Fiat Punto 1.2 16V im Test

Ein kleiner Italiener

Fiat Punto 1.2 16V

100.000 Kilometer mit dem Fiat Punto gingen nicht spurlos vorüber. Der Kleinwagen machte erhebliche Probleme.

Es gibt nicht nur ein Ende mit Schrecken, sondern auch einen Anfang. Alfred Borowski, assistierendes Mitglied der Testabteilung von auto motor und sport, ist mit dem Dauertest-Punto auf dem Weg von Stuttgart zum Nürburgring. Der Punto , ein 1.2 16 V , ist noch jung an Kilometern, der gut zwei Jahre dauernde Dauertest- Marathon hat gerade erst begonnen.

Niemand rechnet nach knapp 8000 Kilometern mit einem kapitalen mechanischen Defekt. Doch das Auto-Schicksal hat ihn für den noch taufrischen Punto schon parat. Es fängt harmlos an, mit einer schweren Schaltbarkeit des Fünfgang-Getriebes zwischen Stufe vier und fünf.

Dann springt der fünfte Gang heraus. Freddy am Steuer will die nächste Autobahn- Ausfahrt erreichen. Ein Liegenbleiben ist jedoch nicht mehr zu verhindern, denn kurze Zeit später macht das Getriebe laute, mahlende Geräusche. Das war's.

Doch was war es? Das Getriebe hat durch einen defekten Dichtring kontinuierlich Öl verloren und läuft trocken. Der Abschleppwagen muss kommen, Termine geraten durcheinander. So hat man sich die Ouvertüre mit dem Punto nicht vorgestellt.

Als der kleine italienische Kompaktwagen bei auto motor und sport antritt, hat er bereits eine beispielhafte Karriere hinter sich.

Im Jahr 2000 ist der eigenwillig gestylte Kleinwagen die Nummer eins unter den Importwagen in Deutschland, mit fast 50 000 Verkäufen noch knapp vor dem ebenfalls rasant durchstartenden Peugeot 206. Er wird den Punto ein Jahr später vom ersten Platz auf dem Zulassungstreppchen knapp verdrängen.

Das Schaltgetriebe wird getauscht, der klassische Garantiefall, der ansonsten mit fast 2000 Euro zu Buch geschlagen hätte. Doch das Unglück verlässt den Punto nicht, ganz gemäß dem Sprichwort, es käme selten allein. Nur knapp 2000 Kilometer später ist die hydraulische Kupplungsbetätigung ohne Funktion, das Pedal fällt bis zur Bodenplatte durch. Zum zweiten Mal, noch vor dem Erreichen des ersten Dauertest-Zehntels, bleibt der Punto liegen. Zehn Tage verbringt er unter dem Strich außerplanmäßig in der Werkstatt.

Fiat – fix it again Tony, wie die Amerikaner sagen, – was ist es diesmal? Schaden zwei hat unglückseligerweise mit dem kapitalen Getriebedefekt und den anschließenden Montage-Arbeiten zu tun. Ein Hydraulikschlauch hat sich gelöst nach dem Getriebetausch, Fiat selbst bestätigt einen „bedauerlichen werkstattseitigen Montagefehler“.

Der Punto wird nun mit leicht angehaltenem Atem bewegt. Kommt man mit ihm da an, wo man hinmöchte? Nach Ablauf der gesamten Distanz weiß man es besser. Fortan kommt man immer an. Hätte der Punto nicht zwei Mal kurz hintereinander zu Dauertestbeginn so schwerwiegend enttäuscht, seine Gesamtbilanz wäre nur noch gegen Ende nachhaltiger getrübt worden. Er kommt nicht ohne Erneuerung der Kupplung über die Runden, ebenfalls nicht gerade eine Empfehlung, wenn auch nicht mit einem erneuten Liegenbleiben verbunden. Seinen Benutzern fällt die Verhärtung ab Mitte des Pedalwegs unangenehm auf, bei Kilometerstand 84 584 wird die Kupplung mit einem kostenmäßigen Kulanzanteil von Fiat gewechselt. Dass sie, wie die Notizen in den Fahrtenbüchern immer wieder aufs Neue belegen, ständig quietschte, erscheint da schon eher als Schönheitsfehler, der freilich bis zum Schluss von der Werkstatt nicht dauerhaft beseitigt werden kann.

