Fahrradträger-Test

Mit Last und Tücke

Foto: Beate Jeske 10 Bilder

Die Deutschen wollen auch bei längeren Reisen immer seltener ihren Drahtesel zu Hause lassen, doch wie ist es um die Sicherheit der Fahrradträger in Extremsituationen bestellt? Zusammen mit der Dekra hat auto motor und sport die verschiedenen Trägersysteme getestet.

Immer mehr Bundesbürger steigen im Urlaub auf den Drahtesel. Rund 45 Prozent sollen es 2005 getan haben, stellte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in einer Studie fest. Und dieses Jahr? Bestimmt wird die Zahl annähernd so groß sein.

Da aber die schönsten Fahrradreviere selten vor der eigenen Haustür, sondern manchmal mehrere Stunden entfernt liegen, chauffieren viele Hobbyradler ihre Zweiräder zuerst huckepack auf dem Auto dorthin. Und so verwundert es nicht, dass das Geschäft mit den Fahrradträgern blüht. Nicht nur der Handel, sondern auch die Autohersteller bieten mittlerweile eine reichhaltige Auswahl an Dach- und Heckträgern sowie Varianten für die Anhängerkupplung. Selbst exotisch anmutende Produkte wie Träger für den Innenraum gibt es bereits. Das macht es für den Kunden nicht einfach, die beste Lösung zu finden – zumal ein Auto von Haus aus nicht für den Fahrradtransport konzipiert ist.

Die Trägerkonstruktionen sind eigentlich nur Kompromisse, die sich in der Regel aber stabil und durchdacht präsentieren. Doch was mit ihnen samt den draufgeschnallten Bikes bei einem Unfall, einer Vollbremsung oder abrupten Ausweichmanövern passiert, lässt sich beim Kauf nicht vorhersagen. Dieser Frage gingen die Dekra und auto motor und sport in einem Systemvergleich nach. Abgesehen von den im Innenraum montierten Varianten wurden exemplarisch Träger aus jeder Gattung namhafter Hersteller sowohl Fahrals auch Crashversuchen unterzogen. Ebenso stand die Anwendungsfreundlichkeit der Systeme auf der Prüfliste.

Gute Noten erhielten alle Kandidaten bei den Fahrversuchen. Auf einer Mercedes A-Klasse montiert, ging es über einen Testparcours auf dem Lausitzring. Die Fahrräder blieben selbst nach mehreren Vollbremsungen aus 100 km/h stabil auf den Trägern. Dieses Bild zeigte sich auch nach der Slalomstrecke, bei der die Tester das abrupte Ausweichen nachstellten. Sofern die Bedienungsanleitung beachtet wird, bleiben Überraschungen aus. Dabei sind jeweils die Hinweise zum Umgang mit den Trägern zu befolgen – speziell der Punkt Richtgeschwindigkeit: Sie liegt je nach Trägerart und Anbieter zwischen 100 und 130 km/h.

Schneller sollte man nicht sein, weil sonst einerseits der Spritverbrauch unnötig steigt und andererseits die Gefahr, die Bikes zu verlieren – was schlimme Folgen haben kann. Darauf sollte man sich genauso einstellen wie auf den Effekt, dass durch einen Dachträger der Schwerpunkt des Fahrzeugs nach oben wandert und sich bei den Konstruktionen für den Kofferraumdeckel oder die Anhängerkupplung eine gewisse Hecklastigkeit bemerkbar machen kann. Das hat Auswirkungen auf die Fahrstabilität und verlangt einen gemäßigten Umgang mit dem Auto.

Während die verschiedenen Trägerarten im Handlingversuch gut abschnitten, zeigte sich im Crashtest ein anderes Bild. Alle Kandidaten wurden nach den Vorgaben der DIN-Norm 75302 getestet, die sich auf die Prüfung von Ladungssicherungen bezieht. Testfahrzeug war ein VW Golf IV, dessen Karosse auf einen Prüfschlitten montiert wurde. Das Dekra Automobil Test Center in Klettwitz simulierte mit dem Schlitten einen Frontalaufprall aus 30 km/h, eine Geschwindigkeit, bei der im Verkehr häufig Unfälle passieren. Zwar meisterten alle Probanden diese Disziplin – die Konstruktionen samt den Fahrrädern wurden nicht durch die Gegend geschleudert –, doch einige Träger offenbarten deutliche Schwächen. Mit Bravour schnitten die Varianten für die Anhängerkupplung ab. Die beiden Testprobanden Atera Strada 2 sowie Uebler Primavelo P2 zeigten nur wenige Mängel. Träger und Fahrräder blieben an ihrem Platz. Einzig die Heckklappe und -scheibe haben Schäden davongetragen, die Scherben flogen aber beim Versuchsfahrzeug nicht in den Innenraum.

