Focus, Astra, Golf

Die Spar-Tarner

Foto: Hans-Dieter Seufert 34 Bilder

Verbrauchssenkung ist zum Generalthema fast aller Autobauer geworden. Auf der Suche nach weiterem Sparpotenzial bauen Ford, Opel und VW nun Öko-Varianten.

Deutschland hat den Blues: Erst legen die Klimahüter der EU den Autobauern, besonders den heimischen, die CO2-Daumenschrauben an. Und dann bescheinigt eine Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) den Deutschen auch noch, dass sie inzwischen die dicksten Europäer sind. Abspecken ist also angesagt – sowohl bei den leiblichen Genüssen als auch beim Spritkonsum. Keine einfache Sache, denn der neue Mensch ist von heute auf morgen genauso wenig zu erschaffen wie das Öko-Auto. Aber man kann ja schon mal mit kleinen Dingen anfangen, beispielsweise mit einem Öko-Etikett.

Drei unterschiedliche Öko-Etiketten

VW entschied sich für Bluemotion, startete damit schon 2006 beim Polo und dehnte die Strategie inzwischen auf Passat und Golf aus. Ford Focus und Opel Astra, die Hauptkonkurrenten in der Kompaktklasse, konnten da nicht zurückstehen und folgten mit eigenen Sparversionen namens Econetic und Ecoflex. Dass der Weg zu minimalem Verbrauch nur über den Diesel führt, ist Konsens bei allen drei Herstellern. Doch nicht hinter jedem Eco-Label steckt auch eine technische Abmagerungskur, am wenigsten beim Astra. Opel hat ihm das Ecoflex-Feigenblatt nur deshalb verpasst, weil es sich beim 1.3 CDTi mit 90 PS um die sparsamste Motorvariante der Baureihe handelt. 5,2 Liter verspricht der Normverbrauch ohne zusätzliche technische Eingriffe wie bei Ford und VW.

In der Praxis sind es dann schon 6,5 Liter/100 km, doch es geht auch anders, wie die auto motor und sport-Verbrauchsrunde mit 4,7 Liter zeigt. Für den Fahrer ist diese Knauserei freilich eine harte Prüfung, denn der kleine Vierzylinder entwickelt seine Kraft nur schwerfällig. Als Einziger verfügt der Opel über einen langen sechsten Gang, der das Temperament beschneidet, aber dem Spargedanken dient. Vor allem dann, wenn man sich im unteren Drehzahlbereich aufhält, den Opel grün markiert und damit als ökologisch sinnvoll deklariert. Will man die Bilanz auch ökonomisch optimieren, kann man in der einfach ausgestatteten Basisversion schon mit 19.415 Euro in den Club der Spartaner einsteigen.

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Preisfuchs: Astra Ecoflex

Sehr preisbewusste Kunden werden sich also für den Astra Ecoflex entscheiden, denen Funktionalität und genügend Raum für vier wichtiger ist als das letzte Quäntchen an Komfort, Lenkpräzision und Agilität. Eine andere Zielrichtung verfolgt Ford. Das Öko-Paket kostet hier 500 Euro, aber dafür gibt es statt des einfachen Basismodells eine Ausstattung, die in etwa der Version Style entspricht. Und da im Focus Econetic der stärkere 1,6- Liter-TDCi mit 109 PS arbeitet, fühlt er sich überhaupt nicht wie ein Sparmobil an. Drehfreudig und mit kernigem Klang, vermittelt der Common-Rail-Diesel sogar Fahrspaß.

Bei hohem Autobahntempo bewegen sich die Drehzahlen zwischen 3.500 und 4.000/min, so dass man sich mitunter einen geräusch- und verbrauchssenkenden sechsten Gang wünscht. Der gehört zwar nicht zum Econetic-Paket, dafür aber diverse andere Maßnahmen. Zum Beispiel eine um rund einen Zentimeter tiefergelegte Karosserie, was ebenso wie die modifizierte Frontschürze und der Heckspoiler die Aerodynamik verbessern soll. Dazu kommen Michelin Energy-Reifen mit verringertem Rollwiderstand. Auch die elektrohydraulische Lenkung wurde optimiert, und dem Getriebe setzt nun ein besonders dünnflüssiges Öl weniger Widerstand entgegen. Schließlich wurde die Motorsteuerung überarbeitet und auf mehr Effizienz getrimmt.

