Fiat Croma 1.9 Multijet 16V im Test

Cromasom

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Als Nischenmodell mit Opel-Genen kehrt der Fiat Croma in die Mittelklasse zurück: Nicht Van, nicht Kombi, aber geräumig, gut verarbeitet und zum Nice-Price-Tarif.

Gegenwind von Orkanstärke gehört zu seiner Grundausstattung. Der neue Fiat Croma fährt aus dem Tränental der Krise ins unwegsame Terrain der Mittelklasse, wo sich schon etablierte Typen wie ein Opel Vectra oder Ford Mondeo gerade etwas festgefahren haben. Er trägt den Namen eines Vorgängers, dessen stärkster Charakterzug seine Mittelprächtigkeit war, und ein Karosseriedesign von vollendeter Visionsarmut. Noch dazu kann er sich nicht wirklich entscheiden, ob er nun im Revier der Minivans oder der klassischen Kombis wildern will. „Komfort-Wagon“ nennen ihn seine Erbauer: Das macht ihm das Finden seiner Nische nicht einfacher.

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Es ist also nicht schwer, ihn zu übersehen. Aber ein zweiter Blick könnte sich spätestens dann lohnen, wenn die Preisliste auf dem Tisch liegt. Sie startet bei 21 900 Euro für den Basis-Croma, immerhin mit 2,2-Liter-Benziner und 147 PS, Klimaanlage, sieben Airbags und ESP. Der getestete 1,9-Liter- Diesel mit 150 PS kostet 26 300 Euro, sein Ausstattungslevel namens Emotion beinhaltet unter anderem eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, CDRadio und 17-Zoll-Alus. Damit liegt der Croma auf Skoda Octavia-Level, er unterbietet einen ähnlich ausstaffierten Opel Vectra Caravan um rund 2000 Euro – und das, obwohl er auf der gleichen Plattform steht.

Auch Motoren und Getriebe teilt er sich mit dem deutschen Klassenkameraden. Und so wird der Croma zumindest in die Geschichte seines Mutterhauses eingehen: als erstes und letztes gemeinsames Modell aus der kurzen, wilden Liaison zwischen General Motors und Fiat. Mit einer Länge von 4,76 Metern ist er etwas kürzer als der Vectra, aber immer noch über 20 Zentimeter länger als ein Mercedes C-Klasse T-Modell.

Sein Hochdach überragt sie beide. Die lichte Höhe hat er mit ausgewachsenen Vans zwar nicht gemeinsam, aber den bequemen Einstieg, die aufrechte Sitzposition und üppige Kopffreiheit. Sie steht 1,90-Meter-Männern auch dann noch zur Verfügung, wenn sie sich nicht für die niedrigstmögliche Sitztiefe entschieden haben. Das empfiehlt sich für Croma-Benutzer schon deshalb, weil das Lenkrad und die Lenkstock-Hebel außergewöhnlich hoch stehen.

Bei längerer Fahrt schmerzen empfindliche Unterarme, und wer zum ersten Mal blinken will, greift garantiert zum tiefer platzierten Hebel des Tempomats. Auf der Haben-Seite stehen dafür die komfortabel gepolsterten, vielfältig verstellbaren Vordersitze des Croma, deren Lehnen es allerdings an Seitenführung fehlt, die appetitlich angerichteten Rundinstrumente und die Auswahl sehr ordentlich aussehender und griffsympathischer Materialien: Die Suche nach Plastik-Graten und Kunststoff- Applikationen, die sich schon bei Neuwagen nach Youngtimer anfühlen, ist hier kurz und ergebnislos.

Das Fehlen silikongedämpfter Haltegriffe wirkt aber verzeihlicher als die Abwesenheit einer vorderen Gurthöhenverstellung. Fürstliche Raumverhältnisse auch auf der hinteren Sitzbank, deren Form und Polsterung mehr an ein Lounge- Sitzmöbel erinnern – und auch daran, dass Designermobiliar nur selten maximale Variabilität mitbringt. Denn dummerweise sind die Kopfstützen zu kurz und drücken langen Passagieren ins Genick.

