Drei Kompaktvans

Platz an der Sonne

Foto: Hans-Dieter Seufert 41 Bilder

Der neue Mercedes B 200 CDI trifft auf die etablierten Platzhalter in der Kompaktvan-Klasse: Renault Scénic 1.9 dCi und VW Touran 2.0 TDI. Ist der Neue wirklich ein Raumwunder mit Sternchen oder nur eine Sternschnuppe?

Mit englischen Vokabeln ist das so eine Sache. Wenn die Kids in ihren Slang cool, phat, hip und funky einbauen, versteht noch jeder, was gemeint ist. Aber wenn Marketing- Menschen einen Compact Sports Tourer erfinden, führt dieser Begriff böse in die Irre. Denn hier wird nur scheinbar ganz exakt eine Autogattung beschrieben. Schließlich ist ein Tourer traditionell ein viertüriges Cabrio.

Aber nicht in diesem Fall: Mercedes verwendet diese Bezeichnung für die B-Klasse. Die hat mit einem Tourer aber nichts gemein, sondern sie gehört zu den beliebten Kompaktvans und zielt damit in die Klasse von Renault Scénic und VW Touran. In diesem Vergleich tritt der B 200 CDI mit 140 PS und Sportpaket für 28 640 Euro gegen die Bestseller von Renault und VW an.

Beide Konkurrenten haben vom Start weg einen großen Bonus, denn sie sind erheblich günstiger. Ein Scénic 1.9 dCi Dynamique mit 120 PS ist derzeit für 23 650 Euro zu haben, der 140 PS starke Touran 2.0 TDI Trendline wird für 25 125 Euro angeboten. Günstiger als der Mercedes, aber immer noch stolze Summen für junge Familien.

Viel sagen die Grundpreise zunächst nicht, erst ein Blick auf die Standard-Ausstattung zeigt, wie teuer die Konkurrenten wirklich sind, wenn sie mit dem notwendigen Zubehör ausgerüstet werden.

Beispiel Variabilität: Während die hinteren, vielfach verschieb- und verstellbaren Einzelsitze im Renault und VW zur Serie gehören, müssen die komplett herausnehmbaren Rücksitze bei der B-Klasse mit 290 Euro extra bezahlt werden.

Wer einen DVD-Spieler möchte, um die Hinterbänkler ruhig zu stellen, muss seinen Mercedes gar im freien Handel nachrüsten lassen, bei der Konkurrenz gibt es Unterhaltungspakete im Werkszubehör.

Allerdings ist beim Touran die Klimaanlage 1100 Euro teuer, eine Ausgabe, die sich Mercedes- und Renault-Kunden sparen können. Dafür ist der Scénic nicht mit Automatik zu haben, eine Option, die Mercedes (1375 Euro) und VW (1705 Euro) im Programm führen.

Wer sein Umweltgewissen beruhigen und einen Partikelfilter kaufen möchte, bekommt den momentan nur für die B-Klasse (545 Euro). Renault übernimmt den Rußsammler ab Juli in die Serienausstattung, VW dagegen ziert sich voraussichtlich noch bis Herbst.

Ob der Filter dann Aufpreis kostet, ist noch nicht entschieden. Nun ist beim Vankauf allerdings meist nicht entscheidend, was hinten rauskommt, sondern was reingeht.

Da schlägt die Stunde des Touran, denn sein Kofferraum und seine maximale Zuladung lassen das Herz eines jeden Nebenerwerb-Spediteurs freudig höher schlagen. Besonders der Mercedes enttäuscht in diesem Punkt mit mickriger Zuladung und einem maximalen Gepäckvolumen, das einen Drittel-Kubikmeter kleiner ist als das des VW.

Der Scénic verfügt zwar ebenfalls über ein beeindruckend großes Maximal-Ladevolumen, dafür geizt er mit Gepäckraum, wenn alle Plätze belegt sind. Hinten sitzt man in ihm dann vergleichsweise beengt, weil das Dach stärker eingezogen ist als bei den Konkurrenten. Allerdings kann der Scénic wie der VW, durch Entfernen des Mittelsitzes mit wenigen Handgriffen zum Viersitzer umgerüstet werden. Dann stimmt zwar das Platzangebot, die schmalen Einzelsitze sind aber auch in dieser Konfiguration nicht ideal.

Selbst beim VW kommt in der zweiten Reihe keine echte Gemütlichkeit auf, weil die Sitzflächen, scheinbar nach vorn geneigt, kaum Oberschenkel- Auflagefläche bieten.

Allein in der B-Klasse sind lange Strecken für Erwachsene im Fond bequem. Hier stört auch die flache Sitzposition, bedingt durch den von der A-Klasse geerbten doppelten Fahrzeugboden, viel weniger als in der ersten Reihe. Mit den niedrigen Vordersitzen der B-Klasse kann sich allerdings längst nicht jeder Fahrer anfreunden. Ebenso problematisch ist der Scénic in der ersten Reihe. Nur wer gern aufrecht vor einem flach stehenden Lenkrad sitzt, wird hier glücklich, allein im Touran nimmt man wie in einer Limousine Platz – mit dem entsprechenden Komfort.

