Fiat Idea 1.3 JTD 70 16V im Test

Hoch-Bau

Foto: Achim Hartmann

Der Minivan ist eine hoch aufgeschossene Alternative zum Fiat Punto und soll vor allem mit seinem variablen Interieur Punkte machen.

Das Einzige, was derzeit bei Fiat steil aufwärts zeigt, ist die Bauhöhe. Schon der Multipla bringt es auf stattliche 1,70 Meter, ein Doblò misst sogar 1,81 Meter, und mit 1,54 Meter ist der kleine Panda fast so hoch wie breit. Der rasante Aufschwung von Vans und Geländewagen hinterlässt quer durch alle Klassen Spuren, der Drang zu Höherem kennt offenbar keine Grenzen. Ganz neu ist die Idee freilich nicht, die Fiat nun dazu beisteuert. Denn einen Van im Vier- Meter-Format haben Opel (Meriva) und Toyota (Yaris Verso) schon länger im Programm, und anders als der umstrittene Multipla fällt der Idea weder formal noch konzeptionell aus dem Rahmen.

Nichts an diesem Auto wirkt revolutionär oder unverwechselbar, das einzig Auffällige ist sein Scheitelmaß von 1,66 Meter, mit dem er die Masse der Normalos überragt. Das sind 18 Zentimeter mehr als beim Punto, von dem seine Technik und Plattform stammen. Zugunsten der Handlichkeit wuchsen dagegen Radstand und Länge nur um wenige Zentimeter, der entscheidende Raumvorteil resultiert aus dem Einvolumen-Design ohne abgesetzte Fronthaube. Davon profitieren nicht nur Kopf- und Beinfreiheit auf den hinteren Rängen, sondern auch die Bequemlichkeit beim Einstieg und bei der Montage von Kindersitzen. Reichlich Platz also für ein 3,93-Meter-Auto und ein entsprechend luftiges Raumgefühl hinter der weit nach vorn gerückten Frontscheibe. Beim Manövrieren stören allerdings die breiten Pfosten und die nur zu erahnende Front, während die Rücksicht durch die schmalen Außenspiegel unnötig erschwert wird. Besser lässt sich das Heck abschätzen, vor allem weil jenseits der Scheibe nicht mehr viel kommt.

Ansonsten zeigt das Interieur – auch ohne das Panorama- Glasschiebedach (850 Euro) – mehr Licht als Schatten. Die Atmosphäre ist freundlich, die Verarbeitung ansprechend und knarzfrei, das zweifarbige Cockpit aus hartem Kunststoff schlicht, aber nicht ärmlich. Lenkrad und höhenverstellbarer Fahrersitz lassen sich schnell in eine passende Position bringen, und die rechte Hand fällt wie von selbst auf den kurzen, nach oben gerutschten Schalthebel. Für Verdruss sorgen hingegen die laut rubbelnden Scheibenwischer und die schwache Heizung, die den Innenraum bei Minusgraden nur unzureichend temperiert. 

Auch die kaum ausgeformten Sitze und die kleinen Zentralinstrumente samt Drehzahlmesser (ohne rote Markierung) machen wenig Freude. Auf die dadurch möglichen Fächer rechts und links davon könnte man getrost verzichten, zumal sich ihre Deckel schwer öffnen lassen und insgesamt weitere 25 Ablagen zur Verfügung stehen. Doch so etwas zählt eben bei einem richtigen Van – genau wie die Möglichkeit, das Mobiliar nach Belieben umbauen zu können. Mehr Kofferraum? Kein Problem. Einfach die Rücksitze um 16 Zentimeter vorschieben und die Lehnen senkrecht stellen – schon passen 420 statt 320 Liter ins Heck.

Reicht nicht? Dann eben die beiden ungleichen Teile (60 zu 40) umklappen und zur Not die Beifahrerlehne gleich mit – so wächst das Volumen bis auf 1.420 Liter. Ohne große Anstrengungen entsteht so eine gut nutzbare, maximal 1,15 Meter lange Ladefläche, die noch mehr Platz böte, wenn man die Rücksitze ganz ausbauen könnte. Geht jedoch nicht – so wenig wie das Gepäck ohne Hürde einzuräumen, weil der Boden etwa 15 Zentimeter tiefer als die Ladekante liegt. Auch die Zuladung ist mit 419 Kilogramn nicht gerade üppig bemessen. Im Gegenzug macht die Karosserie einen steifen, soliden Eindruck und fördert so das Vertrauen in die Unfallvorsorge. Darüber hinaus sind die gängigen Sicherheitsmerkmale wie ABS, Kopfstützen und Dreipunktgurte für alle Sitzplätze sowie Front- und seitliche Kopfairbags bis hinten an Bord, ESP oder Sidebags vorn kosten allerdings Aufpreis.

