Fiat Multipla JTD 105 ELX im Test

Va bene

Fiat Multipla JTD 105 ELX
11 Bilder

Die Qualitäten eines Autos lernt man am besten beim Fahren kennen. Über 100.000 Kilometer konnte der skurrile Fiat Multipla JTD so manches Vorurteil entkräften. So etwa, dass italienische Autos unzuverlässig seien.

Der Fiat Multipla ist hier zu Lande nicht unbedingt ein Objekt der Begierde. Nur rund 16 000 Exemplare wurden seit seiner Einführung 1999 in Deutschland verkauft. Der weitaus größte Teil seiner bisherigen Gesamtprodukion (140 000) landete in Italien und Frankreich.

Die für einen Minivan innen wie außen ungewöhnliche Raumgestaltung des sechssitzigen Multipla polarisiert, wobei offenbar die Gegner weit in der Überzahl sind. Dabei reicht das Spektrum der Design- Kommentare von einem anerkennenden „voll die coole Kiste ay“ bis zu der sicher nicht aus Mitgefühl gestellten Frage: „Haben Sie einen Unfall Gehabt“?

Doch Multipla -Fahrer bleiben auch angesichts schlecht versteckter Häme cool. Sie sind von den Qualitäten ihres Autos überzeugt, viele lieben es, und nicht wenige finden es sogar schön. Die zahlreichen positiven Leserbriefe zum Multipla  dokumentieren dies. Denn wer erst einmal die formale Hemmschwelle zum Multipla überwunden hat, findet zunehmend Gefallen an ihm.

Auch in der Redaktion von auto motor und sport mutierte der etwas andere Van aus Italien im Laufe des rund zwei Jahre währenden Dauertests zu einem gern genutzten Testwagen. Im Fahrtenbuch wird er einmal als „Gute-Laune- Auto“ bezeichnet, was den Kern der Sache ziemlich trifft

Denn der Multipla macht, was ihm vom Aussehen her keiner so recht zutraut, Spaß beim Fahren, wofür sich viele Gründe aufzählen lassen: die hohe Sitzposition, der besonders bei Kindern beliebte Mittelsitz vorne, die ausgezeichnete Übersicht oder das gute und mühelose Handling in der Stadt und auf Landstraßen. Außerdem ist der im Testwagen installierte JTD-Diesel eine angenehme Antriebsquelle. Er überzeugt mit Durchzugskraft, guten Fahrleistungen und akzeptabler Laufkultur. Erst bei hoher Drehzahl übertönen Brummfrequenzen die leider schon ab 100 km/h gut hörbaren Windgeräusche. Mit der Modellpflege im Oktober 2000 (siehe Seite 58) änderte sich zwar an den Windgeräuschen wenig, aber der dank variabler Turbinengeometrie von 105 auf 110 PS erstarkte Motor zieht noch geschmeidiger durch und hat zudem das Brummen verlernt.

Freude macht auch die Schaltung, die sich mit dem aus dem Armaturenbrett sprießenden kurzen Schaltknauf exakt und spielerisch betätigen lässt. Einmal aber war das Spiel aus: Bei km-Stand 34 354 blockierte eine lose Schraube in der Übertragungsmechanik den ersten Gang und veranlasste einen von insgesamt vier außerplanmäßigen Werkstattbesuchen. Danach machte die ansonsten sehr zuverlässige Antriebseinheit nur noch einmal durch zunehmende Vibrationen auf sich aufmerksam. Ursache war ein defekter Schwingungsdämpfer

