Ferrari F 430 im Test

Giero d'Italia

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Er ist der Kleinste, aber auch der Cleverste unter dem Cavallino-Wappen: Den 490 PS starken Ferrari F 430, das neue Basismodell unter den roten Rennern, kontrolliert geballte Elektronik-Power. Er verbindet damit auf faszinierende Art und Weise den klassischen Sportwagenbau mit den Segnungen moderner Elektronik.

Zittrig, aber entschlossen fährt die Hand des alten Bauern in den Bergen bei Maranello mit geballter Faust in die Höhe. Sein furchiges Gesicht strahlt, als hätte er in der Lotterie gewonnen. So viel Freude hat einen Namen: Ferrari F 430. Der Stolz, mit dem ganz Italien ein neues Fohlen unter dem Cavallino-Wappen begrüßt, liefert eine der Erklärungen, wieso der Mythos Ferrari so lebendig ist. Auch wenn es sich beim F 430 streng getreu der Modell- Hierarchie nur um das Einstiegsmodell handelt. Einstiegsmodell, das klingt wie der VW Fox von Maranello und lässt nicht erahnen, dass sich dahinter eines der schönsten und brachialsten Autos unserer Zeit verbirgt.

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Einzeltest Ferrari F 430
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Potenz, die schon beim Anblick des sexy taillierten Pininfarina- Aluminium-Kleids mit den beiden kolossalen Kühleinlässen unterhalb der Bi-Xenon- Lampen Superbenzin durch die Adern strömen lässt. Der F 430 scheint seine Gegner förmlich aufsaugen zu wollen. Seine Vorgänger 355 GTB und 360 Modena wirken dagegen wie aerodynamische Luftikusse. Der Neue ist anders, weniger wegen der obligatorischen Leistungssteigerung auf jetzt 490 PS, sondern dank dem konsequenten Einstieg in die elektronisch geregelte Welt des sportlichen Fahrens.

Im kultig-edlen Lederinnenraum mit dem ausladenden Zentral-Drehzahlmesser sind neue Schalter und Digitalanzeigen eingezogen. Und deshalb startet man den Kleinen nicht mit dem Zündschlüssel, sondern mit einem Druck auf den roten Startknopf im Lenkrad. Brummig, fast schon verschlafen brabbelt der 4,3 Liter große V8-Motor ins Selbstgespräch vertieft vor sich hin. Subtile Vibrationen sanft wie der Ruhepuls eines Rennpferdes erreichen den Fahrer. Ein beherzter Tritt aufs Gaspedal eröffnet ein motorisches Gala-Konzert, das seinesgleichen sucht. Aus dem Blubbern wird ein gieriges Röcheln, ein brüllendes Inferno knallt aus der vierflutigen Auspuffanlage. Wenn die schaltenden Auspuffklappen die Bahn frei räumen, scheint ohrenbetäubendes V8-Feuer das Trommelfell über die Alpen zu katapultieren. Atemberaubend.

Mit einem Zug am rechten Lenkrad-Pad legt der Ferrari- Pilot den ersten Gang ein. Die F1-Schaltung ist inzwischen zum Lieblingsspielzeug der Ferrari-Käufer geworden. Auf Pad-Befehl hin schaltet das Sechsgang-Getriebe rasend schnell und präzise im 150-Millisekunden-Takt, aber nicht mit der Explosivität eines BMW M5-Getriebes, sondern bei aller Eile weicher, runder, mit Crema eben. Unter einem weiteren Knopf lauert sogar eine Automatikfunktion. Blasphemie? Nein, praktisch. Fast nickfrei erleichtert sie das Leben im banalen Straßenverkehr.

Der Sportsmann nutzt sie, schweigt und freut sich, wie gelassen, beinahe komfortabel das Fahrwerk mit den adaptiven Dämpfern über den täglichen Gullydeckel-Slalom gleitet.

Trotzdem klingt leise Trauer mit bei dem Gedenken an die vielleicht bald nicht mehr erhältliche Handschaltung, andieses betörend zarte Klacken des magersüchtigen Schaltstocks im Metallglanz der offenen Kulisse.

Einen Ventildurchmesser darunter wartet ein zweiter Knopf auf Aktivierung: L. C. für Launch-Control. Wer davon eine Null-auf-100-Orgie für Schattenparker mit traktionskontrollierter Vollkasko-Beschleunigung erwartet, sollte lieber wieder Automatik fahren. Die Launch-Control spendet nur das Mindeste an Unterstützung: Die Einkuppeldrehzahl des elektrohydraulischen Getriebes wird frei wählbar.