Zudem endet die Wandelbarkeit des Croma bereits mit dem Umlegen der geteilten Rückbanklehne. Der Beifahrersitz lässt sich nur in der Topausstattung aufpreisfrei flachlegen, beliebte Goodies wie hintere Längsverstellung oder ausbaubare Sitzflächen gibt es auch gegen Mehrpreis nicht.

Soviel Unbeweglichkeit war gestern, zumal der Croma nicht einmal eine ebene Ladefläche bietet – klassischer Fall einer verschenkten Chance, ebenso wie die geringe Zuladung von nur 394 Kilogramm. Immerhin fasst der Basis-Kofferraum klassenübliche 500 Liter, das maximale Volumen liegt bei stolzen 1610 Litern, wobei Fiat das geräumige Kleinkram-Staufach unter dem Ladeboden mitrechnet.

Lieber nicht laden, sondern fahren, gerne auch zügig: Der Common-Rail- Diesel des Croma – serienmäßig mit Partikelfilter – klingt selbst beim Kaltstart und unter Volllast fast abwesend leise, er schiebt die leer 1,6 Tonnen schwere Fuhre kraftvoll an und realisiert Verbrauchsschnitte im Sieben-Liter- Bereich.

Das Sechsgang-Getriebe ist präzise geführt, aber auch lang übersetzt; der Schalthebel liegt vantypisch gut zur Hand. Wirklich überraschend ist das alles nicht, im Gegensatz zur Abstimmung des Fahrwerks: Statt modischer Straffheit erstaunt es mit seiner weich abgestimmten Federung, deren Schluckvermögen auf Autobahnen und gut ausgebauten Landstraßen mehr an klassische Franzosen erinnert.

Zum sanft nachschwingenden Kopieren von Bodenwellen neigt das Fiat-Fahrwerk erst auf Kraterpisten dritter Ordnung, und auch der markentypische Hang zum Stuckern äußert sich hier nur vergleichsweise dezent. Ein talentierter Raumgleiter also, aber kein Weichling, der sich engagiertem Reisetempo widersetzt. Seine elektrohydraulische Servolenkung dürfte sich zwar einen Hauch spontaner ins Spiel bringen, aber seine Bremsen lassen sich fein dosieren und machen einen energischen Job.

Und im Grenzbereich zeigt sich der große Fiat als gut beherrschbarer Untersteuerer mit zart eingreifendem ESP.

So bleibt er zwar nicht als Charismatiker in Erinnerung, aber als großzügiger Typ mit gepflegten Manieren. Einer, der es im Leben womöglich schwerer haben wird, als er es verdient.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –sehr gutes Raumangebot –saubere Verarbeitung
  • –wenig Variabilität – niedrige Zuladung –Sitzposition nicht optimal – nach vorne unübersichtlich
Fahrkomfort
  • –komfortabel abgestimmtes Fahrwerk –sehr gut gedämmtes Motorgeräusch –angenehmer Sitzkomfort
  • –leichte Stuckerneigung – hintere Kopfstützen mit kurzem Verstellbereich
Antrieb
  • –durchzugsstarker Motor –präzise Schaltung –großer Aktionsradius
Fahreigenschaften
  • –unproblematisches Kurvenverhalten
  • –nicht ganz präzise Lenkung
Sicherheit
  • –gute Bremswerte –umfangreiche Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –Partikelfilter serienmäßig – niedriger Verbrauch
Kosten
  • –attraktiver Grundpreis
  • –voraussichtlich hoher Wertverlust

Fazit

Ein interessanter Nischen-Typ unter den großen Mittelklasse-Kombis: Der Croma bietet viel Platz und guten Komfort zum günstigen Preis. Mangelnde Variabilität kostet ihn aber den vierten Wertungsstern.

Technische Daten
Fiat Croma 1.9 Multijet 16V Emotion
Grundpreis 28.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4756 x 1775 x 1597 mm
KofferraumvolumenVDA 500 bis 1610 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
0-100 km/h 10,6 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km
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