Ferrari F 430 vs Lambo Gallardo

Forza Italia

Foto: Rossen Gargolov 24 Bilder

Ferrari und Lamborghini. Konkurrenten seit Jahrzehnten. Symbole für Kunst im Automobilbau. Mit F 430 und Gallardo tritt die Rivalität in eine neue Phase. Stehen die beiden auf gleicher Augenhöhe?

Am Imperium des Enzo Ferrari haben viele gekratzt in der für Feinschmecker famosen Emilia-Romagna. Keiner hat nennenswerte Spuren hinterlassen. Renzo Rivolta nicht, Alessandro DeTomaso nicht.

Beide hat man in Maranello, dem Ferrari-Stammsitz, nie ernst genommen. Die Manufaktur des Ferruccio Lamborghini, wenige Kilometer entfernt in Sant’ Agata beheimatet, zunächst auch nicht. Aber der trutzige Traktorenfabrikant, der seinen ersten Sportwagen baute, weil ihm Ferrari keinen liefern konnte, hat es geschafft, eine Firma aus dem Boden zu stampfen, die weder von Ferrari geschluckt wurde (wie Maserati) noch sang- und klanglos unterging wie Iso (Rivolta) oder DeTomaso. Was nicht gleiche Augenhöhe bedeutet.

Lamborghini stand, trotz aufregender Boliden, stets im Schatten von Ferrari. Erst nach der Übernahme durch Audi entstand mit dem Gallardo ein Sportwagen, der in Maranello die Alarmglocken schrillen ließ: allradgetrieben und stärker als der damals konkurrierende 360 Modena, mit einer für Lamborghini-Verhältnisse bis dato unbekannten technischen Perfektion.

Kein Wunder, dass Ferrari schwerste Kanonen auffuhr bei der Entwicklung des Modena-Nachfolgers. Einen neuen Motor beispielsweise. Nicht mit zehn Zylindern wie beim Lambo, sondern weiterhin mit nur acht. Aber jetzt mit kettengetriebenen Nockenwellen, mit mehr Hubraum und mehr Leistung. Kein Allradantrieb wie beim Gallardo, aber dafür ein raffiniertes Sperrdifferenzial an der Hinterachse, das elektronisch kontrolliert wird und, beinflusst von Parametern wie Lenkeinschlag, Gaspedalstellung, Raddrehzahl und Schwimmwinkel, die Sperrwirkung variiert.

Dazu, erstmals bei einem Mittelmotor-Ferrari, ESP. Und das i-Tüpfelchen: Sound-Engineering durch sich je nach Drehzahl und Lastzustand öffnende Klappen im Auspuff. Vor allem Letzteres prägt den ersten Eindruck. Was der F 430 an Klang zustande bringt, entspricht dem Umfang eines Sinfonie-Orchesters, wobei der Fahrer den Dirigenten spielt. Da ist jede Tonart dabei, je nachdem, wie das Gas betätigt wird. Tiefstimmiges Gurgeln bei niedrigen Drehzahlen, verhaltenes bis durchdringendes Grollen bei Volllast, heiseres Brüllen bei Annäherung an die Höchstdrehzahl.

Es ist wie eine Hymne an den Hubkolbenmotor – unverwechselbar italienisch, unter die Haut gehend. Vielleicht auf langen Strecken auch nervtötend. Der V10 des Gallardo hat da eindeutig das Nachsehen. Er trompetet immer die gleiche Melodie, je nach Drehzahl mehr oder weniger lautstark. Eindrucksvoll gewiss, aber nicht so klangvoll wie der Ferrari- V8. Zugegeben, mit der Qualität dieser Autos hat das nur am Rande zu tun. Also harte Fakten. Im Lamborghini sitzt man besser – tief und flach, wie sich das gehört.