Für die Insassen hätte im Ernstfall somit keine oder nur eine geringe Gefahr bestanden. Ein ebenfalls positives Ergebnis zeigten die Dachträger-Konstruktionen. Beim Testkandidat Pro Ride 591 von Thule lösten sich die Bikes nicht vom Fahrradhalter. Lediglich ein Spannriemen für das Hinterrad riss, was aber kein Risiko darstellte. Ein gutes Ergebnis, das sich allerdings nur auf die Fahrradträger selbst bezieht. Denn die Stabilität dieser Transportart hängt immer entscheidend vom verwendeten Grundträger ab. Er gehört in der Regel nicht mit zum Lieferumfang und ist extra zu ordern. Dabei ist es zweitrangig, ob er vom gleichen Anbieter stammt, denn die Halter für die Drahtesel sind oft universelle Lösungen. Bereits vorhandene Grundträger lassen sich somit häufig weiter benutzen.

Trotzdem hat das Konzept seine Schattenseiten: Die Montage des Grundträgers ist gerade bei Autodächern ohne Regenrinne nicht ganz unkritisch. Hier liegt die große Schwachstelle der Transportart – die Ursache für verlorene Ladung ist nicht selten an diesem Punkt zu suchen. Ausnahmen bilden dagegen Autos mit integrierten Aufnahmepunkten oder fester Reling. Sie versprechen in der Regel einen guten Kraftschluss.

Um Einflüsse des Grundträgers auszuschließen, wurde er deshalb im Test mit dem Prüfschlitten fest verbunden. Auch die fahrzeugspezifischen Heckträger, die mit speziellen Haltern am Kofferraumdeckel befestigt werden, haben den Crashversuch bestanden. Allerdings mit unterschiedlichen Ergebnissen: Zwar blieben die Fahrräder nach dem Aufprall in ihrer Position, doch die Träger selbst erlitten einige Blessuren. Beim Paulchen Mittellader First Class 2F brach eine Strebe am Grundrahmen, was aber keine Auswirkungen hatte.

Beim Atera Linea lösten sich dagegen die oberen Befestigungspunkte an der Heckklappe, und der Träger klappte zurück. Schließlich hielten noch die unteren Halter am Kofferraumdeckel. Sie verhinderten Schlimmeres. Somit bestand der Träger gerade noch den Crashtest, weil die Konstruktion samt den Bikes nicht durch die Gegend geschleudert wurde. Dennoch: Die fahrzeugspezifischen Heckträger sind nicht die sicherste Transportlösung für Fahrräder, auch die Dachvarianten haben nicht die Nase vorn. Es sind die Konstruktionen für die Anhängerkupplung, die zwar am teuersten sind, aber dafür auch in der Anwendung die meisten Pluspunkte erzielen (siehe Kästen).

+ fixe Montage durch Schnellverschluss

+ niedrige Ladehöhe

+ geringer Luftwiderstand

+ stabile Träger

+ Zugang zum Kofferraum meist möglich

+ Beschädigungsrisiko für Karosserie gering

- Anhängerkupplung nötig

- teuer in der Anschaffung

- Fahrzeug wird hecklastig

+ preisgünstig

+ guter Sitz am Heck

+ einfach zu beladen

+ Räder nicht im Fahrtwind

- Sicht nach hinten eingeschränkt

- meist zwei Personen für Trägermontage nötig

- Zugang zum Kofferraum erschwert oder nicht möglich

- Heckklappe kann beim Einsatz beschädigt werden (Lackkratzer oder Beulen)

+ preisgünstig

+ Kofferraum frei zugänglich

+ Grundträger lassen sich vielseitig nutzen

- viel Armkraft beim Beladen nötig

- Grundträger-Montage bei Autos ohne Reling oder feste Aufnahmepunkte oft schwierig

- hoher Schwerpunkt

- Fahrräder stehenvoll im Fahrt- und Seitenwind

- erhöhter Kraftstoffverbrauch

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