Fiat Coupé 1.8 16 V, Hyundai Coupé 2.0, Opel Calibra 2.0 16 V

Das neue Hyundai Coupé sorgt mit einem sensationell niedrigen Preis von 33.990 Mark für frischen Wind unter den 2+2-Sitzern, deren Sportgeist bislang teuer bezahlt werden musste. Ob der Hyundai nicht nur billig, sondern auch gut ist, zeigt der Vergleich.

Wer bei Fielmann für seine Brille keinen Pfennig dazu bezahlt, seineGarderobe in den Modeshops der H&M Kette für wenig Geld aussucht und bei Aldi Lebensmittel zu Niedrigpreisen einkauft, gehört nach Einschätzung von Marketing- Experten auch zur potentiellen Hyundai Coupé-Kundschaft. Diese sogenannten Smart- Shopper, junge Leute, die für wenig Geld viel verlangen und dabei keinen Wert auf Image und Prestige legen, hat der koreanische Hersteller als Klientel für den neuen 2+2-Sitzer ins Visier genommen. Und nicht nur die. Von den 5000 Autos pro Jahr will man in Deutschland einige auch an an sogenannte Empty-Nest-Käufer absetzen – junggebliebene Ältere, deren Kinder aus dem Haus sind und die den Platz im Fond nicht mehr brauchen.


Um die Herzen dieser dynamischen
Kundschaft zu erobern, präsentiert sich der Hyundai in einem Kleid ungewöhnlichen Zuschnitts. Statt gedrungener Sportlichkeit setzen die Designer auf eine massige, ausladende Form mit vielen Sicken und Wölbungen – ein Hingucker, aber keiner, der überall Gefallen findet. An Front und Heck dominieren elliptische Formen, die sich auch im Innenraum penetrant bis zum kleinsten Lüftungsgitter wiederfinden. Diesem overstylten Auftritt stellt Fiat einen modernen Klassiker mit kraftvollem Körper und spannungsgeladenem Design zurSeite, während der Calibra auch als Oldtimer (Debüt: 1989) in diesem Trio zumindest äußerlich noch nicht altbacken wirkt.


Im Innenraum geht es im
Opel – abgesehen von weiß unterlegten,schlecht ablesbaren Zifferblättern – dafür bieder zu. Die funktionellen, aber antiquiert anmutenden Bedienungselemente beweisen mit einer nicht zufriedenstellenden Qualität (siehe Kaste auf Seite 56), daß der Zahn der Zeit an dem sieben Jahre alten Calibra kräftig nagt. Aber nicht injeder Hinsicht: Das Raumangebotdes Calibra braucht weiterhinkeinen Vergleich zu scheuen. DerOpel bietet als einziger vier vollwertige Sitzplätze sowie einen problemlosen Zustieg zum Fond.


Der Kofferraum, mit 300 Liter Volumen ausreichend bemessen, läßtsich durch einfaches Umklappen derRücksitzbank erheblich vergrößern,und nur die hohe Ladekanteerschwert den Zugang zumGepäckabteil. Ebenfalls mit großerHeckklappe ausgerüstet, steht derHyundai dem deutschen Konkurrentenhinsichtlich der Kofferraumgröße kaum nach: Mit 288 Liter erreicht er fast das Opel-Volumen und bietet auch einevariable Rücksitzbank.



Beim Zuschnitt des Fonds
scheint derkoreanische Hersteller allerdingsmitteleuropäische Größenverhältnisseaus den Augen verloren zu haben.Selbst Kindern ist es angesichts der Enge höchstens auf Kurzstrecken zuzumuten, dort Platz zu nehmen. Daß Hyundai nur selten mit Besuch auf der Rücksitzbank rechnet, beweisen auch derschwierige Einstieg nach hintensowie die unpraktische Fahrerlehne, die nach jedemVorschwingen neu justiert werdenmuß.


