Fiat Panda 1.2 8V Emotion im Test

Unauffällig gut

Foto: Hans-Dieter Seufert

Die jüngste Kleinwagen-Kreation trägt einen vertrauten Namen: Fiat Panda. Doch mit dem alten Primitiv-Auto hat der Neue nichts gemein. Alles an ihm ist anders, das meiste auch besser.

Kleine Autos und Fiat, das gehört seit Jahrzehnten zusammen. Man hat in Turin den Topolino kreiert, mit seinem winzigen Vierzylinder-Motörchen von gerade einmal 560 Kubikzentimetern, den eigenwilligen Heckmotor-600er, den Zweizylinder-Zwerg Cinquecento, nicht zu vergessen den größeren 127 und den späteren Vierzylinder-Cinquecento, der in Wahrheit ein 900er war. 1980 debütiert der Panda. Die primitive Schachtel wird ein Stück Jugendkultur und verkauft sich vier Millionen Mal. Die Armen fahren ihn, weil sie ihn brauchen, die anderen, weil sie nicht mehr wollen.

Wieviel braucht man eigentlich? Die Maßstäbe verändern sich wie die Armutsgrenze, und so ist auch der neue Panda ein ganz anderes Stück Auto als sein Vorgänger. Für den Fahrer eines alten Panda scheint er fast wie Mittelklasse – so komfortabel, so schnell, so erwachsen. Stilistisch hat sich Fiat fast zu stark zurückgehalten. Nichts an diesen dreieinhalb Metern Auto ist auf Gags oder Anderssein getrimmt. Eine Zweckform steht da, mit 1,54 Metern hoch aufgeschossen und auf dem Parkplatz die meisten anderen überragend. Die Linie ist keineswegs betörend und der Panda als Mitglied der Fiat-Familie praktisch nicht zu erkennen.

Der Drang zur Höhe hat praktische Gründe. In hohe Autos steigt man leichter ein, und das wiederum dient einer Zielgruppe, an die man im Zusammenhang mit dem Panda zu-nächst nicht denkt: die Senioren. Satt fallen die Türen ins Schloss, Sitze und Sitzposition zeigen auf Anhieb, dass dieses Autos ergonomisch geglückt ist. Den Schalthebel hat man, ähnlich wie beim Multipla, in Armaturen-Nähe gerückt, zu-nächst ungewohnt, dann aber mit Wohlfühl-Effekt. Leicht gleiten die Gänge durch ihre Führung, beim Schalten kommt zusammen mit der sehr gut dosierbaren Kupplung Freude auf.

Auch was das Auge im Interieur erblickt, bereitet keinen Kummer. Kunststoff natürlich allüberall, aber es herrscht eine freundliche Atmosphäre, auch bewirkt durch eine gute Verarbeitungsqualität und das offensichtliche Bemühen, keine Klapperkiste auf die Räder zu stellen. Der neue Panda ist für den angeschlagenen Fiat-Konzern ein Hoffnungsträger, und das merkt man dem kleinen Auto überall an. Gut dreieinhalb Meter Länge, das ist ja nicht viel, aber vier Personen lassen sich mit Anstand unterbringen. Der Kofferraum ist gut 200 Liter groß und lässt sich durch Klappen der Rücksitzlehnen erheblich ausweiten.

Die Karosserie selbst macht einen steifen und soliden Eindruck und unterstreicht emotional das Bedürfnis nach passiver Unfallsicherheit. Front- und Seiten-Airbags sind Serie, Kopf-Airbags gibt es gegen Aufpreis vorne und hinten. ESP wird, lieferbar ab Frühjahr 2004, zusammen mit einem Bremsassistenten und einer Anfahrhilfe am Berg Aufpreis kosten (500 Euro). Gerade solche Optionen machen deutlich, dass der Panda nichts mehr mit der tollen Kiste von früher gemein hat. Ausgenommen einen Teil der Motorisierung, deren Benziner-Segment jener millionenfach bewährten Fire-Serie entstammt, die auch in Uno und Punto zum Einsatz kam.