Wie der brutale Dampf über die 285er-Bridgestone Potenza- Hinterreifen auf die Straße kommt, bleibt dem Fahrer überlassen. Allein dessen sensibler Gasfuß entscheidet darüber, ob es hinten nur raucht wie bei einem Frühlingsfeuer oder ob die Zeichen auf Sturm stehen.

Die letzten Beschleunigungszehntel gibt es freilich erst durch ein geheimes Launch- Menü: linker Fuß auf die Bremse, ersten Gang einlegen und die linke Schaltwippe kurz nach hinten ziehen. Dann liegt der Stein in der Schleuder.

Der Schuss kommt mit dem Gaspedal, passiert nach 3,9 Sekunden Tempo 100 und nach 13 Sekunden die 200er-Marke. Vorausgesetzt der Pilot gibt im rasenden Metronom-Takt der Drehzahlnadel präzise bei 8500/min den nächsten Gangimpuls. Bei 316 km/h ist Schluss. Nebenwirkung dieses secret service: Den kompletten Schlupf übernimmt die Kupplung, und der Fahrer kann sicher sein, dass sie mehr als zwei Mal rauchen nicht überlebt.

All das funktioniert jedoch nur bei ausgeschalteter elektronischer Stabilitäts- und Traktionskontrolle CST. Ein kleiner Metallschalter am Lenkrad, italienisch liebevoll manettino (Hebelchen) getauft, aktiviert die fünf verschiedenen Fahrprogramme Eis, Regen, Sport, Race und CST aus und nimmt damit zugleich Einfluss auf Dämpferhärte und Schaltgeschwindigkeit.

Wer sich für CST aus entscheidet, sollte sich darüber klar sein, dass jetzt der Ernst beginnt. Nichts außer dem eigenen Fahrkönnen rettet einen davor, diesen Mittelmotorsportwagen mit der Kraft von 465 Nm in die ewigen Jagdgründe zu drehen.

Die Sicherheitsausstattung des F 430 ist spärlich. Nur Fahrer- und Beifahrer-Airbag blasen sich im Ernstfall auf. Auf der anderen Seite geleitet einen das Eis- und Regen- Programm aber auch so sicher wie bei keinem Ferrari zuvor durch widrige Wetterlagen.

In Stellung Sport eröffnet der F 430 dann fast das volle Bukett seiner Fahr-Aromen. Direkt und offen plaudert das pizzagroße, leicht abgeflachte Lenkrad jedes Straßendetail aus. Der Fahrer seziert damit Kurven mit der Präzision eines Laser-Skalpells. Trotz 1,5 Tonnen wirkt das Handling so locker und leicht wie Milchschaum auf einem Cappuccino. Bleibt nur zu erwähnen, dass die Sitzposition für große Fahrer zu hoch ist.

Übersteuern, untersteuern – diese Gemeinheiten des Grenzbereichs ignoriert der extrem neutrale F 430 erst dann nicht mehr, wenn ihm der Pilot in der Kurve mutwillig einen Schuss Gaspedal-Grappa einflößt. Dann fliegt das Heck hurtig, aber allzeit kontrollierbar gen Kurvenrand – vorausgesetzt, der Schalter steht auf Race für große Driftwinkel. Am Kurvenausgang scheint das elektronisch geregelte Differenzial die Räder mit der Straße zu verzahnen.

Das Show-Programm allein verdient fünf Sterne. Der extrem steife F 430 erweckt in keinem Detail den Eindruck, als wäre er nur ein Sportwagen für betuchte Playboys, er steht an der Grenze zum Rennwagen. Beifahrern sei ein sehr stabiler Magen empfohlen, wenn die aufpreispflichtige Karbon- Keramikbremse ihren Auftritt hat. Heiß gemacht, krallen die Scheiben und Beläge den F 430 in sensationellen 35 Meter zum Stillstand, danach quietschen sie verschämt wie eine alte Kaffeemühle.

Bei Verzögerungen aus hohem Tempo ist das Volant kräftig anzupacken, denn das Heck des Vollblut-Hengstes wird leicht nervös. Schön, dass er auch mal zickig sein kann.

