Eco-Anzeigen im Test

Sinnvolle Spritspar-Helfer?

Eco-Anzeige, Testwagen Foto: Arturo Rivas 50 Bilder

Eco-Anzeigen sollen beim Sparen helfen. Doch kann man sich wirklich nach ihnen richten - ohne zum Verkehrshindernis zu werden? Wir haben es beim Audi A6 2.0 TDI Ultra, dem BMW i8, dem Kia Soul EV, dem Lexus IS 300h und dem Opel Adam 1.0 ausprobiert.

Der Sinn einer Eco-Anzeige ist klar: Sie soll zum sparsamen Fahren anleiten. Einfach ausgedrückt, unterscheidet sie zwischen gutem und schlechtem Gasgeben. Blaue Balken oder grüne Bäumchen loben demnach alle, die mit möglichst wenig Kraftstoffverbrauch ans Ziel kommen. Wohingegen rotes Leuchten oder gar Darstellungen von verwelkten Pflanzen im Display Fehlverhalten tadeln. Doch ist es überhaupt möglich, der Eco-Anzeige durchwegs gerecht zu werden? Lässt sich im grünen Bereich wirklich jede Steigung bewältigen? Oder wird man zum rollenden Verkehrshindernis, das eine Karawane von Fluchenden hinter sich herzieht?

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Fünf Modelle quer durch verschiedene Antriebskonzepte

Dieser Frage geht auto motor und sport mit fünf Modellen quer durch verschiedene Antriebskonzepte nach. Ausgewählt haben wir BMW i8, Lexus IS 300h und Opel Adam 1.0, alle mit einer Eco-Anzeige, zusätzlich den Kia Soul EV als reines Elektroauto und den Audi A6 2.0 TDI mit ausschließlich konventioneller Verbrauchsanzeige. Letztere ist allerdings mittels eines mehr oder weniger stark ausschlagenden Balkens sehr plakativ gestaltet.

BMW, Lexus und Opel müssen nacheinander auf zwei Verbrauchsfahrten. Bei der ersten Runde kontrollieren die Fahrer ihren rechten Fuß sklavisch nach den Vorgaben der Eco-Anzeige. Auf der Vergleichstour gelten dann die vorgegebenen Regeln zur Ermittlung des auto motor und sport-Minimalverbrauchs: Strikt einzuhalten sind Tempo 100 auf der Landstraße und 130 km/h auf der Autobahn, dazu dezentes Beschleunigen, vorausschauende Fahrweise, Mitschwimmen im Verkehr. Diese ams-Runde absolviert auch der Audi A6. Er verfügt über eine Balkenanzeige. Sie präsentiert Momentan- und Durchschnittsverbrauch. Sparsam fährt hier, wer versucht, seinen eigenen Durchschnitt zu unterbieten - das ist das Ziel der zweiten Runde.

Eco-Anzeige, Testwagen Foto: Arturo Rivas
Vom futuristischen Hybridsportwagen, über einen Elektro-Cross-Over bis hin zum hippen Lifestylewägelchen. Der Wille zum Spritsparen durch Eco- und Verbrauchsanzeigen vereint sie auf unserer Testrunde.

Kia Soul EV wird im Eco-Modus zum Verkehrshindernis

Der Kia Soul EV als Elektrofahrzeug soll dagegen zweimal über die sogenannte Elektrorunde von auto motor und sport surren - einmal nach den Vorgaben der Elektrorunde, das andere Mal unter der Vorgabe der Eco-Anzeige. Letzteres bleibt allerdings Wunschdenken: Der Soul EV schafft im Eco-Modus nicht einmal die erlaubten 80 km/h und muss die zweite Runde als Verkehrshindernis abbrechen.

Normalerweise arbeiten Eco-Anzeigen nach dem schlichten Gut-Böse-Prinzip: Gut verhält sich, wer den Zeiger im häufig blau dargestellten Eco-Bereich belässt und damit möglichst wenig verbraucht – Blau scheint sich als Farbe der automobilen Eco-Bewegung durchgesetzt zu haben. Wie man im blauen Bereich bleibt? Indem man das Gaspedal kaum belastet. Denn wenig Last heißt zunächst nicht nur wenig Vortrieb, sondern auch wenig Verbrauch.

Das Eco-Display ist also nichts anderes als eine Art Verbrauchsanzeige. Doch wie wird der momentane Verbrauch überhaupt ermittelt? Bei Verbrennungsmotoren etwa aus der Anzahl der Einspritzzyklen, dem Kraftstoffdruck und der -temperatur. Hieraus errechnet das Steuergerät den Verbrauch in Liter pro Stunde. Mit der aktuellen Geschwindigkeit als Abgleich ergibt sich ein Verbrauch in Litern pro 100 km.

