Ford Focus 1.0 Ecoboost, Toyota Auris 1.2T, Frontansicht Hans-Dieter Seufert
Ford Focus 1.0 Ecoboost, Toyota Auris 1.2T, Heckansicht
Ford Focus 1.0 Ecoboost, Toyota Auris 1.2T, Heckansicht
Ford Focus 1.0 Ecoboost, Frontansicht
Ford Focus 1.0 Ecoboost, Seitenansicht 26 Bilder

Ford Focus 1.0 Ecoboost vs. Toyota Auris 1.2T

Kompakt-Duell neu gemischt

Bislang hatte der Toyota Auris nicht das Zeug zum Helden in der Kompaktklasse. Wie seine Chancen nach der Modellpflege stehen, klärt sich im Vergleichstest mit dem Ford Focus.

Auf der Strecke in die Redaktion parkt in einer leichten Linkskurve unweit der Villa Reitzenstein ganz friedlich ein klappriger, ehemals orangefarbiger Seat Arosa der zweiten Serie. Sonderlich aufgefallen ist er bislang nie. Jetzt aber doch. Und zwar dem Toyota Auris. Zwei Tage hintereinander schlug er beim Näherkommen kräftig Alarm und forderte eine unnötige Notbremsung, die wir gelassen ignoriert haben. Aber danke für den Weckruf. Am dritten Tag fahren wir mit dem Ford Focus dran vorbei – und der stört sich nicht am Arosa.
Strafpunkte fängt sich der übervorsichtige Auris bei uns dafür keine ein.

Zusätzlich zum aktiv eingreifenden Notbremssystem punktet der gründlich überarbeitete Toyota mit Verkehrsschilderkennung sowie Spurhalte- und Fernlichtassistent. Alles zusammen im Safety-Sense-Paket für 550 Euro, das übrigens bis Ende 2015 selbst im Kleinwagen Aygo verfügbar sein soll. Nicht schlecht für den Anfang.

Dass es noch besser geht, zeigt ein Blick auf den Ford Focus. Angetreten in der teuren Titanium-Version, schützt er für weitere 300 Euro zusätzlich mit Müdigkeits- und Totwinkelwarner, hilft beim Spurhalten aktiv mit und setzt falls nötig einen Notruf ab. Obendrauf gibt es gegen Aufpreis zudem einen aktiven Tempomaten (870 Euro) und – ganz serienmäßig – eine standfeste, kräftige Bremsanlage. Aus 100 km/h steht der Ford nach 35,2 Metern, und selbst nach der zehnten Vollbremsung aus 130 km/h verzögert er immer noch vorbildlich mit einem Bremsweg von 59,5 Metern. Im Vergleich dazu liefert der Toyota mit 37,3 Metern aus 100 und 64,6 Metern aus 130 km/h mäßigere Werte. Damit verschenkt er trotz seiner vielen Assistenten im Sicherheitskapitel im Vergleich zum Ford.

Der Ford ist spritziger, der Auris sparsamer

Unter der Haube des Auris sitzt mit dem neuen 1.2T eine vielversprechende Entwicklung. Ausstaffiert mit Direkteinspritzung, variabler Ventilsteuerung und im Zylinderkopf integriertem Abgaskrümmer tritt der 116 PS starke Vierzylinder spontan an und dreht willig hoch.
Zudem liefert der laufruhige Turbobenziner zwischen 1.500 bis 4.000 Touren ein Drehmoment von 185 Nm ab, und auch das Sechsganggetriebe lässt sich schnell und präzise schalten. Irgendwelche Nachteile? Nicht wirklich. Vielleicht fehlt dem kleinen Benziner ein Charakter, der ihn von der Masse abhebt – aber das ist Geschmackssache.

Der bekannte Einlitermotor des Ford geht jedenfalls launiger zur Sache. Seine Merkmale: drei Zylinder, 125 PS und 170 Nm, das Ganze präsentiert mit einem leicht schnattrigen Unterton und minimalen Vibrationen beim Ausdrehen. Drehen? Gerne. Denn Drehzahlen liebt der Kleine ebenso wie spontanen Schub. Doch so schön, wie sich das alles liest, den Auris kann er trotz seiner Mehrleistung nicht toppen. Sowohl im Spurt von null auf 100 als auch im Durchzug schiebt der 24 Kilo leichtere Auris kräftiger an.

Im Alltag mindestens genauso wichtig und ein dicker Pluspunkt des Toyota: Sein Vierzylinder ist deutlich sparsamer. So nähert sich der Auris in der Eco-Runde mit einem Verbrauch von 4,9 l/100 km stark seinem NEFZ-Werten von 4,8 l. Der Focus ist hingegen einen Liter durstiger und liegt auch im Testverbrauch 0,8 Liter über dem Toyota. Erst bei sehr flotter Fahrt auf der Autobahn gleichen sich die beiden an und leeren ihre Tanks mit nahezu zehn Litern auf 100 Kilometern. Hier zeigt sich wieder, dass die Downsizer längst nicht so sparsam sind wie oft beworben.

