Ford Focus 2.0 TDCi Coupé-Cabriolet im Test

Blaues Lüftchen

Foto: Achim Hartmann 19 Bilder

Nicht nur während der sanften blauen Stunde bietet das Ford Focus Coupé-Cabriolet Sonnen-Genuss. Seine Windschild-Scheibe dämpft sogar Sturm in ein laues Lüftchen.

Das ächzende Brummen harmoniert nicht gerade mit der freudigen Erwartung des Offenfahrens. Doch seit die meisten Dächer per Stellmotoren statt von Hand öffnen, ist das der typische Cabrio- Soundtrack. Also CD rein, Pegel rauf. Kaum hat Matt Bianco eine Strophe seines „Half a minute“ geträllert, ist das Ford Focus Coupé-Cabriolet entblättert. Und bereit für den Frühling.

Als Letzter komplettiert er das deutsche Blechdach-Trio neben Opel Astra Twin Top und VW Eos. Endlich. Vorreiter waren ohnehin andere: Renault Mégane und Peugeot 307 CC sind dick im Geschäft. Im doppelten Sinne: Ihre pummeligen Hinterteile sind das Ziel von Häme. Sie müssen das gesamte Dach in zwei gewaltige Blech-Platten zerteilt aufnehmen. Eos und Astra dagegen falten einmal mehr und erzielen so ein deutlich kompakteres Paket. Gut für die schlanke Linie.

Auch der offene Volvo, Plattformbruder des Focus, tritt im eleganten dreiteiligen Blech-Anzug auf. Doch er kostet rund 10 000 Euro mehr. Das Focus Cabrio dagegen soll den Preisbrecher spielen – das dritte Dachteil wurde weggespart, der pfundige Hintern hingenommen. Ziel erreicht, Kosten gedrückt, ab 23.575 Euro steht der Focus in der Garage. Billiger ist nur der Mégane (ab 22.950 Euro).

Doch was Ford da gemeinsam mit Pininfarina entwickelt hat, entspricht, nun ja, nicht ganz der italienischen Cabrio- Eleganz. Sergio hilf! Wo ist vorn, wo hinten? Front- und Heckhaube sind nahezu gleich lang. Orientierungsvorschlag für irrende Blicke: Wo mehr Chrom-Geschmeide funkelt, da befindet sich das Gesicht.

Deshalb: Begegnen Sie dem Focus von vorn, und Sie werden sein Strahlen erwidern. Positiv gedacht: Mehr Kofferraum bietet keiner. 534 Liter sind es bei geschlossenem Dach. Da müssen andere mit einem Drittel weniger auskommen. Der Focus dagegen erfüllt dank 426 Kilogramm Zuladung sogar die Erstauto-Anforderung.

Selbst offen bleiben unter dem Blechpaket 248 Liter Volumen, die durch den zwei Kugelschreiber breiten Spalt beladen werden können. Flexible Reisetaschen passen hindurch, erst bei Koffern wird es eng. Dank Easy-Entry machen die Vordersitze großzügig Platz, Kinder müssen sie auf dem Weg in den Fond nicht als Kletterburg missbrauchen.

Vorne nehmen die Eltern auf angenehm straffen Polstern Platz – im Vergleich zur Limousine um zwei Zentimeter tiefer positioniert. Wer jemals im aktuellen Ford Focus saß, fühlt sich auch im Cabrio heimisch. Alle anderen haben nach einem kurzen Orientierungsblick sämtliche Bedienelemente im Griff. Schweifen neben den Augen auch die Finger umher, so registrieren sie im direkten Umfeld weiche Kunststoffe und in entfernteren Regionen hartes Plastik.