Kia Soul EV, Eco-Anzeige, Infotainment Foto: Arturo Rivas
Der Eco-Modus im Kia Soul EV degradiert den Elektrowagen zum Stadtmobil. Mehr als 74 km/h sind dann nicht mehr möglich.

Eco-Anzeigen im Test

Fahrzeug
Audi A6 2.0 TDI ultra
BMW i8
Kia Soul EV
Lexus IS 300h
Opel Adam 1.0

Kein Vortrieb, kein Verbrauch

Je nach persönlicher Philosophie schränken die Hersteller das Beschleunigungsvermögen rigide ein. Alleine schon der extrem zurückgeschraubte Vortrieb lässt natürlich die Durchschnittsverbräuche sinken. Kaum Beschleunigung, kaum Verbrauch. Das gilt für alle Verbrenner. Der Preis: Sie sind praktisch in Schleichfahrt unterwegs - deutlich langsamer als auf der Verbrauchsrunde von auto motor und sport.

Oder anders ausgedrückt: Würden sich alle Autofahrer immer an ihre Eco-Anzeige halten, dann droht der Verkehr zusammenzubrechen. Schon jetzt sorgen schließlich Sonntagsfahrer und Angstschleicher für nicht gerade unerheblich lange Staus. Rigide und damit weltfremd ausgelegte Eco-Anzeigen sind nicht mehr als ein Feigenblatt, denn kein vernünftiger Mensch wird sich ständig daran halten. Doch sie zu übertreten, erzeugt bei den Sparwilligen Frust.

Die Auslegung der Eco-Anzeige ist entscheidend

Auch ohne wirklicher Eco-Anzeige lässt sich der Audi selbst während der Sparbemühungen noch recht normal bewegen und ist dabei mit einem Durchschnittsverbrauch von fünf Litern auf 100 Kilometer fast schon vorbildlich sparsam. Kia degradiert den Soul EV im Eco-Modus zum Stadtauto, BMW und Lexus machen aus ihren an sich schnellen Fahrzeugen Verkehrshindernisse (zu jedem Modell finden Sie Beschreibungen der Testfahrten in den Unterbeiträgen).

Einzig der Opel überzeugt wirklich. Mit ihm lässt es sich sparen und gleichzeitig zumindest im Verkehr mitrollen. Es ist ähnlich wie mit den Start-Stopp-Systemen: Die geschmeidigen werden tatsächlich genutzt, alle anderen meist abgestellt. Deshalb unser Appell an die Hersteller: Legt eure Sparhilfen so aus, dass man sie auch wirklich im Alltagsverkehr nutzen kann. Lesen Sie mehr zu den Eco-Anzeigen der getesteten Fahrzeuge in den Unterbeiträgen dieses Artikels.

Die Diskrepanz aus Erwartungshaltung und Erlebtem könnte kaum größer sein als beim i8. Da freuen sich die Zaungäste über den bevorstehenden Ampelstart – doch der Hybrid-Sportwagen setzt sich betont gemächlich in Bewegung. Die Eco-Anzeige erlaubt nur dezentes Anlegen des rechten Fußes und rügt augenblicklich jeglichen Vorwärtsdrang.

Etwaiges Anfahren am Berg sollte man so lange herauszögern, bis keiner von hinten auf das Verkehrshindernis in Sportwagenform auflaufen kann. Sonst droht selbst von Sonntagsfahrern unwirsches Hupen. An der Autobahnsteigung kann man schon mal ins Schwitzen kommen, wenn der Lkw aufläuft – oder liegt das jetzt an der im Eco-Modus eingeschränkten Leistung der Klimaanlage? Nur wenige Kunden dürften sich diesen Sportwagen kaufen, um ihn anschließend mit dem gefühlten Tempo eines Liegerades zu bewegen. Diese Auslegung des Eco-Modus ist unrealistisch.

Die Ampel wechselt auf Grün, also los. Der Balken der Verbrauchsanzeige schießt auf über 20 Liter/ 100 km hoch. Das kann ja heiter werden. Doch halb so wild: Hat es der A6 erst einmal auf rund 40 km/h geschafft, sinken die Momentanverbräuche drastisch. Dann lässt sich auch das Ziel in Angriff nehmen: den eigenen Durchschnittsverbrauch zu unterbieten. Ihn weist die Anzeige als Richtwert aus.

