Ford Explorer Highclass im Test

Mit einem frischen Gesicht im Ford-Stil ist der Explorer nicht nur hübscher geworden. Umfangreiche technische Änderungen machen ihn zu einem beinahe neuen Auto.

Am Nachfolger wird schon gearbeitet: Design the new Ford Explorer – zeichnen Sie den neuen Ford Explorer – hieß der Titel eines im Computer- Netzwerk CompuServe ausgerichteten Ideen-Wettbewerbs, den Ford-Designer im Januar 1995 in Detroit veranstalteten. Einen der markantesten Beiträge gab der Explorer-Fahrer William Crowe zum besten: „Macht den Explorer vor allen Dingen zuverlässiger. Laßt ihn so groß werden wie den Hummer, aber verkauft ihn um 10 000 Dollar billiger“, riet Crowe der Ford-Crew. Bei der Masse der Explorer- Fahrer ist dieser Geländewagen in den Vereinigten Staaten aber keineswegs umstritten: Das Auto, das dort schon zu Preisen zwischen 22 305 und 33 935 Dollar (rund 31 000 bis 47 500 Mark) in der viertürigen Version mit Allradantrieb zu haben ist, war in den letzten Jahren der meistverkaufte Geländewagen seiner Klasse – auch wenn für dieses Modell der in den Staaten notwendige V8 nicht lieferbar war.

Nach wie vor steht für den Explorer nur eine einzige Motorvariante zur Verfügung: der bei Ford in Köln gebaute Vierliter- V6, der in der aktuellen Explorer-Version 156 PS leistet, neun PS weniger als beim Vorgänger, der 1990 auf den Automobil-Messen in Detroit und Los Angeles debütierte. Explorer, die zweite, ist mehr als nur ein etwas üppiger ausgefallenes Facelifting. Das Auto erhielt nicht nur ein neues Outfit, sondern auch ein komplett abgeändertes Cockpit und eine neu konstruierte Vorderachse. Im optischen Auftritt ist der Explorer (zu deutsch Forscher) nun zweifelsfrei als Ford zu identifizieren: In die abgerundete Frontpartie fügten die Ford-Designer einen Kühlergrill, wie er in ähnlicher Form auch bei einem Ford Taurus oder Mustang markentypische Signalwirkung besitzt.

Ganz geschickt kaschiert Ford hier, daß das Wagenheck bis auf wenige Detailänderungen jenem des Vorgängers entspricht. Das neue Cockpit mit gut ablesbaren Instrumenten, großen Knöpfen und einfach erreichbaren Schaltern hat an Übersichtlichkeit und Funktionalität deutlich gewonnen. Eine Rarität im Lager der Geländetüchtigen: Der Explorer zeigt sich auf höchstem Sicherheitsniveau und besitzt serienmäßig höhenverstellbare Sicherheitsgurte sowie Fahrer- und Beifahrer- Airbag. Der Explorer-Innenraum ist von zeitgemäßer Güte: Platz ist ausreichend vorhanden, dazu sind genügend Staufächer und Ablagemöglichkeiten verteilt. Die elektrisch verstellbaren Sitze sind sehr angenehm profiliert, aber die Sitzfläche fällt erheblich zu kurz aus. Dies gilt auch für die Bank im Fond, deren Rückenlehnen, asymmetrisch geteilt, umlegbar sind.

Der Kofferraum zeigt sich so, wie er bei einem großen Geländewagen mit kastenförmigem Aufbau gar nicht anders zu machen ist: groß, glattflächig, aber mit einer geländewagentypisch hohen Ladekante. Das Gepäcknetz wird hier als nützliches Detail notiert, das es bei anderen Marken nicht unbedingt gratis gibt. Der Explorer besitzt auf jeden Fall ein gutes Preis- Leistungs-Verhältnis. Das trifft auch auf die in diesem Test gefahrene, 63 280 Mark teure Highclass-Version zu, die höchste Ausstattungsstufe im Explorer-Angebot. Highclass steht für eine Leder-Innenausstattung und ein elektrisches Glasschiebedach als Sahnehäubchen auf der beeindrukkenden Liste serienmäßig eingebauter Extras (siehe Datenblatt auf Seite 53). Von den Modellpflege- Maßnahmen hat aber vor allem das Fahrverhalten des Explorer profitiert.

Die neue Vorderachse, eine Einzelradaufhängung mit doppelten Querlenkern, sorgt dafür, daß die Räder präzise geführt werden. Der Geradeauslauf ist ausgezeichnet, und das Benehmen des Explorer in Kurven ist von nahezu limousinenartiger Gutmütigkeit. Auf schlechten Wegen allerdings macht die Hinterachse deutlich auf sich aufmerksam: Die Starrachse mit Blattfedern kickt in dem Maße gegen ihre Aufhängungspunkte, wie die moderne Konstruktion vorn um Komfort bemüht ist. Soviel ist sicher: Beim nächsten Explorer, der für 1999 terminiert ist, kann sich Ford die Starrachse hinten nicht mehr leisten. Dann wird hoffentlich auch die neue Zahnstangenlenkung renoviert, welche die Kugelumlauf- Konstruktion des Explorer 1 ersetzt. 

Die Servolenkung ist um die Mittelachse gefühllos und vermittelt kaum Kontakt zur Fahrbahnoberfläche. Ganz sicher aber wird der nächste Ford Explorer einen V8 und einen neuen V6 erhalten. Und das ist auch gut so. Denn die Lebensäußerungen des jetzigen V6 lassen keine Freude aufkommen. Der Motor müht sich schlapp durch sein Drehzahlband, wirkt in mittleren und oberen Touren kraftlos und läßt mit Vibrationen und lautem Brummen kaum das Gefühl von V6-typischer Laufkultur aufkommen. Einen gelinden Eindruck davon erhält der Explorer- Fahrer nur im unteren Drehzahlbereich. Die Viergangautomatik schaltet zwar sanft und ruckfrei, doch gelegentlich zu hektisch: Etwas zu starkes Gasgeben bei gemächlicher Fahrt in der zu lang übersetzten vierten Fahrstufe quittiert der Automat mit hektischem Zurückschalten gleich um zwei Gänge.

Heftiges Aufheulen des Motors ist die Folge. Einen ausgezeichneten Eindruck hinterläßt der in Fahrt einfach per Knopfdrehung zuschaltbare neue Allradantrieb Control Trac, der den Explorer zu einem begabten Geländekletterer macht. Im normalen Straßenverkehr muß Control Trac nur selten aktiviert werden, zumal im Antriebsstrang unter 4WD-Konditionen deutliche Vibrationen entstehen.

Technische Daten
Ford Explorer 4.0
Grundpreis 31.393 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4789 x 1874 x 1830 mm
KofferraumvolumenVDA 1206 bis 2311 l
Hubraum / Motor 3958 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 115 kW / 156 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 167 km/h
0-100 km/h 13,4 s
Testverbrauch 15,6 l/100 km
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