Einparksysteme im Test

So parkt man heute

Einparksysteme, Cockpit Foto: Achim Hartmann 18 Bilder

Heute schon beim Rangieren geschwitzt? Gerne würde man das an automatisierte Einparksysteme delegieren. Im Vergleich müssen sie sich gegen einen erfahrenen Einparker beweisen.

Noch in den Achtzigern hätte man es unter Frauenwitz laufen lassen. Oder gar Utopie genannt. Heute heißt es Assistenzsystem: das automatisierte Einparken. Teilweise schon in der zweiten Generation treten die elektrischen Manövrierer von BMW 5er, Mercedes CLS, Skoda Superb und VW Sharan zu einem Vergleichstest an.

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Alle vier Kandidaten messen über 4,8 Meter – der CLS sogar mehr als 4,9 – und zählen damit zu den schwierigeren Fällen, wenn es ums Parkieren geht. Geeignete Lücken für die langen Kerle sind rar, und wer seinem Können wenig traut, sucht in Stadtzentren fast endlos nach einem geeigneten Stellplatz. Konkret: Die Systeme von VW und Skoda fordern mindestens 80 Zentimeter über Fahrzeuglänge ein, BMW verlangt nach 1,2 Meter, Mercedes nach 1,3. Spontan behauptet der Tester, sich auch in kleinere Lücken quetschen zu können – ohne vorher mit den Modellen zu üben.

Lenkrad dreht wie von Geisterhand

Eine sieben Meter große Bucht dient dem Aufwärmen. Besonderheit im Mercedes: Sofern es mitbestellt wurde, ist das Parksystem immer aktiviert, muss bewusst abgeschaltet werden. Wir rollen an einer Reihe von Autos entlang, erspähen eine Lücke – das System ebenfalls; es versieht das P im Tacho-Display mit einem Pfeil nach rechts und fordert eine Bestätigung, ob der automatische Parkvorgang begonnen werden soll. Eine gespenstische Situation erlebt, wer nun auf Ok drückt, an der Getriebeautomatik den Rückwärtsgang einlegt, die Bremse leicht löst und die Hände vom Lenkrad nimmt: Es wirbelt wie von Geisterhand erst nach rechts, dann nach links, der CLS kriecht in die Parklücke, und der Fahrer reguliert einzig die Geschwindigkeit mit dem Bremspedal. Über zehn km/h steigt das System aus, weil die Stellmotoren nicht mehr mit dem Lenken nachkommen, oder es greift wie im handgeschalteten Sharan rüde das ESP ein und mahnt zu mehr Gelassenheit.

Die Sieben-Meter-Situation meistern alle vier Probanden mit links. Das Einzige, was der Tester manuel besser kann: Er ist schneller – aber nicht genauer. Nächste Stufe: sechs Meter und damit bereits unter der Mindestanforderung von Mercedes. Laut Bedienungsanleitung verlangt er nach knapp 6,3 Meter, meistert aber anstandslos auch die um 30 Zentimeter kleinere Bucht.

Bremsen muss der Fahrer noch selbst

In Verbindung mit einem leistungsfähigen Rechner geht offensichtlich mehr, als der Hersteller zugibt. Ohnehin erstaunt die Treffsicherheit aller vier Einpark-Systeme. Zunächst detektieren die seitlichen Ultraschallsensoren im vorderen und hinteren Stoßfänger, dass sie eine passende Lücke gefunden haben. Bedingung ist, parallel zu den parkenden Autos zu fahren und ihnen dabei nicht zu nahe zu kommen. Derzeit beherrschen die meisten Automaten nur die Standard-Situation in der Stadt, nämlich das Hineinparken in eine Reihe. Quer zur Fahrbahn, also im 90-Grad-Winkel, schafft das im Test nur der Sharan.

In einem nächsten Entwicklungsschritt soll übrigens die Bremse integriert werden, so dass der Wagen beim Einparken rechtzeitig hinter dem Vordermann zum Stehen kommt. Zurzeit muss dies der Fahrer noch selbst übernehmen, also ständig aufs Display schauen und aufs Piepsgeräusch achten. Die Verantwortung liegt immer noch beim Nutzer – ähnlich wie bei Navigationssystemen gibt es deshalb entsprechende Hinweise. Bis zu einer gewissen Größe der Lücke warnen alle Systeme rechtzeitig vor dem Hindernis.

Nur der VW nimmt mit dem fremden Stoßfänger (folgenlos) Kontakt auf, als er sich als Einziger innerhalb des Vergleichs in die 5,6 Meter lange Bucht quetscht – zwei Mal kommt das Halt-Signal beim Vorrollen etwas zu spät. BMW, Mercedes und Skoda verweigern, schaffen aber 5,8 Meter ohne Auffälligkeiten. Der Tester hält mit, vollendet schneller und fädelt sich sogar in eine 5,5-Meter-Lücke ein. Allerdings nimmt der Rangier-Aufwand deutlich zu und schnell steht fest: Weniger als die Länge eines DIN A3-Papiers vorn und hinten reicht bei unübersichtlichen Autos auch bei Handkurbelei kaum aus.

Mercedes-System beeindruckt

Angesichts seiner Länge beeindruckt der geschmeidig in die Bucht flutschende Mercedes am meisten, steht nahezu bei jedem Versuch vorbildlich parallel zum Bordstein und parkt, wenn nötig, sehr schnell ein. Das gefällt sogar den ungeduldigen Zeitgenossen. Voll empfehlenswert ist auch das BMW-System für alle, die sich einen 5er bestellen wollen. Bei Skoda und VW gibt es eine kleine Einschränkung: Der Superb kapitulierte vor der Plus-80-Zentimeter-Parklücke, und der Sharan dockt zwei Mal leicht am Vordermann an – erhöhte Aufsichtspflicht für den Fahrer.

Auch wenn folgende Feststellung zu Beginn des Tests nicht zu erwarten war: Heutige Einpark-Assistenten sind fast so gut wie ein Autofahrer, der seit Jahren in Ballungsräumen das Los der Laternenparker teilt. Mehr noch: In Wohngegenden mit engen Straßen dienen sie dem allgemeinen Verkehrswohl; jeder hat wahrscheinlich schon Rangierversuche völlig überforderter Einparker erlebt, konnte wegen einer Engstelle nicht überholen – und musste das Elend mit ansehen. Natürlich saßen nicht immer Frauen am Steuer.

Fazit

„Die getesteten Assistenten parken so gut wie ein routinierter Parker ein. Sie fördern allerdings die Unselbständigkeit – alles Automatisierte wird verlernt.“ Redakteur Marcus Peters ist beeindruckt, schwankt aber zwischen dem Für und Wider.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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