Fiat Punto 1.8 16 V HGT, Peugeot 206 S16, VW Polo 1.6 16 V GTI

Ihre Blütezeit mag vorbei sein, aber es gibt sie noch, die waschechten GTI. Die jüngste Auslese heißt Fiat Punto HGT, Peugeot 206 S16 und VW Polo GTI. Auch wenn sie neue Namen tragen, so sind sie doch im Geist ganz die Alten. Wer ist der schnellste im ganzen Land?

Sind wir ehrlich: Der große Hammer sind die kleinen GTI schonlange nicht mehr. Wen macht es noch fertig, wenn ihn bei Tempo 180 ein Poloüberholt? Und auch die neun Sekunden von null auf 100: geschenkt.

Die Zeiten, als wild gewordene Kleinwagen bei arglosen Bürgern noch ungläubiges Staunen hervorriefen, die waren einmal – damals, vor 20 Jahren, als der erste VW Golf GTI die automobile Leistungsgesellschaft auf den Kopf stellte. Inzwischen hat der GTI seine klassische Wolf-im-Schafspelz-Rolle ausgespielt. Der Reiz des potenten Kompaktwagens löstnur noch vereinzelt Kaufimpulse aus.

Dabei gibt es auch heute durchaus Gründe, sich mit ihm anzufreunden. Manche klingen sogar recht vernünftig. Die schnellen Kleinen fahren sich sportlicher als manche Sportwagen, kosten aber weniger, sind erheblich praktischer und meist auch handlicher. Speziell auf kurvenreichen Landstraßen sind sie kaum zu schlagen.

Dennoch: Polo bleibt Polo. So bedarf es schon einer gehörigen Portion Understatement, um diese GTI-Nachfahren ernsthaft in Erwägung zu ziehen. 34 450 Mark kostet der neue Polo GTI. Dafür gibt es im VW-Sortiment auch einen Golf 2.0 mit Zubehör.

Viel billiger sind aber auch die Konsorten von Fiat und Peugeot nicht. Der schärfste Punto, dem Fiat die Bezeichnung HGT anheftet, kommt auf 32 990 Mark. Peugeot verlangt 33 400 Mark für den schnellsten 206. Dass der nicht mehr, wie einst bei Peugeot üblich, GTI, sondern S16 heißt, ist dabei ohne Belang.

Andererseits bekommt man nirgends so viel Leistung fürs Geld. Eigens für den Polo GTI kitzelt VW mittels vier Ventilen pro Zylinder 125 PS aus dem 1,6-Liter-Konzernmotor. Die Konkurrenz schlägt noch erbarmungsloser zu. Der Punto HGT bietet 130 PS und gönnt sich dafür 1,8 Liter Hubraum. Und Peugeot schießt mit 135 PS und zwei Litern den Vogel ab.

Viel Power also für so wenig Auto. Allerdings sind Kleinwagen bekanntlich auch nicht mehr, was sie einmal waren, und das zeigt sich nicht zuletzt im Gewicht. Die drei Testwagenbrachten jeweils rund 1100 Kilogramm auf die Waage. Das hätte noch vor wenigen Jahren für eine Mittelklasselimousine gelangt.

Sei’s drum: Wenn es zur Sache geht, kommt hier keiner zu kurz. Wie es sich gehört, entpuppen sich die Kleinen mit den großen Herzen beim Gasgeben als echte Berserker, am meisten der Peugeot. Den reißt es schon im unteren Drehzahlbereich gehörig nach vorn. Man spürt sein überlegenes Drehmoment, kann aber auch über Leistungsmangel bei hohen Drehzahlen nicht klagen.

Der VW trägt da ein wenig dünner auf. Unten herum schwächelt er, belohnt stattdessen eine hochtourige Fahrweise. Außerdem reagiert er nicht so gierig aufs Gas wieder flinke Franzose. Genau dazwischen rangiert, wie auch die Messwerte ausweisen, der Fiat.

Wer die Beschleunigungsreserven zu nutzen gedenkt, kann sich auf sauber abgestufte Fünfganggetriebe freuen, die sich obendrein leicht und präzise schalten lassen. Weil dies dem Peugeot noch einen Tick besser gelingt als seinen Konkurrenten, verdient er die Bestnote. So liegt er denn auch im Antriebskapitel klar in Füh-rung: Schneller geht’s in dieser Klasse momentan nicht. e

Da braucht man sich über den Verbrauch nicht zu wundern. Kleinwagen-Maßstäbe sind hier ebenso fehl am Platz wie bei den Fahrleistungen. Im direkten Vergleich bewegt sich die Spanne zwischen 8,8 L/100 km (Polo) und 9,4 L/100 km (Punto), aber bei verschärfter Fahrweise kommen auch schon mal zehn bis elf Liter zusammen. In Anbetracht der zier-
lichen Tanks – von 45 Liter
(Polo) bis 50 Liter (206) – sind häufige Boxenstopps vorprogrammiert.

Auch kultiviertes Benehmen sollte man von den kleinen Rasern besser nicht erwarten. In ihren Modellfamilien sind sie in jeder Beziehung die Brüller. Zugleich führen sie vor, dass sportlicher Sound und Krach nicht dasselbe sind. Hier überwiegt der Krach, besonders im Fiat, der die Insassen mit nervtötenden Dröhngeräuschen beschallt. Etwas erträglicher geht es im Peugeot und im VW zu, wo sich die Dröhnphasen auf schmalere Drehzahlbereiche beschränken.