Auch die Türbänder knarren ohne Ende, bis sie nach 80 000 Kilometern ersetzt werden, zum zweiten Mal bereits. Die Fettung nach 20.000 Kilometern bringt keinen dauerhaften Erfolg, bei 27 720 Kilometern werden sie erstmals erneuert. Große Pannen sind dies nach der leidvollen Ouvertüre nicht, aber doch entnervende Stör-Kobolde, die den Auto- Alltag mit dem Punto versäuern. Auch das ständige Versagen von Glühbirnen macht wenig Laune.

Das Fahrwerk entpuppt sich als unkomfortabel und grob auf kleinen Unebenheiten und missfällt durch Poltergeräusche. Sie begleiten den Punto bis zum Ende seiner Dienst-Tage, ohne an Intensität freilich zuzunehmen. Ein zum Vergleich gefahrener Punto aktueller Produktion zeigt, dass das Problem wohl erkannt ist. Doch nicht alles ist verbesserungswürdig. Wer auch immer mit ihm unterwegs ist, ob von kleinem oder großem Wuchs, niemand beklagt sich über das Raumangebot. Den recht hohen Betätigungskräften der Kupplung steht die Leichtgängigkeit der Servolenkung gegenüber, die mit zwei Modi, nämlich einer zusätzlichen City-Auslegung, den Bedienkomfort verbessert.

An Ablagen mangelt es nicht, doch sind die Fächer in den Türen so knapp bemessen, dass die meisten Gegenstände nach kurzer Zeit des Ausharrens wieder das Weite suchen. Die Sitze haben den Dauertest gut überstanden, ihre Bezüge sind aber bei hohen Außentemperaturen schweißtreibend.

Der Motor hat den Dauerlauf ebenfalls gut überstanden. Es ist die stärkere Ausführung der beiden 1,2-Liter-Versionen, der Vierventiler mit 80 PS. Das nur 1242 Kubikzentimeter große Triebwerk gefällt vor allem durch seine mechanische und akustische Laufruhe. Vom Motor geht auch bei langen Autobahn-Abschnitten keine Belästigung aus, auch weil das Drehzahlniveau we gen der sehr langen Übersetzungen im vierten und fünften Gang vergleichsweise niedrig liegt. Viel Mumm bei niedrigen Drehzahlen bietet er nicht, auch wenn die absoluten Fahrleistungen mit einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 13,7 Sekunden durchaus befriedigen. Wie die Messwerte zu Beginn und bei Ende des Dauertests belegen, hat der Motor an Leistung nicht nur nicht verloren, sondern eher ein bisschen zugelegt. Man muss viel schalten, um zügig voranzukommen, die Ölnachfüllmenge bleibt mit nur 3,5 Liter über die gesamte Distanz sehr gering. Der Benzinverbrauch liegt mit acht Litern pro 100 Kilometer allerdings nicht besonders niedrig. Hinzu kommt, dass sich der Punto schlecht volltanken lässt und eine unpräzise Benzinuhr hat, die zum Nachfüllen ermahnt, wenn noch genug drin ist.

Die Klimaanlage, die der Testwagen besitzt, entpuppt sich bei hohen Temperaturen als wenig effizient und zwingt bei voller Leistungsabgabe den kleinen Vierzylinder spürbar in die Knie. Auch die Heizung lässt zu wünschen übrig, vor allem durch spätes Ansprechen bei tiefen Außentemperaturen. An der Bremsanlage stört auch nach längerer Gewöhnung das giftige Ansprechen, mit der Standfestigkeit kann man zufrieden sein. Der Dauerläufer braucht keine neuen Bremsscheiben und kommt mit nur einem Belagwechsel vorne nach 60 000 Kilometern über die Runden. Auch der Reifenverschleiß hält sich in Grenzen. Im Sommer rollt der Punto auf Pirelli P 5000, ein bewährter Pneu, der überdurchschnittlich lange hält. Es folgen Pirelli Direzionale mit sehr guten Trockeneigenschaften, jedoch nur durchschnittlicher Laufleistung, und der ausgewogene Conti Premium Contact. Er überzeugt vor allem durch seine Qualitäten bei Nässe. Mit dem Michelin Alpin schließlich kennt der Punto keine Traktionsprobleme auf Schnee und rollt gleichzeitig geschmeidig ab.

