Fiat Grande Punto 1.4 8V im Test

Buongiorno Macchina

Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Er trägt die Größe im Namen und gehört in seiner Klasse zu den stattlichen Autos. Der Grande Punto, hier mit 1,4-Liter-Motor, soll Fiat wieder auf die Erfolgsspur bringen.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass man von der Fabbrica Italiana Automobili Torino, kurz Fiat, gute Nachrichten hörte. Fiat, eines der ältesten Automobilunternehmen in Europa, stand jahrelang zwischen Übernahme und Untergang.

Jetzt freilich sehen die Zahlen wieder erfreulicher aus. Nicht zuletzt dank dem Grande Punto stieg beispielsweise der Absatz in Deutschland in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 30 Prozent. Schlechte Fiat-Nachrichten, alte Fahrensleute werden sich erinnern, sind nicht neu. Früher war es die Qualität der Autos aus dem Süden, die oft für Hohn und Spott sorgte. Flink und sportlich waren Fiat zwar immer. Aber der Rost, so grienten die Spötter, begann schon im Prospekt zu nagen. Und heute? Alles anders. Die Globalisierung greift um sich, die Autos werden sich ähnlicher.

Meist nimmt man sich die Deutschen zum Vorbild, deren Ruf, die besten Mobile der Welt zu bauen, ungebrochen ist. Man merkt das dem Grande Punto an. Die Türen, mit sicherheitstechnisch längst obsoleten Klappgriffen versehen, fallen mit einem satten Klack ins Schloss, fast schon mercedesmäßig. Die Karosseriestruktur wirkt steif, und auch im Innenraum gibt es weniger an der Verarbeitung als an den verwendeten Materialien zu mäkeln. Harter Kunststoff gehört nun einmal zum Standard in dieser Preisklasse.

Beim Punto fällt er allerdings verstärkt auf, weil das Armaturenbrett so ausladende Flächen zeigt. Wer im Punto sitzt, fühlt sich deshalb wie in einem Van. Das macht die Beurteilung der Karosserie zwiespältig. Giorgio Giugiaro, dessen Firma den Punto entworfen hat, fand speziell bei der zweitürigen Ausführung zu einem ausgesprochen schnörkellosen Design von wahrhaft italienischer Eleganz. Aber die Erfordernisse der Praxis blieben teilweise unberücksichtigt. Stark abfallende Motorhaube und flach gestellte Windschutzscheibe sind Gift für die Übersichtlichkeit.

Wo das Auto vorne aufhört, kann man vom Fahrersitz nur erahnen. Die A-Säulen im Format junger Bäume machen die Sache nicht besser. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Auf einer Länge von vier Metern und drei Zentimetern, die in dieser von VW Polo und Konsorten geprägten Klasse ein Gardemaß darstellen, bietet der Punto ein üppiges Platzangebot. Vorn können es sich dank dem großen Verstellbereich der Sitze auch die längsten Teutonen gemütlich machen.

Nur dann wird es im Fond knapp mit dem Beinraum, ansonsten gibt es hinten viel Bewegungsfreiheit für eine komfortable Reise. Der Kofferraum passt sich mit 275 Litern dem klassenüblichen Format an. Bei der getesteten Version Dynamic ist die Rücksitzbank geteilt, was die Variationsmöglichkeiten (bis 1020 Liter) erweitert. Obwohl nicht nur die Lehne, sondern auch der Sitz geklappt werden kann, wird die Ladefläche jedoch nicht ganz eben. Zur Serienausstattung gehört eine Klimaanlage, die im Testwagen installierte, gut funktionierende Klima-Automatik (siehe auch Spotlight) kostet 300 Euro Aufpreis, womit sie deutlich preisgünstiger ist als ESP.

Dafür sind stattliche 500 Euro extra fällig, was als echter Fauxpas gelten darf. Immerhin bietet der Grande Punto im Rahmen des ohne die Antischleuder- Elektronik Möglichen ein sehr gut abgestimmtes Fahrwerk und entsprechend gute Fahreigenschaften. Allein schon die bescheiden dimensionierten Reifen, die frühzeitig schreiend vor Eskapaden warnen, tragen mit ihrem breiten Grenzbereich dazu bei.