Der Fiat erweist sich in
dieser Hinsicht als alltagstauglicherund bietet im Innenraum Platzverhältnisse, die fast auf Calibra-Niveau rangieren. Dafür fehlt dem 295 Liter großen Kofferraum unter dem kleinen Heckdeckel Variabilität: Eine winzige Durchreiche, unglücklicherweise auch noch hinter dem Fahrersitz positioniert, schafft keinesfalls jene Großzügigkeit, die Hyundai und Opel auszeichnet. Weil Coupés aber in erster Linie wegen ihres sportlichen Charakters Anklang finden, ste hen für die meisten Käufer Motoren und Fahrleistungen im Vordergrund. Nominell tritt das Hyundai Coupé mit dem stärksten Triebwerk an. Der neu entwickelte Vierventiler mobilisiert aus zwei Liter Hubraum 139 PS bei 6000/min. Fiat bietet das Coupé neuerdings mit einem 131 PS starken 1,8 Liter- Vierzylinder an, der mit seinem quirligen Charakter bereits im Barchetta Aufsehen erregt hat.

Und Opel rüstet den Calibra an
der Basis mit einem zwei Liter großen 136 PS-Vierventiler aus der Ecotec-Reihe aus. Bäume reißt mit diesem Leistungsangebot keiner der drei Kandidaten aus, aber alle vermitteln das Gefühl, in einem flotten Auto unterwegs zu sein. Der Opel, der sein maximales Drehmoment von 188 Newtonmeter bereits bei 3200/min erreicht, bietet nicht nur die besten Beschleunigungs- und Elastizitätswerte, sondern mit gutem Ansprechverhalten und Drehvermögen auch den besten subjektiven Leistungseindruck. Der Testverbrauch liegt mit 9,9 Liter auf 100 Kilometer im Klassen-Durchschnitt. Der größte Nachteil dieses Triebwerks liegt in seiner sehr schlechten Laufkultur, verursacht durch starke Resonanzen und kräftige Dröhngeräusche, die auf der Autobahn den Aufenthalt zwischen 5000 und 6000/min fast unerträglich machen. Dazu kommt eine unpräzise Schaltung, die speziell das schnelle Wechseln zwischen dem zweiten und dritten Gang erschwert.

Der neue Hyundai-Motor klingt zwar ebenfalls rauh und schwilltim Ton bei steigender Drehzahl an,trotzdem bietet er eine bessereLaufruhe als die Opel-Maschine.Und obwohl er hohe Drehzahlenbraucht, um auf Touren zu kommen,sorgt er in dem 1215 Kilogrammschweren Auto für ausreichenden Vortrieb und eine gute Elastizität, die der Fiat so nicht bieten kann. Doch das hohe Drehzahlniveau erfordert seinen Tribut: Mit einem Testverbrauch von 11,5 Litern/100 Kilometer erweist sich der Hyundai als unzeitgemäß durstig. Der Fiat leidet an der zu langen Auslegung des fünften Gangs und dem eingeschränkten Drehvermögen. Trotzdem sorgt der Vierventiler mit gutem Ansprechverhalten für Fahrspaß, der mit einem Verbrauch von 9,7 L/100 km nicht zu teuer bezahlt werden muß. Die Unterschiede zwischen den drei Zweitürern erscheinen im Antrieb gering, im Komfort sind sie dafür um so größer.



Der
Calibra schmälert das Wohlbefinden zwar mit lautem Motor, der gute Federungskomfort und die bequemen Sitze gestalten den Aufenthalt der Passagiere dafür aber um so angenehmer. Dem Hyundai muß eine lästige Stuckerneigung auf Querfugen attestiert werden, den die ebenfalls kommoden Sitze nur bedingt abfangen können. Fiat hat in dem Bemühen, demCoupé eine sportlich-straffe Abstimmung mitzugeben, übertrieben. Das harte Verhalten der Federung auf Querrillen und die eingeschränkte Absorbierung langer Bodenwellen machen nicht nur die Fahrt auf schlechten Straßen unangenehm, zumal die Sitze nur mäßig gepolstert sind, auch die Richtungsstabilität leidet unter dem harten Fahrwerk, weil es das Auto bei hohen Geschwindigkeiten auf Bodenwellen in Fahrtrichtung versetzt und eine Unruhe in die Partie bringt, die erhöhte Aufmerksamkeit verlangt. Seinen Ruf als Sportwagen verteidigt der Fiat in schnell durchfahrenen Kurven dafür mit Bravour. Hier profiliert er sich mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten und direkt ansprechender Lenkung als außerordentlich handlich.

