Drei mal Mittelklasse von VW

Haus-Konzert

Foto: Hans-Dieter Seufert 41 Bilder

In der Mittelklasse bietet der Volkswagen-Konzern reizvolle Alternativen. Gegen den neuen VW Passat 1.6 FSI treten der Audi A4 1.6 und der deutlich preisgünstigere Skoda Octavia 1.6 FSI an.

Die hergebrachte Mittelklasse ist in die bessere Gesellschaft aufgestiegen. Der neue VW Passat hat an Umfang derart zugelegt, dass er jetzt beinahe die Maße einer Mercedes E-Klasse erreicht. Auch der Preis hat mittlerweile Premium-Charakter: 24 070 Euro für die getestete Comfortline-Version mit dem direkt einspritzenden und 115 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder.

Damit liegt der VW auf dem gleichen Niveau wie der Audi A4, der noch den alten Zweiventil-Vierzylinder mit konventioneller Einspritzung und 102 Pferdestärken besitzt. Mit weniger Radstand und kürzerer Karosserie präsentiert er sich allerdings deutlich kompakter als der VW. Es geht auch billiger.

Der Skoda Octavia steht mit knapp über 21 000 Euro in der Preisliste. Er basiert auf der Bodengruppe des Golf und bietet somit noch weniger Radstand als der Audi, was den Einwand nahe legt, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Aber in den Abmessungen seiner Karosserie gibt es nur geringfügige Unterschiede zum Audi. Eine Klasse tiefer einzusteigen, bedeutet also nicht unbedingt Verzicht.

Das Raumangebot des Skoda ist kaum schlechter als das des Audi, der Beinraum vor den Rücksitzen sogar etwas größer. Allein die geringere Innenbreite macht sich bemerkbar, was aber keine große Rolle spielt, weil auch der Audi die Rolle des Fünfsitzers nur unzulänglich zu spielen vermag. Das Kofferraumvolumen des Skoda übertrifft das Audi-Niveau bei weitem und erreicht das VW-Gardemaß, wobei der Octavia noch den Vorteil einer großen Heckklappe aufweist und damit für den Transport sehr sperriger Gegenstände am besten geeignet ist.

Ein wahrhaft luxuriöses Maß an Bewegungsfreiheit darf der Käufer des Passat erwarten. Schon auf den beiden vorderen Plätzen ist das Raumgefühl weit besser als bei den Konkurrenten. Und im Fond bleibt auch bei weit zurückgeschobenen Frontsitzen soviel Abstand zur Rückbank, dass man bequem die Beine strecken kann. Das genügt schon, um im Karosseriekapitel die Nase vorn zu haben.

Aber der Abstand zum zweitplatzierten Skoda fällt bemerkenswert gering aus. Denn der glänzt mit der bei weitem besten Serienausstattung. Um nur einige Beispiele zu nennen: Regensensor, Lichtautomatik, Sitzheizung vorn sowie CD-Radio und Alu-Räder sind bei der Elegance-Variante an Bord. Bei VW und Audi muss das meiste extra bezahlt werden. Beim Passat gilt das sogar für die Klima-Automatik, die bei Skoda und Audi zum serienmäßigen Lieferumfang gehört.

Auch der Qualitätseindruck, den der Skoda macht, kann sich sehen lassen. Beim VW und erst recht beim Audi wirkt das Interieur zwar noch eine Spur hochwertiger, aber die Detailverarbeitung und Steifigkeit der Karossen zeigen, dass sich die Standards im Hause VW nicht nennenswert voneinander unterscheiden.

Das Gleiche gilt für die Funktionalität des Designs. Die Bedienung folgt weitgehend dem gleichen Schema und gibt keine Rätsel auf. Die Differenzen sind insgesamt gering. Audi und Skoda sind dem voluminösen VW in puncto Übersichtlichkeit überlegen, der Audi besitzt die am klarsten gezeichneten Rundinstrumente.

Das verspricht ein knappes Kopf-an-Kopf- Rennen zu werden, zumal auch das Fahrverhalten bei allen dreien von jener Gutmütigkeit ist, die man bei zeitgenössischen Fronttrieblern voraussetzen darf. Hauptsächlich die Bremsen sorgen für Differenzierung. VW und Audi ermöglichen kürzere Bremswege als der Skoda und zeigen unter den erschwerten Bedingungen des Bremsentests auf unterschiedlich griffigem Untergrund (μ- split) eine harmonischere Abstimmung als der Octavia, der zwar eine ausgezeichnete Spurtreue aufweist, dies aber mit einem zu langen Bremsweg erkauft.

Ansonsten keine Auffälligkeiten: Alle Konkurrenten verhalten sich auch in Grenzsituationen extrem gutmütig, wobei die serienmäßigen ESP-Systeme durch ihren sehr weichen und exakten Eingriff positiv auffallen. Der Audi zeigt den sportlichsten Charakter. Seine konventionell hydraulische Servolenkung arbeitet noch exakter als die elektro-mechanischen Systeme von VW und Skoda. Zusammen mit den geringen Karosseriebewegungen sorgt dies für ein höchst leichtfüßig wirkendes, präzises Handling.

Der VW wirkt schon aufgrund seiner Größe etwas schwerfälliger, der Skoda liegt in der Mitte. Er bietet einen sehr gut gelungenen Kompromiss aus fahrdynamischen Qualitäten und ausgewogenem Federungskomfort. Audi und VW liefern da ein klares Kontrastprogramm. Beim Audi geht die Fahrwerksdynamik klar auf Kosten des Komforts. Seine Federung ist spürbar straffer abgestimmt als die seiner Konkurrenten und verursacht ständige Stuckerbewegungen der Vorderachse, die in erster Linie den Reisekomfort auf der Autobahn spürbar mindern.

Wer, angesichts der heutigen Verkehrssituation durchaus naheliegend, dem Komfort höchste Priorität einräumt, kommt am Passat nicht vorbei. Der ist in diesem Trio eine Klasse für sich. Fahrbahn-Unebenheiten schluckt er noch erheblich geschmeidiger als der Skoda, selbst auf sehr schlechten Straßen kommt es nicht zu unangenehmen Vertikalbewegungen der Karosserie.

Diesen klaren Vorsprung des VW bekommen vor allem die Fondpassagiere zu spüren, wobei der gute Eindruck noch dadurch unterstrichen wird, dass die Rücksitzbank am besten geformt und gepolstert ist. Auch die Frontsitze des Passat verdienen eindeutig die beste Punktebewertung. Das Innengeräusch als wichtiges Komfortmerkmal bestätigt die Spitzenstellung des VW.

Die Messwerte lassen das nicht erkennen, weil sie bei gleichmäßigem Tempo, geringer Motorlast also, ermittelt werden. Erst beim Gasgeben und Hochdrehen zeigt sich, dass das Arbeitsgeräusch des Passat-Triebwerks am besten gedämmt ist. Der sechste Gang, über den er als Einziger verfügt, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Das Drehzahlniveau liegt auf dem gleichen Level wie beim Skoda im fünften Gang. Keine Schongangcharakteristik mithin, was der Durchzugskraft bei schaltfauler Fahrweise dient. Der Vorteil des Sechsganggetriebes beschränkt sich auf die kleineren Gangsprünge. Es bedeutet insgesamt auch mehr Schaltarbeit, die aber angesichts der sehr präzisen Schaltung eher ein Vergnügen darstellt.

Der Motor des Passat wirkt am geschmeidigsten, er brummt bei hohen Drehzahlen weniger als das baugleiche Aggregat im Skoda. In den Fahrleistungen herrscht nahezu Gleichstand, aber im Verbrauch hat der leichtere Skoda die Nase vorn. Er unterbietet den VW deutlich, wobei es bei beiden teurer Super- Plus-Sprit sein sollte. Der technisch ältere Audi-Motor ist mit Super zufrieden, aber mehr Gutes kann über ihn nicht gesagt werden.

Er liefert klar schlechtere Fahrleistungen, sein Ansprechverhalten ist vergleichsweise zäh, das Brummen bei hohen Drehzahlen geht auf die Nerven. Im Motorkapitel büßt der Audi so viele Punkte ein, dass er in der Endabrechnung auf dem dritten Platz hinter dem Skoda landet. Der Skoda schlägt sich wacker, auch gegenüber dem VW.

In der Eigenschaftswertung rammt der zwar die Pflöcke ein, aber durch den günstigen Preis holt der Skoda wieder ein gutes Stück auf. Manchmal macht es also durchaus Sinn, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Fazit

1. VW Passat 1.6 FSI Comfortline
490 Punkte

Das überdurchschnittliche Platzangebot, der ausgezeichnete Federungskomfort und der kultivierte Motor bringen den Passat direkt auf das Siegertreppchen.

2. Skoda Octavia 1.6 FSI Elegance
480 Punkte

Eine gute Passat-Alternative, wenn es auf das Raumangebot nicht ankommt. Umfangreiche Ausstattung, geringer Verbrauch sowie der Preis sprechen für ihn.

3. Audi A4 1.6
474 Punkte

Eine qualitative sehr hochwertige, sportlich orientierte Limousine. Entscheidende Minuspunkte: der dürftige Federungskomfort und der brummige, lahme Motor.

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Technische Daten
VW Passat 1.6 FSI Comfortline Skoda Octavia 1.6 FSI Elegance Audi A4 1.6
Grundpreis 25.500 € 22.390 € 24.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4765 x 1820 x 1472 mm 4572 x 1769 x 1462 mm 4586 x 1772 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA 565 l 560 bis 1430 l 460 bis 720 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1595 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min 75 kW / 102 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 198 km/h 190 km/h
0-100 km/h 11,5 s 11,2 s 13,1 s
Verbrauch 7,5 l/100 km 6,6 l/100 km 7,8 l/100 km
Testverbrauch 9,5 l/100 km 8,7 l/100 km 9,4 l/100 km
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