Fit for fun

SLK 350, Z4 3.0 si und 350 Z Roadster

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 38 Bilder

Drei offene Zweisitzer mit potenten Sechszylindermotoren: die jüngste Roadster-Auslese - BMW Z4 3.0 si, Mercedes SLK 350 und Nissan 350 Z - im Spaßmachervergleich.

Nicht verzagen: Der nächste Sommer kommt bestimmt, gut unterrichtete Kreise sind da ganz optimistisch. Kein Grund also für Roadster-Fans, verbittert ins Lager der Festdach-Kamarilla zu wechseln. Es wäre ein Fehler.

Der offene Zweisitzer ist nun mal die Urform des Sportwagens, und eine gleichwertige Spaßalternative muss erst noch erfunden werden. Sportliches Fahren ist immer ein Erlebnis, aber an der frischen Luft bekommt die Sache eine zusätzliche Dimension, und die ist zeitlos. Wer den Nerv dafür hat, den kann ein Coupé nicht glücklich machen. Es sei denn, das Coupé heißt SLK und ist zugleich ein Cabrio. Der Mercedes, der das versenkbare Blechdach zum Trend machte, ist nicht nur immun gegen fast alles, was die Umwelt an Gemeinheiten in petto hat, er sonnt sich zugleich in der Bestsellerposition.

Neu ist, dass ihm die Konkurrenz dort noch etwas mehr auf die Pelle rückt: BMW überarbeitet den Z4 und schenkt dem 3.0 si den wahrscheinlich weltbesten Sechszylindermotor, Nissan puscht den 350 Z zum PS-Führer im SLK 350-Segment. 301 PS zählt der japanische Roadster nun, 21 mehr als zuvor, womit er den SLK (272 PS) komfortabel abhängt. In beiden Fällen erzeugt ein 3,5-Liter- V6 die Leistung, im Nissan einer mit 60 Grad Zylinderwinkel, im Mercedes hingegen ein 90-Grad-Aggregat mit Ausgleichswelle.

Bei BMW bleibt unterdessen alles in der Reihe: Die jüngste Variante des Reihensechszylinders, jetzt mit Magnesiumgehäuse, holt aus drei Liter Hubraum 265 PS, was (auf dem Papier zumindest) nur zum dritten Sieger langt. Draußen im Leben freilich zählen die wahren Werte und nicht nur Zahlen. Temperament und Charakter sind maßgebend, einen echten Sportwagen prägt der Charme des Triebwerks. Bei modernen, radikaloptimierten Motoren aber liegt genau hier das Problem: Zu viel Perfektion, und der besondere Reiz geht flöten.

Um zu retten, was zu retten ist, investieren die Techniker folglich zunehmend in so genanntes Sound-Engineering, auf dass die PS zumindest angemessen klingen mögen.

Umso mehr ist das Sahnestück im Z4 zu loben. Seinem Reihensechszylinder quillt der Charakter nur so aus den Brennräumen. Er ist aufgeweckt wie ein Terrier, stürmisch wie ein Kampfstier, drehfreudig wie Michael Schumacher im Training, aber so sanft im Abgang wie edelzarte Schokolade.

Weniger lyrisch hingegen die Eindrücke, wenn man im SLK oder im 350 Z Gas gibt. Der Mercedes- V6 gehört unter seinesgleichen sicher in die erste Reihe, beißt kraftvoll zu, klingt auch recht angenehm, verkneift sich aber ansonsten hervorstechende Merkmale. Beim Nissan beschränkt sich dergleichen weit gehend auf die Fähigkeit, die stattliche Leistung des ziemlich rauen V6 bis zur Unkenntlichkeit zu zähmen. Da hilft auch kein Rühren im schwergängigen Sechsganggetriebe: Das Auto, das eigentlich das schnellste im Vergleich sein sollte, kommt einem vor, als würde es einen Anker hinter sich herziehen. Zumindest nach einem der Gründe muss man nicht lange suchen: Der Nissan ist der Größte und auch der Schwerste dieser Runde. Trotz Kohlefaser- Kardanwelle und Alu-Motorhaube kommt der Japan- Roadster auf 1632 Kilogramm – 153 mehr als der SLK. Beifall dagegen für BMW:

Der Z4 ist mit 1389 Kilogramm der Leichteste. Im Übrigen fallen die Verpackungen optisch so unterschiedlich aus, dass allein schon die Geschmacksfrage beim Kauf den Ausschlag geben kann. Der SLK mit der Formel 1-Nase ist schon wegen des Blechdachs der Praktischste, in dem man sich am besten untergebracht fühlt. BMW setzt beim Z4 unterdessen auf den klassischen Roadster-Look (lange Haube, kurzes Heck), zu dem auch die kleine Stoffkapuze gut passt, aber innen geht es enger zu.

