Ford Fiesta, Opel Corsa und Seat Ibiza

Ford Fiesta, Opel Corsa und Seat Ibiza – es gibt sie noch, die Kleinwagen mit zwei Türen, Schlichtausstattung und bescheidenen 60 PS. Was man spart und ob man entbehrt, klärt ein Vergleich.

Tuning einmal anders: Ford, Opel und Seat haben nicht ihre Autos, sondern die Preise tiefer gelegt. Fiesta minus 465 Euro, Corsa Njoy minus 455 Euro, Ibiza minus 2,6 bis sieben Prozent – und das ohne abgespeckte Ausstattung. In Zeiten sinkender Einkommen und steigender Ausgaben ein bekömmliches Sparmenü, das die Hersteller zum Teil mit Null-Prozent-Finanzierung, at- traktiven Leasingkonditionen und sonstigen Anreizen (Gratisbenzin bei Opel) garnieren. Die nächste Überraschung erlebt, wer acht Jahre zurückblättert. Denn während alles teurer wurde, haben die Kleinwagen praktisch ihre Preise gehalten – zumindest wenn man die damals meist optionalen, heute serienmäßigen Extras wie Servolenkung, ABS und Airbags in die Rechnung mit einbezieht. Erster Gewinner: der Kunde. Selbst mit Autos für 10‑500 bis 11‑500 Euro ist er nicht mehr arm dran, sondern fein raus. Besser noch: Die aktuellen Basisversionen sind keine Ladenhüter im Schlussverkauf, sondern Autos mit Allroundqualitäten, in Fahreigenschaften, Sicherheit und Raumangebot auf der Höhe der Zeit. Warum also noch zur gestandenen Mittelklasse oder zu Topvarianten greifen, wo bereits die Grundmodelle passable Fahrleistungen, niedrige Unterhaltskosten und ordentlichen Komfort versprechen? Da spart man lieber am Motor und steckt das Geld in sinnvolle Zusatzpakete. So hat der Ibiza in der getesteten Signo-Version (540 Euro extra) zusätzlich Nebelscheinwerfer und CD-Radio, der Fiesta als Ambiente (550 Euro) elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und einen höhenverstellbaren Fahrersitz an Bord. Selbst der eher mager bestückte Corsa rechtfertigt den hohen Njoy-Zuschlag (1295 Euro) mit Alufelgen, Glasschiebedach und Cassetten-Radio. Derart ausstaffiert und als Zweitürer für 11‑050 (Ford) bis 12 040 Euro (Seat) noch immer erschwinglich, haftet den Rivalen nichts Ärmliches mehr an. Ihre Außenlänge ist über die Jahre auf stattliche 3,82 bis 3,95 Meter angewachsen, und in den Karosseriequalitäten gibt sich keiner eine entscheidende Blöße. Differenzen beim Raumangebot sind eher subjektiver Natur, denn trotz ähnlicher Innenma-ße wirkt der kürzere Corsa besonders hinten etwas enger. Überdies fällt hier der Einstieg zum Fond am schwersten.

