Fiat Idea, Ford Fusion, Opel Meriva

Raumdeutung

Foto: Hans-Dieter Seufert

Hohe Sitzposition und viel Platz bieten die drei Kompaktvans gleichermaßen. Welcher ist die beste Alternative zum herkömmlichen Kleinwagen?

Drei Wünsche erfüllt normalerweise nur die Fee in der Märchenwelt der Gebrüder Grimm. Doch solche Träume werden mitterweile auch im realen Autoleben wahr – und zwar selbst im preissensiblen Kompaktvan-Segment. Da gibt es zum Beispiel den neuen Fiat Idea, der gleich drei Ideale kombiniert: eine hohe Sitzposition, viel Laderaum und dabei ein handliches Kleinwagenformat. Auch bei Ford Fusion und Opel Meriva ist dies der Fall. Ebenso wie der Idea treten sie mit rund 100 PS an und haben Normalos als Konzernbrüder – Kleinwagen, die nichts anderes sind als eben kleine Wagen. Doch dafür ist ein vergleichbarer Fiat Punto, Ford Fiesta und Opel Corsa bis zu 2000 Euro billiger. Idea und Co. übersteigen locker die 15 000-Euro-Region und sind damit nicht eben günstig.

Das Mehr zeigt sich nicht nur in der Preisliste, sondern auch an der Größe der drei Kleinwagen-Derivate: Sie sind deutlich höher als ihre nächsten Verwandten, haben um die entscheidenden Zentimeter bei Radstand und Außenlänge zugelegt. Keiner der drei Kandidaten fordert beim Einstieg einen Diener von seinen Fahrgästen, nicht einmal beim Zustieg in den Fond. Am ehesten erinnert hier noch der Fusion an den typischen Kleinwagen und verlangt zumindest, dass die Füsse etwas weiter angezogen werden.

Im Meriva freuen sich vor allem die hinteren Insassen von ihrer logenartigen Warte aus über die tolle Sicht nach vorne. Diese erhöhte Position erleichtert nicht nur älteren Fahrgästen den Ausstieg. Auch junge Käufer haben mit dem Geländewagen-Boom den Vorteil des Überden- Dingen-Schwebens erkannt. Diesen Trend greifen Idea, Meriva und Fusion mit höhenverstellbaren Fahrersitzen auf. Gleichwohl gibt es Unterschiede in der Sicht nach draußen. Bei Idea und Meriva entschwinden die abfallenden Motorhauben unterhalb des Sichtfeldes, das zudem von massiven A-Säulen eingeengt wird. 

Der kantige Fusion dagegen ist übersichtlich wie ein leerer Fußballplatz, was bei der Konstruktion oberste Priorität genoss. Weniger Wert wurde allerdings auf einen grosszügig wirkenden Innenraum gelegt; man sitzt wie in einem typischen Kleinwagen. Anders der Opel: Er gaukelt unendliche Weiten vor. Fast wähnt man sich im deutlich größeren Zafira. Ein ähnliches Gefühl vermittelt auch der Fiat; nur sein tiefes Cockpit mit der breiten Konsole wirkt erdrückend. Weitere Mankos: Der Blinkerhebel ist nur für Pianistenfinger gut zu erreichen, die zentral angeordneten Instrumente liegen außerhalb des Blickfeldes, der Lautstärkeregler des Radios ist schwer zu greifen, die Sitze sind die konturlosesten im Vergleich, jenseits von 130 km/h flattert der Scheibenwischer, und die Heizung lässt die Füsse kalt. Eine Unmenge von Ablagen entschädigt teilweise, ebenso die variablen Rücksitze. Sie lassen sich verschieben, die Lehnen in der Neigung verstellen oder auch im Verhältnis zwei zu drei umklappen und zusammenfalten. Bis zu 1420 Liter Laderaum entstehen dann.

Wer es auf die Spitze treiben will, kippt auch die Beifahrer-Lehne um und hat noch mehr Raum zum Vollpacken Schade nur, dass beim Entladen eine hohe Kante überwunden werden muss. Noch besser kann das nur der Meriva. Voll bestuhlt bietet er den größten (350 Liter) und am besten zugänglichen Kofferraum, der sich auf bis zu 1410 Liter erweitern lässt.