Als signifikanter Nachteil des JTD erwies sich jedoch die bei frostigen Außentemperaturen ungenügende Heizwirkung des Direkteinspritzers nach dem Kaltstart und im Kurzstreckenverkehr. Der von Fiat gegen Aufpreis (670 Euro) angebotene Zuheizer ist in unseren Breiten ein Muss. Unverständlich, dass er nicht serienmäßig vorhanden ist. Doch trotz des an den Kühlkreislauf des Motors angeschlossenen Heizaggregats, das bei etwa vier Grad Motorraum- Temperatur automatisch seine Tätigkeit aufnimmt, kommt auch nach längerer Fahrtstrecke Warmluft nicht immer dort an, wo man sie gerne hätte. Denn die Warmluftverteilung, vor allem im Fußraum, bleibt im Winter unbefriedigend. Neben der nicht überzeugenden Heizwirkung machte die Zusatzheizung zwei Mal durch polternde Geräusche aus dem Motorraum auf sich aufmerksam. Grund war jeweils die gelockerte Kraftstoffpumpe des Heizgerätes.

Von solchen Malaisen blieb die bei der Ausstattung ELX serienmäßige Klimaanlage verschont. Sie sorgt auch an heißen Tagen für erträgliche Innenraum-Temperaturen, wobei freilich die Grenzen der Leistungsfähigkeit gelegentlich fühlbar werden.

Dass ein Fiat trotz massiven Einsatzes von Hartplastik nicht klappert, nach mehr als 100 000 Kilometern noch steif und solide wirkt und keinerlei ernsthafte Verschleißerscheinnungen an Karosserie und Ausstattung erkennen lässt, ist überraschend. Hauptgrund dafür ist die verwindungssteife Spaceframe-Konstruktion aus verzinktem Stahl.

Sie ist auch die Basis für das präzise Handling und die fast sportlich zu nennenden Fahreigenschaften des Multipla. Leider sind die Bremsen einer forcierten Fahrweise nicht immer gewachsen und lassen bei harter Beanspruchung und hoher Zuladung nach. Damit soll ab Februar dieses Jahres Schluss sein: Im Rahmen einer weiteren Modellpflege erhält der Multipla dann auch hinten Scheibenbremsen. Der mäßige Reifenverschleiß (rund 50 000 km Laufleistung) ist ein weiteres Indiz für korrekte Radführung. Das bei km-Stand 47 584 auftretende Klappern der Vorderachse verursachten ausgeschlagene Stabilisator-Streben. Die Kunststoffteile sind mittlerweile in der Serie durch Metallstreben ersetzt, beim Testwagen eine Garantieleistung.

Auch wegen seiner praktischen Seite war der Multipla beliebt. Fast zwei Meter breit, aber nur vier Meter kurz, gibt es selten Parkprobleme. Der Ein- und Ausstieg in die fast 1,70 Meter hohe, kutschenförmige Karosse ist mühelos.

Praktische Ablagen erleichtern das Leben. Die drei Fondsitze lassen sich im Handumdrehen ausbauen, was einen beachtlichen, ebenen Laderaum ergibt. Die an sich komfortablen Sitze bieten allerdings wenig Seitenführung und werden von großen Personen wegen ihrer zu kurzen Sitzfläche gerügt. Der Bezugsstoff überstand den strapaziösen Testbetrieb gut.

Die Kosten? Abgesehen von häufigen (alle 20 000 km) und auch zu teuren Inspektionen ist der Multipla JTD ein preiswertes Vergnügen. Die Anschaffung ist günstig, der Verbrauch hält sich in Grenzen, und sogar der Wertverlust bereitet keine Schmerzen. Und wie Fritz B. Busch kürzlich treffend bemerkte, zählt der Multipla zu den formalen Raritäten, deren Anschaffung sich heute schon aus Sammlergründen lohnt. Vielleicht wird er ja später mal zum Kultipla.

