Ferrari 456M GTA, Jaguar XKR Coupé, Mercedes CL 600

Ferrari 456M GTA, Jaguar XKR Coupé, Mercedes CL 600

Große Coupés haben seit jeher einen festen Platz in der Welt des automobilen Luxus. Raumökonomie ist nicht ihr Ding, sondern Leistung und die Kraft der Formen. Ferrari hat dafür den 456 M GTA, Jaguar das XKR Coupé, Mercedes den neuen CL 600 mit Zwölfzylindermotor. Drei Länder-Spezialitäten, vom Feinsten also.

Auch in der Upperclass müssen manchmal die Kümmernisse des Auto-Alltags erlebt werden. Der Ferrari 456 steckt im Freitagabend-Stau auf der Autobahn. Das Durchschnittstempo des 300-km/h- Boliden fällt auf Moped-Niveau. Wenigstens, so tröstet sich sein Fahrer, hat er die selten verlangte Getriebe-Automatik, gar nicht so übel im Augenblick.

Das Geräusch des weich ausgelegten Wandlers passt zwar nicht zu dem charakteristischen Zwölfzylinder-Heulen, aber der linke Fuß hat Ruh. Sanft fährt der bildschöne Blickfang an und verbirgt zunächst geschickt die Nachteile dieser bei Stop-and-go so praxisnahen Kraftübertragung. Es sind, im Gegensatz zu den Automatik-Getrieben von Jaguar XKR und Mercedes CL 600 (auch der XKR hat die Daimler- Automatik), nur vier und nicht fünf Fahrstufen vorhanden. Hinzu kommen zwei weitere Schwächen: das Unvermögen dieser alten Konstruktion, Kickdown-Kommandos zuverlässig auszuführen und, kein Wunder bei einer möglichen Endgeschwindigkeit von fast 300 km/h, eine unzureichende Spreizung der Gänge.

Wenn die dritte Fahrstufe brüllend am Ende ist, fällt die Drehzahl in den Keller. Und so angenehm es mit dem 456 GTA in der Kolonne ist, so enttäuschend erlebt man den nominal 442 PS starken V12 mit dem Einzelzylinder- Volumen einer mittleren Enduro bei freier Autobahn. Obwohl man wahrlich nicht langsam ist – subjektiv kommt mitunter doch so etwas wie das Gefühl von Leistungsmangel auf.

Wer einen Blick unter die Haube des riesigen Coupés geworfen und den wie sein eigenes Denkmal platzierten V12 gesehen hat, mag zunächst nicht glauben, dass dieses optisch so edle Teil, das von den 363 PS des mechanisch aufgeladenen Jaguar- V8 und den 367 PS des brandneuen Mercedes-V12 deutlich entrückt scheint, auf der Straße davon nichts zu er- kennen gibt. Wäre nicht der aufreizende Sound, den kein anderer Zwölfzylinder dieser Welt und erst recht kein V8 produziert, die Begeisterung würde noch kleiner ausfallen.

Nun, die drei Luxus-Coupés sind keine Rennautos, sondern große und schwere GT, die schon aufgrund ihrer Masse (fast zwei Tonnen beim Ferrari und Mercedes, 1,7 beim Jaguar) auch mit sehr starken Motoren keine Dragster-Beschleunigung erwarten lassen. Der phlegmatische Teil der Ferrari-Beschleunigung entsteht ohnehin erst jenseits von 200 km/h, bis Tempo 160 zeigt sich de facto Gleichwertigkeit zwischen Mercedes und Ferrari (knapp unter 14 Sekunden), der Jaguar XKR ist mit zwölf Sekunden etwas lebendiger. Sowohl er als auch der Mercedes sind, elektronisch abgeregelt, mit einer Spitze von 250 km/h gesegnet, der Ferrari darf laufen, was er kann, doch so viel mehr kann er selbst unter günstigen Bedingungen nicht. Man brauchte ein abgesperrtes Hochgeschwindigkeits- Areal, um das Plus von fast 50 km/h erleben zu können – auch verkehrsarme Autobahnen schaffen hierzu kaum noch die Voraussetzung. So bleibt Gleichwertigkeit im Tempo- und Leistungsniveau, die Differenzen ergeben sich in der Art, wie die hohe Leistung genießbar wird.

Die wenig perfekte Automatik kostet den Ferrari massiv Punkte im Antriebskapitel, Mercedes und Jaguar zeigen, wie gut das Zusammenspiel zwischen Motor und Kraftübertragung sein kann. Manuelle Eingriffe, im Ferrari bei schneller Fahrt unerlässlich, kann man sich bei ihnen getrost sparen. Immer ist die passende Übersetzung zur Hand, besser gesagt zu Fuß.

