Fiat 500 1.4 im Test

Zwerg-Wertung

Foto: Reinhard Schmid 30 Bilder

Nach VW New Beetle und New Mini kommt nun der Fiat 500 als drittes Retro-Auto, das vom Ruhm des Vorgängers zehren soll. Ob der neue 500 mehr kann als nur gut aussehen, muss die 100-PS-Version beweisen.

Eigentlich müsste der neue Fiat 500 ja Nuova 500 heißen, aber so einfach ist das nicht. Schließlich hieß bereits das historische Vorbild so, das 1957 auf den von 1936 bis 1955 gebauten Ur-500 (Topolino) folgte, immerhin bis 1975 im Programm blieb und uns jene positiven Erinnerungen eingeimpft hat, von denen der 500 jetzt zehren soll. Fiats Kleinster basiert technisch auf dem Panda, er hat mit seinem Vorgänger also, abgesehen von der Optik, nichts gemein.

Im Heck, wo einst schmalbrüstige Zweizylinder-Motoren mit 500 Kubikzentimeter Hubraum und nicht mehr als 18 PS werkelten, hat der Neue einen Kofferraum. Dort, wo der Alte ein klein wenig Platz fürs Gepäck bot, nämlich vorn, sitzt beim Aktuellen der Motor. In unserem Testwagen ist er 100 PS stark, 1,4 Liter groß und damit vorerst die Top-Motorisierung.

Aufgeladene Abarth-Versionen mit 130 und 160 PS folgen. Billig ist er nicht, auch das ist neu, denn 10 500 Euro sind für das 1,2-Liter-Basis- Modell mit 69 PS schon fällig. Einen Renault Twingo gibt es bereits für 9250 Euro, ein Toyota Aygo kostet 9350 Euro. 14 500 Euro werden für den 500 aufgerufen, wenn wie in diesem Fall die 100-PS-Variante in der Ausstattungslinie Lounge geordert wird, die neben der Grundausstattung (sieben Airbags, Zentralverriegelung, elektrische Außenspiegel und CD-Radio) über Klimaanlage, 15-Zoll-Aluminiumräder, Multifunktions- Lenkrad, Glasdach und geschätzte fünf Kilogramm Chrom auf diversen Zierteilen verfügt.

Den sicherheitsbewussten Deutschen wird dazu außerdem ein ESP gereicht, wenn sie sich für die 100-PS-Version entscheiden. Im Heimatland ist der elektronische Schleuderschutz dagegen nicht serienmäßig, daher fehlt er im italienischen Testwagen. Vor dem Fahren lassen wir den Kleinen wirken – auf uns und auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Wobei durchaus Wetten entgegengenommen werden, wer mehr Aufsehen erregen kann: Heidi Klum im Bikini oder der 3,55 Meter kurze Zweitürer. Vermutlich wird es schwer für Heidi.

In Mailand und auf dem Weg zur Teststrecke haften alle Blicke an dem 500. Aber – Glück für Fiat – es wird nicht nur geguckt, sondern auch bestellt. Sogar so heftig, dass Fiat mit der Produktion im polnischen Tichy nicht nachkommt und auch in Italien eine Produktionsstraße einrichten wird.

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Denn obwohl der 500 mit seinen chromgerahmten Kulleraugen und der knubbeligen Form eher wie ein etwas groß geratenes Spielzeug aussieht: Er ist ein ernst zu nehmendes Verkehrsmittel. Selbst ausgewachsene Nord- Europäer finden vorn absolut menschenwürdige Platzverhältnisse vor.


Zugegeben, trotz höhenverstellbarem Fahrersitz streift der Himmel zart das Haupthaar, und auch die Schulterfreiheit ist eher spärlich bemessen. Aber es ist schließlich ein Kleinwagen, und je schmaler er ist – hier 1,63 Meter –, desto leichter steigt man in der Parklücke aus und wieder ein. Auch die knappe Sitztiefe und wenig Seitenhalt für den Oberkörper könnte der Nordmann monieren.

Der Blick auf das Armaturenbrett entschädigt jedoch für vieles: glänzend lackierter Kunststoff, der sich nicht störend in der Scheibe spiegelt, statt traurigschwarzer Plastiklandschaft und ein Multifunktions-Instrument, dessen Ablesefreundlichkeit zwar nicht optimal ist, das aber sehr pfiffig aussieht. Wie langweilig sehen doch die meisten anderen Armaturentafeln dagegen aus.

