Exot Ariel Atom 3 im Test

Atom-Kraft, ja danke

Ariel Atom 3 245 Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

1870 hat die Ariel Motor Company mit der Produktion von Fahr- und Motorrädern begonnen. Seit 1996 hat sich der britische Kleinserienhersteller der Kunst des Weglassens verschrieben. Wir testen den Ariel Atom 3 mit dem 245 PS starken Motor des Honda Civic Type R auf dem Hockenheimring.

Die einen preisen stolz „konsequent betriebenen Leichtbau“ an. Andere vermelden „CFK-Kotflügel, die gegenüber den Serienkotflügeln aus Stahlblech 2,1 Kilogramm sparen“. Erstere parken dann den 1.546 Kilo bleischweren „Extremsportler“ BMW M3 GTS vor der Redaktion. Letztere erklären in einem Atemzug, dass sie „die Gewichtsspirale umdrehen wollen“ und präsentieren anschließend den Kompakt-Koffer Audi RS3 Sportback mit einem Gesamtgewicht von 1.647 Kilo.

Straßen-Sportgerät mit 626 Kilo im Test

Heute soll man glücklich sein, wenn ein sportliches Fahrzeug 1,5 Tonnen wiegt. Nein, wir freuen uns darüber nicht! Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss eben der Prophet den Berg aufsuchen. Gestatten – die Ausgeburt des Purismus: Ariel Atom 3, 245 PS stark und als Testwagen vollbetankt 626 Kilo schwer.

Vom Schalensitz sieht man das Lenkgetriebe, Federn und Dämpfer, die Querlenker und die wild tanzenden Räder der Vorderachse. Das Cockpit im Ariel Atom 3 ist von iDrive, Navi und Klimaanlage so weit weg wie eine Lehmhütte von einem Reihenhaus. Während im Lenkradkranz Schaltlampen aufflammen, tanzen Drehzahl- und Tachonadel den Tango der Geschwindigkeit. Außerdem gibt es fünf Knöpfe, zwei Schalensitze und Vierpunkt-Gurte plus den Schaltstock des knackigen Sechsganggetriebes – das war’s. Die Windschutzscheibe und Kunststoffseitenteile widersprechen zwar eigentlich dem Reinheitsgebot der Ariel-Truppe und steigern das angebliche Leergewicht von 469 auf über 500 Kilo, durch Lösen weniger Schrauben weht aber wieder ein Orkan ungefiltert durchs Cockpit des Ariel Atom 3 beim Test.

Ariel Atom 3-Einstiegsmodell bietet Formel-Niveau

Airbag, ESP, ABS? Hör auf mit den Spießerfragen. Es lebe die automobile Anarchie! Der Rohrrahmen ist so hoch wie ein Laufstall für Kleinkinder. Hinten im Ariel Atom 3 brüllt ein K20A-Vierzylinder-Saugmotor aus dem Honda Civic Type R, leistungsgesteigert auf 245 PS. Wohlgemerkt – wir hetzen im Test gerade das Einstiegsmodell, quasi den Golf GL, der Exotenwerkstatt aus dem britischen Nest Crewkerne. Seit 1996 haben sich die Leichtbau-Freaks der Kunst des Weglassens verschrieben und seitdem drei Ariel Atom-Generationen aufgelegt.

Die Fuhre geht gut – mit aufgewärmten Kumho-Cupreifen erlegt die rasante Gitterkonstruktion locker einen Porsche 911 Carrera in der Beschleunigung bis 100 km/h. Darüber hinaus bis Tempo 200 wird es zäh – ob alle 245 PS an Bord sind, ist fraglich. Wie man es von einer Fahrspaß-Kutsche erwartet, reagiert die servofreie Lenkung mit einer irrwitzigen Rückmeldung. Das ist Formel-Niveau für den Straßenverkehr. Der Grenzbereich sollte aber besser nur auf der Rennstrecke ausgelotet werden.

Während der Testrunden mit dem Ariel Atom 3 in Hockenheim hat keine Fliege auf der Frontscheibe ihr Leben gelassen, mit Sicherheit aber auf der Seitenverkleidung. Neutrales Fahrverhalten? Vergesst es. Hier ist Querstarbeit angesagt: quer schon beim minimalsten Lastwechsel, quer am Kurvenausgang unter Last. Es gibt prägsame Aha-Erlebnisse für einen sport auto-Tester. Beispielsweise wenn bei Tempo 162 in der Querspange auf dem Kleinen Kurs, und zwar im gleichmäßigen Lastzustand ohne den kleinsten Lastwechsel, das Heck urplötzlich wegschmiert.

Hockenheim-Rundenzeit des Ariel Atom enttäuscht

Außerdem könnte die Balance der Alcon-Bremsanlage weiter hinten liegen. Eine manuelle Bremskraftverstellung gibt es aber nur beim 300 PS starken Bruder mit Kompressor. Im Ariel Atom 3-Basismodell blockieren die Vorderräder beim Anbremsen gerne früh. Richtig schnell geht anders. Mit einer Hockenheim-Rundenzeit im Test von 1.15,6 Minuten bleibt das StVZO-Kart Ariel Atom 3 hinter den Erwartungen zurück. Mit einem besser abgestimmten Fahrwerk sollte eine zwei Sekunden schnellere Rundenzeit möglich sein. Aktuell ist absolute Rennerfahrung Voraussetzung, um den Tanz auf der Rasierklinge zu überstehen. Alle anderen zählen bis drei und zimmern sich direkt ins Kies oder die Leitplanke.

„Wir haben von Bilstein neue Dämpfer bekommen und konnten diese noch nicht abstimmen“, erklärt Thomas Braun das krasse Fahrverhalten des Ariel Atom 3 im Test. Per Einzelabnahme macht der Honda-Händler aus Lampertheim den Ariel Atom fit für den deutschen TÜV. Für eine eindrucksvollere Kernspaltung als beim Atom 3 mit 245 oder 300 PS hat Ariel den ultimativen Atom samt Hayabusa-V8-Konstruktion mit 500 PS und 10.500 Touren Maximaldrehzahl entwickelt. sport auto wird auch diese automobile Atom-Bombe demnächst zünden.

Technische Daten
Ariel Atom 3.5 245
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 180 kW / 245 PS bei 8200 U/min
0-100 km/h 4,6 s
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