Das gilt gleichermaßen für den unverschnörkelt gestylten Nissan, in dem man außerdem etwas zu hoch sitzt. Alle drei Roadster bieten körpergerechte Sitze, aber nur der 350 Z glänzt (als „Premium Pack“) mit üppiger Ausstattung inklusive einer reichhaltigen Instrumentierung. Dafür leidet der Bedienkomfort unter verstreut angeordneten Schaltern und die Materialqualität unter zu viel Billigplastik.

Das Verdeck ist sauber verarbeitet, muss aber manuell entriegelt werden, ein fest installiertes Plexiglaswindschott schont die Frisur.

Wer unter dem langen Heck einen entsprechend voluminösen Kofferraum vermutet, wird enttäuscht: In das flache Abteil passen nur 130 Liter. BMW und Mercedes geben sich da schon deutlich reisetauglicher. Im geschlossenen Mercedes lassen sich 300 Liter verstauen (offen: 208 Liter), während der BMW selbst im Frischluftmodus noch 240 Liter schluckt. Ein Vorteil des BMW-Dachs: Man sitzt bereits nach zehn Sekunden im Freien, beim SLK dauert die Prozedur 24, beim Nissan 19 Sekunden.

Das schnelle Verdeck passt schon deshalb bestens zum Z4, weil er auch sonst so überzeugend den Dynamiker gibt. Im Kurvengeschlängel zeigt er sich von seiner besten Seite, wobei ihm hier die ausgewogene Gewichtsverteilung ebenso Vorteile einräumt wie der herzhafte Grip der Vorderräder und die bedarfsgerecht regelnde Elektronik.

Im Handling ist er in dieser Runde der große Meister, auch wenn sich die elektrohydraulische Lenkung synthetisch anfühlt und das weißwurstdicke Lenkrad das Zupacken erschwert. Der Nachteil des sportlichen Wesens: Es wird durch weit gehenden Komfortverzicht erkauft. Selbst ebene Straßen verwandelt das Z4-Fahrwerk in Waschbrettpisten, auf schlechten Straßen wünscht man sich als Passagier, man hätte lieber den Bus genommen. Aber auch akustisch ist der Z4 nichts für Zartbesaitete: Spätestens ab Tempo 180 ist unter dem Stoffdach die Hölle los. Erheblich behaglicher bewegen sich unterdessen die Insassen im SLK fort. Er ist der Reise-Roadster, der auch den sportlichen Part beherrscht, ohne darin jedoch wie der BMW zu brillieren. Aber seine Traktion ist relativ bescheiden, die ESP-Überwachung rigide und die Kurvenwilligkeit schon wegen der größeren Kopflastigkeit begrenzt.

Das zivilere Naturell muss freilich auf die Dauer kein Spaßverderber sein, bekömmlicher ist es allemal. Wo bleibt der Nissan? In seinen Fahrwerksqualitäten ziemlich genau zwischen BMW und Mercedes – nicht so kompromisslos wie der Z4, aber straffer als der SLK. Handlichkeit und Lenkpräzision bieten freilich noch Raum für Verbesserungen – so wie eben auch sonst so manches am 350 Z einschließlich der exorbitant hohen Versicherungskosten.

Folglich kann den Nissan auch sein günstiger Preis letztlich nicht nach vorn bringen. Der bessere Roadster ist des guten Feind. Und der bessere heißt alles in allem immer noch Mercedes SLK.

Fazit

1. Mercedes SLK 350
471 Punkte

Der beste Allrounder: Coupé und Cabrio in einem, genügend Reisekomfort und auch als Sportwagen keine Enttäuschung. Aber ein relativ teures Vergnügen.

2. BMW Z4 3.0 si
470 Punkte

Der Z4 setzt voll auf die sportliche Karte. Sein Motor ist ein Gedicht, das Handling hat hohen Unterhaltungswert, aber auf die Dauer stört der allzu dürftige Komfort.

3. Nissan 350 Z Roadster
414 Punkte

Der 350 Z erfüllt nicht, was die Leistungsdaten versprechen. Immerhin: Das Chassis ist gut abgestimmt, die Ausstattung vorbildlich. Inakzeptabel: die Versicherungskosten.

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Technische Daten
Mercedes SLK 350 BMW Z4 Roadster 3.0si Nissan 350Z Roadster Premium Pack
Grundpreis 46.232 € 42.250 € 42.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4082 x 1788 x 1298 mm 4091 x 1781 x 1299 mm 4315 x 1815 x 1325 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l 260 l 130 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min 195 kW / 265 PS bei 6600 U/min 221 kW / 301 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,1 s 5,7 s 6,2 s
Verbrauch 10,6 l/100 km 8,6 l/100 km 12,0 l/100 km
Testverbrauch 12,6 l/100 km 11,8 l/100 km 14,5 l/100 km
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