Fiat Marea Weekend 2.0, Opel Vectra Caravan 2.0 16 V, Renault Laguna Grandtour 2.0 16 V

Die Kombis kommen, freilich nicht erst seit jetzt. Doch der Markt wächst und hält eine ganze Reihe von neuen Modellen bereit. In der Mittelklasse trifft der jüngst präsentierte Opel Vectra Caravan auf den Laguna Grandtour und den Fiat Marea Weekend. Im Vergleichstest: die Zweiliter-Versionen in den gehobenen Ausstattungsklassen.


Die Zeit der großen Wandlung liegtschon eine ganze Weile zurück.Einst war der Kombinationskraftwagenein reiner Lastenesel für Gewerbetreibende, und entsprechend gering schien seine Ausstrahlung. Heute läßt sich sagen, daß derKombi zu diesem Zweck durchausauch noch zu benutzen ist. Doch sein wahrer Verwendungszweck istein ganz anderer geworden – alsvielseitiges Freizeitobjekt, alsAuto für alle Fälle, nicht zuletztals kaum noch nutzenorientiertes Stylingsujet. Eine nicht unwesentliche Anzahl Jetztzeit- Kombis verdankt ihre Inbetriebnahme allein der Tatsache, daß sie besser gefallen als Limousinen. auto motor und sport verzichtet traditionell auf eine Attraktivitätswertung,denn Schönheit läßt sich nichtmessen. Gleichwohl kann deroptische Auftritt der dreiTestkandidaten nicht ganzunkommentiert bleiben.


Sowohl der neue Vectra Caravan
als auch Fiats Marea Weekend zeigen optisch jene durchtrainiert wirkende Kompaktheit, die sich gut mit dem neuzeitlichen Anspruch derKombis verträgt. Wir können laden,lautet die Botschaft, aber wirkönnen auch sonst alles. DerLaguna wirkt, obwohl genauso neu,etwas ältlich. Ich kann vor allemladen, verkündet sein weitüberhängendes Heck, was ich sonstkann, muß sich zeigen. Der optische Generaleindruck läßt sich mit dem Maßband präzise untermauern. Mit einer Länge von 4,62 Metern ist der Laguna Grandtour genau 13 Zentimeter größer als seine kompakter ausgefallenen Konkurrenten.

Wenn schon das
Aussehen von den Überhängen nicht profitiert, hat man sonst etwas von dem ausladenden Wesen dieses Autos? Man hat. Mit einem Kofferraumvolumen von 520 respektive 1782 Litern (Rücksitzbank geklappt) übertrifft der französische Kombi den Vectra (460/1490 Liter) und den Marea (500/1550 Liter). Mit 645 Kilogramm hat er auch die mit Abstand höchste Zuladung, Opel und Fiat liegen bei 527 und 494 Kilogramm. In der Praxis spielt die Höhe der Zuladung allerdings eine weit geringere Rolle als im Kraftfahrzeugschein. Die Platzverhältnisseund die Beladbarkeit der durchweg großzügig wirkenden Heckabteile nebst ihrer Variabilität erweisen sich als bedeutsamer.


Der Laguna hat hier neben dem absolut größten Laderaum auch einesehr tief liegende Ladekante zubieten, der Marea, sozusagen alsFiat-Kombi-Stilelement, einklappbares Mittelteil derHeckstoßstange. Was hat man davon?Nun, in der normalen Fahrpraxisgar nichts. Doch wie der Fotograffindig zeigt, läßt sich ein Brett hinten heraushängend herumfahren.


Der praktische Nutzen
ist gering – weit geringer als die Durchlademöglichkeit, die allein der Opel Vectra bietet. Überdies offeriert er drei zusätzliche Fächer unterhalb des solide wirkenden Kofferraumbodens, dazu gibt es zwei weitere Seitenschatullen. Wie bei allen anderen auch ist der Klappmechanismus, der die Rücksitzbank in die Horizontale bringt, selbst für Ungeschickte kein Thema. Die Zweidrittel- Eindrittel-Teilung beim Klappen ist zur Norm geworden, nicht hingegen der Umstand, daß die Kopfstützen immer montiert bleiben können. Nur beim Marea können sie es, wobei hier die dritte, mittlere Kopfstütze ohnehin fehlt. Auch ein dritter Dreipunktgurt in der Mitte der Rücksitzbank, beim Laguna und Vectra serienmäßig, wird beim Fiat vermißt. Jalousien, die den Kofferrauminhalt verdecken, gibt es da wie dort, bei Opel sogar ein zusätzliches Sicherungsnetz.