Wer in den Ferrari umsteigt, fühlt sich wie Opa im Opel Olympia: hohe, fast limousinenhafte Sitzposition. Das Ambiente im Cockpit kehrt die Verhältnisse um. Im Lamborghini steckt viel Audi – Elemente aus der Großserie also. Nur nicht so perfekt: Den Lichtschalter muss der Novize lange suchen, die Platzierung der kleinen Nebeninstrumente in der Mitte des Armaturenbretts stellt keine optimale Lösung dar.

Beim Ferrari ist alles pur. Roter Startknopf im Lenkrad. Gleich daneben ein koketter Alu-Drehschalter für die Pogrammierung von Schaltung und ESP – von Eis bis Race. Zentral thront der Drehzahlmesser, optisch herausgehoben durch seinen gelben Hintergrund. Die übrigen Anzeigen gruppieren sich drumherum, gut ablesbar, wenn man von der Skalierung des Tachos absieht, die auf Führerschein erhaltende Beachtung von Tempolimits keine Rücksicht nimmt.

Auch beim Ferrari erfordert die Bedienung Gewöhnung – belanglos insofern, als ein solches Auto meist nur von seinem einzigen Herrn und Meister gefahren wird. Der wird für die Urlaubsreise den üppigen Kofferraum des Ferrari schätzen. Der reicht nicht nur für das klassische Zahnbürsten-Kreditkarten- Portfolio wie der des Lamborghini, sondern auch für zwei dicke Reisetaschen. Oder das maßgeschneiderte Set aus feinstem Leder. 3600 Euro. Bei der Aufpreisgestaltung ihrer nicht gerade wohlfeilen Pretiosen sind beide Hersteller nicht zimperlich.

Ein Auszug aus der Ferrari- Preisliste: Carbon-Bremse (wie beim Testwagen) 13 340 Euro, Kohlefaser- Applikationen im Interieur 3480 Euro, Scuderia-Ferrari-Embleme auf den vorderen Kotflügeln 1070 Euro. Eine kleine Liste der Lamborghini- Grausamkeiten: transparente Motorhaube 4060 Euro, Kofferset 2900 Euro, großes Carbon-Paket fürs Interieur 8584 Euro. Der Kunde hat’s ja, und stolz kann er nur auf etwas sein, das viel Geld gekostet hat. Den besten Beweis dafür liefert die sequenzielle Schaltung der Sechsganggetriebe. Sie wird, wen wundert es, extra berechnet – mit 9280 Euro beim Lamborghini und 7300 Euro beim Ferrari. Den meisten Kunden ist es das wert, ohne Kupplung am Lenkrad schalten zu können wie die Heroen der Formel 1.

Die Ferrari-Schaltung, weil eindeutig besser, darf da fast als Sonderangebot gelten. Sie verursacht weniger mechanische Geräusche, der Kupplungseingriff geht auch beim Rangieren ohne Ruckeln vor sich. Sehr schnell schalten können beide – schneller als ein geübter Fahrer mit einem Knüppel. Und das Zurückschalten mit Zwischengas ist ein Genuss. Bei den Motoren bestätigt sich der traditionelle Kontrast zwischen Ferrari und Lamborghini.

Der Ferrari- V8 ist ein fein geschliffenes Instrument, mechanisch kultiviert bis in höchste Drehzahlen. Der Lamborghini- V10 präsentiert sich als ruppiger Dampfhammer. Vibrationen sind ihm trotz seiner hohen Zylinderzahl nicht fremd. Er tobt wie ein wilder Büffel. Der Ferrari entfaltet seine Power wie eine geschmeidige, nicht minder kräftige Großkatze. Dass Lamborghini überlebt hat, liegt auch daran, dass immer ein Alternativprogramm zu Ferrari geboten wurde.

