Fiat Punto gegen Nissan Micra

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Der 65 PS starke Nissan Micra 1.5 dCi trifft auf den facegelifteten Fiat Punto mit neuem 1,3 – Liter – Multijet-Motor mit 70 PS. Welcher der Diesel-Kleinwagen hat die Nase vorn?

Pausbacken, Kulleraugen und ein fröhliches Grinsen – kein Wunder, dass einem meist ­lachen-
de Gesichter entgegen­strah­­len, wenn man mit dem Nissan Micra unterwegs ist. Derlei Sympathiebekundungen erlebt der Fiat Punto-Fahrer nicht. Die Form seines Mobils hebt sich im Gewühl des Stadtverkehrs optisch einfach nicht genug von Polo, Fiesta und Co. ab. Und das trotz eines kräfti-gen Facelifts. Oder vielleicht gerade deswegen? Denn die schmalen Lichtschlitze des Vorgängers wirkten markanter und progressiver als die großen Klarglasscheinwerfer im Du­cato-Look. Auch die neue Frontschürze ist Mainstream. Glatt und ge­fällig zwar, aber eben nichts, an dem das Auge hängen bleibt. Die bemerkenswerteste Neuerung verbirgt sich indes hinter der ebenfalls neuen Kühlergrill­attrappe: ein kleinvolumiger, vierzylindriger Common-Rail-Diesel mit vier Ventilen namens Multijet. Diese Bezeichnung verdankt das Aggregat einer ­flexiblen Einspritzstrategie mit maximal vier Einspritzvorgängen je Arbeitsspiel (siehe Heft 12/2003, Seite 68). Das Ergebnis kann sich hö­ren lassen. Selbst nach einem Kaltstart tut das Triebwerk sein Verbrennungsverfahren nur dezent kund. Unter Last werden die Äu­ßerungen zwar etwas druckvoller, aber niemals stö­rend, ­zumal mit zunehmender Geschwindigkeit Windgeräusche aus der Gegend um die B-Säule den Motor übertönen. Beim Micra 1.5 dCi ist es ge­nau umgekehrt. Sein rund­liches Blechkleid bietet dem Fahrtwind anscheinend keine Angriffsmöglichkeiten, weshalb hier das Motorengeräusch dominiert. Das heißt aber nicht, dass der aus dem Renault Clio stammende Motor des Micra besonders laut ist, er klingt nur etwas kerniger und ist akustisch präsenter, ohne dabei je aufdringlich zu werden. Von der Papierform her scheint der Multijet-Diesel des Punto dem Micra-Triebwerk deutlich überlegen zu sein, zumal er auch die etwas besseren Messwerte auf den Asphalt zaubert.

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Vergleichstest Nissan Micra 1.5 dCi, Fiat Punto 1.3 JTD
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In der Praxis erweist sich der Micra-Antrieb aber als der angenehmere Wegbegleiter. Einfach knapp über Leerlaufdrehzahl einkuppeln und losfahren. Keine Spur von einer Anfahrschwäche, die es beim Punto per wohl koordinierten Einsatz von Gas- und Kupplungspedal zu überbrücken gilt. Auch im Fahrbetrieb sollte man vermeiden, in das Turboloch unterhalb etwa 1700 Touren zu fallen, und zum Beschleunigen rechtzeitig herunterschalten. Hat der Lader aber erst einmal Druck aufgebaut, geht es ordentlich ­vor­an. Harmonischer – wenngleich mit etwas weniger Schub – entwickelt der hub­raumstär­kere Nissan-Diesel seine Vortriebskraft. Dabei wird er von einem sehr gut abgestuften Getriebe unterstützt, das überdies auf kurzen Wegen knackig und präzise zu schalten ist. Die Gangbox des Fiat erschwert Übersetzungswechsel dagegen durch lange Wege und eine hakelige Führung des Schalthebels. Außerdem wollen die Gänge mit Nachdruck eingelegt werden. Der länger übersetzte fünfte Gang reduziert bei höherem Tempo allerdings Ge­räusch und Verbrauch. So konsumiert der Punto sowohl im Testmittel als auch auf der auto motor und sport-Verbrauchsrunde ein paar Zehntelliter Diesel je 100 Kilometer weniger als der Micra. Aber selbst dem Punto 1.3 JTD gelingt es nicht, in dieser Klasse neue Maßstäbe zu setzen. Was jedoch den Federungskomfort betrifft, rangiert der Punto in der Spitzengruppe bei den Kleinwagen.