Mittlerweile hat der Multipla JTD 20 000 km ohne erkennbare Mängel absolviert. Der Verbrauch hat sich zwischen 5,7 Liter und 6,2 Liter Diesel eingependelt. Auch im Stadtverkehr gibt es trotz der Breite des Fiat aufgrund seines Handlings keine Probleme. Die Verarbeitung zeigt bis heute keine Mängel. Fazit: Es macht Spaß, dieses Auto zu fahren.
Wolfgang Pinnecke, 37154 Northeim
 
Im April 1999 wurde der Multipla JTD an mich ausgeliefert. Der Reisekomfort ist gut, und in netter Umgebung sind immer alle drei Sightseeing-Sitze vorne besetzt. Der Einbau einer Zusatzheizung für kalte Winter hat sich im Winterurlaub bewährt. Nach einer Einfahrzeit von zirka 8000 Kilometern reduzierte sich der Verbrauch auf 5,8 bis 6,5 Liter/100 km/h. Ausgewechselt wurde ein Scheibenwischermotor, und es gab zwei Mal Probleme mit der Klebung der Fernscheinwerfer sowie einer Unwucht der vorderen Bremsscheiben. Alle Probleme wurden schnell und kostenlos beseitigt. Überraschend: Es wackelt und klappert nichts.
Hans-Joachim Gerlach, 64739 Höchst
 
Was soll ich schreiben über Daten, Verbrauch oder Raumangebot? Es ist völlig nebensächlich. Der Multipla ist ein absolut emotionales und außergewöhnliches Auto - zudem extrem vielseitig und variabel, und es ist egal, ob Camping-Urlaub, Ikea-Einkauf oder ein Zu-Sechst- Tagesausflug ansteht. Es sei nur gesagt, dass die gesamte Familie sich kein anderes Auto mehr vorstellen kann („einfach voll geil“ wie meine zwölfjährige Tochter zu sagen pflegt).
Dieter Schreml, 61191 Rosbach

An diesem Auto gefällt mir, dass es absolut funktionell von innen nach außen konstruiert wurde. Form follows function. Unsere drei Kinder haben Platz ohne Ende. Der Motor begeistert. Mit 6,5 Liter Diesel pro 100 km ist man flott unterwegs. Wo die Fahrzeugbreite das Einparken erschwert, profitiert man von der Kürze. Die Verarbeitung ist nicht die beste. Türgummis und Belüftungshebel lösen sich. Die Klimaanlage ist schwach, die Sitze sind für Leute über 175 Zentimeter unbequem. Aber wer Charakter hat, dem verzeiht man Schwächen.
Martin Geiser, 76470 Ötigheim
 
Das Überraschendste ist die für einen Fiat hohe Zuverlässigkeit und Knister-Klapper-Freiheit. Auch heute noch nach zwei Wintern und 82 000 Kilometern ist das Fahrzeug wie neu. Die Sitze straff wie am ersten Tag, der Motor geht immer besser, qualmt kein bisschen, braucht auf 10 000 Kilometer einen halben Liter Öl und durchschnittlich 6,7 Liter Diesel/100 km. Die einzige Störung war bei 78 000 km hinten ein defektes Radlager. Verschleiß: bei 70 000 km die vorderen Bremsbeläge getauscht, die Reifen alle 40 000 km völlig gleichmäßig abgefahren.
Eduard Überbacher, A-9523 Villach-Landskron
 
Unser Multipla 105 JTD ELX begeistert uns mit seinen inzwischen 40 000 km jeden Tag aufs Neue. Er eignet sich nicht nur perfekt für die lange Reise in den Familienurlaub, auch als Nutzfahrzeug ist er wegen der glatten Ladefläche ideal und findet als zwar breites, aber extrem kurzes Raumwunder überall einen Parkplatz. Einziges wirkliches Manko ist der geringe Seitenhalt der ansonsten guten Sitze.
Eckhard Jung und Heike Larsen, 65375 Hallgarten

Fiat hat mit dem Multipla eines der interessantesten Fahrzeuge der letzten Jahre geschaffen - es vergeht kein Tag, an dem man mit ihm nicht angegafft, beschmunzelt oder an- (aus)gelacht wird. Im Mai '99 erwarb ich dieses wunderbare Auto und fuhr es mittlerweile etwa 30 000 km. Die Verarbeitung ist sehr ordentlich, mit Ausnahme einiger Kunststoffteile, die aus einem zu harten und unflexiblen Material gefertigt sind. Der Kraftstoffverbrauch ist mit 6 bis 7,5 Liter günstig, vor allem bei den gebotenen, sehr guten Fahrleistungen. Ein Ölverbrauch ist nahezu nicht feststellbar. Der Multipla ist absolut zuverlässig - daher außer Späßen nichts gewesen.
Andreas Portmann, 59387 Ascheberg
 
