Focus, 308, Astra, i30

Heckbestimmung

Foto: Achim Hartmann 52 Bilder

Mit netten Details und bis zu sieben Plätzen will der Peugeot 308 SW den ebenfalls neuen Hyundai i30 CW ausstechen. Was können Ford Focus Turnier und Opel Astra Caravan den jungen Rivalen entgegensetzen?

Franzosen sind einfach ein sinnliches Volk: Sie begrüßen sich seit jeher per Küsschen, haben den höchsten Pro-Kopf-Weinverbrauch und zeugen die meisten Kinder in Europa. Diese Lebensfreude scheinen sie auch auf ihre Autos zu übertragen. Als Beweis darf der neue Peugeot 308 SW gelten, der nicht nur ein breites Grinsgesicht aufgesetzt hat, sondern mit einem riesigen transparenten Dach Sonne in den Autoalltag bringt. Insgesamt über fünfeinhalb Quadratmeter Glasfläche lassen das coupéartig flache 308-Cockpit mit den dezenten Chrom-Applikationen gleich doppelt verführerisch wirken. Wer es noch heller mag, muss schon Cabrio fahren.

Ausgefuchste Details zeigen aber auch Sinn fürs Praktische: Wo bei anderen Fahrzeugen eine schnöde Rückbank untergebracht ist, finden sich im Peugeot drei Einzelsitze, die sich separat flachlegen, ausbauen oder umpositionieren lassen. Mit den beiden Extra-Sesseln für 510 Euro kann der SW nach bester Minivan-Manier gänzlich frei für zwei bis sieben Passagiere bestuhlt werden. Doch das ist noch nicht alles: Bei den teureren Versionen Sport und Sport Plus öffnet die Heckscheibe separat, schwingen Tische an den Sitzen hoch und taucht die Beifahrerlehne für langes Transportgut ab. Aber reichen nette Details und ein Sonnendach, um den ebenfalls neuen Hyundai i30 CW sowie die seit 2004 gebauten Kompakt-Kombis Opel Astra Caravan und Ford Focus Turnier in den Schatten zu stellen?

Kompakte Kombis mit Turbodiesel für rund 25.000 Euro

Alle vier sind um die 4,50 Meter lang, mit 125 bis 140 Turbodiesel-PS ähnlich motorisiert und kommen in den getesteten Versionen auf ungefähr 25.000 Euro. Dem flexiblen Raumkonzept des 308 hat nur der Astra etwas entgegenzusetzen: Zumindest gegen Aufpreis lässt sich seine Fondbank dreifach teilen (im Verhältnis 40:20:40), die Beifahrerlehne umlegen sowie ein Verzurr-System mit verschiebbaren Befestigungsadaptern im Kofferraum ordern. Dafür muss der Opel als Einziger von seinen Fondkopfstützen befreit werden, bevor sich die Rückbank aus dem Weg räumen lässt. Wer dagegen im Hyundai i30 CW nach ausgeklügelten Klapp- und Stautricks forscht, wird nicht fündig. Wie im Focus Turnier lässt sich das hintere Sitzmöbel lediglich asymmetrisch geteilt vorklappen. Sein Ladeabteil ist zudem das kleinste in diesem Quartett.

Peugeot bietet am meisten Platz

Der Speditionspokal geht daher klar an den Peugeot: Er lässt sich am flexibelsten aufteilen, schluckt die größten und schwersten Gepäckstücke und schont Rückenwirbel mit der niedrigsten Ladekante. Weniger Unterschiede gibt es beim Platzangebot für die Passagiere. Hyundai und Ford sind allenfalls einen Tick üppiger geschnitten, während sich großgewachsene Mitfahrer auf der Opel-Rückbank etwas eingemauert fühlen. Dicke, weit vorgezogene A-Säulen lassen den 308 vorn zwar weiträumig erscheinen, machen ihn aber auch unübersichtlich. Nicht nur des luftigen Raumgefühls wegen sollten Peugeot-Mitfahrer daher sehen, dass sie auf längeren Strecken den Beifahrersitz ergattern. Die drei hinteren Sessel sind nämlich für Erwachsene auf Dauer schlicht zu klein. Kurze Sitzflächen und unbequem gepolsterte Lehnen lassen Hinterbänkler immer wieder am Einzelsitz-Konzept zweifeln, während man im Fond von i30 und Focus selbst lange Strecken gut übersteht.

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Doch raus aus der zweiten und ab in die erste Reihe. In der getesteten Titanium-Version verwöhnt der zum Modelljahr 2008 gründlich überarbeitete Focus mit tollen Sportsitzen, die auch unterschiedlich gebaute Fahrer fest im Griff haben, ohne dabei zu drücken. Darauf lassen sich kurvige Landstraßen schwungvoll in Angriff nehmen und dank der gelungenen Fahrwerksabstimmung leichtfüßig und sicher durcheilen. Auch die knackige, mitteilsame Lenkung trägt dazu bei, dass sich im Ford mit Abstand das beste Fahrgefühl einstellt. Nur beim Bremsentest liegt der Focus zurück und belegt den letzten Platz. Dafür erzielt er die besten Fahrleistungen, kann die Mitbewerber aber nur in Sachen Durchzug distanzieren. Denn Sekundenbruchteile hin oder her: Alle Kandidaten erreichen Elastizitätswerte wie Sportwagen der siebziger Jahre und fächeln so einen Hauch Antriebs-Luxus in die bodenständige Kompaktklasse.