Die sonstige Ausstattung lässt sich durch viele Extras aufwerten, bietet aber schon in der Basisversion Active einen guten Standard. All dies schlägt sich natürlich im Leergewicht nieder: Der Testwagen brachte mit einigen Zutaten fast 1300 Kilogramm auf die Waage. Kein Pappenstiel für einen nur 1,3 Liter großen Turbodiesel mit Common-Rail- Einspritzung und 70 PS, der auch im Punto, Lancia Ypsilon und Opel Corsa angeboten wird. Zu den Meriten des Vierventilers zählt sein kultivierter Lauf, beim Durchzugsvermögen wird mit 20,3 Sekunden von 80 auf 120 km/h im fünften Gang nur Mittelmäßiges geboten. Gleichwohl reicht das Temperament in den meisten Lebenslagen gut aus.

Trotz einer leichten Anfahrschwäche, die vor allem nach kalten Winternächten etwas lähmend wirkt, legt sich der Motor willig ins Zeug. Schon bei 1.750 U/min steht das volle Drehmoment von 180 Nm bereit, erst jenseits von 4.000 U/min wird es zäh und laut. 15,4 Sekunden von null auf 100 km/h sind für ein Auto dieser Art nicht schlecht, nur die letzten Kilometer bis zur Spitze (159 km/h) ziehen sich. So schnürt man auf der Autobahn am liebsten mit Richtgeschwindigkeit dahin, der Motor summt zufrieden, und der Fahrer ist es auch. Zusammen mit den niedrigen Wind- und Fahrgeräuschen entsteht eine insgesamt moderate Akustik, bei 130 km/h zeigt der Drehzahlmesser 3.000 U/min und das Phon-Messgerät 72 dB(A) an – ein Wert, mit dem es sich gut leben lässt.

Besonders sparsam ist der kleine Diesel allerdings nicht: Das Testmittel von 7,3 Liter pro 100 Kilometer weist ihn nicht gerade als Kostverächter aus. Immerhin stehen der kultivierte Antrieb und die ordentlichen Fahrleistungen einer längeren Reise nicht im Wege, und Gleiches gilt für den Federungskomfort. Er ist unter dem Strich befriedigend mit einer eher straffen als kommoden Grundabstimmung, was die Insassen speziell auf Querfugen als kurze Stöße zu spüren bekommen. Längere Bodenwellen steckt das Fahrwerk jedoch gelassen weg, und das Schluckvermögen reicht selbst bei hoher Zuladung locker aus. Trotz seines hohen Schwerpunkts meistert der Idea auch den dynamischen Teil ganz gelassen. Er lässt sich recht flott und handlich bewegen, zeigt in Kurven wenig Untersteuer- und Seitenneigung und bleibt von Lastwechseln völlig unbeeindruckt. Selbst die Bremsen packen kräftig zu. Allerdings mangelt es der elektromechanischen Lenkung, die per Knopfdruck im City-Modus das Kurbeln in der Stadt erleichtert, besonders um die Mittellage an Präzision und Gefühl. Letzteres gilt ganz generell für den nüchternen kleinen Van, man vermisst die zündende Idee beim Idea.

Nach einigen ebenso mutigen wie erfolglosen Modellen scheint bei Fiat wieder die Funktion über die Form zu herrschen, was aber auch sein Gutes hat. Denn der Nutzwert kann davon nur profitieren, und angesichts der guten Ausstattung gibt es hier viel Auto fürs Geld (ab 13.290 Euro). Warum soll es da nicht auch mit der Nachfrage wieder aufwärts gehen?

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • geräumiger, variabler Innenraum
  • bequemer Einstieg
  • schlecht ablesbare Instrumente
  • unübersichtliche Frontpartie
Fahrkomfort
  • akzeptable Federung
  • niedriges Geräuschniveau
  • schwache Heizung mit unbefriedigender Luftverteilung
  • wenig konturierte Sitze
Antrieb
  • kultivierter Motor
  • befriedigendes Temperament
  • exakt schaltbares Getriebe
  • leichte Anfahrschwäche
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • gute Handlichkeit
  • geringe Seitenneigung
  • gefühllose Lenkung
Sicherheit
  • wirksame Bremsen
  • ESP und Sidebags als Option
Umwelt
  • akzeptabler Verbrauch
  • kein Rußpartikelfilter lieferbar
Kosten
  • attraktiver Kaufpreis
  • günstige Unterhaltskosten
  • Basis- und Mobilitätsgarantie nur 2 Jahre

Fazit

Fiat hat mit dem Idea ein kompaktes, handliches Raumwunder auf die Räder gestellt. Hohe Variabilität, sichere Fahreigenschaften und akzeptabler Komfort sind seine Stärken. Weniger gut: Lenkung, Instrumente und die schwache Heizung.

Technische Daten
Fiat Idea 1.3 JTD 70 16V Dynamic
Grundpreis 15.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3930 x 1698 x 1660 mm
KofferraumvolumenVDA 320 bis 1420 l
Hubraum / Motor 1248 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 51 kW / 70 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 159 km/h
0-100 km/h 15,4 s
Verbrauch 5,1 l/100 km
Testverbrauch 7,3 l/100 km
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