In der Laufruhe sind die Ansprüche in dieser Klasse nicht minder hoch. Große Hubräume und viele Zylinder schaffen die besten Voraussetzungen, aber einen klaren Vorsprung markiert auch hier der V12 von Mercedes. Mit einem unaufdringlichen, bei höherer Drehzahl und Last durchaus vernehmbaren Laufgeräusch erreicht der Dreiventiler den Gipfel an mechanischer Gediegenheit. Und es scheint fast wie ein Wunder, dass die bei Teillast einsetzende Zylinderabschaltung weder akustisch noch schwingungsmäßig zu erfühlen ist. Vibrationen zeigt auch der Ferrari-V12 nicht. Neben seiner akustischen Präsenz, Balsam für die Gehörgänge aller Fans, weniger gut für die sachliche Bewertung, macht er im Verbrauch auf sich aufmerksam.

Man soll ja in diesen Kreisen nicht kleinlich sein, doch die Erfahrung zeigt, dass auch die Wohlhabenden auf Effizienz zunehmend Wert legen. 20 Liter Super Plus verbraucht der 456 in Automatikversion, 16,4 sind es beim Jaguar, nur 15,4 beim CL 600. Für Größe, Gewicht und Leistungsvermögen darf speziell der Mercedes-Verbrauchswert als günstig eingeschätzt werden, auch wenn er absolut gesehen nicht gerade niedrig ist. Die Maßstäbe sind andere, auch in Sachen Geräusch. Der CL 600 ist, subjektiv und objektiv, der leiseste, der Jaguar kaum lauter. 67 beziehungsweise 68 dB(A) bei Autobahn- Richtgeschwindigkeit 130 sind zivile Werte, die der Ferrari auch seines dominanten Motors wegen klar übertrifft. Windgeräusche gibt es natürlich auch – sogar im vorbildlich leisen CL 600, an dessen Seitenfenstern ohne B-Säule, die zur imposanten Linie entscheidend beitragen, schon bei Tempo 120 ein leichtes Zischeln einsetzt.

Eine lässliche kleine Sünde, die nichts daran ändert, dass der Mercedes CL 600 die Fahrkomfort- Wertung ebenso überlegen gewinnt wie schon den antriebsspezifischen Teil. Er hat die mit Abstand komfortabelsten Sitze, die beste Federung und rollt fast wie auf Samtpfoten ab. Dass sich seine Karosserie dank Active Body Control praktisch nicht mehr zur Seite neigt, erscheint in der angestrebten Perfektion als Sah- nehäubchen. Große Karosserie- Bewegungen gibt es auch im Ferrari und Jaguar nicht, wohl aber deutliche Differenzen zum Komfort-Wunder CL 600.

Beim Ferrari, der auch aufgrund des sehr hohen Gewichts eine gute Grundfederung besitzt, stört vor allem das raue und laute Abrollen. Der Jaguar ist besser im Abrollkomfort, doch er zeigt bei schneller Fahrt Pumpbewegungen.

Auch hier ist die Distanz zum souverän federnden Mercedes groß, nicht zuletzt auch der deutlich schlechteren Sitze wegen. Die Kritik besteht umso mehr, als das Thema Zweipluszwei sehr unterschiedlich interpretiert wird.

Der CL 600 bietet, nicht zuletzt seiner Fünf-Meter- Stattlichkeit wegen, den größten Rücksitzkomfort, kaum schlechter als in einer Limousine. Beim Ferrari darf getrost von Notsitzen hinten gesprochen werden. Man kommt zur Not hinein und mit größter Not hinaus. Der Jaguar schließlich bietet nur beinamputierten Zwergen Platz. Auch zur Not geht hier fast nichts. Sonst fehlt es nicht an guten Zutaten (siehe Tabelle). So viele Extras wie beim Mercedes gibt es zwar nicht, bei dem sogar das Navigationssystem und ESP dazugehören.
Aber man hat eines der ansehnlichsten Automobil-Cockpits vor sich – holzgarniert und mit jener Club-Atmosphäre, die es wiederum bei Mercedes auch nicht gegen Aufpreis gibt. Der gut ausstaffierte Ferrari hat für seine Fans noch weitere teure Goodies parat – etwa Bremssättel in Rosso Corsa für 1300 Mark oder eine Silberplakette mit persönlicher Widmung für 550 Mark. Klar und sachlich der Ausstattungsstil im 456 GTA, ein wenig futuristisch im Mercedes Coupé, das die übersichtlichste Instrumentierung bietet und dessen Klimaautomatik mit unerhörter Effizienz arbeitet. Trotz einer Unzahl von Schaltern auf der Konsole, deren korrekte Bedienung ein Studium der dicken Bedienunganleitung nötig macht, sind die fahrrelevanten Bedienungselemente sicher erreichbar – und dies mit dem insgesamt besten Raumgefühl.
So viel Transparenz bietet weder das Ferrari- noch erst recht das Jaguar-Cockpit. Im Jag herrscht vorne jene typische Nischen-Atmosphäre, die subjektiv am meisten an die Welt der Sportwagen erinnert. Ein bisschen überraschend ist es da schon, dass ausgerechnet das mit Abstand komfortabelste Auto, der CL 600, auch im fahrdynamischen Bereich Bestnoten einfährt. Zusammen mit ESP wird ein Niveau erreicht, das auch der sehr fahrsichere und gut beherrschbare Ferrari nicht bieten kann. Der Jaguar ist mit seiner recht unvermittelt auftretenden Übersteuer-Nei- gung am weitesten entfernt, auch seine Lenkung erreicht nicht die Exaktheit wie die Aggregate des CL 600 oder 456.
Aber auch hier kein Schatten ohne Licht. Er ist, speziell neben dem Ferrari, der Handlichste des luxuriösen Trios. Und er hat, auch wenn dies in der Welt der beautiful people nicht die entscheidende Rolle spielt, den besten Preis: 152 900 Mark – gemessen an den 389 700 des Ferrari fast ein Schnäppchen. Der strahlende Sieger CL 600 liegt mit 224 230 Mark dazwischen und zeigt mit großer Distanz, wie die Dinge emotionsbereinigt liegen.    

Fazit

1. Mercedes CL 600
616 Punkte

Der erste Auftritt in einem Vergleichstest beschert dem neuen Flaggschiff aus Untertürkheim eine Überlegenheit, wie sie deutlicher nicht sein könnte. Alles ist auf höchstem Niveau - der neue Zwölfzylinder ebenso wie das Fahrwerk. Ein neues Stück GT-Kultur ist hier entstanden.

2. Jaguar XKR Coupé
566 Punkte

Der bildschöne XKR ist eigentlich nur ein Zweisitzer. Er überzeugt mit einem kraftvollen Motor und effizienter Automatik, die sehr gute Fahrleistungen ermöglicht. Der Ausstattungsstil ist betörend, Lenkung und Fahreigenschaften sind nicht vom Besten, ebenso wenig der Komfort.

3. Ferrari 456 M GTA
511 Punkte

Die mit Abstand schlechteste Automatik verändert den klassischen GT sehr unvorteilhaft. Trotz guter Fahrleistungen entsteht ein Gefühl des Mangels, das der trinkfreudige V12 nicht ausgleicht. Die Fahrsicherheit liegt hoch, bei Komfort und Raum sind Zugeständnisse nötig.

Technische Daten
Mercedes CL 600 Jaguar XKR Ferrari 456M GTA
Grundpreis 120.408 € 78.177 € 199.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4993 x 1857 x 1398 mm 4760 x 1829 x 1296 mm 4763 x 1920 x 1300 mm
KofferraumvolumenVDA 450 l 327 l
Hubraum / Motor 5786 cm³ / 12-Zylinder 3996 cm³ / 8-Zylinder 5474 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 270 kW / 367 PS bei 5500 U/min 267 kW / 363 PS bei 6150 U/min 325 kW / 442 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 298 km/h
0-100 km/h 6,1 s 5,3 s 5,8 s
Verbrauch 13,3 l/100 km 12,2 l/100 km 22,2 l/100 km
Testverbrauch 14,8 l/100 km 16,8 l/100 km 20,2 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Kia Ceed Sportswagon 1.4 T-GDI Platinum Edition, Skoda Octavia Combi 1.5 TSI ACT Style, Exterieur Kia Ceed Sportswagon 1.4 und Skoda Octavia Combi 1.5 Kompaktklasse-Kombis im Test
Beliebte Artikel Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn?
Anzeige
Sportwagen sport auto-Perfektionstraining 2018, Exterieur Perfektionstraining 2018 Sicher und schnell über die Nordschleife Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik
Allrad Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee Mercedes X-Klasse 6x6 Designstudie Carlex Mercedes X-Klasse 6x6 Böser Blick mit drei Achsen
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Jochen Hörnle - Freifahrtschein Ausnahme in Großstädten Übergangsfrist für Diesel-Fahrverbot
CARAVANING Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Vakantiepark Delfte Hout Campingplatz-Tipp Südholland Stadtcamping im Grünen