Ford Focus 1.6 TDCi im Test

Eco logisch

Foto: Achim Hartmann 31 Bilder

Ein Facelift allein genügt nicht. Um die Attraktivität des überarbeiteten Focus zu erhöhen, bietet Ford jetzt auch eine auf Sparsamkeit getrimmte Ausführung mit Namen Econetic an. Der Antrieb: ein Diesel mit 109 PS.

Öko macht Spaß. Auch den Autoherstellern, die vor das Sparen den Aufpreis setzen können. So wie beim Ford Focus, der sich jetzt modellgepflegt und in neuem Gewand präsentiert. Dieses ziert auf Wunsch ein grünes Blättchen rechts am Heck, als i-Punkt auf dem Schriftzug Econetic. Wer Econetic wählt, zeigt damit, dass er willens ist, einen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu liefern. Denn schließlich hat er 500 Euro mehr bezahlt als für die weitgehend identische Focus-Version Style – ebenfalls mit dem 109 PS starken 1,6- Liter-Turbodiesel, der für die Econetic- Limousine obligatorisch ist wie die viertürige Schrägheck-Karosse. 500 Euro. Wer schaut, was man dafür bekommt, sieht bei Ford die Kasse klingeln. Zum Beispiel eine geringfügig tiefergelegte (vorn um zehn, hinten um acht Millimeter) Karosserie zur Verbesserung der Aerodynamik. Heckspoiler und Frontschürze mit abgedeckten seitlichen Lufteinlässen. Michelin Energy- Reifen, die sich durch besonders geringen Rollwiderstand auszeichnen. Und, so verkündet der Pressetext, ein feinkalibriertes Motormanagement. Wobei sich der scharfsinnige Kunde fragt, ob bei den regulären Focus-Modellen nur mal so grob kalibriert wird. Ford verspricht eine Senkung des Normverbrauchs um 0,2 Liter/100 km oder, im aktuellen CO2-Maßstab, vier Gramm pro Kilometer weniger. Weil das Geschäft mit der Verringerung des Ausstoßes mühsam ist wie die Ernährung des Eichhörnchens, freut sich der Techniker, der solche Werte auf dem Prüfstand ermittelt. Die feinen Unterschiede zur Normalversion kann der Einzeltest nicht prüfen, weil ein Style-Testwagen noch nicht zur Verfügung steht. Wohl aber, ob sich hinter Econetic wirklich ein herausragend sparsames Auto verbirgt. Erste Verbrauchsfahrt. Hohes Tempo auf der Autobahn von Stuttgart nach Singen. Der Motor dreht meist im Bereich zwischen 3500 und 4000/min, denn ein die Drehzahl senkender sechster Gang gehört nicht zum Econetic-Paket. Was die Geräuschentwicklung angeht, ist das kein Nachteil. Der Motor läuft ruhig und kultiviert. Und im relativ kurz übersetzten Fünften ist er stets so gut bei Kräften, dass man auf der Autobahn das Schalten weitgehend vergessen kann. 8,8 Liter/100 km kommen bei der schnellen Reise heraus, was sich angesichts eines Durchschnittstempos von fast 140 km/h sehen lassen kann. Zweite Etappe auf der Landstraße. Viele Kurven, auf und ab im Schwarzwald.