Mehr Komfort im Toyota Auris

Mehr Spaß machen die beiden sowieso über Land, besonders der Ford. Er fixiert seine Insassen auf straffen Sportsitzen, während er sicher durch Wechselkurven aller Art wedelt, was meist noch einen Tick schneller geht als erwartet. Dass das straff abgestimmte Fahrwerk insbesondere bei langsamer Fahrt Stöße verteilt, lässt sich so durchaus verschmerzen.

Der auch fahrwerksseitig modifizierte Auris gibt sich insgesamt komfortabler. So fängt er Querfugen sensibler ab und bleibt auf der Autobahn ruhiger. Doch Achtung: Dank einer neu abgestimmten und nun feinfühligeren Lenkung beweist der Japaner dennoch Handling-Qualitäten. 2,5 km/h weniger im Slalom und 1,4 km/h langsamer beim Spurwechsel – das verdient angesichts der Auris-Vorgeschichte durchaus Respekt. Zumal der Ford mit breiten 17-Zoll-Contis im Format 215/50 auftrumpft.

Die Insassen selbst dürften sich in beiden Kompaktwagen wohlfühlen. Klassengemäße Kopf- und Beinfreiheit sind ebenso geboten wie Armlehnen oder genügend Ablagen. Nur die Rückbank des Auris ist etwas zu platt geraten. Dafür punktet er mit einem doppelten und solide ausgeführtenladeboden im 360 Liter großen Kofferraum, während der Ford nur einen schlecht fixiertenTeppich bietet.

Dennoch erweist sich der Focus als hochwertiger. Gute Beispiele sind Details wie die rundlich geformten Fensterheber, die sauber eingepassten Tasten für Sitz- oder Lenkradheizung und der reißfest montierte Deckel der 12-Volt-Buchse. Beim überarbeiteten Auris, der nun über eine ansehnlichere Cockpit-Landschaft als sein Vorgänger verfügt, müssen teils kantige Deckel oder simple Plastikschalter reichen.

Toyota Auris punktet bei den Kosten

Geht es um Unterhaltung und Navigation finden sich kaum Unterschiede. Verständlich programmierte Infotainment-Systeme besitzen beide, ebenso Extras wie App-Einbindung oder SMS-Vorlesefunktionen. Verkehrsdaten in Echtzeit, Google-Suche und WLAN offeriert hingegen nur der 23.040 Euro teure Auris. Dank Comfort-Paket übrigens sogar serienmäßig, ebenso wie die Safety-Sense-Systeme, Sitzheizung, DAB und eine Rückfahrkamera.

Da ist Ford weniger spendabel. 23.310 Euro verlangen die Kölner für einen Focus Titanium. Wohlgemerkt ohne die eben genannten Extras. Seine bis hier verdienten Punkte trägt er entsprechend verlustreich durch das Kostenkapitel – den ersten Platz holt er sich dennoch.
Allerdings brauchen Toyota-Fans keineswegs zu trauern. Der inzwischen sehr ausgereifte Focus ist ein harter Konkurrent, und das Resultat zeigt doch, dass der Auris deutlich an Klasse gewonnen hat. Die Chancen, einen der anderen Konkurrenten zu überholen, stehen in jedem Fall besser denn je.

Fazit

1. Ford Focus 1.0 Ecoboost 403 Punkte

Der teure Focus beglückt mit agilem Handling, hoher Fahrsicherheit und einem feineren Auftritt. Doch mindert das straffe Fahrwerk den Komfort und der Verbrauch den Fahrspaß.

2. Toyota Auris 1.2T 391 Punkte

Harmonischer abgestimmt und dank sparsamen Turbobenziners gut motorisiert, bietet der Auris eher zahme Bremsen. Dafür ist er preiswert und offeriert mehr Komfort.

Technische Daten

Ford Focus 1.0 EcoBoost Titanium Toyota Auris 1.2 Turbo Comfort
Grundpreis 24.600 € 23.290 €
Außenmaße 4360 x 1823 x 1469 mm 4330 x 1760 x 1475 mm
Kofferraumvolumen 363 bis 1262 l 360 bis 1200 l
Hubraum / Motor 999 cm³ / 3-Zylinder 1197 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 6000 U/min 85 kW / 116 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 193 km/h 200 km/h
0-100 km/h 10,8 s 10,1 s
Verbrauch 4,7 l/100 km 5,4 l/100 km
Testverbrauch 7,6 l/100 km 6,8 l/100 km
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