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Kritische Taster verhaken sich in variablen Spalten oder finden, etwa an der Verkleidung zwischen Innenspiegel und Regensensor, breite Lücken. Das elektrisch betätigte Dach haben alle Modelle serienmäßig, so wie sie generell gut ausgestattet sind. Ein wichtiges Extra sei den Diesel-Fahrern allerdings empfohlen: die Zusatz-Heizung (300 Euro). Ohne sie schürt der kraftvoll-kultivierte Zweiliter-TDCi (136 PS, ab 27 950 Euro) eher gemächlich an – da ist die serienmäßige Sitzheizung als Übergangs-Wärmequelle ein Segen.

Die Hinterbänkler müssen weiter frieren. Selbst wenn der Motor endlich auf Betriebstemperatur läuft und Wärme abgibt, erreicht sie den Fond kaum: Es fehlt ein Ausströmer auf Höhe der hinteren Mittelkonsole. Immerhin kann man Mitfahrer guten Gewissens zur gemeinsamen Spritztour einladen, ohne zu fürchten, dass sie ein Orkan von der Rückbank fegen könnte.

Echte Cabrio-Liebhaber steigen ohnehin hinten ein, denn auf den vorderen Plätzen weht nur ein laues Lüftchen – bei montiertem Windschott (305 Euro) nicht einmal das. Der bis an die Stirn reichende Scheibenrahmen sperrt nicht nur den Wind aus, sondern auch die Blicke ein – der Himmel liegt hinter Glas.

Interessant: Vor allem Frauen haben daran häufig nichts auszusetzen, loben das zugfreie Reisen und bemängeln allenfalls den aufdringlich auf die Schulter klopfenden Gurt. Er gibt erst Ruhe, wenn man die Seitenscheiben hochfährt. Der Focus tritt eben nicht als bürgerlicher Roadster-Ersatz an, sondern ermöglicht Schönwetterfahren sogar bei zwiespältiger Witterung. Und erfüllt für viele einen Traum: ohne jede Gefahr für Hals und Bindehaut offen zu fahren.

Lediglich die hohen Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck stören den Langstrecken-Komfort. Das Fahrwerk dagegen erzielt eine Win-Win-Situation: Es erfreut den handlingverwöhnten Herren ebenso wie die ruhesuchende Dame. Domstreben und Lagerbuchsen aus dem sportlichen Focus ST führen die Hinterachse straff; die Stoßdämpfer wurden aber gemäßigt abgestimmt. Höchstens bei Asphalt- Absätzen geraten sie aus der Ruhe.

Unverändert unterstützt eine Elektrohydraulik die Lenkung. Ihre sämige Mittellage passt zum Cruisen und erlaubt dennoch zielgenaues Ideallinien- Peilen. Bei einem derart kompetenten Ineinandergreifen von Fahrwerk und Lenkung benötigt man die helfende Hand des ESP so gut wie nie. Hohe Karosseriesteifigkeit und knisterfreie Verarbeitung sowie ein kräftiger, aber nicht gerade asketischer Zweiliter-Diesel (Durchschnittsverbrauch: 7,9 Liter auf 100 Kilometer) machen das Focus Coupé-Cabriolet zum unproblematischen Alltags-Begleiter für die sanften Offen-Fahrten.

Wer seine Nase gerne hart in den Wind hält, wird sie bei einer Probefahrt im Focus Coupé-Cabriolet eher rümpfen. Diese Intensität bieten nur althergebrachte Stoffdach-Cabrios mit steiler Scheibe. Und wer sich an einer eleganten Linie erfreuen möchte, landet eher beim Volvo. Wer dagegen einen bezahlbaren und zugfreien Platz an der Sonne sucht, wird bei Ford fündig.

Fazit

Viel Coupé, kaum Cabrio – der viersitzige Focus macht wenig Wind. Seine Stärken sind die hohe Alltagstauglichkeit und das ausgewogene Fahrwerk. Der Diesel passt zum gelassenen Charakter.

Technische Daten
Ford Focus 2.0 TDCi Coupé-Cabriolet Titanium
Grundpreis 30.275 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4509 x 1834 x 1456 mm
KofferraumvolumenVDA 534 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
0-100 km/h 10,4 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km
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