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Einzeltest Ford Focus 1.6 TDCi Econetic
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Das Tempo bleibt bürgerlich, dem allgemeinen Fluss angepasst, keine Vollgas fordernden Überholvorgänge. Frühes Hochschalten ist angesagt. Eine Schaltanzeige, die dem Fahrer Hilfestellung geben könnte, fehlt. Der rote Pfeil, den forsche Piloten bisweilen im Display wahrnehmen, verkündet lediglich, dass der Motor seine Höchstdrehzahl erreicht hat. Was bei einem Diesel wenig Sinn macht, zumal ein Drehzahlmesser vorhanden ist. Die gemütliche Fahrt durch den Schwarzwald ergibt 6,1 Liter auf 100 Kilometer. Über die gesamte Testdistanz erreicht der Focus 6,4 Liter auf 100 Kilometer. Er präsentiert sich damit als sparsames Auto, das aber wie üblich zeigt, dass die Normverbrauchswerte mit Vorsicht genossen werden sollten. Die im Prospekt verkündeten 4,3 Liter sind, wie auch der auto motor und sport-Minimalverbrauch zeigt (4,5 Liter), nur unter Ausnahmebedingungen erreichbar. Was die Antriebseinheit des Focus nicht in ein schlechtes Licht rückt. Sie überzeugt durch gute Leistungsentfaltung und durch das sehr leicht und exakt schaltbare Getriebe. Der Ford ist, wie ja auch schon seine Vorgänger, ein Auto, das beim Fahren Spaß macht. Das liegt vor allem am Fahrwerk. Es ist straff abgestimmt, ohne den Komfort zu vernachlässigen. Die Leichtlaufreifen verursachen zwar auf rauen Oberflächen ein deutlich hörbares Abrollgeräusch, aber die Federung schluckt Bodenwellen aller Art so bereitwillig, dass auch von den meist benachteiligten Fondpassagieren keine Klagen kommen. Bequeme Sitze und eine unauffällig und wirksam arbeitende Klimaautomatik (405 Euro) tun ein Übriges, um ein angenehmes Ambiente zu schaffen. Das neu gestaltete Armaturenbrett bleibt ein gefundenes Fressen für die Vereinigung der Hartplastik-Gegner, aber weder an der Funktionalität noch an der sichtbaren Verarbeitungsqualität gibt es etwas auszusetzen. Ergonomisch ist alles in Ordnung, auch die Bedienung des Navigationssystems. Der Testwagen besitzt die einfachere der beiden angebotenen Versionen, die zusammen mit MP3-fähigem CD-Radio ein 810- Euro-Paket darstellt. Minuspunkte: Außerhalb Deutschlands sind nur Hauptverbindungsstraßen erfasst, und der Bildschirm ist zu klein, um eine brauchbare Kartendarstellung zu erlauben.

Es war einst die erste Generation des Focus, die Ford den Ruf einbrachte, die Fahrdynamik besonders gut zu beherrschen. Nicht zuletzt aufgrund der Fahreigenschaften kam der Ford bei auto motor und sport zu einem Vergleichstest- Sieg über den Angstgegner Golf. Und heute? Gut ist gut geblieben, wenngleich wegen des allgemein gestiegenen Niveaus nicht mehr von einer Sonderstellung gesprochen werden kann. Aber es passt alles: die feinfühlige Lenkung (siehe auch Spotlight), das flinke Handling und das narrensichere, weitgehend neutrale Kurvenverhalten, das durch ein wohl abgestimmtes, sehr dezent eingreifendes ESP unterstützt wird. Nur auf nasser Straße bekommt die Fahrwerkselektronik etwas mehr zu tun, was damit zusammenhängt, dass die Econetic-Version auf relativ schmalem Fuß (195/65 R 15) unterwegs ist und die Energy-Reifen zeigen, dass Rollwiderstand und Nässegrip bei der Reifenentwicklung grundsätzlich konträre Kriterien bilden. Auf trockener Straße dagegen beweisen sie das traditionelle Michelin-Können. Die Tests ergeben nicht nur eine sehr gute Bremswirkung, sondern auch hohe Fahrstabilität bei den Dynamik- Prüfungen. Focus wie gehabt also. Ob es Econetic sein muss, bleibt eine nur bedingt rationale Entscheidung. Selbst wenn sich die Spritersparnis in der versprochenen Höhe einpendeln sollte, muss man fast 200 000 Kilometer hinter sich bringen, um die 500 Euro wieder hereinzufahren.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck
  • gute Verarbeitung
  • einfache Bedienung
  • schlechte Übersichtlichkeit
Antrieb
  • gut ansprechender Dieselmotor
  • gute Fahrleistungen
  • passend abgestimmtes Fünfgang-Getriebe
  • kurze Gesamtübersetzung
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • gute Klimatisierung
  • befriedigender Federungskomfort
  • relativ laute Abrollgeräusche
Fahrgemeinschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • stabiler Geradeauslauf
  • gute Handlichkeit
  • präzise Lenkung
  • wenig Grip bei Nässe
Sicherheit
  • wirksame, standfeste Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung
Kosten
  • attraktiver Preis
  • nur 2 Jahre Gewährleistung
  • hoher Aufpreis für Econetic-Paket
Umwelt
  • günstiger Verbrauch
  • serienmäßig Partikelfilter

Fazit

Der Ford Focus 1.6 TDCi mit dem 1,6-Liter-Diesel präsentiert sich als ausgewogene, sehr sparsame Limousine. 500 Euro Aufpreis für die Econetic-Version sind allerdings wirtschaftlich gesehen eine fragwürdige Investition.

Technische Daten
Ford Focus 1.6 TDCi ECOnetic 99g
Grundpreis 21.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4337 x 1839 x 1497 mm
KofferraumvolumenVDA 396 bis 1258 l
Hubraum / Motor 1560 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h
0-100 km/h 11,3 s
Verbrauch 4,5 l/100 km
Testverbrauch 6,6 l/100 km
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