Ein Motor, drei Charakterautos

In Ford Fiesta TDCi, Peugeot 206 HDi und Citroën C3 HDi kommt der gleiche 68-PS-Dieselmotor zum Einsatz. Herrscht nun banale Gleichteil-Langeweile oder kommt spontan Freude auf?

D ie Kleinwagen-Klasse greift an. Im Windschatten der Premium-Gölfe strebt auch die frühere Einsteiger-Kategorie nach Höherem. Knuffige Shopping-Autos? Billige Studenten-Mobilität? Fahrschule und dann Fiesta? Eher nicht. Diese Rolle spielen nun Lupo und Co. Ein Stockwerk höher herrschen mittlerweile immer mehr seriöse Solidität sowie respektable Geräumigkeit. Und mit dem langen Atem eines drehmomentschwangeren Dieselmotors lässt sich auch ein Kleinwagen aus der schwachbrüstigen City-Ecke auf die Überholspur kriegen. Ohne fatale Nebenwirkungen in Sachen Wirtschaftlichkeit. Ein hübsches Exemplar dieser Motoren-Gattung kommt nun in gleich drei unterschiedlichen Kleinwagen zum Einsatz: Peugeots 206 HDi éco und der fröhliche Citroën C3 HDi aus dem französischen PSA-Konzern rollen mit dem gleichen, 68 PS starken 1,4-Liter-Common- Rail-Dieselmotor an den Start wie der neue Fiesta TDCi. Es ist also kaum verwunderlich, dass sich der Motor in den drei unterschiedlichen Autos bis auf geringe Differenzen im Bereich der subjektiven Wahrnehmung so anfühlt, wie er auch ist: genau gleich. Lediglich der im Fiesta verbaute Motor scheint etwas rauer als seine französischen Gen-Zwillinge, als Ursache kommt die um einen Hauch höhere Verdichtung ebenso in Frage wie eine härtere Motoraufhängung. Ansonsten geben sich die kleinvolumigen Vierzylinder typisch: kultiviert, allerdings definitiv -kerniger als hub-raumgleiche Benziner, mit gleichmäßiger, aber leidenschaftsloser Drehfreude ausgestattet, solide im Antritt, durchaus herzhaft in der Mitte und phlegmatisch oben raus. 68 PS reißen eben keine Bäume aus. Die Höchstgeschwindigkeit – 164 km/h beim Fiesta, 165 km/h im Fall des Citroën und 168 km/h beim Peugeot – wird nur mit hartnäckigem Bleifuß erreicht, und schon leichte Autobahn-Steigungen lassen die Tachonadeln unerbittlich in den Keller sinken. Auch die sonstigen Fahrleistungen sind nicht gerade beeindruckend, in der Praxis schlagen sich die kleinen Diesel-Flitzer aber durchaus beachtlich. Das Autoleben besteht eben nicht aus Beschleunigungsorgien am roten Drehzahlbereich und gequälten Durchzugsübungen im letzten Gang. Für raumgreifendes Mit- schwimmen im Verkehr, das eine oder andere vorausschauende Überholmanöver und sogar ernsthaften Langstreckenbetrieb taugen die drehmomentstarken Selbstzünder auf jeden Fall. Zumal sich die Motorleistung bei allen drei über ein gut abgestuftes Fünfganggetriebe prima verwalten lässt. Knackig-präzise, aber mit mechanischer Härte zeigt sich die Fiesta-Schaltbox, etwas zäh, aber sauber kommen die Gänge dem C3 vom wunderbar kurzen Schalthebel, und die leichtgängige Peugeot-Schaltung ist besonders im Stadtverkehr in ihrem Element. Erst wenn dem 206 zackige Schaltvorgänge abverlangt werden, knirscht der fidele Peugeot-Löwe das eine oder andere Mal mit den Getriebezähnen.