Was der ganze Aufwand bringt? Ford verspricht eine Verbesserung um 0,2 auf 4,3 Liter im Normzyklus und bei den CO2-Emissionen den Sprung unter die magische 120-Gramm-Marke (115 g/km). In der Praxis freilich übertrifft der Focus mit einem Testdurchschnitt von 6,6 Liter selbst den Opel minimal. Kein Wunder, denn der Focus zeigt sich von ganz anderem Charakter. Mit seinem sportlich-straffen, aber schluckfreudigen Fahrwerk, seinem drehfreudigen Dieselmotor und dem kurz übersetzten, knackig zu schaltenden Fünfganggetriebe scheint er geradezu im Widerspruch zum Öko-Bemühen zu stehen. Auch innen wirkt er wie ein fahraktiver Gegenentwurf zum Astra. Gut gestaltete Sitze vorn zeigen: Hier steht der Fahrer im Fokus, für die Fond-Insassen bleibt nicht nur wegen des hinteren Dacheinzugs weniger Lebensraum.

Sparen mit Spaß

Trotzdem lässt sich mit dem Focus Econetic Maß halten, ohne dass er gleich zur Spaßbremse wird: In der auto motor und sport-Verbrauchsrunde errang er mit 4,5 Liter sogar den Spitzenplatz. Es geht also, wenn der Fahrer will und die Diät aktiv betreibt. Das gilt natürlich auch beim Golf Bluemotion, der als Einziger dem Fahrer im Display aktiv die optimalen Schaltpunkte signalisiert. Mit einem Normverbrauch von 4,5 Liter unterschreitet er die 120 Gramm-CO2-Hürde denkbar knapp. Ein solcher Wert ist um so erfreulicher, als der Öko-Golf ein vollwertiges Familienauto bleibt. In der wertig anmutenden, jedoch keineswegs üppigen Comfortline-Ausstattung kostet das Sparpaket nur 200 Euro mehr, ist aber ähnlich umfangreich wie das von Ford: Um 15 Millimeter abgesenkte Karosserie, verkleideter Unterboden und Leichtlaufreifen gehören ebenso dazu wie eine geänderte Motorsteuerung.

Die abgesenkte Leerlaufdrehzahl zahlt sich besonders während der zahlreichen Stopps im Stadtverkehr aus. Noch mehr bringt aber die Modifikation des Fünfganggetriebes, das in den oberen drei Fahrstufen länger übersetzt ist und so das Drehzahlniveau senkt. Eine Maßnahme, die zudem die ruppige Akustik des 105 PS starken Pumpedüse-TDI mildert. Damit büßt der Golf spürbar an Elastizität ein und fordert vom Fahrer fleißigeres Schalten als bislang.

Doch die Nachteile gegenüber dem Focus halten sich im vertretbaren Rahmen. Zumal der Bluemotion seinen ökologischen Auftrag am besten erfüllt und mit 6,1 L/100 km im realen Leben rund einen halben Liter unter den Konkurrenten bleibt. Damit beweist der Golf, dass Sparen nicht nur Verzicht sein muss, sondern auch Spaß machen kann. Und wenn die Autoindustrie die Öko-Techniken vorantreibt, sie in die Serie einfließen lässt und nicht nur als kostensteigerndes Sonderpaket anbietet, könnte sich der Blues unter Deutschlands Autofahrern in einen freudigen Swing verwandeln.

Fazit

1. VW Golf TDI Bluemotion Comfortline
492 Punkte

Bluemotion ist das überzeugendste der drei Verbrauchssenkungs-Konzepte, weil es bei moderatem Aufpreis im Alltag den höchsten Spareffekt zeigt. Fahrdynamik und Komfort leiden darunter nur wenig.

2. Ford Focus 1.6 TDCi Econetic
477 Punkte

Mit drehfreudigem Motor und straffem Fahrwerk gibt der Focus den Sportler unter den Öko-Autos. Zwar lässt sich auch mit dem Econetic-Konzept Sprit sparen, den hohen Aufpreis holt man aber wohl nie wieder herein.

3. Opel Astra 1.3 CDTi Ecoflex
473 Punkte

Für den Astra spricht in erster Linie sein günstiger Preis. Besondere Sparqualitäten erwirbt man mit dem Ecoflex-Label kaum. Sie erklären sich in erster Linie mit dem leistungsschwachen und temperamentlosen Diesel.

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Technische Daten
VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Comfortline Ford Focus 1.6 TDCi ECOnetic 99g Opel Astra 1.3 CDTI Edition
Grundpreis 22.750 € 21.600 € 20.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1513 mm 4337 x 1839 x 1497 mm 4249 x 1753 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 396 bis 1258 l 380 bis 1295 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 1560 cm³ / 4-Zylinder 1248 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h 188 km/h 172 km/h
0-100 km/h 11,4 s 11,3 s
Verbrauch 4,5 l/100 km 4,5 l/100 km 5,1 l/100 km
Testverbrauch 6,1 l/100 km 6,6 l/100 km
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