Beim typischen Großstadttempo von 50 km/h gelingt das Unterfangen sehr gut, jedes Anfahren dagegen schraubt den Verbrauch drastisch hoch. Vielleicht sollten das Verkehrsplaner von Städten wie Stuttgart einmal überdenken: Ihr politisch motiviertes Ampel-Ausbremsen lässt den CO2-Verbrauch drastisch in die Höhe schnellen. Erwischt der A6 2.0 TDI dagegen eine Grüne Welle, dann kommt er selbst in der Stadt mit erstaunlich wenig Diesel aus. Im eigentlichen Sinne hat der Audi keine Eco-Anzeige – doch der Ersatz funktioniert sehr gut.

Bei einem dreizylindrigen Kleinwagen wie dem Adam sind die Vorbehalte bezüglich eines Eco- Modus zunächst besonders groß. Doch immerhin stehen in diesem Opel 115 PS zur Verfügung – und sie schlagen sich alles andere als schlecht. Zunächst traut man der Balkenanzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser kaum, so viel Gas darf man geben. Deutlich mehr, als es die Eco-Fahrweise eigentlich erwarten lässt.

Anders ausgedrückt: Es gibt praktisch kaum Unterschied zum gemütlichen Fahren. Und so kommt man an der Ampel zügig vom Fleck, bleibt am Berg nicht hängen und wird selbst auf der Autobahn nicht zum angehupten Hindernis. Gewöhnungsbedürftig ist nur die Dosierung der Leistung: Sobald der Ladedruck des Turbos ansteigt, droht bereits der böse Bereich. Am besten hält man sich deshalb an die Schaltempfehlung, wechselt bereits bei knapp über 2000/min in den nächsthöheren Gang. Genau so muss das sein.

Sehr plakativ drückt der Kia Soul EV Sparerfolge seines Fahrers aus: Steht ein Baum in der Öko-Anzeige des Elektroautos in frischem Grün da, so ist das höchste Öko-Level erreicht. Wichtiger hier ist allerdings die Eco-Anzeige im Hauptinstrument: Grün (der Bereich heißt Eco-Guide) bedeutet gut. Weiß dagegen ist mit Power überschrieben und deshalb zu meiden. Wer das eigentliche Spaßpotenzial, also das hohe Anfahrdrehmoment nutzen will, fährt glühend weiß und saugt den Akku leer.

Hält man sich an die Eco-Anzeige, so reicht der Vortrieb nur für die Stadt. Aus theoretisch möglichen 145 werden nur noch praktische 74 km/h. Die ursprünglich geplante Fahrt nach Vorgabe der Eco-Anzeige mussten die Tester von auto motor und sport an einer Steigung auf der Bundesstraße abbrechen – der Soul EV zog bereits eine Karawane hinter sich her, während er weiterhin langsamer wurde. So weit darf Sparsamkeit dann doch nicht gehen.

Im Lexus IS300h befindet sich statt eines Drehzahlmessers links neben dem Tacho die Eco-Anzeige – immer. Der Hybridler stellt zusätzlich auf Wunsch im Mittendisplay den Energiefluss dar. Doch beim Zuteilen der Energie zeigt er sich knauserig – zumindest solange man der Eco-Anzeige gefallen möchte. Schon an Ampeln in der Ebene hat man den Eindruck, dass man viel Gewicht beschleunigen muss; der Mittelklassewagen setzt sich nur langsam in Bewegung.

Berge schleppt er sich geradezu hinauf – noch bedächtiger als der BMW. Nur auf der Geraden und mit viel Anlauf kommt man auf Tempo. Man sollte sehr vorausschauend fahren und sich viel Zeit nehmen. Auch die Hinterherfahrenden müssen dabei Geduld beweisen. Sparen bedeutet Verzichten – auf nennenswerten Vortrieb. Immerhin deckt der blaue Bereich einen verhältnismäßig großen Geschwindigkeitsbereich ab, ist theoretisch auch auf der Autobahn nutzbar.

Fazit

Die Eco-Idee nicht ad absurdum führen

Am wenigsten verbraucht ein Auto, wenn es gar nicht fährt. So platt, so richtig. Diese Erkenntnis bringt nur wenig – ebenso wenig wie eine Eco-Anzeige, die nur knapp mehr als Stillstand erlaubt; so fährt kein normaler Mensch. Ein Display hilft dann beim Sparen, wenn der zulässige Bereich ausreichendes Beschleunigen in der Stadt, über Land und auf der Autobahn erlaubt. Ist das Lastfenster realistisch ausgelegt, dann kann sich der Fahrer auch darin bewegen – so wie im Opel Adam. Der Kleinwagen beweist, dass eine gut abgestimmte Eco-Anzeige durchaus Sparpotenzial offenlegen kann.

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