Druck zuck

Mit dem neuen BMW 330d wird eine gehörige Portion Öl ins Diesel-Feuer der Mittelklasse geschüttet.

Hohe Leistungsausbeute lag den Bayerischen Motorenwerkern schon immer am Herzen. Warum sollte sich das ändern, wenn es um Dieselmaschinen geht? Mit seiner spezifischen Leistung von knapp 63 PS und einem Drehmoment von 133 Newtonmetern pro Liter zählt der bereits im Fünfer und Siebener angebotene Sechszylinder-Diesel mit Direkteinspritzung zu den potentesten Exemplaren, welche die Diesel-Entwickler der Neuzeit hervorgebracht haben.

Da wäre es wirklich schade, wenn nicht auch die kleinste BMW-Baureihe von diesem Kraftprotz profitieren dürfte. Jetzt ist es so weit. Nach der IAA schickt BMW den 330 d ins Rennen um die Gunst der Diesel-Käufer. Mit drei Liter Hubraum, 184 PS Nennleistung und dem gewaltigen Drehmoment von 390 Newtonmetern zwischen 1750 und 3200 Touren markiert die neue Dreier- Variante die Spitze der Diesel- Rangliste in der Mittelklasse. Da kann zur Zeit weder Audi mit dem 2,5-Liter-V6 (150 PS) im A4 TDI noch Mercedes mithalten. Die Schwaben bieten als stärksten Selbstzünder in der C-Klasse den alten 2,5-Liter- Vorkammer-Diesel (150 PS) an. Der 330 d entpuppt sich sogar als ernst zu nehmender Konkurrent des mit 193 PS nur wenig stärkeren Topmodells 328i, dem er mit seinem stolzen Anschaffungspreis von 62 500 Mark (Differenz nur 400 Mark) Der wirkungsvoll gekapselte Sechszylinder-Direkteinspritzer begeistert mit ausgezeichnetem Temperament und sehr guter Laufkultur dicht auf den Fersen ist. Denn in den Fahrleistungen schafft der 330 d ein klassisches Patt. Bei der Beschleunigung aus dem Stand (auf Tempo 100 in 8,2 statt 7,6 s) und in der Spitzengeschwindigkeit (227 zu 240 km/h) muss er dem Benziner einen kleinen Vorsprung einräumen. Aber bei der im Alltagsbetrieb wichtigeren Elastizitätsprüfung hat er klar die Nase vorn: Im vierten Gang spurtet der 330 d in 6,9 Sekunden von 60 auf 100 km/h (328i: 8,2 s), und im fünften benötigt er lediglich 9,4 Sekunden (10,4 s) von Tempo 80 auf 120.

Das Geheimnis des großen Unterschiedes liegt in der Kraftentfaltung bei niedrigen Drehzahlen: Während der 2,8-Liter- Benziner sein höchstes Drehmoment (280 Nm) erst bei 3500/min erreicht, stemmt der Dreiliter-Turbodiesel schon bei 1750 Touren gewaltige 390 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Moderne Dieseltechnologie macht das möglich: Der Vierventil- Sechszylinder arbeitet mit elektronisch gesteuertem Common-Rail-System, das den Kraftstoff mit bis zu 1350 bar direkt in die Brennkammern spritzt.

Ein Lader mit variabler Turbinengeometrie und ausgeklügelte Einlasskanäle sorgen zusammen mit der Einspritzung für hohe Drücke sowie eine effiziente Verwirbelung des Kraftstoffs und damit für gute Gemischbildung – eine unabdingbare Voraussetzung für die hohe Kraftausbeute.

Die prägt den Charakter des 330 d und den Fahrstil des Piloten. Denn der Sechszylin- der liefert bereits ab knapp über 1500 Touren so vehementen Schub, dass sich die rechte Hand fast zwanghaft zum Schalthebel bewegt. Spätestens bei 3500/min rastet der nächste Gang des exakt und leichtgängig zu schaltenden Fünfganggetriebes ein, womit das faszinierende Spiel der Kräfte erneut beginnt.