Alles, was ein echtes Sportgerät können muss, beherrscht der F 430 fast perfekt, und die Elektronik spendiert auch noch Sicherheit und Komfort – neue Zeiten bei den Mittelmotor- Ferrari.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • extrem steife Karosserie hochwertige Materialien funktionelle Gestaltung
  • Verarbeitungsmängel im Detail schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze akzeptabler Federungskomfort
  • hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • hervorragende Fahrleistungen überragendes Drehvermögen attraktives Motorgeräusch sehr schnelles F1-Getriebe
Fahreigenschaften
  • extrem gutes Handling sehr präzise Lenkung sehr gute Traktion neutrales Fahrverhalten
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen ESP mit Winterprogramm
  • dürftige Airbag-Ausstattung
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • teure Anschaffung extrem hohe Unterhaltskosten

Karosserie-Check

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • extrem steife Karosserie hochwertige Materialien funktionelle Gestaltung
  • Verarbeitungsmängel im Detail schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze akzeptabler Federungskomfort
  • hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • hervorragende Fahrleistungen überragendes Drehvermögen attraktives Motorgeräusch sehr schnelles F1-Getriebe
Fahreigenschaften
  • extrem gutes Handling sehr präzise Lenkung sehr gute Traktion neutrales Fahrverhalten
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen ESP mit Winterprogramm
  • dürftige Airbag-Ausstattung
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • teure Anschaffung extrem hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der neue F 430 verbindet auf faszinierende Art und Weise klassischen Sportwagenbau mit den Segnungen moderner Elektronik. Exzellente Fahrleistungen und sicheres Fahrverhalten für betuchte Auto-Gourmets.

Technik-Check

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • extrem steife Karosserie hochwertige Materialien funktionelle Gestaltung
  • Verarbeitungsmängel im Detail schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze akzeptabler Federungskomfort
  • hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • hervorragende Fahrleistungen überragendes Drehvermögen attraktives Motorgeräusch sehr schnelles F1-Getriebe
Fahreigenschaften
  • extrem gutes Handling sehr präzise Lenkung sehr gute Traktion neutrales Fahrverhalten
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen ESP mit Winterprogramm
  • dürftige Airbag-Ausstattung
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • teure Anschaffung extrem hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der neue F 430 verbindet auf faszinierende Art und Weise klassischen Sportwagenbau mit den Segnungen moderner Elektronik. Exzellente Fahrleistungen und sicheres Fahrverhalten für betuchte Auto-Gourmets.

Preise

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • extrem steife Karosserie hochwertige Materialien funktionelle Gestaltung
  • Verarbeitungsmängel im Detail schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze akzeptabler Federungskomfort
  • hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • hervorragende Fahrleistungen überragendes Drehvermögen attraktives Motorgeräusch sehr schnelles F1-Getriebe
Fahreigenschaften
  • extrem gutes Handling sehr präzise Lenkung sehr gute Traktion neutrales Fahrverhalten
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen ESP mit Winterprogramm
  • dürftige Airbag-Ausstattung
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • teure Anschaffung extrem hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der neue F 430 verbindet auf faszinierende Art und Weise klassischen Sportwagenbau mit den Segnungen moderner Elektronik. Exzellente Fahrleistungen und sicheres Fahrverhalten für betuchte Auto-Gourmets.

Ersatzteile

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • extrem steife Karosserie hochwertige Materialien funktionelle Gestaltung
  • Verarbeitungsmängel im Detail schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze akzeptabler Federungskomfort
  • hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • hervorragende Fahrleistungen überragendes Drehvermögen attraktives Motorgeräusch sehr schnelles F1-Getriebe
Fahreigenschaften
  • extrem gutes Handling sehr präzise Lenkung sehr gute Traktion neutrales Fahrverhalten
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen ESP mit Winterprogramm
  • dürftige Airbag-Ausstattung
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • teure Anschaffung extrem hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der neue F 430 verbindet auf faszinierende Art und Weise klassischen Sportwagenbau mit den Segnungen moderner Elektronik. Exzellente Fahrleistungen und sicheres Fahrverhalten für betuchte Auto-Gourmets.

Fazit

Der neue F 430 verbindet auf faszinierende Art und Weise klassischen Sportwagenbau mit den Segnungen moderner Elektronik. Exzellente Fahrleistungen und sicheres Fahrverhalten für betuchte Auto-Gourmets.

Technische Daten
Ferrari F 430 4.3 V8
Grundpreis 169.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4512 x 1923 x 1214 mm
KofferraumvolumenVDA 250 l
Hubraum / Motor 4308 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 360 kW / 490 PS bei 8500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 316 km/h
0-100 km/h 3,9 s
Verbrauch 18,3 l/100 km
Testverbrauch 17,6 l/100 km
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