Er verdaut kleine wie grobe Unebenheiten gleichermaßen gut, neigt aber zum Schaukeln, wenn mehrere Wellen kurz aufeinander folgen. Das lässt auf eine weiche Abstimmung der Dämpfer schlie­ßen. Straff gefedert und gedämpft, ist der Micra auf kur-zen Wellen mitunter etwas ruppig. Lange Bodenwellen verdaut der Nissan hingegen ordentlich. Beim Punto schmä­lern jedoch Poltergeräusche vom Fahrwerk die Freude am guten Federungskomfort. Fahrwerk und Karosserie sind beim Micra wesentlich besser voneinander entkoppelt. Auf der anderen Seite vermittelt die elektrische Servo­lenkung des Nissan mehr Kontakt zur Straße. Sie verlangt aber auch nach einer festeren Hand, sowohl beim Parken als auch wegen der Haltekräfte bei Kurvenfahrt. Vor allem in dem per Knopfdruck wählbaren City-Modus arbeitet die ebenfalls elektrisch unterstützte ­Fiat-Lenkung deutlich weniger kraft­raubend. Dafür spricht sie besonders bei kleinen Ausschlägen aus der Mittellage heraus etwas eckig an, wodurch etwa in engen Autobahnbaustellen und bei großen Kurvenra­dien ständige Lenkkorrekturen er­forderlich sind. Viele Punkte verliert der Punto im Sicherheitskapitel beim Bremsen. Gerade mit vol­ler Zuladung sind die erreich­baren Verzögerungen nicht mehr zeitgemäß. Und das bereits mit kalten Bremsen. Ansonsten bieten beide Kandidaten ein gut beherrschbares Fahrverhalten mit Vorteilen für den Micra beim Handling. Im Platzangebot für die Passagiere unterscheiden sich die beiden kaum. Die besseren Sitze vorne und hinten bietet aber der Fiat. Der hat auch beim ­Kofferraumvolumen die Nase vorn. Allerdings erlaubt die verschiebbare Rücksitzbank beim Micra, den Kofferraum um knapp die Hälfte zu vergrößern. Punto und Micra sind jedoch mehr als reine Stadtautos – sie schlagen sich nicht nur in der City gut, sondern können wegen ihrer Langstreckenqualitäten bedenkenlos auch als ­Intercity eingesetzt werden.

Fazit

1. Fiat - Punto 1.3 JTD - 57232
475 Punkte

2. Fiat Punto 1.3 JTD Dynamic: Nur zweiter Sieger wird der komfortable Punto. Der kultivierte Motor verbraucht bei besseren Fahrleistungen weniger Diesel, gibt seine Leistung aber etwas unharmonisch ab. Wenig Fahrspaß bereitet die unpräzise Lenkung.

2. Nissan Micra
481 Punkte

Mit knappem Vorsprung gewinnt der handliche Micra den Vergleich. Die Punkte, die er in der Komfortwertung verliert, macht er durch die besseren Bremsen mehr als wett. Außerdem bietet er drei Jahre Garantie.

Technische Daten
Fiat Punto 1.3 16V Multijet Dynamic Nissan Micra 1.5 dCi Acenta
Grundpreis 14.440 € 13.960 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3865 x 1660 x 1480 mm 3715 x 1660 x 1540 mm
KofferraumvolumenVDA 297 bis 1080 l 251 bis 982 l
Hubraum / Motor 1248 cm³ / 4-Zylinder 1461 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 51 kW / 70 PS bei 4000 U/min 48 kW / 65 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 164 km/h 155 km/h
0-100 km/h 15,0 s 15,2 s
Verbrauch 4,5 l/100 km 4,6 l/100 km
Testverbrauch 6,2 l/100 km 6,5 l/100 km
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