Was er darüber hinaus an Kunststückchen beherrscht, ist fast zirkusreif. So versteht sich der pfiffige Opel nicht nur auf die Verschiebe- und Kipp-Nummern, hier können bei Bedarf auch Stühle verrückt werden. Die beiden äußeren Fondsessel lassen sich nach innen fahren. Das kostet den dritten, ohnehin unbequemen Sitzplatz, bringt aber zusätzliche Bewegungsfreiheit. Wenn man möchte, sogar für die Füsse. Denn zum Finale lassen sich die beweglichen Sessel noch einmal weiter nach hinten schieben. Soviel Flexibilität verdient in der Van-Klasse generell Beifall. Und der Fusion? Der kann nur neidisch zusehen. Bei ihm klappt wenig, seine Variabilität übertrifft die eines gewöhnlichen Kleinwagens nicht. Er ist ein Minimalist mit robusten, aber ärmlich wirkenden Plastik-Oberflächen.

Naturbursche ist der Ford freilich nur von Gestalt. Selbst seine höhere Bodenfreiheit befähigt den Fronttriebler kaum zu Ausflügen ins Gelände. Auf der Straße dagegen brilliert er. Mit den Genen des agilen Fiesta ausgestattet, schwingt er sich behände um die Kurven, sein Motor scheint bis in die Ventilfedern motiviert. Da bleibt dem Meriva das Nachsehen. Ganz auf Komfort getrimmt, ist er in seinen Reaktionen behäbiger. Er schluckt Bodenwellen noch gleichmütiger als der Ford. Dafür ist die Opel-Lenkung nicht so präzise und die Schaltung nicht so knackig. Das Schlimmste ist allerdings die Trägheit des Motors. Er spricht verzögert an, hängt schlecht am Gas, läuft rau – und verbraucht auch noch am meisten Benzin.

Hier zeigt sich der Fiat von der besten Seite. Er lässt sich bei sparsamer Fahrweise sogar mit weniger als fünf Litern auf 100 Kilometer bewegen. Das schaffen sonst nur Diesel-Kleinwagen. Vor allem beim Durchzug merkt man dem Idea-Vierzylinder jedoch den fehlenden Hubraum an. Schlimmer ist, dass Fiat bei der Abstimmung des Fahrwerks keine glückliche Hand bewiesen hat. Zwar lässt sich der Idea leichtfüssig bewegen; dennoch ist die Federung zu steif, Fahrverhalten und Lenkung schwammiger als bei Ford und Opel. Zu viele Nachteile, die nicht einmal die hervorragende Ausstattung aufwiegt. Immerhin straft sie die deutschen Konkurrenten als Knauser ab, die sich Extras teuer bezahlen lassen. So ist der Idea eine Überlegung für jene, die eine komplett ausgestattete, variable Alternative suchen.

Um den Sieg im Vergleichstest kämpfen jedoch die anderen. Obwohl er der Verwandlungsfähigkeit von Idea und Meriva nichts entgegenzusetzen hat, mischt der Fusion ganz vorne mit – seines agilen Fahrverhaltens und kräftigen Motors wegen. Dass ihm der Ford am Ende so nahe kommt, liegt am Opel selbst. Bei der Bremsen- und Motorwertung lässt er stark Federn. Aber der Meriva ist das ausgewogenste Auto, das die drei Wünsche nach hoher Sitzposition, Laderaum und Kleinwagenformat am überzeugendsten erfüllt. 

Fazit

1. Fiat Idea 1.4 16 V Emotion
439 Punkte

In Sachen Variabilität schließt der Minivan fast zum Meriva auf. Toll: die umfangreiche Ausstattung. Mittelmäßig: Komfort und Bedienbarkeit. Die Festkosten sind hoch.

2. Ford Fusion 1.6 Viva
464 Punkte

Seine größte Schwäche ist die mangelnde Variabilität sowie die ärmliche Anmutung. Demgegenüber steht die beste Rundumsicht. Klasse für sich: Motor und Fahrwerk.

3. Opel Mériva 1.6 Cosmo
470 Punkte

Mehr Auto auf vier Meter Länge gibt es nicht. Komfort, Fahrverhalten und Bediensicherheit hinterlassen einen guten Eindruck, den nur Motor und Bremsen trüben.

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Technische Daten
Opel Meriva 1.6 Cosmo Fiat Idea 1.4 16V Emotion Ford Fusion 1.6 16V Viva
Grundpreis 17.775 € 16.760 € 15.515 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4042 x 1694 x 1624 mm 3930 x 1698 x 1660 mm 4018 x 1720 x 1498 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1410 l 320 bis 1420 l 337 bis 1175 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1368 cm³ / 4-Zylinder 1596 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min 70 kW / 95 PS bei 6000 U/min 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h 175 km/h 178 km/h
0-100 km/h 13,6 s 12,3 s 11,0 s
Verbrauch 7,3 l/100 km 6,6 l/100 km 6,7 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km 8,0 l/100 km 8,2 l/100 km
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