW noch gut mit, kommt flott von der Ampel weg und gibt sich mit Hilfe des exakten Getriebes in der Stadt keine Blöße. Hier ist er eine echte Alternative zu Vierzylinder-Modellen. Lässt er aber das Ortsausgangsschild hinter sich, macht sich ein Mangel an Durchzugskraft bemerkbar. Wer zügig unterwegs sein will, muss den Motor drehen. So steigt natürlich auch der Verbrauch.

Der Corsa hat zwar der Papierform nach noch weniger Drehmoment zu bieten als der VW, wiegt aber zwei Zentner weniger. Und er ist kürzer übersetzt, was der Durchzugskraft zugute kommt. Selbstverständlich reißt er beim Beschleunigen auch keine Bäume aus, wirkt aber besser motorisiert, und sparsamer ist er außerdem.

Einen Überholvorgang auf der Autobahn schließen beide vergleichbar träge ab. Die Schnellstraße offenbart jedoch Qualitäten, die den kleinen Autos auf den ersten Blick nicht zuzutrauen sind. Sie federn erfreulich gut. Keiner von beiden stuckert auf Querfugen unangenehm oder lässt sich von langen Wellen beeindrucken. Der VW hat in diesem Kapitel allerdings die Nase vorn. Seine straffere Abstimmung – die dem Komfort keinen Abbruch tut – lässt ihn satter auf der Straße liegen. Auch rasches Drehen am Lenkrad bringt den Aufbau kaum aus der Ruhe. Der Polo wirkt in dieser Beziehung sehr erwachsen.
Die weichere Abstimmung lässt den Opel in ähnlichen Situationen etwas schaukeln, Wechselkurven bringen viel Bewegung in die Karosserie. Im Fahrwerk scheint eine Menge Gummi zu stecken. Seine um die Mittellage gefühllose elektrische Servolenkung vermittelt darüber hinaus nicht so ein gutes Gespür für die Fahrbahn wie das VW-System. Dessen größere Exaktheit sorgt sogar für einen Anflug von Fahrspaß.
Wenn einmal zu schnell in eine Kurve hineingestochen wird, verhalten sich die Kleinen harmlos. Beide sind brave Untersteuerer: der Corsa, nur ohne ESP lieferbar, etwas stärker als der Polo, für den die elektronische Stabilitätskontrolle 385 Euro extra kostet.

Ansonsten ist die Sicherheitsausstattung vergleichbar. Sidebags sind Serie, seitliche Kopfairbags und die dritte Kopfstütze im Fond sind nur gegen Aufpreis lieferbar. Aber Isofix-Kindersitz-Befestigungen gehören zum Standard. Der Corsa leistet sich im Sicherheitskapitel mit seiner fadingempfindlichen Bremse jedoch eine Schwäche.

Um die Praktikabilität steht es dagegen bei beiden nicht zum Besten. Bei Opel gehört erst ab der Version Fresh die teilbare Rückbanklehne zur Ausstattung. Bei VW kostet sie noch beim Polo Trendline 210 Euro extra. Einen ebenen Kofferraum gibt es mit umgelegter Rückbank bei beiden nicht. Niedrige Ladekanten entschädigen nur zum Teil für dieses Manko.

Kleinwagen und unbehagliche Enge gehören heute nicht mehr zwingend zusammen. Der VW bietet neben viel Platz vorn auch noch langstreckentaugliches Gestühl mit gutem Seitenhalt. Im Corsa sitzt man nur gering-

fügig schlechter, stößt aber leicht mit den Schuhspitzen im knappen Fahrerfußraum

an. Im Fond bietet der Opel mehr Kopffreiheit, aber auch die kürzere Sitzfläche und schlechter ausgeformte Lehne.

Traurig ist es um das Kapitel Serienausstattung bestellt. Beim Polo ist lediglich das Schiebedach erwähnenswert, beim Corsa nur die Zentralverriegelung. Gegen Aufpreis gibt es jedoch fast alles. Auch eine Klimaanlage, die das Töchterlein auf jeden Fall will. Sie wird sie wohl für den Polo ordern. Der ist zwar etwas schlapp, aber insgesamt das erwachsenere Auto.

Fazit

1. Opel - Corsa 1.0 - 44953
484 Punkte

2. Opel Corsa: Viele Kleinwagen mit Minimal-Motorisierung der Vergangenheit umgab eine Aura der Dürftigkeit. Beim Corsa mit Dreizylinder ist davon nichts zu spüren. Feinschliff an Fahrwerk und Bremsen würden ihn zum Sieger machen.

2. VW Polo
487 Punkte

Der Kleinwagenklasse ist der Polo mittlerweile beinahe entwachsen. Trotzdem gewinnt er den Doppeltest nur sehr knapp. Denn der Dreizylinder ist nur eine ausreichende und keinesfalls die Ideal-Motorisierung.

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Technische Daten
Opel Corsa 1.0 Njoy VW Polo 1.2 Trendline
Grundpreis 11.995 € 12.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3817 x 1646 x 1440 mm 3897 x 1650 x 1465 mm
KofferraumvolumenVDA 260 bis 1060 l 270 bis 1030 l
Hubraum / Motor 973 cm³ / 3-Zylinder 1198 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 43 kW / 58 PS bei 5600 U/min 40 kW / 55 PS bei 4750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h 152 km/h
0-100 km/h 17,9 s 20,5 s
Verbrauch 5,6 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 6,6 l/100 km 7,9 l/100 km
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