Wer zu schnell in eine Kurve sticht, sieht sich mit dem für einen Fronttriebler typischen Schieben über die Vorderräder (Untersteuern) konfrontiert. Die natürliche Reaktion des Gaswegnehmens bewirkt eine leichte Lastwechselreaktion – stark genug, um auf Kurs zu bleiben, aber nicht so ausgeprägt, um Gegenlenken notwendig zu machen. Klingt fast perfekt, ist es aber nicht. Die elektrisch unterstützte Lenkung ist für schnelles und sauberes Fahren nicht hilfreich. Die zu starke Servowirkung unterdrückt das Gefühl für die Straße höchst wirksam.

Da es einen City-Schalter gibt, der noch mehr Lenkhilfe für die Stadt spendiert, hätte man die Lenkung im Normalmodus ruhig etwas direkter auslegen können. Servokraft scheint beim Punto generell als Luxus für den Kleinwagenfahrer angesehen zu werden.

Denn ähnlich überversorgt wie die Lenkung ist auch die Bremsanlage. Schon ein leichtes Berühren des Pedals führt zu intensiver Verzögerung. Selbst nach längerer Gewöhnung fällt es schwer, die Bremskraft auf angemessene und für Mitfahrer akzeptable Weise zu dosieren. Sehr hoher Beanspruchung ist die Bremse gewachsen, obwohl an der Hinterachse nur Trommeln und keine Scheiben wirken.

Abseits aller Grenzbereiche erfreut der Punto seine Insassen vor allem mit seinem gutem Fahrkomfort. Die Sitze gefallen durch straffe, guten Halt bietende Polsterung, die Gestaltung der Bedienungselemente erscheint auf Anhieb logisch und verständlich. Wichtigstes Komfortmerkmal bleibt die Federung, die im Gegensatz zu einem früher getesteten Punto-Exemplar (siehe Heft 23/2005) einen harmonischen Eindruck hinterlässt. Lange Federwege sorgen zwar unter den extremen Bedingungen der fahrdynamischen Übungen für beträchtliche Karosseriebewegungen, auf der anderen Seite aber sind sie selbst mit groben Unebenheiten nicht überfordert. Den Beinamen Grande verdient sich der Fiat vor allem mit den erwachsen wirkenden Federungseigenschaften. Der Motor, ein 1,4 Liter großer Vierzylinder mit fast schon historisch anmutender Zweiventiltechnik, trägt dazu nicht bei. Man kann ihm nur bescheinigen, dass er allzeit bemüht ist.

Angesichts moderner Diesel wirkt ein so kleiner Benziner schlapp. Dass er die Werksangabe für die Beschleunigung auf 100 km/h (13,2 Sekunden) nicht erreichte, mag an der geringen Laufleistung von weniger als 1000 Kilometern liegen. Auf der Habenseite stehen ordentliche Laufkultur und der noch akzeptable Verbrauch.

So kritikwürdig das in der Serienausstattung fehlende ESP auch sein mag – diesen Makel teilt der Fiat mit den meisten Autos seiner Klasse. Und so bleibt eine erfreuliche Fiat-Nachricht übrig: Guten Morgen, Fiat, so überzeugend war schon lange kein Auto aus Turin mehr.

Fazit

Der Grande Punto bietet viel Platz, guten Fahrkomfort und ordentliche Karosseriequalität zu einem attraktiven Preis. Nicht überzeugend: gefühlsarme Lenkung, teures ESP.

Technische Daten
Fiat Grande Punto 1.4 8V Dynamic
Grundpreis 13.780 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4030 x 1687 x 1490 mm
KofferraumvolumenVDA 275 bis 1020 l
Hubraum / Motor 1368 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 57 kW / 77 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h
0-100 km/h 14,1 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km
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