Drei D

Diesel und Kleinwagen – seit den Tagen des Ur-Golf ist daraus Normalität geworden. Sparsame und kultivierte Motoren machen das Angebot inzwischen verlockend. Ford Fiesta 1.8 DI, Peugeot 206 HDI und VW Polo TDI ringen um die Krone – mit Temperament und Effizienz.

Drei Turbodiesel, drei technische Ansätze. Der Peugeot 206 HDI ist der einzige Vertreter des Vergleichstrios mit einem Common-Rail-Diesel – sein Motor steht also für jene Technik, die einen wesentlichen Beitrag zur Kultiviertheit und Sparsamkeit moderner Selbstzünder leistete. Verglichen damit wirkt die gemeine Verteilerpumpe des Ford Fiesta etwas antiquiert. Das Pumpe-Düse-Prinzip des Polo TDI hingegen – die bis 2000 bar betragenden Drücke werden mechanisch über die Nockenwelle erzeugt – wird eigenwillig nur von den Technikern des VW-Konzerns gepflegt. Doch damit nicht genug der Seltsamkeiten. Die Wolfsburger vertrauen bei ihrem jüngsten Selbstzünder in der erwachsen gewordenen A-Null-Klasse auf nur drei Zylindereinheiten und begnügen sich mit dem kleinsten Hubraum. Während die Vierzylinder von Ford und Peugeot 1,8 Liter respektive zwei Liter für ihre 75 und 90 PS aufbieten, holt der Pumpe-Düse-Dreizylinder seine 75 Pferdestärken aus 1,4 Liter Hubraum. Small is beautiful, das zeigt ein vergleichender Blick in die Datenblätter: Im maximalen Drehmoment, nämlich imposanten 195 Newtonmetern, übertrifft der VW-Dreizylinder den Ford mit seinen 140 Nm bei weitem und bleibt nur knapp unter dem Paradewert (205 Nm) des zwei Liter großen Peugeot-Aggregats.

Auf der Autobahn, wo mit allen drei Turbodieseln eine zügige Gangart möglich ist, tritt der VW-Motor akustisch völlig in den Hintergrund. Besonders kultiviert benimmt sich der Peugeot, akustisch am auffälligsten bleibt immer der Ford. Aber auch mit dem Fiesta lässt sich reisen, auch er zeigt ein Temperament, das man einem Diesel noch vor wenigen Jahren nicht zugetraut hätte. 13,9 Sekunden von null auf 100 km/h sind nicht schlecht, der Polo schafft den Paradewert in 13,2 Sekunden, und der muskulöse Peugeot legt mit 12,4 Sekunden noch ein Brikett nach. Und weil die drehmomentstarken Triebwerke zudem eine entspannte Gangart erlauben, kann sich der gut gemachte Turbodiesel längst auch im emotionalen Bereich behaupten.

An der Tankstelle erwartet man ohnehin gute Taten: Am meisten, aber absolut eben auch nicht viel, verbraucht der Fiesta (Testmittel 6,5 L/100 km), der Peugeot kommt mit 5,9 Liter aus, der VW mit 5,7 Liter. Richtig beeindruckend sind aber die im Test erzielten Minimalwerte pro 100 Kilometer: 4,3 Liter (Ford), 4,2 Liter (Peugeot), 3,9 Liter (VW) – das sind respektable Werte für so schnelle Autos, die vollgetankt etwas über 1100 Kilogramm wiegen.

Obwohl er im Motorenkapitel nicht ganz mithalten kann, macht auch der Fiesta Appetit auf größere Exkursionen. Beim Federungskomfort gibt er eine gute Figur ab, ohne sich aber vom sehr gut abgestimmten Polo und vom in beladenem Zustand komfortableren Peugeot absetzen zu können. Der französische Diesel versetzt seine Passagiere vor allem auf Beton-Autobahnen in leichte Vertikalbewegungen – das traditionelle französische Komfortplus sucht man hier vergebens. Dass der Polo die Komfortwertung gewinnt, liegt jedoch nicht nur an der Ausgewogenheit seiner Federung, sondern auch an den guten Sitzen und der mit Abstand besten Sitzposition.

Rang eins sichert sich der VW auch im Kapitel Fahreigenschaften: Er fährt sich am präzisesten, seine Servolenkung ist die exakteste, hinzu kommen die wirksamen Bremsen. Von solcher Exaktheit und Gutmütigkeit sind Fiesta und 206 ein Stück entfernt – am meisten der Peugeot, der sich beim plötzlichen Gaswegnehmen immer noch spürbare Lastwechsel-Reaktionen erlaubt. Der Fiesta neigt zum starken Untersteuern im Grenzbereich, zeigt aber – wie der Polo – gute Lenkpräzision. Auch hier gerät der Peugeot etwas ins Hintertreffen. Um die Mittellage spricht seine Lenkung träge an und macht den 206 unhandlicher als eigentlich nötig.

Immerhin, beim Innenraumangebot übertrifft der 206 zumindest den Fiesta deutlich, der vorne wie hinten am knappsten geschnitten ist – ein prinzipieller Nachteil, an dem die diversen Facelifts nichts ändern konnten. Beim Kofferraum-Volumen herrscht mit jeweils rund 250 Litern aber praktisch Gleichstand. Und in Sachen Serienausstattung markiert der Ford in Futura-Version ein Maximum, das nicht nur Leichtmetallräder und Radio enthält, sondern sogar eine Klimaanlage. Karge Kost hingegen bei VW: Bessere Zutaten kosten beim teuersten Auto in diesem Vergleich Aufpreis.

Das ändert nichts daran, dass der Polo TDI der Klassenprimus ist. Sparsamkeit, Temperament, exzellente Fahreigenschaften und guter Komfort lassen den Polo mit der krummen Zylinderzahl an die Spitze fahren.

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Technische Daten
Peugeot 206 2.0 HDI Style Ford Fiesta 1.8 DI Futura VW Polo 1.4 TDI Comfortline
Grundpreis 15.255 € 14.418 € 16.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3822 x 1673 x 1435 mm 3833 x 1634 x 1334 mm 3743 x 1632 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA 245 bis 1130 l 250 bis 930 l 245 bis 975 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1753 cm³ / 4-Zylinder 1422 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 168 km/h 170 km/h
0-100 km/h 12,4 s 13,9 s 13,2 s
Verbrauch 5,0 l/100 km 5,0 l/100 km 4,4 l/100 km
Testverbrauch 5,9 l/100 km 6,5 l/100 km 5,7 l/100 km
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