Opel muss sich beim Antrieb nicht verstecken

Erstaunlich vor allem, wie gut der kleine 1,7-Liter Motor im Opel trotz Drehmomentdefizit mit den Zweiliter-Aggregaten der Konkurrenz mithalten kann. Nicht nur in Sachen Fahrleistungen, auch bei Laufkultur und Akustik muss sich der Vierzylinder nicht verstecken. Den Fahrspaß im braven und wenig spektakulären Astra beeinträchtigen eher die einfachen Sitze mit zu wenig Seitenhalt sowie das etwas nervöse Verhalten auf welliger Fahrbahn.

Der Peugeot kann sein Mehrgewicht von über 100 Kilogramm gegenüber seinen Mitstreitern nur teilweise kaschieren. Obwohl er vom gleichem Motor wie der Focus angetrieben wird, wirkt der 308 immer einen Tick weniger spritzig und agil. Zudem rollt er ähnlich straff ab wie seine Mitbewerber. Das einstige Markenzeichen französischer Autos, der Federungskomfort, wurde im Peugeot an internationale Härte angepasst. Weit störender erweist sich jedoch sein synthetisches Lenkgefühl. Dafür schont er die Nerven seiner Insassen mit der dezentesten Geräuschkulisse. Von den zusätzlichen Pfunden scheint also einiges in Dämmmaterial angelegt zu sein.

Gute Bremsen im Peugeot

Außerdem verzögert der 308 als Einziger sogar mit heißer Bremse in weniger als 40 Metern aus 100 km/h. Mit seinem problemlosen, leicht untersteuernden Fahrverhalten bewegt sich auch der Hyundai auf der sicheren Seite. Dennoch erschließt sich sein Charakter nur schwer: Er ist zwar nirgends richtig schlecht, kann aber auch nichts besonders gut. Dass er Kapitel für Kapitel an Boden verliert, liegt an vielen Details, die sich zu einem merklichen Punktedefizit summieren: Sei es die um die Mittellage nicht sehr spontan ansprechende Lenkung, die weniger exakte Schaltung, der hölzerne Abrollkomfort, das spürbare Turboloch beim Gasgeben oder die lauteren Motor- und Fahrwerksgeräusche.

Immerhin spielt der i30 bei den Kosten vorn mit. Er ist zusammen mit dem Ford ein paar Hunderter billiger, bietet die längste Garantie und darf in dieser Klasse als vollausgestattet bezeichnet werden. Mit seiner serienmäßigen Bildschirmnavigation holt sich der ansonsten etwas sparsamer ausstaffierte Opel allerdings noch einen Ausstattungspunkt mehr, während beim Ford sogar Radio und Dachreling extra gehen. Aber auch der im Unterhalt teurere Peugeot hängt kostenseitig nicht dramatisch durch. Selbst die Verbrauchswerte zwischen 7,3 und 7,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer trennen keine Welten. Dennoch machen Ford und Peugeot den Sieg unter sich aus. Der agile Focus Turnier richtet sich klar an Dynamiker mit erhöhtem Platzbedarf. Freizeitaktivisten mit noch nicht abgeschlossener Familienplanung finden im variablen 308 SW den idealen Partner. Opel und Hyundai drängen sich hingegen nicht mit herausragenden Eigenschaften in den Vordergrund und reihen sich im Kombi-Mittelmaß ein. Dem nicht mehr ganz taufrischen Astra mag man das verzeihen, vom neuen i30 CW hätte man aber mehr Raffinesse erwartet.

Fazit

1. Ford Focus Turnier 2.0 TDCi
480 Punkte

Mit kräftigem Motor und agilem Handling trifft der Focus den Nerv sportlicher Fahrer, ohne dass Abstriche beim Komfort gemacht werden müssen. Er bietet allerdings wenig Variabilität und nur mäßige Bremsen.

2. Peugeot 308 SWE HDi FAP 135
474 Punkte

Mit bis zu sieben Einzelsitzen und vielen praktischen Details liegt der 308 in der Eigenschaftswertung vorn. Im Fond reisen allerdings nur Kinder bequem. Seine etwas höheren Kosten verhageln ihm knapp den Gesamtsieg.

3. Opel Astra Caravan 1.7 CTDi
464 Punkte

Obwohl der fahrsichere und gut ausgestattete Astra Caravan in keinem Kapitel durchhängt, reicht es für ihn nur zu Platz drei. Am meisten vermisst werden bessere Vordersitze und eine feinfühliger ansprechende Federung.

4. Hyundai i30 CW CRDi
446 Punkte

Vor allem beim neuen i30 CW fehlt es in vielen Punkten noch am nötigen Feinschliff. Enttäuschend auch der wenig variable Gepäckraum. Da er nicht einmal besonders billig kommt, bleibt ihm nur die rote Laterne.

Technische Daten
Ford Focus Turnier 2.0 TDCi Titanium Peugeot 308 SW HDi FAP 135 Sport Opel Astra Caravan 1.7 CDTI Cosmo Hyundai i30cw 2.0 CRDi Style
Grundpreis 25.450 € 24.900 € 26.130 € 24.440 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4468 x 1839 x 1503 mm 4500 x 1815 x 1555 mm 4515 x 1753 x 1500 mm 4475 x 1775 x 1565 mm
KofferraumvolumenVDA 503 bis 1546 l 508 bis 1736 l 540 bis 1590 l 415 bis 1395 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder 1686 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min 92 kW / 125 PS bei 4000 U/min 103 kW / 140 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h 202 km/h 195 km/h 205 km/h
0-100 km/h 9,6 s 11,1 s 10,8 s 10,6 s
Verbrauch 5,6 l/100 km 5,7 l/100 km 5,5 l/100 km 5,4 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km 7,7 l/100 km 7,5 l/100 km 7,3 l/100 km
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