Von dem hat der straff gefederte VW ohnehin erfreulich viel zu bieten.

Allerdings muss man sich, besonders mit wenig Last an Bord, mit einer hölzern ansprechenden Federung arrangieren können. Auch der Zweiliter- TDI überzeugt eher mit guter Durchzugskraft als mit gepflegten Manieren.

Er erinnert an einen Fußballfan: laut und durstig. Der Renault-Vierzylinder ist das Gegenteil in diesem Vergleich, weil er weniger Diesel konsumiert, geschmeidig läuft, aber auch etwas schlapp agiert. Kräftig gefordert wirken auch die Dämpfer, wenn die Straße nicht völlig eben ist. Dann beginnt der weich gefederte Renault kräftig zu schaukeln, und kommt noch eine Kurve in den Weg, setzen sogar noch Torkelbewegungen ein.

Dabei kann der Eindruck entstehen, der Scénic wäre weniger fahrsicher als die Konkurrenz, aber die Unterschiede sind gering, denn bei allen ist ESP serienmäßig. Der Mercedes bietet den besten Kompromiss. Sein Motor läuft vergleichsweise kultiviert und zieht dabei kräftig. Das Fahrwerk ist straff, es erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten, auch weil die Lenkung zielgenau arbeitet.

Der Komfort bleibt nicht auf der Strecke, beladen wird er sogar besser. Allerdings ist das Handling des Touran noch etwas agiler, für eine elektrische Servolenkung funktioniert sein Aggregat beispielhaft. Beim Rangieren kommen der kleine Wendekreis und die bessere Übersichtlichkeit voll zum Tragen.

Die Lenkung des Renault dagegen wirkt weitgehend gefühllos, macht allenfalls beim Einparken durch ihre Leichtgängigkeit positiv auf sich aufmerksam. Im Bremsenkapitel hat die B-Klasse die Nase vorn, mit einer Ausnahme: dem Anhalteweg auf unterschiedlich griffigem Belag, μ-split-Bremsweg genannt. Hier steht der Scénic als erster, allerdings muss er aktiv am Ausbrechen aus der Spur gehindert werden.

Kleine Korrekturen auch bei B-Klasse und Touran, ihre Spurstabilität ist jedoch hier besser. Kritik verdient der VW für seinen erheblichen Bremsweg.

Am Schluss ein weiterer Blick auf die Kosten. Wie erwähnt, ist die B-Klasse in der Anschaffung teuer, aber nicht nur dort: Wartung, Reparaturund Festkosten liegen ebenfalls über denen der Konkurrenten.

Dazu kommt, dass Extras aus der Preisliste tendenziell teurer sind. Dort steht heute noch der sehr empfehlenswerte Partikelfilter, der ab Sommer Serie sein wird. Man sollte ihn jetzt unbedingt ordern, denn er dürfte sich beim Wiederverkauf auf der Haben-Seite verrechnen lassen. Einen neuen Klassenprimus hat Mercedes mit der Modellreihe B nicht geschaffen. Aber Touran, Scénic und Co. haben einen sehr konkurrenzfähigen Mitschüler bekommen.

Der ist zwar nicht der beste Van, aber dafür der beste kompakte Mercedes aller Zeiten.

Fazit

1. VW Touran 2.0 TDI
511 Punkte

Der geräumige VW kann viel Gepäck schlucken, ist variabel und außerdem erstaunlich fahraktiv. Der Motor ist jedoch wenig kultiviert, und ein Partikelfilter fehlt.

2. Mercedes B 200 CDI
500 Punkte

Der Newcomer ist ein fahrsicherer, aber auch teurer Kompaktwagen. In den typischen Vankriterien (Variabilität, Zuladung) wird er klar vom Touran geschlagen.

3. Renault Scénic 1.9 dCi
477 Punkte

Der Scénic verliert viele Punkte wegen seiner Lenkung, dem unterdämpften Fahrwerk und den Fahreigenschaften. Ausstattung und Laufkultur sind gut.

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Technische Daten
Mercedes B 200 CDI VW Touran 2.0 TDI Trendline Renault Scénic 1.9 dCi Dynamique
Grundpreis 30.405 € 25.700 € 23.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4270 x 1777 x 1604 mm 4391 x 1794 x 1635 mm 4259 x 1810 x 1620 mm
KofferraumvolumenVDA 544 bis 1645 l 695 bis 1989 l 430 bis 1840 l
Hubraum / Motor 1991 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4200 U/min 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min 88 kW / 120 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 200 km/h 188 km/h
0-100 km/h 9,9 s 10,5 s 11,1 s
Verbrauch 5,6 l/100 km 6,1 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,7 l/100 km 8,2 l/100 km 7,6 l/100 km
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