Den
billigsten Mechanismus, um die Heckjalousie zu aktivieren und zu arretieren, hat der Marea. Hier sind es Klettverschlüsse, die mit einem häßlichen Reißgeräusch antworten und akustisch auf das einstimmen, was irgendwann sowieso passiert. Daß die zusätzlichen Längenzentimeter des Laguna ganz dem Laderaum zugute kommen, zeigendie Raumverhältnisse vorne undhinten. Vor allem im Fond stehtpraktisch nicht mehr Beinraum alsbeim Vectra und Marea zurVerfügung. In allen drei Fällenist das Raumangebot für diePassagiere völlig ausreichend.Auffallend ist, daß man im Vectra hinten ziemlich tief und auch relativ hart sitzt – die Sitzbezügebei allen tendieren in den flauschigen Bereich und geben eine Ahnung, daß man es im Sommer nicht leicht haben wird. Von der Funktionalität her zeigtsich der Opel als klarer Favorit,ebenso – Ehre, wem Ehre gebührt –diesmal in Sachen Verarbeitungsqualität.

Das
sogenannte Qualitätsgefühl istim Vectra am besten – Renault und Fiat zeigen vor allem unter Belastung Ächzgeräusche der Karosse. Der Vectra wirkt steif und solide, und seine Bedienung gibt nicht jene Rätsel auf, die der Laguna parat hat. Tatsächlich offeriert dieser zwei Hupbetätigungen – die eine traditionell im funktionsüberfrachtetenBlinkerhebel, die andere, theroretisch sinnvoller, im Lenkrad. Doch wer kann sie in der Not bedienen? Ihre Schwergängigkeit vereitelt jeden normal ausgeführten Versuch. Im Ausstattungsniveau gibt es nur einen Überflieger.


Der Marea Weekend bietet zuden Allgemein-Goodies wieZentralverriegelung, ABS oderServolenkung eine Kimaanlageund ein Radio serienmäßig. Eine Niveauregulierung kann beim Vectra (1095 Mark) und beim Laguna (1130 Mark) auf Wunsch zugekauft werden. Doch was wäre der praktischste Kombi ohne einen schönen Antrieb? Ungeachtet dermöglichen Zuladungen, die inMarsch gesetzt werden müssen, erweistsich der Motor auch bei dieser ArtPersonenwagen als Quell der Freudeoder des Verdrusses. Zwei Liter Hubraum haben sie unisono, vier Ventile ebenfalls – allein die Zylinderzahl Fünf läßt den auf Brava-Basis agierenden Marea Weekend zum Sonderling werden. Von allen Antriebsquellen macht das Fiat-Aggregat, das mit seinen 147 PS auch nominell über den anderen rangiert (Opel: 136 PS, Renault: 139 PS), das meiste Motorvergnügen.


Seidig und mit einem angenehmen
Laufgeräusch dreht der Fünfzylinderhoch, erweist sich jedoch bei den Fahrleistungen nicht als klarüberlegen. Das Beschleunigungsniveau liegt bei jenen zehn Sekunden vomStand auf 100 km/h, die man in dieser Region als temperamentvoll einzuordnen hat. In der Elastizität sind die Differenzendeutlicher: Der Laguna profitiertvon seiner kurzen Übersetzung, dieden lautstarken Vierzylinder zwarbrüllen, aber eben auch kräftigantreten läßt. Das führt zuPluspunkten bei denFahrleistungen, aber zu deutlichenPunktabzügen beim Fahrkomfort.