An der Bedienung gibt es nichts zu meckern. Was nicht verwundert, schließlich ist kaum etwas zu bedienen. Aber mal ehrlich: Was fehlt schon, wenn Radio und Klimaanlage mit an Bord sind? Ein Navigationsgerät möglicherweise. Das gibt es mit Pfeildarstellung gegen 400 Euro Aufpreis. Ein portables, speziell auf den 500 abgestimmtes Karten-Navi-System soll 2008 kommen.

Fahrer und Beifahrer sind im 500 also mehr als befriedigend untergebracht, Fondpassagiere müssen erwartungsgemäß Abstriche machen. Die Kopffreiheit reicht nur für Personen bis 1,75 Meter Länge aus. Wer kleiner ist, sitzt hinten ganz manierlich. Kindersitze lassen sich dank serienmäßigen Isofix-Verankerungspunkten besonders leicht montieren.

Auf kurzen Strecken können sich vier Erwachsene im kleinen Fiat schon arrangieren. Aber für die große Reise ist er nun wirklich nicht gedacht. Wo sollte auch das Urlaubsgepäck hin, bei 185 Liter Kofferraum-Volumen? Als Stadt-Auto genutzt, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus, denn auch einen ausgeuferten Einkauf bekommt man im 500 unter.

Schließlich lässt sich die mittig geteilte Rückbanklehne bei Bedarf umklappen. Eine ebene Ladefläche entsteht so zwar nicht, doch immerhin müssen die Kopfstützen nicht demontiert werden. Sind die Einkäufe dann nach Hause transportiert, lässt sich ein weiterer Charakterzug des 500 freilegen: der des sportiven Landstraßen-Entertainers. Auch wenn der Testwagen für den Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h 1,4 Sekunden länger braucht, als die Werksangabe vorgibt, ist der 500 ein spritziger Geselle.

Allerdings mit kräftigem Durst, wie der Testverbrauch von 7,5 Liter/100 km belegt. Unter Last klingt der Vierzylinder-Motor, der bei höherer Drehzahl laut wird, wie ein zorniger Schwarm Hummeln und schiebt den eine Tonne schweren Kleinwagen munter voran. Unterstützt wird er dabei von einem passend gestuften Sechsganggetriebe, bei dem die Schaltvorgänge locker von der Hand gehen.

Das Fahrwerk gibt sich verbindlich straff, mit leichter Stuckerneigung und lautem Abrollgeräusch, aber ausreichendem Gesamt-Komfort. Im Normalfall folgt der Fiat brav den Lenkbefehlen. Übertreibt man es, untersteuert er sanft. Tückische Lastwechsel-Reaktionen sind ihm völlig fremd, was selbst ohne ESP eine hohe Fahrsicherheit garantiert.

Die elektrische Servolenkung mit höheren Lenkkräften, wenn die Sportfunktion aktiviert ist, arbeitet präzise und trägt erheblich zum agilen Eindruck bei. Mit anderen Worten: Der 500 lässt sich so flink bewegen, wie man es bei einem derartigen Winzling erwartet. Zu diesem positiven Eindruck passt die Bremse. Sie hat einen präzisen Druckpunkt, gute Verzögerungswerte und hohe Standfestigkeit – auch voll beladen.

Wobei die Zuladung mit 320 Kilogramm freilich nicht besonders üppig ausfällt. Das sieht bei der Liste mit den Extras ganz anders aus. Zahllose Design-Sets für das Auto und sogar für den Schlüssel lassen enorme Freiheiten in der Gestaltung des ganz persönlichen 500 zu. Eine Zugabe fehlt: Das Faltdach des alten 500.

Das in der Lounge-Variante enthaltene feste Glasdach mit Jalousie ist dafür kein Ersatz, auch das Glasschiebedach für 850 Euro Aufpreis nur ein müder Abklatsch. Darum eine Bitte an Fiat: Per favore, setzt dem 500 wieder ein Stoffmützchen auf.

Fazit

Der 500 ist ein moderner Kleinwagen im nostalgischen Outfit. Sein Fahrverhalten ist tadellos, der Komfort akzeptabel. Allerdings ist er kein vollwertiger Viersitzer und nicht gerade billig.

Technische Daten
Fiat 500 1.4 Lounge
Grundpreis 15.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3546 x 1627 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA 185 bis 550 l
Hubraum / Motor 1368 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 182 km/h
0-100 km/h 11,9 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km
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