Zugegeben, den überzeugten GTI-Fahrer macht dergleichen nicht kaputt. Wer Komfort erwartet, der muss eben drau-ßen bleiben, und das trifft im Grundsatz auch auf die Federungsqualitäten zu. Dennoch gibt es Nuancen, die dafür sorgen, dass sich Normalsterbliche im Polo eindeutig am wohlsten fühlen. Seine Federung filtert das Gröbste heraus. Außerdem bietet er die besten Sportsitze im Vergleich.

Folglich lassen sich im Polo GTI auch lange Strecken ohne allzu große Strapazen bewältigen, was sich von der Konkurrenz nicht behaupten lässt. Der Komfort des Peugeot wirkt deutlich kleinwagenmäßiger. Sogar auf der Autobahn hält er seine Passagiere immer in Bewegung, und der bescheidene Sitzkomfort macht die Sache nicht angenehmer.

Dass alles relativ ist, beweist dann der Fiat, dessen prügelharte Federung selbst dem hartgesottenen Sportfahrer auf die Dauer an die Nieren gehen dürfte. Da sind auch die recht bequemen Sportsitze nur ein schwacher Trost.

Die Komforteinbußen gelten in GTI-Kreisen gemeinhin als Preis für sportliche Fahdynamik. Schließlich erwartet man von Autos wie diesen vor allem eines: Sie müssen liegen wie Bretter, gepaart mit der Agilität von Feldhasen. Besonders überzeugend gelingt dies dem Peugeot. Geringe Seitenneigung, dazu ein weitgehend neutrales Kurvenverhalten und eine präzise, zielgenaue Lenkung frei von Antriebseinflüssen machen ihn zum Star unter den Helden der Kreisstraßen.

Zugleich setzt er allerdings eine gesunde Portion Fahrkönnen voraus. Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Geht man bei hohen Kurven-geschwindigkeiten vom Gas, schwenkt plötzlich das Heck aus. Da hilft dann nur noch
beherztes Gegenlenken. An-
sonsten haben Schnellfahrer aber wenig zu befürchten. Die Bremsen packen kraftvoll zu, und auch an Vortrieb mangelt es dem Peugeot trotz fehlender Traktionshilfen nur selten.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, ist mit dem Polo besser bedient. Weil VW dem GTI das segensreiche ESP ohne Aufpreis gönnt, bewegt man sich auch bei forcierter Fahrt meist auf der sicheren Seite. Beeindruckend das sanfte Eingreifen der Fahrdynamikregelung.

So hurtig wie der 206 bewältigt der Polo die Kurswechsel allerdings nicht, auch nicht bei ausgeschaltetem ESP. In Wechselkurven wirkt er weicher in den Knien, und der betont leichtgängigen Lenkung mangelt es an Präzision. Wenig sportlich auch das teigige Pedalgefühl der ansonsten guten Bremsen.

Ähnliche Lenkungsdefizite zeigt der Fiat, wobei hier mitunter noch Antriebseinflüsse spürbar werden. Auf schlechten Straßen bewirkt die harte Federung, dass die Räder nicht immer dort sind, wo sie hingehören, nämlich auf der Fahrbahn. Die Folge sind Traktionsschwierigkeiten, die logischerweise auch die serienmäßige Antriebsschlupfregelung nicht ganz überspielen kann.

An der Fahrsicherheit gibt es abgesehen von den sehr
fadingempfindlichen Bremsen aber nichts auszusetzen. Mit steigendem Kurventempo verlegt sich der Punto auf stabilisierendes Untersteuern, das sich auch durch Lastwechsel nicht erschüttern lässt. Ein Gag am Rande: Per Knopfdruck arbeitet die Lenkung im City-Modus, sprich extrem leichtgängig.

In ihren übrigen Qualitäten entsprechen die drei Flitzer weitgehend den regulären Schwestermodellen (siehe Vergleichstest in Heft 23/99). Nur in der Ausstattung leisten sie sich gehobenen Luxus, der letztlich auch die stolzen Preise in ein positiveres Licht stellt. So scheut sich VW nicht, den GTI mit Xenon-Scheinwerfern inklusive Waschanlage auszurüsten. Seitenairbags kosten allerdings Aufpreis.

Noch kräftiger schlägt die Konkurrenz zu. Peugeot gönnt dem S16-Kunden unter anderem Klimaautomatik und Radio mit Fernbedienung. Fiat legt
sogar noch ein im Radio
integriertes Navigationssystem drauf. Ganz schön viel für so wenig Auto. Aber nicht genug, um den Punkterückstand gegenüber dem Testsieger aufzuholen. Und der heißt VW Polo GTI.

Fazit

1. VW Polo GTI
570 Punkte

Unter seinesgleichen wirkt er ziemlich erwachsen. Geräusch und Federung sind erträglich. Die Fahrsicherheit profitiert vom serienmäßigen ESP. Handlichkeit und Fahrleistungen entsprechen den GTI-Maßstäben, auch wenn der Polo nicht der Sportlichste ist. Dafür ist er der Teuerste und relativ dürftig ausgestattet.

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Technische Daten
VW Polo 1.6 16V GTI Fiat Punto 1.8 16V HGT Peugeot 206 2.0 S16
Grundpreis 18.475 € 17.379 € 17.077 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3743 x 1632 x 1418 mm 3800 x 1660 x 1480 mm 3822 x 1673 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 245 bis 975 l 264 bis 1080 l 245 bis 1130 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1747 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 6500 U/min 96 kW / 131 PS bei 6300 U/min 99 kW / 135 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h 205 km/h 210 km/h
0-100 km/h 9,1 s 8,3 s 7,9 s
Verbrauch 7,1 l/100 km 8,3 l/100 km 7,9 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km 9,4 l/100 km 9,0 l/100 km
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