Der Testwagen in Emotion-Version hat den stärkeren der beiden lieferbaren Otto-Motoren, den zweiventiligen 1200er mit 60 PS. Das ist objektiv nicht viel, und man darf nicht vergessen, dass der Panda immerhin 978 Kilogramm wiegt. Aber er bewegt sich doch und gar nicht einmal so schlecht. Fast zwangsläufig kommt jetzt die Rede auf das berühmte Mitschwimmen im Verkehr, doch der Panda kann durchaus noch mehr. Wer das Drehvermögen des schnurrig laufenden kleinen Vierzylinders nutzt, kommt zwar nicht rasant, aber angemessen voran. 15,8 Sekunden auf Tempo 100, Höchstgeschwindigkeit 155 km/h, bei Autobahngefällen gerne auch mehr. Auffällig ist die gute Laufruhe des einfach gehaltenen Triebwerks mit seinen parallel hängenden Ventilen, geglückt auch die Getriebeabstufung. Weniger erfreulich ist ein leichter Brummer im Bereich um 2500 Umdrehungen, also ziemlich genau in der Region des besten Drehmoments.

Es liegt damit schön niedrig, aber viel Durchzugskraft darf trotzdem nicht erwartet werden. Der Vierzylinder muss durch Schalten bei Laune gehalten werden. Hohe Drehzahlen gehen ihm leicht von der Hand und bedeuten keine akustische Beeinträchtigung. Man hat es, so gesehen, mit einem Langstrecken-Triebwerk zu tun, mit dem es weder leistungs- noch komfortmäßig als Qual erscheint, von Stuttgart nach Hamburg zu reisen. Auch der Verbrauch geht mit durchschnittlich 6,7 Liter/100 km in Ordnung. Der Tank könnte bei nur 35 Liter Inhalt aber deutlich größer sein.

Panda auf Langstrecke – was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, entpuppt sich als ernsthafte Option. Natürlich wird der im Heckbereich sehr übersichtliche Zwerg bevorzugt im Stadtverkehr seine Vorzüge ausspielen, doch der überraschend gute Federungskomfort macht ihn gleichermaßen fernreisetauglich. Lange Autobahn-Etappen werden vom Schluckvermögen der Federung her nicht wirklich anstrengend, erstaunlich gut auch der Abrollkomfort. Nicht einmal das selten gewordene Kopfsteinpflaster vermag die kompakte Karosse zu Dröhngeräuschen zu animieren.

Der Fortschritt gegenüber der einstigen Panda-Generation ist gerade hier unverkennbar, und so wird sich dem Umsteiger eine neue Welt erschließen. Denn auch die Fahreigenschaften sind besser geworden und verdienen mit der etwas gefühllosen, aber in der City-Funktion sehr leichtgängigen Servolenkung uneingeschränktes Lob. Der Kurvengrenzbereich ist von harmloser Neutralität gekennzeichnet, auch abruptes Gaswegnehmen führt nicht zu delikaten Situationen. Mangelnde Traktion kann man dem 60-PS-Panda ebenfalls nicht vorwerfen. Dazu fehlt es einfach an Kraft.

Doch es fehlt insgesamt nicht an Fahrvergnügen. Fiat hat gezeigt, dass man die Kunst, intelligente Kleinwagen zu bauen, nicht verlernt hat. Bleibt die bange Frage, ob der Panda wohl ein Kult-Auto wird. Vielleicht. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Gute Produkte verkaufen sich auch so.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • gute Funktionalität
  • gute Übersichtlichkeit nach hinten
  • erfreulicher Qualitätseindruck
  • kleiner Tank
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • leiser Motor
  • befriedigendes Schluckvermögen
  • guter Abrollkomfort
Antrieb
  • befriedigende Fahrleistungen
  • insgesamt gute Laufkultur
  • exakt schaltbares Getriebe
  • geringes Durchzugsvermögen
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • guter Geradeauslauf
  • keine Lastwechselreaktionen
  • nicht ganz exakte Servolenkung
Sicherheit
  • Fahrer- und Beifahrer-Airbag
  • standfeste Bremsen
  • nur durchschnittliche Bremsleistung
  • ESP erst später gegen Aufpreis
Umwelt
  • günstiger Verbrauch
  • schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • lange Inspektionsintervalle
  • 12 Jahre Garantie gegen Rost

Fazit

Fiat ist mit seinem kleinsten Modell ein großer Wurf gelungen. Der neue Fiat Panda 1.2 8V Emotion überzeugt durch ein gutes Raumkonzept, eine solide Karosse, befriedigende Fahrleistungen und ordentlichen Komfort. Fahrvergnügen gibt es obendrein.

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Technische Daten
Fiat Panda 1.2 8V Emotion
Grundpreis 9.890 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3538 x 1589 x 1578 mm
KofferraumvolumenVDA 206 bis 860 l
Hubraum / Motor 1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 44 kW / 60 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h
0-100 km/h 15,8 s
Verbrauch 5,0 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km
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