Eine Frage des Prinzips - VW Golf GTI 1,8-Liter-Turbo und VW Golf GTI 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI

Otto oder Diesel lautet hier die Frage. Beim VW Golf GTI können Kunden zwischen dem 1,8-Liter-Turbo und dem 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI mit jeweils 150 PS wählen. Wer gewinnt den Doppeltest?

Wird die Sporthoheit bei Automobilen künftig vom Diesel übernommen? Beim VW Golf scheint es schon so weit zu sein. Inzwischen gibt es fünf GTI, drei mit Diesel- und zwei mit Benzinmotoren.

Besonders gut lässt sich diese Motorenfrage anhand der ansonsten identischen 150-PS-Modelle diskutieren. Bis auf die Höchstleistung und die Zylinderzahl haben die beiden Triebwerke nichts gemeinsam.

Der bekannte 1,8-Liter-Benziner erklimmt seine Leistungsspitze von 150 PS bei 5700 Umdrehungen. Hierzu benötigt er trotz aufwendiger Fünfventiltechnik einen Turbolader, der mit vergleichsweise mildem Ladedruck (0,74 bar) nachhilft. Der so gewonnene Mitteldruck wird vorwiegend in einen unaufgeregten Drehmomentverlauf umgemünzt, dessen Maximum (210 Nm) von 1750 bis 4600/min reicht.

Den moderaten Drehmomenthügel des Benziners kontert der Pumpe-Düse-Diesel mit einem Momenten-Massiv, das schon bei 1900 Umdrehungen auf 320 Newtonmeter springt und bis zur Nennleistungsdrehzahl (4000/min) nur wenig Neigung zeigt, abzufallen. Der Zweiventiler verdankt demnach sein hohes Leistungsniveau in erster Linie dem kräftigen Mitteldruck, den ihm der Turbolader mit 1,5 bar Ladedruck zwangsweise einhaucht.

Der niedertourige Diesel vermittelt in jeder Situation den deutlich kräftigeren Eindruck. Fast schon erbarmungslos schieben die in schiere Durchzugskraft umsetzbaren Newtonmeter den Diesel-GTI vorwärts. Der eingelegte Gang spielt dabei keine so entscheidende Rolle. Sogar auf der Autobahn, wo der Diesel spürbar müheloser als der Benziner seine Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h erreicht, muss selten aus dem sechsten Gang zurückgeschaltet werden. Und seine überlegene Durchzugskraft spart selbst im zügigen Überlandverkehr Schaltvorgänge.

Dennoch stellt das serienmäßige Sechsganggetriebe keinen paradoxen Luxus dar. Denn der mit viel schmalerem nutzbaren Drehzahlbereich (maximal 4600/min) operierende Diesel braucht die insgesamt größere Übersetzungsspanne, um gut anfahren und dennoch in den oberen Gängen mit moderater Drehzahl schnell fahren zu können.

Natürlich kann der TDI-GTI seinem Otto-Konkurrenten nicht wirklich davonfahren. Aber der muss sein gesamtes Drehzahlpotenzial ausschöpfen, um dem Diesel folgen zu können. Dabei wirkt der im Übrigen auch weniger spontan ansprechende Turbo-Benziner eher angestrengt als locker. Die hierzu häufiger notwendigen Gangwechsel gehen freilich leicht von der Hand, da sich das Fünfganggetriebe fast spielerisch schalten lässt.

Doch solche Drehzahlorgien kosten Kraftstoff: Bei betont zügiger Fahrweise kann die Verbrauchsdifferenz auf fast fünf Liter pro 100 Kilometer klettern. Doch selbst bei geringem Leistungseinsatz, wie bei der auto motor und sport-Verbrauchsrunde, liegt der Mehrverbrauch des Benziners bei rund 50 Prozent.

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