Ferrari F 430 Spider im Test

Rot vor Glut

Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Der Ferrari F430 Spider entfacht Sturm selbst bei Windstille. Sein hitzköpfiger 4,3-Liter- Achtzylinder presst ihn offen bis auf 308 km/h. Sie jauchzt vor Schauer, und das will etwas heißen. Die Beifahrerin, vollgasfest, aber nur bedingt autoverrückt, wird von ihren Empfindungen übermannt.

Sie jauchzt vor Schauer, und das will etwas heißen. Die Beifahrerin, vollgasfest, aber nur bedingt autoverrückt, wird von ihren Empfindungen übermannt: In einem offenen Ferrari bis Tempo 240 durchbeschleunigt, Gravitationskräfte, Naturgewalten und irres Drehzahl-Krakeelen in Kombination, das alles missdeutet ihre Sensorik als Apokalypse. Und aktiviert den Überlastschutz – Energie entlädt sich in einem Achterbahn- Schrei. Es ist nicht der letzte, den ihr der Ferrari F430 Spider entreißt.

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Einzeltest Ferrari F430 Spider
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Die neue Variante der neuen Modellreihe mit ketten- statt zahnriemengesteuertem Motor trägt eine schwere Bürde: Sie rückt dem erfolgreichen 360 Modena nach. 17 500 Auslieferungen in fünf Jahren – absoluter Rekord. F, das steht für die Auto-Traumfabrik, 430 für einen 4,3-Liter-Achtzylinder und Spider für die exhibitionistischste Form des Ferrari-Genusses. Mehr noch als das Coupé sprüht der 161 200 Euro (168 500 Euro mit F1- Schaltung) teure Spider vor Emotionen.

Dachfrei ist der Spider dem Motorrad nahe, verwickelt Fahrer und Beifahrer in eine innige Mensch-Maschine- Beziehung, zwingt sie mit unwiderstehlicher Leidenschaft, sich ihm hinzugeben, schafft gleichzeitig Freigang zur Natur und ihren Äußerungen. Glückseligkeit ist allgegenwärtig. Das Bewusstsein, in einem Ferrari zu sitzen, bestimmt das Denken und Handeln. Doch der Ehrfurchts-Feenstaub früher Jahre, der Schwachstellen überzog, ist heute unnötig. Aktuelle Ferraris halten Schlagloch-Härten stand, sind vollgasverträglich, reiben sich nicht einmal im Stau auf.

Im Gegenteil: Eine Heimfahrt aus dem Büro gleicht einer Katharsis von der Alltagslast. Während der F430 Spider mit Heuschrecken- Blick an der Stadtrand-Ampel lungert, vor Ungeduld Löcher in den Asphalt brennt, so sehr glüht, dass sein Achtzylinder kurz vor der Kernschmelze steht, lenkt man die Energie per Knopf in der Mittelkonsole für eine kurze Rot-Phase um.

Ein unscheinbarer Schalter transformiert den F430 vom Stoffdach-Coupé in einen Roadster. 20 Sekunden lang knöpfen sich die Hydraulikmotoren das Verdeck vor, nach weiteren fünf sind die Seitenscheiben heruntergelassen. Jetzt liegt er offen, entblößt, stellt seine Passagiere zur Schau. Wenn der Spider stript, den Stofffetzen lasziv von seinen Rundungen streift, dann ist Showtime. Grüne Ampel, Gasfuß-Fallbeil, kurz schleift die Kupplung des automatisierten F1-Sechsgang-Getriebes, die Hinterreifen besiegen den Schlupf, 465 Nm zerren, 490 PS schäumen.

Die Schaltpaddel am Lenkrad lösen aus, die Hydraulik lädt durch. Zong, zweiter Gang. Ortsschild. Peng, dritter, vierter. Autobahn. Fünfter, sechster, 308 km/h offen. Dem Nirvana nahe. Und der Skalp in Gefahr. Haarschonender sind 200 km/h. Die werden mit hochgefahrenen Seitenscheiben zur passablen Reisegeschwindigkeit. In einer Limousine mit geöffnetem Schiebedach wäre längst der Teufel los, im F430 Spider dagegen unterhält man sich noch angeregt. Beim Teillast- Speeding.

Vollgas startet den Hörspiel-Thriller. Der vielschichtige 4,3-Liter betritt Akustik-Neuland. Ein hochfrequent grölender V8 mit der rasenden Drehwut eines massenarmen Kurbeltriebs. Animalischer als das blecherne 360- Dengeln, dichter am offenen Superbike- Vierzylinder. Bis 3000/min gurgelt der Ansaug- Trakt unheilvoll. Dann ein leichtes Seufzen, die Auspuffventile öffnen, kaum Staudruck, kaum Dämpfung, der Dezibel-Vulkan bricht aus. Kehlig, wütend, einschüchternd.

Keine Sinfonie, sondern aggressiv übersteuerter Heavy Metal bis 8500/min. Die HiFi-Anlage sollte diesen Sound verstärken. Musik hören im F430 nur Banausen. Biometric-Daten statt Becker-Radio – Puls, Blutdruck und Temperatur des Motors, angezeigt von den Instrumenten im Cockpit. Sie stecken unter der klassischen Ferrari-Armaturenbrett- Hutze, die den Radius des Lenkrads vorgibt: eigenwillig eckig für den unverbauten Blick auf die sehenswerten, aber im Falle des Tachos unsinnig skalierten Rundinstrumente.