Leistung haben beide im Überfluss, die Differenzen in den Messwerten sind marginal. In der Exoten-Gesellschaft freilich zählt jeder Kilometer und jede Zehntelsekunde. Lamborghini, in Beschleunigung und Elastizität hauchdünn unterlegen, wird bei der Modellpflege im November ein Brikett zulegen. Die Leistung steigt auf 520 PS. Weit wichtiger: Auch bei Extrem-Tempo im Bereich von 300 km/h liegen beide so satt auf der Straße, dass das Ausnutzen des Potenzials aus technischer Sicht kein Problem darstellt. Auf kurvigen Strecken treten wieder Unterschiede zu Tage. Beim Lamborghini sind die Lenkkräfte hoch, die nicht vorhandene Übersichtlichkeit nach vorn erschwert zielgenaues Anpeilen des Kurvenscheitelpunkts.

Er ist ein störrischer Bolide, der nach einer kräftigen Hand verlangt. Im direkten Vergleich wirkt der Ferrari, als sei er nur halb so schwer. Der freie Blick auf die vordere Haube macht es leicht, die Vorderräder zentimetergenau zu platzieren. Die Lenkung, sehr leichtgängig und extrem präzise, lässt sich mit den Fingerspitzen bedienen. Im Handling deklassiert er den Lambo regelrecht. Er bremst, mit Carbon-Anlage, auch noch eine Spur besser. Vor allem ist die Bremswirkung weit besser zu dosieren.

Der Allradantrieb macht sich für den Gallardo nur auf sehr rutschigem Untergrund positiv bemerkbar. Denn auch der Ferrari bringt mit seiner Differenzialsperre die Kraft verblüffend gut auf den Boden. Sehr gutmütig sind beide, neutral bis zu extrem hohen Querbeschleunigungen. Und sollte einmal das Heck nach außen drängen, was entweder einen groben Fahrfehler oder rennmäßiges Fahren auf abgesperrter Strecke voraussetzt, greifen die elektronischen Regelsysteme ein – in beiden Fällen so rücksichtsvoll, dass die Dynamik des Antriebs kaum beeinträchtigt wird.

Zum Schluss hält der Ferrari noch eine Überraschung bereit. Er federt für einen Sportwagen dieses Kalibers ausgesprochen komfortabel – sogar bei langsamer Fahrt. Die mag der Lambo gar nicht, er überträgt dann kleinste Bodenwellen ungefiltert und polternd. Bei hohem Tempo wird seine Federung besser, bleibt aber weit entfernt von der Geschmeidigkeit des Ferrari. So ist es nun einmal bei Vergleichen.

Es gibt einen – in diesem Fall überraschend klaren – Sieger. Und einen Zweiten, der weniger Punkte sammelt, aber nicht minder gut den Marken- Charakter widerspiegelt. Vive la difference. Auf die Autos, die nach ihrem Ableben entstanden sind, können Enzo Ferrari und Ferruccio Lamborghini getrost mit einem Gläschen himmlischen Rotweins anstoßen.

Fazit

1. Ferrari F 430
486 Punkte

Einen so verfeinerten Ferrari gab es noch nie. Antrieb, Handling, Fahrsicherheit, sogar der Federungskomfort - alles erste Sahne. Seitliche Airbags und geringerer Verbrauch hätten den Punktestand erhöht.

2. Lamborghini Gallardo
429 Punkte

Im Gegensatz zum Ferrari bietet der Lamborghini ein archaisches Fahrerlebnis. Er ist laut, er ist hart, er erfordert hohe Bedienungskräfte. Ein brutaler Kraftprotz - wie es sich für einen Lambo gehört.

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Technische Daten
Lamborghini Gallardo 5.0 V10 Ferrari F 430 4.3 V8
Grundpreis 142.100 € 169.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4300 x 1900 x 1165 mm 4512 x 1923 x 1214 mm
KofferraumvolumenVDA 110 l 250 l
Hubraum / Motor 4961 cm³ / 10-Zylinder 4308 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 368 kW / 500 PS bei 7800 U/min 360 kW / 490 PS bei 8500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 309 km/h 316 km/h
0-100 km/h 4,2 s 3,9 s
Verbrauch 19,5 l/100 km 18,3 l/100 km
Testverbrauch 21,5 l/100 km 18,4 l/100 km
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