Der Punto stellt keine besonderen Reifenansprüche und erweist sich in der Endbilanz als ein Kleinwagen, dessen Wartungskosten im Rahmen bleiben und die gesamte Kostenbilanz nicht übermäßig belasten. Eine kleine Inspektion ist alle 20 000 Kilometer fällig und kostet zwischen 110 und 140 Euro, die große Durchsicht alle 40 000 Kilometer liegt bei gut 200 Euro. Auch der Wertverlust von knapp 56 Prozent ist nicht übermäßig hoch. Die Gesamtkosten für die 100 000 Kilometer betragen fast 10 000 Euro (9,8 Ct/km), auch dieser Wert noch im Rahmen liegend, wenn auch nicht betont niedrig. Das Fazit fällt eindeutig aus und findet Bestätigung in den Lesererfahrungen: ein konzeptionell sehr gelungenes Auto, das Fahrfreude bereiten kann, dem es an Zuverlässigkeit aber manchmal fehlt. Fiat geht es bekanntlich nicht gut und den Besitzern seiner Autos oft auch nicht.

 

Abgastest: Der Fiat Punto wurde nach der bis 1998 gültigen alten D3Norm typgeprüft. Von der später gültigen D3 unterscheidet sie sich durch zwei Dinge: Die Limits der alten Norm sind etwas strenger, der Fahrzyklus beim Abgastest ist dafür wesentlich weniger anspruchsvoll. Vor der eigentlichen Messung liegen noch 40 Sekunden Leerlauf, in denen sich Motor und Katalysator schon etwas erwärmen können. Diese Phase ist bei der neuen D3 weggefallen, was unter dem Strich eine ungefähr doppelt so scharfe Anforderung ergibt. Die Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab folgende Werte (Limits in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 0,766 (1,5) Gramm pro Kilometer, Stickoxide (NO,): 0,127 (0,14) Gramm pro Kilometer, Kohlenwasserstoffe (HC): 0,086 (0,17) Gramm pro Kilometer. Damit besteht der Punto den Abgastest, wenn auch knapp: Beim Stickoxid bleibt er gerade um neun Prozent unter dem Limit.

Mit meinem Punto Sporting (Erstzulassung 01/ 2000) habe ich 71 000 Kilometer zurückgelegt. Von größeren Reparaturen bin ich bislang verschont geblieben. Auf Dauer nerven aber die vielen Verarbeitungsmängel. Im Innenraum löst sich an einigen Stellen der Teppich, und der Innenspiegel fiel plötzlich ab. Der Wagen ist, wenn nicht ganz leer, kaum zu betanken. Das Navigationsgerät glänzt mit diversen Ausfällen, mittlerweile funktioniert es gar nicht mehr, und die Heizung scheint sich im Winter nach Italien zu verabschieden. Das alles wird nur noch vom schlechten Service überboten.
Thomas Borrs, 40477 Düsseldorf
 
Seit März 2000 fährt meine Partnerin einen nagelneuen Fiat Punto 1.2 8V 60. Folgende Mängel traten auf: Quietschen der Tür (Öffnungsseile), Motorfroststopfen fliegt bei 120 km/h auf der Autobahn raus. Auto wurde abgeschleppt. Dann Scheibenwischermotor defekt, Kühler defekt (Wassermangel), Waschdüsen außer Funktion, Wasserpumpe defekt, erneuert, Zahnriemen gerissen (Kilometerstand 29000). Immer noch Wasserverlust, Wasserpumpe hatte angeblich einen Haarriss, wurde erneuert. Bei Kilometerstand 30000. Das Auto stand vom 15. 07. 02 bis 22. 07. 02 in der Werkstatt.
Marc Krampf, 40468 Düsseldorf