Das Cockpit bleibt sportlich analog, kein Mäusekino, kein Bildschirm. Elektrische Sitzverstellung (2065 Euro), mehr gibt es nicht an Limousinen- Gefühlen. Wie Mambo-Tänzer umarmen die serienmäßigen Sitze im Rennwagen- Riffel-Look die Taille der Insassen, angenehm und mit perfekter Orthopädie, aber sesselartig hoch montiert. SpielÜbersicht statt Integration.

Für Kurven- Carver sind die tief kauernden Racing-Schalen (3775 Euro) geeigneter. Egal ob als Berlinetta (Coupé) oder Spider: Der F430 ist der erste alltagstaugliche Ferrari – weil er wirklich und wahrhaftig federt. Kein Das-gehtja- gerade-noch-so-Fahrwerk, sondern ein echter Falten-Bügler.

Die Ingenieure haben verstanden. Und die Käufer freuen sich über die sachte Behandlung – dank dreifach verstellbarer Skyhook-Dämpfer. Eine auf Bodenwellen eingehende Federung heißt schließlich auch Traktion, Vortrieb, gegen die Lehne gepresst werden. Mangelnde Härte, mangelnder Einsatz?

Kaum: Es ist ein echter Ferrari. Einer, der die Kern-Kompetenz der Marke lebt: Der Spider inspiriert zu immer neuen Strecken, legt sich ins Zeug, hoch motiviert, schont sich nicht. Kurven als stete Herausforderung, die es perfekt zu meistern gilt. Auch hierbei hilft das justierbare Setup.

Wer sich den F430 wirklich zur Brust nehmen will, rastet den Schalter am Lenkrad, Manettino genannt, auf „Race“ – der Name ist Programm. Man liest die Linie, bremst punktgenau, stellt sich der Kehre, nimmt sie ein, vollstreckt im ersten, zweiten, dritten Gang, wedelt sich in rauschartige Zustände, extrahiert den Scheitelpunkt, röntgt den Ausgang, steht unverfroren früh auf dem Gas – und hat im 430 einen leichtfüßigen Komplizen.

„Race“ ist die härteste und spaßigste aller fünf wählbaren Fahrwerks-Einstellungen, da der Traktions-Aufseher ASR hier Schlupf bis in den Drift zulässt, bevor er den Bremsanker wirft. Sliden ohne Reue, mit Netz und doppeltem Boden. Da traut man es sich sogar in einem Mittelmotor-Boliden. Die elektronisch gesteuerte Differenzialsperre an der Hinterachse veranlasst diese Gutmütigkeit. Sie entschärft sogar Lastwechsel in schnellen Autobahnkurven, leitet die Kraft im Grenzbereich clever, ohne sie über ESP zu vernichten. Erst wenn sie mit ihrem Traktions-Latein am Ende ist, greift die Fahrdynamikhilfe ein – ebenfalls eine Neuheit in einem Achtzylinder-Ferrari.

Der Kunde ist mit seinem Fahrkönnen nicht auf sich alleine gestellt. Nach einer erschöpfenden Runde trägt der Wind mehr als nur sommerliche Kräuterwürze ins Cockpit. Er mischt es mit dem harzigen Aroma von warmgedrifteten Reifen, heißgefahrenem Öl, ausglühenden Karbon- Keramik-Bremsscheiben (13 340 Euro). Und unter den Sieges-Gesang der brodelnden Zylinder-Hitzköpfe mischt sich ein Jauchzen der Beifahrerin.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –sehr steife Karosserie –funktionelle Gestaltung –solides Verdeck –hochwertige Materialien
  • –schlechte Übersicht
Fahrkomfort
  • –guter Federungskomfort –bequeme Sportsitze –ruckarmes F1-Getriebe
  • –hoher Geräuschpegel
Antrieb
  • –überragende Fahrleistungen –extremes Drehvermögen –digitales Ansprechverhalten –berauschender Motor-Klang
Fahreigenschaften
  • –leichtfüßiges Handling –höchste Lenkpräzision –sehr gute Traktion –extrem hoher Grenzbereich –neutrales Fahrverhalten
Sicherheit
  • –zupackende Bremsen –effektiv abgestimmtes ESP
  • –keine Seitenairbags erhältlich
Umwelt
  • –sehr hoher Verbrauch
Kosten
  • –geringer Wertverlust
  • –sehr hoher Anschaffungspreis –enorme Unterhaltskosten

Fazit

Kein klassisches Cabrio, sondern ein offener Straßen-Rennwagen, der vor Emotionen schier überquillt. Gourmet-Motor, perfekt abgestimmtes Fahrwerk und sinnliches Offenfahr-Erlebnis. Leider extrem teuer.

Technische Daten
Ferrari F 430 Spider
Grundpreis 186.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4512 x 1923 x 1234 mm
KofferraumvolumenVDA 250 l
Hubraum / Motor 4308 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 360 kW / 490 PS bei 8500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 311 km/h
0-100 km/h 4,1 s
Verbrauch 18,3 l/100 km
Testverbrauch 17,8 l/100 km
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