Es funktioniert bei allen Geschwindigkeiten äußerst eindrucksvoll, weil der Selbstzünder sehr gut am Gas hängt. Das physikalisch bedingte leicht verzögerte Ansprechen des Turboladers wird kaum spürbar. Auch die bei hubraumstarken Dieseln häufiger bemängelte Anfahrschwäche ist zwar in milder Form vorhanden, tritt aber nicht als lästiger Störfaktor in Erscheinung. Ohnehin kann man dem bei Bedarf über 4500/min drehenden Triebwerk keine schlechten Manieren vorwerfen. Im Gegenteil: Es läuft in allen Bereichen sehr kultiviert, vibrations- arm und leise. Nur wahre Kenner unter den Mitfahrern identifizieren es als Diesel, zumal der Innengeräuschpegel den des 328i unterbietet.

Einzige Zugeständnisse an die Verbrennungsart: eine leichte Rauigkeit im untersten Bereich sowie das dezente Kaltstart-Nageln, das außen aber viel vernehmlicher klingt als innen. Die hohe Laufkultur ist unter anderem auf die Voreinspritzung, die das Common- Rail-System erlaubt, die gute Kapselung des Motors und den grundsätzlich sehr schwingungsarmen Lauf des Reihensechszylinders zurückzuführen.

Auch die von der Diesel-Elektronik gesteuerten, in der Steifigkeit variablen Hydrolager des Motors tragen zu dem vorzüglichen Ergebnis bei. Der Verbrauch ist ebenfalls lobenswert. Er betrug im Testbetrieb durchschnittlich 8,0 Liter, lässt sich aber durch den Verzicht auf hohe Drehzahlen und stetes Ausnutzen des vollen Schubes mühelos um einen Liter oder mehr unterbieten. Auch BMW könnte dazu einen Beitrag leisten: ein Sechsganggetriebe, das sich wegen des schmalen Drehzahlbandes geradezu aufdrängt und das bei einigen Konkurrenten längst zur Serienausrüstung gehört.

Außer dem Schriftzug sind 17-Zoll-Leichtmetallräder und nach unten mündende Auspuffrohre Merkmale des 330 d. Den neuen Schlüssel mit selbst aufladendem Akku und der im Vergleich zum Vorgänger beschämend geringen Reichweite der Fernentriegelung erhalten alle Dreier des neuen Modelljahrs. Ansonsten ist der 330 d ganz der bekannte Dreier – mit tadellosem Fahrverhalten und vorbildlichem Komfort. Wegen des um 50 Kilogramm höheren Motorgewichts federt er noch eine Spur besser als der 328i, reagiert aber andererseits auch etwas behäbiger auf Lenkbewegungen. Ein Diesel erster Güte, bei dem auch strikte Verfechter des Ottoprinzips schwach werden können.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot gute Verarbeitungsqualität funktionelle Bedienung gute Ausstattung
  • geringe Zuladung
Fahrkomfort
  • ausgezeichnete Federung guter Abrollkomfort bequeme Sitze niedriges Innengeräusch
Antrieb
  • bullige Motorcharakteristik sehr gute Fahrleistungen gute Laufkultur exakte und leichtgängige
  • schmaler Drehzahlbereich kein Sechsganggetriebe
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres Kurvenverhalten stabiler Geradeauslauf exakte Lenkung
  • etwas schwergängige Lenkung
Sicherheit
  • ausgezeichnete Bremsen Fahrer- und Beifahrer-Airbag Sidebags und Kopfbags vorne Gurtstraffer vorne
  • mittlerer Beckengurt hinten
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke FCKW-freie Klimaanlage niedrige CO2-Emission schadstoffarm nach Euro 3
Kosten
  • sehr günstiger Verbrauch lange Wartungsintervalle gutes Servicenetz
  • hoher Anschaffungspreis hohe Festkosten pro Jahr kurze Garantie (ein Jahr)

Fazit

Der bullige Direkteinspritzer-Diesel harmoniert ausgezeichnet mit dem Charakter der kompakten Limousine. Er garantiert hohe Fahrleistungen und verbraucht wenig Kraftstoff. Seine gute Laufruhe sichert diesem Dreier ein hohes Komfortniveau.

Technische Daten
BMW 330d
Grundpreis 32.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4471 x 1739 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 440 l
Hubraum / Motor 2926 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 135 kW / 184 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 227 km/h
0-100 km/h 8,2 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km
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