Ich habe meinen Punto JTD mit 80 PS im März 2001 als Tageszulassung gekauft. Es sind im ersten Jahr viele Defekte aufgetreten. Das Kupplungspedal gab quietschende Geräusche von sich - wurde zwei Mal beseitigt durch Einfetten, beim dritten Anlauf wurde das Pedal samt Lagerbuchsen ausgetauscht. Die hintere Tür ließ sich nur mit enormem Kraftaufwand schließen - wurde durch Einstellen beseitigt. Die Verkleidung im Fußraum des Beifahrers hat sich zwei Mal gelockert. Eine Kunststoffverkleidung am Unterboden vor der Hinterachse hat sich zwei Mal gelöst. Die Kurbelwelle ist bei km 12 500 gebrochen. Glücklicherweise ist der Riss schräg durch die Welle gegangen, und das abgerissene Stück ist im Lager mitgelaufen. Sobald der Motor auf Zug war, ist er normal gelaufen. Sonst waren nur etwas gröbere Vibrationen zu spüren.
Georg Simmel, 85464 Neufinsing
 
 Im Juni 2002 traten bei einem km-Stand von zirka 27 000 zahlreiche Probleme auf: nerviges Quietschen des Kupplungspedals, was auch vom FiatHändler nicht abgestellt werden konnte. Ausfall der Klimaanlage (weil ab Werk zu wenig Kühlmittel eingefüllt wurde), Defekt von zwei Türfangbändern, Getriebedefekt (Synchronisation vom zweiten und dritten Gang kaputt, lautloses Schalten nicht mehr möglich). Traurig genug, dass so etwas passiert. Noch schlimmer die Reaktion von Fiat. Nur bei dem Getriebeschaden bot man 60 Prozent auf Kulanz an. Da bleibt für mich ein satter Anteil.
Bernd Ryrko, 59759 Arnsberg

Trotz des nicht gerade guten Rufs von Fiat habe ich mich für den Punto entschieden, da er für mich den besten Gegenwert für den Kaufpreis bot. Und ich wurde nicht enttäuscht. Das Startverhalten war jederzeit gut. Die Heizwirkung im Winter gut, die Scheiben waren rasch frei. Der Kraftstoff-Verbrauch liegt im Kurzstreckenverkehr bei 5,8 bis 6,0 Liter im Sommer und 6,5 bis 7,0 Liter im Winter. Der Motor ist ausreichend elastisch. Nur im oberen Drehzahlbereich fühlt er sich sehr zäh an, so dass gerne früh geschaltet wird. In diesem Jahr, Fahrleistung 16 000 km, war kein Werkstattaufenthalt nötig.
Manfred Hanigk, 82008 Unterhaching
 
Einmal liegengeblieben, aufgeschreckt durch Lärm von hinten. Bei Demontage der Bremstrommel fiel die Mechanik der Handbremse auf die Straße.
Jochen Hübner, 28307 Bremen

Vor- und Nachteile

  • Motor und Raumkonzept verdienen das meiste Lob
  • gutes Raumgefühl
  • strapazierfähiges Interieur
  • gute Sitze
  • kultivierter Vierzylinder
  • exakt schaltbares Getriebe
  • großer Kofferraum
  • viele Ablagen
  • gute Handlichkeit
  • zu langer fünfter Gang
  • poltriges Fahrwerk
  • Bedienung Scheibenwischer und Fensterheber unpraktisch
  • giftige Bremsen
  • ungenaue Tankanzeige
  • nur mäßig wirksame Klimaanlage
  • schlechte Betankung
  • Kofferraum und Tankklappe nicht in Zentralverriegelung
Zur Startseite
Technische Daten
Fiat Punto 1.2 16V ELX
Grundpreis 12.598 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3835 x 1660 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 297 bis 1080 l
Hubraum / Motor 1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 59 kW / 80 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 172 km/h
Verbrauch 6,0 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Skydancer Apero (2019) Bravia Campingbus Mercedes (2019) Bravia Swan 699 (2019) Erster Mercedes-Bus der Slowenen
CARAVANING
Camping Porto Sole - Titel Campingplatz-Tipp Kroatien Camping Porto Sole LMC Style Lift 500 K (2019) Premiere LMC Style Lift 500 K Sieben Schlafplätze in einem Caravan
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote