Fassaden-Reinigung

Ein kräftiges Make-up soll dem Ford Fiesta helfen, sich gegen die zunehmend jüngere Konkurrenz im Kleinwagen-Segment zu wehren.

Das Altern lässt sich nicht verhindern und mit Hilfe kosmetischer Maßnahmen höchstens eine gewisse Zeit lang vertuschen.

Ford wendet dieses bei vielen Stars und Sternchen beliebte Mittel nun auch beim betagten Fiesta an, der zuletzt 1995 umfassend überarbeitet wurde. Ein frisches Gesicht, stark betonte Scheinwerfer-Augen und eine Frontschürze mit der Anmutung eines Schmollmundes sollen den Ford-Kleinwagen im Kreise jüngerer Konkurrenten so attraktiv aussehen lassen wie eine Sophia Loren neben Claudia Schiffer oder Nadja Auermann. Doch die Flucht vor dem Alter gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit, denn körperliche Schwächen können nicht überschminkt werden. Hinter der neuen Fassade des Fiesta verbirgt sich weiterhin betagte Technik, denn an der Plattform hat sich nichts geändert. Radstand (2,45 Meter), Länge (3,83 Meter) und vordere (1,43 Meter) wie hintere Spurbreite (1,43 Meter) entsprechen exakt den Abmessungen des Vorgängers. Der Innenraum kommt Fiesta-Fahrern so bekannt vor wie das eigene Wohnzimmer, nur mit anderen Tapeten. Zu den wenigen wesentlichen Neuerungen zählen geänderte Polsterstoffe, serienmäßige Sidebags in den Sitzen sowie modifizierte Vordersitze.

Die Polster des neuen Modelljahrgangs sind zwar bequem, verschaffen Fahrer und Beifahrer aber eine zu hohe Sitzposition. Selbst wenn man die beim Ghia serienmäßige Fahrer-Sitzhöhenverstellung auf den tiefsten Punkt arretiert, fühlt man sich wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein. Es gibt weitere Details, die den Umgang mit dem Fiesta erschweren: Das Lenkrad ist auch gegen Aufpreis nicht höhenverstellbar, das Licht nur über einen umständlichen Lenkstockhebel zu bedienen, und der Kofferraum kann nicht von innen geöffnet werden.

Das Fehlen eines entsprechenden Mechanismus stört vor allem, weil die Heckklappe auch von außen nur per Schlüssel oder über die Fernbedienung zu entriegeln ist (serienmäßig beim Ghia, für die anderen Ausstattungsversionen auch gegen Aufpreis nicht lieferbar).

Ein weiterer Funktionalitätsmangel: Die Fernbedienung gibt kein akustisches oder optisches Signal, ob die Türen nun verschlossen sind oder nicht. Sicherheitshalber muss also der Türgriff noch einmal gezogen werden, was nervt.

Das alles sind Macken, die beim Fiesta lange bekannt sind und die im Zuge der Verjüngungskur mühelos hätten ausgeräumt werden können. Tiefer gehende Eingriffe hätten sicher auch ermöglicht, das Raumangebot im Fond zu verbessern, denn das fällt immer noch knapp aus. Der Kofferraum hingegen rangiert mit einem Fassungsvermögen von 250 Litern auf Klassenniveau; der mühelos funktionierende Umklappmechanismus der Lehne erlaubt einen Ausbau der Transportkapazität auf maximal 930 Liter. Auch am Fahrwerk des Fronttrieblers mit McPherson- Vorderachse und Verbundlenker- Hinterachse hat Ford festgehalten und damit an allen Stärken und Schwächen. Positiv: Auf kurvenreichen Strecken vermittelt der Fiesta einen leichtfüßigen, agilen Eindruck.

Allerdings ist sein Handling nicht frei von Tücken. Abrupte Richtungswechsel bei Ausweichmanövern führen zu einem spürbar nach außen drängenden Heck, und wer dann plötzlich vom Gas geht, sieht sich mit einem heftigen Konter des Hecks konfrontiert – bei einem Kleinwagen sollte man in solchen Situationen ein gutmütigeres Verhalten erwarten dürfen. Ohne Tadel hingegen die direkte Servolenkung, die allerdings beim Langsamfahren und Rangieren eine Spur leichtgängiger sein könnte. Wenig auszusetzen gibt es an der Federung, denn Fahrbahn-Unebenheiten werden sehr geschmeidig absorbiert. Für Vortrieb sorgen beim Fiesta nach wie vor Benziner mit 50, 60 und 75 PS sowie der 60-PS-Diesel.

Die neue Version Fiesta Sport mit 103 PS kommt erst Anfang 2000 auf den Markt (siehe Fahreindrücke Seite 68). Die bewährte 75-PS-Variante stellt sicherlich die harmonischste Antriebsquelle im Fiesta dar, neuerdings neigt der Vierventiler aber im unteren Drehzahlbereich zum Ruckeln.

Auch das Ansprechvermögen rangiert nicht mehr ganz auf dem Niveau des Vorgängers, was auf die im letzten Jahr vollzogene Umstellung von der D3- auf die D4-Abgasnorm mit den dafür erforderlichen Eingriffen im Motormanagement zurückzuführen ist. Gleichwohl: Die Fahrleistungen des Fiesta sind gut, nur der fünfte Gang könnte zugunsten einer besseren Elastizität etwas kürzer übersetzt sein. Ein Fortschritt, den Ford mit dem Fiesta-Facelift erzielt, ist der niedrigere Verbrauch: Mit durchschnittlich 7,8 Liter pro 100 Kilometer benötigt er einen knappen halben Liter weniger als der letzte 75-PS-Fiesta im auto motor und sport-Dauertest (8,2 Liter/100 Kilometer).

Doch die erzielten Einsparungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verbrauch für einen Kleinwagen immer noch recht hoch ist. Ohne Fehl und Tadel dagegen die Bremsen: Mit einer Kaltverzögerung von 9,6 m/s2, die unter hoher Belastung nur geringfügig nachlässt (9,3 m/s2), hält der kleine Fiesta auch dem Vergleich mit größeren Autos mühelos stand. Auch im Hinblick auf die Sicherheit hat der modifizierte Fiesta also gewonnen. Schließlich ist das bislang aufpreispflichtige ABS nun genauso serienmäßig wie die Sidebags, die es vorher nicht gab.

Die Sicherheitsmaßnahmen haben freilich ihren Preis, denn der Viertürer wird nun nicht mehr preisgleich zum Zweitürer angeboten, er kostet 1100 Mark mehr. Auf 25 200 Mark kam bislang ein viertüriger Fiesta Ghia, nun ist er erst ab 27 580 Mark erhältlich – damit lässt Ford die Fiesta-Kunden ganz schön alt aussehen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot auf den vorderen Plätzen ordentlicher Qualitätseindruck umfangreiche Serienausstattung (Ghia) ausreichend großer, variabler Gepäckraum
  • wenig Platz im Fond
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort bequeme Sitze akzeptables Geräuschniveau
  • zu hohe Sitzposition
Antrieb
  • gute Laufkultur gutes Beschleunigungsvermögen
  • eingeschränkte Elastizität im fünften Gang Motorruckeln im unteren Drehzahlbereich kleiner Tank (40 Liter)
Fahreigenschaften
  • präzise Lenkung gute Handlichkeit
  • Übersteuerneigung bei plötzlichen Lastwechseln
Sicherheit
  • standfeste Bremsen mit ABS serienmäßig Airbags für Fahrer und Beifahrer mit zusätzlichen Sidebags vorn Gurtstraffer und -stopper vorn
  • keine Isofix-Kindersitzverankerungspunkte keine fünfte Kopfstütze lieferbar
Umwelt
  • schadstoffarm nach D4
  • zu hoher Verbrauch
Kosten
  • in Relation zur Ausstattung günstiger Anschaffungspreis lange Inspektionsintervalle
  • nur ein Jahr Garantie

Fazit

Ford hat bei der Renovierung des Fiesta vor allem Karosserie-Kosmetik betrieben und die Sicherheitsausstattung verbessert. Fahrwerksschwächen, funktionelle Mängel und die Enge im Fond wurden nicht beseitigt – der Preis aber kräftig erhöht.

Technische Daten
Ford Fiesta 1.25 Ghia
Grundpreis 14.675 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3828 x 1634 x 1320 mm
KofferraumvolumenVDA 250 bis 930 l
Hubraum / Motor 1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
0-100 km/h 12,4 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km
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