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Gleichwohl wird vier Erwachsenen jeweils genügend Bewegungsfreiheit geboten und dazu ein brauchbarer Kofferraum, der sich durch einfaches Umklappen der geteilten Rücksitze für größere Transportaufgaben umrüsten lässt. Beim Opel steht allerdings die magere Zuladung einer intensiven Nutzung im Weg. Letztlich bleiben es Nuancen, die hier den Unterschied ausmachen, und das gilt auch für Funktionalität und Verarbeitung. Den besten Qualitätseindruck hinterlässt der Fiesta, der zwar einen sehr nüchternen Innenraum mit viel Hartplastik, aber eine leise, sauber gemachte Karosserie vorweist. Einzige Mängel: der nur per Schlüssel zu entriegelnde Tankdeckel und die ungünstige, vom Rechtslenker übernommene Anordnung mancher Schalter. Kaum schlechter fühlt man sich im Corsa aufgehoben, wenn man von seinen Klapptürgriffen und dem nur in der Höhe verstellbaren Multifunktionslenkrad mit unpraktischen Knöpfen (Extra) absieht. Beim Ibiza trüben die schlechte Übersicht, der Dreifachblinker und die zur falschen Seite ausschlagende Tankanzeige die Bedienung. Zudem kann der gute Materialeindruck nicht überdecken, dass neben dem Wind auch Karosserie und Fahrwerk akustisch stets präsent sind. Zu den Abrollgeräuschen der Reifen gesellt sich vor allem auf kurzen Bodenwellen eine unbeholfene, stolperige Federung, was die gut ausgeformten, auch hinten bequemen Sportsitze nur zum Teil aufwiegen. Wenig auszusetzen gibt es dagegen an den Fahreigenschaften. In Kurven verhält sich der Seat bei geringem Untersteuern lenkpräzise und zeigt ein fast gieriges Handling. Die elektrohydraulische Lenkung bringt jedoch kaum Rückstellkräfte auf und damit etwas Nervosität ins Spiel. Der elektrischen Opel-Lenkung mangelt es vor allem an Gefühl und Fahrbahnkontakt, doch ansonsten wirkt sie inzwischen recht brauchbar. In der Beherrschbarkeit steht der Corsa den Rivalen selbst mit Beladung nicht nach, wohl aber an Komfort. Die schwach konturierten Sitze verursachen bereits auf kürzeren Strecken Rückenschmerzen, und die Federung teilt auf Unebenheiten beständig kleine Stöße aus. In diesem Umfeld geht der Fiesta insgesamt am pfleglichsten mit seinen Insassen um. Von ondulierten Pisten und rauen Belägen lässt er am wenigsten spüren, auch akustisch wird man hier nicht ungebührlich strapaziert. Überdies sorgen selbst seine Standardsitze für Behagen, obwohl sie für Großgewachsene etwas zu kurz und zu hoch sind. Die Qualitäten des Ford werden vom gutmütigen Kurvenverhalten abgerundet, dem allenfalls eine leichte Schwerfälligkeit anzulasten ist. Obwohl keiner mit ESP geliefert wird, zeigen ihre Fahrwerke keine Tücken – schon deshalb, weil sie auf stärkere Motoren ausgelegt sind. Die Tatsache, dass hier kleine Aggregate in nicht ganz leichten Autos arbeiten, bleibt dem Fahrer aber auch sonst nicht verborgen.

Denn was die Basistriebwerke an Fahrleistungen abliefern, hält sich in bescheidenen Grenzen. Am spurtstärksten ist noch der Seat-Dreizylinder mit immerhin 112 Nm Drehmoment. Vor allem seine akzeptable Elastizität belegt, dass er auch beim Überholen mit Beladung noch Reserven hat. Konstant hohe Drehzahlen treiben allerdings Geräusch und Verbrauch in die Höhe. Deutlich sparsamer, aber zugleich lauter geht der Einliter-Vierventiler im Corsa zu Werke, der mit 58 PS und 85 Nm bei 3800/min nominell das Schlusslicht abgibt. Doch wenn man ihn fleißig dreht, wirkt der kleine, im Leerlauf wie ein nasser Hund schüttelnde Dreizylinder mit dem hell singenden Geräusch gar nicht so zäh, wie es die mageren Messwerte suggerieren. Das zeigt sich spätestens, wenn man vom Fiesta umsteigt. Dass hier der einzige Vierzylinder, zudem mit dem größten Hubraum arbeitet, ist ihm höchstens bei der Laufkultur anzumerken. Ansonsten herrscht Flaute, was immer man anstellt: kein Drehvermögen, kein Durchzug, dafür an der kleinsten Steigung einen Transporter im Nacken. Da wundert es kaum, dass der neue Motor nicht sparsamer ist als der Vorgänger. Der Fortschritt ist eher bei der Sicherheit zu suchen. Anhaltewege von rund 40 Meter aus 100 km/h bis zum Stillstand liefern alle drei, nur die Opel-Bremsen zeigen bei starker Belastung nennenswertes Fading. Hingegen kassiert er bei der Sicherheitsausstattung fast so viele Punkte wie der Ford, und beide liegen auch im Kostenvergleich inklusive Fixkosten, Wartung und Verschleißreparaturen vorn. Am Ende reicht es ihnen trotzdem nicht für einen Sieg über den Seat, weil ihre arg schwachen Motoren den Fahrer bisweilen fast verhungern lassen. Denn Abspecken ist in, Magersucht out.

Technische Daten
Seat Ibiza 1.2 Signo Ford Fiesta 1.3 Ambiente Opel Corsa 1.0 Njoy
Grundpreis 12.160 € 11.325 € 11.995 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3953 x 1698 x 1441 mm 3916 x 1683 x 1430 mm 3817 x 1646 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 267 bis 960 l 268 bis 945 l 260 bis 1060 l
Hubraum / Motor 1198 cm³ / 3-Zylinder 1299 cm³ / 4-Zylinder 973 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 47 kW / 64 PS bei 5400 U/min 44 kW / 60 PS bei 5000 U/min 43 kW / 58 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h 151 km/h 155 km/h
0-100 km/h 16,7 s 18,0 s 17,9 s
Verbrauch 6,0 l/100 km 5,9 l/100 km 5,6 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km 7,5 l/100 km 6,6 l/100 km
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