Der Opel-Vierzylinder entpuppt
sich als akustisch angenehmer Geselle. Er ist zwar etwas zu lang übersetzt, was sein Durchzugsvermögen beeinträchtigt, aber er stört niemals. Im täglichen Umgang ist er nach dem Fiat-Fünfzylinder die beste Wahl, zumal er im Verbrauch eine klare Marke setzt: Im Durchschnitt konsumiert er mit 9,5 Liter pro 100 Kilometer einen Liter weniger als Laguna und Marea. Vorteil Opel also, wie auch – zusammen mit dem leisen Motor – in der Ausgewogenheit des Fahrkomforts. In der Federungscharakteristik ist derLaguna durch sein weniger geschmeidigesAbrollen gehandikapt, hinzu kommt im Gesamtbild der störend laute Motor.

Der Marea schließlich zeigt –
mit Ausnahme der Disziplin Komfort beladen – die schlechteste Federung. Kurze Wellen mag er partout nicht, speziell auf den Betonplatten mancher Autobahnen sind die Passagiere in ständiger, unstandesgemäßer Bewegung. Die Fahreigenschaften bei dendrei Konkurrenten liegen auf hohem Niveau, auch wenn unterextremen Bedingungen leichte Lastwechselreaktionen beiallen zu beobachten sind. Der Fiathat dazu ein Traktionsproblem und etwas fadingempfindliche Bremsen. In der Handlichkeit profitiert der Laguna von seiner extrem leichtgängigen Servolenkung – das Problem des Durchschlagens mit voller Nutzlast teilt er mit dem Vectra. Oft wird man diesen Zustand nicht erleben, er bleibt auf sehr schlechte Straßen und eine forcierte Gangart beschränkt. Daß nicht das Auto mit dem größten Ladevolumen, nämlich der Laguna, diesen Vergleich gewinnt, ist keine Ungerechtigkeit. Andere Schwächen drücken ihn, zusammen mit demfast punktgleichen Marea, deutlichhinter den neuen Vectra Caravan.

Der Opel entpuppt sich als
rundherum ausgewogenes Automobil – traditionell eine der sichersten Methoden, einen Vergleichstest klar für sich zu entscheiden.

Fazit

1. Renault Laguna Grandtour
100 Punkte

Karosserie mit sehr großem Raumangebot, gute Fahrleistungen, gutes Durchzugsvermögen, sichere Fahreigenschaften, gute Federung. Fahrkomfort durch lauten Motor eingeschränkt, Knarrgeräusche der Karosse, teilweise unpraktische Bedienung, schlechter Abrollkomfort.

2. Fiat Marea Weekend
101 Punkte

Gutes Raumangebot der Karosserie, sehr reichhaltige Serienausstattung, sehr kultivierter Motor mit guten Fahrleistungen, sichere Fahreigenschaften. Teilweise unbefriedigende Verarbeitung, in engen Kurven gelegentlich Traktionsprobleme, Federungskomfort bei kleinen Wellen schlecht.

3. Opel Vectra Caravan
108 Punkte

Gut verarbeitete Karosse mit befriedigendem Raumangebot, funktionelle Bedienung, sichere Fahreigenschaften, gute Fahrleistungen, ausgewogener Fahrkomfort, günstiger Verbrauch. Leichte Lastwechselreaktionen bei voller Zuladung, etwas zu lange Gesamtübersetzung.

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Technische Daten
Opel Vectra Caravan 2.0 16V Fiat Marea Weekend 2.0 20V HLX Renault Laguna Grandtour 2.0 16V RXE
Grundpreis 20.748 € 21.233 € 21.986 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4490 x 1707 x 1445 mm 4487 x 1741 x 1500 mm 4620 x 1752 x 1448 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 1490 l 500 bis 1550 l 520 bis 1782 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 5-Zylinder 1948 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 5600 U/min 108 kW / 147 PS bei 6100 U/min 102 kW / 139 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 205 km/h 198 km/h
0-100 km/h 9,8 s 10,4 s
Verbrauch 8,8 l/100 km 9,9 l/100 km 9,8 l/100 km
Testverbrauch 11,1 l/100 km 10,5 l/100 km
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