Der Multipla hat sich zu einem nicht mehr wegzudenkenden Mitglied der Familie entwickelt. Auch nach zwei Jahren macht es Spaß, damit zu fahren. 45 000 Kilometer in knapp zweieinhalb Jahren, und bislang gab es nur Kleinigkeiten in der Anfangsphase (Sicherung der hinteren Fensterheber ausgefallen, Handschuhfachdeckel schief, Schutzleiste rechts lose), die wir in der Werkstatt beim ersten Ölwechsel beheben ließen. Bei der 40 000er-Inspektion gab es neue Bremsbeläge vorn.
Thomas Krisch, 64342 Seeheim-Jugenheim 

Abgastest: Der Fiat Multipla JTD 105 ist noch nach der seit dem 1.Januar 1997 für alle neuen Autos verbindlichen europäischen Abgasvorschrift 94/12/EG (= EU2) typgeprüft, die durch die wesentlich strengeren EU3- und D4-Regelungen abgelöst wurde. Auch Auto mit höherer Laufleistung können EU2-Limits meist einhalten. Das gilt allerdings nicht für den Multipla. Zwar hält er die Limits für Kohlenmonoxid sowie für Kohlenwasserstoffe und Stickoxide knapp ein, aber die Rußwerte liegen zu hoch.

Die Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab folgende Werte (Limits in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 0,710 (1,0) Gramm pro Kilometer, Summenwert aus Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden (HC+NOx): 0,783 (0,9) Gramm pro Kilometer sowie Partikel (PM) 0,153 (0,1) Gramm pro Kilometer.

Störung: km 48.357
Zwei Werkstattaufenthalte gehen allein auf das Konto des Navigationssystems. Einmal sorgte die wackelige Wechselhalterung des Navigationsbildschirms für einen Werkstattbesuch, gegen Ende des Dauertests musste das gesamte Gerät ersetzt werden

Störung: km 48.357
Klappergeräusche machten auf ausgeschlagene Stabilisator-Streben aufmerksam. Die aus Kunststoff bestehenden Teile wurden auf Garantie gegen solche aus Metall ausgetauscht, die mittlerweile auch in die Serie eingeflossen sind. Danach gab die Vorderachse Ruhe

Störung: km 80.261
Mit unrundem Leerlauf und leichten Vibrationen wurde der Multipla zum vorletzten Wartungsdienst gebracht. Ursache war ein defekter Schwingungstilger, der in die Riemenscheibe integriert ist. Das Teil wurde ausgetauscht

Vor- und Nachteile

  • Gutes, variables Raumangebot, sechs Sitze
  • Sehr gute Rundumsicht
  • Reichlich Ablagen und Fächer
  • Gute Sitzposition
  • Steife, klapperfreie Karosserie
  • Exakte, leichtgängige Lenkung
  • Agiles Handling, problemlose Fahreigenschaften
  • Durchzugsstarker Motor
  • Knackige Schaltung, gut gestuftes Getriebe
  • Auch mit Zuheizer schwache Heizwirkung
  • Motor im oberen Drehzahlbereich laut
  • Kurze Sitzflächen
  • Starke Windgeräusche bei hohem Tempo
  • Heckklappenschloss ungünstig platziert
  • Seitenfenster lassen sich nur teilweise absenken
  • Stuckerneigung auf Autobahn- Querfugen
  • Schwache Bremsen
  • Unbefriedigendes Radio
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Technische Daten
Fiat Multipla JTD 105 ELX
Grundpreis 20.196 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3994 x 1871 x 1695 mm
KofferraumvolumenVDA 430 bis 1850 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Verbrauch 6,4 l/100 km
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