Der Hyundai neigt dagegen
stärker zum Untersteuern und läßt es sich in schnellen Kurven auch nicht nehmen, auf Lastwechsel mit einem Heckschwung zu reagieren. Sportwagenfeeling kann der kleine Fronttriebler mit seiner unexakten Lenkung jedenfalls nur begrenzt vermitteln. Noch unangenehmerüberrascht der Calibra: Wer Kurvenmit zu hoher Geschwindigkeit angeht und plötzlich Gas wegnimmt, muß mit einem Ausbrechen des Hecks rechnen. Federn läßt der Opel im Kapitel Fahreigenschaften auch wegen seiner fadingempfindlichen Bremse: Über 50 Meter benötigt er, um mit erhitzter Bremsanlage aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen. Der Hyundai zeigt mit 49,5 Meter nicht viel mehr Standfestigkeit, weist aber eine bessere Kaltbremse auf.

Der Fiat bremst
nicht nur mit kalter Anlage hervorragend.Er verbessert sich nach zehnmaliger Vollbremsung mit voller Zuladung sogar noch um zwei Meter auf 37,8 Meter. Den günstigen Basispreis des Hyundai vermag er dagegen nicht zuunterbieten. Das Fiat Coupérangiert um rund 4400 Mark überdem nahezu vollständigausgestatteten koreanischenModell, der Opel sogar um fast7500 Mark. Dem Calibra bleibtdamit nur die Rolle des Schlußlichts: Der hohe Preis, die unbefriedigende Verarbeitung, dieschwachen Bremsen und derunkultivierte Motor sprechen gegenihn. Der Hyundai leistet sich, abgesehen von den fadingempfindlichen Bremsen, keine gravierenden Schwächen, aber, mit Ausnahme des niedrigen Anschaffungspreises,auch keine herausragenden Stärken. So gebührt der Sieg mit nur einem Punkt Vorsprung dem Fiat, dernicht nur durch gelungenes Styling,sondern auch durch seine agilen Fahreigenschaften die Rolle des Sportwagens am besten spielt.

Fazit

1. Opel Calibra Young 2.0 16 V
100 Punkte

Sehr gutes Platzangebot vorne und hinten, großer, variabler Kofferraum, guter Federungskomfort, leistungsstarker Motor. Schlechte Verarbeitungsqualität, fadingempfindliche Bremsen, lauter, sehr unkultivierter Motor, hakeliges Fünfganggetriebe, hoher Anschaffungspreis.

2. Hyundai Coupé 2.0 FX
101 Punkte

Ordentliches Platzangebot vorn, bequeme Sitze, kräftiger Vierventilmotor, variabler Kofferraum, sehr niedriger Anschaffungspreis. Zu hoher Verbrauch, fadingempfindliche Bremsanlage, eingeschränkter Federungskomfort, sehr knappes Platzangebot im Fond.

3. Fiat Coupé 1.8 16 V
102 Punkte

Gutes Platzangebot auf den Vordersitzen, gute Verarbeitung, neutrales Kurvenverhalten, standfeste Bremsen, Motor mit ordentlicher Kraftentfaltung und guter Laufkultur. Eingeschränkter Federungskomfort, unruhiger Geradeauslauf, eingeschränkte Variabilität.

Technische Daten
Opel Calibra Young 2.0 16V Hyundai Coupé 2.0 FX Fiat Coupé 1.8 16V
Grundpreis 21.175 € 18.657 € 20.145 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4492 x 1688 x 1320 mm 4340 x 1730 x 1303 mm 4250 x 1768 x 1355 mm
KofferraumvolumenVDA 300 bis 980 l 288 l 295 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1975 cm³ / 4-Zylinder 1747 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 5600 U/min 102 kW / 139 PS bei 6000 U/min 96 kW / 131 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h 203 km/h 205 km/h
0-100 km/h 9,1 s 9,8 s 9,6 s
Verbrauch 8,8 l/100 km 8,7 l/100 km
Testverbrauch 9,9 l/100 km 11,5 l/100 km 9,7 l/100 km
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