Der Verzicht auf den „gro-ßen Motor“ wird hingegen in allen drei Fällen spätestens an der Zapfsäule belohnt: Mit Testverbrauchswerten von 5,7 Liter/100 km für den C3, 5,5 Litern beim Fiesta und 5,8 Litern beim 206 éco machen die kleinen Diesel ihrem wirtschaftlichen Ruf alle Ehre. So gering die Differenzen im Motorfach sind, so weit auseinander streben die Kleinwagen-Kontrahenten im Fahrwerksfach. Die meisten Lorbeeren sammelt der Fiesta für seine konsequente Ausgewogenheit. Er verbindet die Befriedigung fast sportlicher Ansprüche an Handling und Fahrdynamik mit gutem Fahrkomfort. Ohne Wippen oder Schlingern läuft er über lange Bodenwellen, filtert kurze Fahrbahnschläge gut und sorgt dennoch für transparente Rückmeldung. Im Grenzbereich gibt er sich höchst gutmütig und neutral. Das auch in der Optionsliste fehlende ESP ist allerdings trotzdem als Minuspunkt zu verbuchen. Mit unterschiedlicher Fahrwerkscharakteristik platzieren sich der Citroën C3 und der Peugeot 206 hinter dem Fiesta. Der C3 ist bis auf die gelegentlich stuckernde Vorderachse betont komfortabel ausgelegt, untersteuert bei plötzlich geschlagenen Haken kräftig – kein ESP auch im Citroën –, läuft aber sicher sowie mit spürbarer Seitenneigung durch schnelle Kurven. Flauschiges Dahinschlendern bereitet im C3 mindestens genauso viel Freude wie flinkes Kurvenwetzen im Peugeot 206. Der ist nämlich enorm handlich, fast nervös abgestimmt, pfeilt schon bei geringen Lenkausschlägen auch in enge Kurven und bietet im untersteuernden Grenzbereich fortgeschrittenen Fahrern die erquickliche Möglichkeit, das Heck durch einen kurzen Gaslastwechsel hinausschnappen zu lassen und so einen feurigen Einlenkimpuls zu generieren. Besonders muss hier auch die überaus präzise 206-Lenkung gelobt werden, die frei von jeder Stößigkeit ist. Allerdings kann ein derartiges Fahrverhalten für einen Kleinwagen, zumal ohne ESP, nicht als der Weisheit letzter Schluss gelten. Ungeübte Fahrer können in Extremsituationen – beispielsweise bei plötzlichen Ausweichmanövern – durch das giftige Heck unangenehm überrascht werden. Punktabzüge deshalb in Sachen Fahrsicherheit. Im Komfortfach muss der 206 wegen kräftiger Poltergeräusche aus dem Fahrwerk ebenfalls Abzüge hinnehmen.

Die hier verlorenen Punkte kann der Peugeot mit seinen gut ausgeformten Sitzen, die allerdings durch eine ungenaue Lehnenverstellung nerven, wieder wettmachen. Auch im Fond finden zwei Passagiere ordentliche Sitze vor. Einzig das Raumgefühl im 206 wirkt – zumindest im Vergleich mit den Konkurrenten – beengter. Die Sitze im Citroën sind zwar höchst komfortabel, bieten jedoch kaum Seitenhalt. Dem hervorragenden Raumgefühl vorne steht ein etwas knappes Platzangebot im Fond entgegen. Den Vogel schießt allerdings der Fiesta ab: Der bietet vorne und hinten üppige Bewegungsfreiheit. Allerdings sitzen Fondpassagiere etwas hoch und haltlos auf dem straffen Polster, die Oberschenkel-Auflagefläche ist auf allen Plätzen nur für kleinere Mitfahrer ausreichend. Am Ende kann der Fiesta die Punkte-Wertung für sich entscheiden. Eine Einstufung, die sich mit einer subjektiven Sympathie-Wertung jedoch nicht deckt. Zu glatt ist der Fiesta, einfach nur gut, aber ohne Charme. Harte Kunststoffschalen im funktionellen, aber tristen Cockpit – auch durch wertigen Qualitätseindruck kann sich der 14 690 Euro teure Ford keineswegs von den preiswerteren, vergleichbar ausgestatteten Konkurrenten absetzen. Ein Sympathie-Vakuum, das der 1020 Euro billigere, charmante Citroën C3 mit prallem Leben füllt. Und durch eine bessere Sicherheitsausstattung sowie günstige Versicherungskosten habhaft nachlegt. Er wirkt zwar billig verarbeitet, trotzdem überwiegt aber bei weitem eine positive Grundstimmung. Kein Testsieger, aber eine augenzwinkernde Empfehlung. Und der Peugeot? Der betagte 206 wird auf dem dritten Platz auch morgen noch kraftvoll zubeißen.

Technische Daten
Peugeot 206 HDi éco 70 Grand Filou Citroën C3 HDi 70 SX Ford Fiesta 1.4 TDCi Trend
Grundpreis 13.950 € 13.990 € 14.225 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3822 x 1652 x 1425 mm 3850 x 1667 x 1529 mm 3916 x 1683 x 1432 mm
KofferraumvolumenVDA 245 bis 1130 l 305 bis 1310 l 284 bis 947 l
Hubraum / Motor 1398 cm³ / 4-Zylinder 1398 cm³ / 4-Zylinder 1399 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 50 kW / 68 PS bei 4000 U/min 50 kW / 68 PS bei 4000 U/min 50 kW / 68 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h 165 km/h 164 km/h
0-100 km/h 14,6 s 15,7 s 15,4 s
Verbrauch 4,3 l/100 km 4,2 l/100 km 4,3 l/100 km
Testverbrauch 5,8 l/100 km 5,7 l/100 km 5,5 l/100 km
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