Ford Focus C-Max 1.8 16V Trend im Test

Strammer Max

Foto: Achim Hartmann

Der Kompaktvan von Ford ist ein Nachzügler in diesem Segment. Er bietet vier Personen bequem Platz und Variabilität. Was hat er seinen Wegbereitern voraus?

Konkurrenz belebt das Geschäft. Nach Renault, Opel, Citroën und schließlich auch Volkswagen hat Ford den Markt der so genannten Kompaktvans entdeckt. C-Max heißt die auf dem Focus basierende Konstruktion, die jetzt dazu beitragen soll, das Verkaufsergebnis der Marke mit dem blauen Oval zu verbessern. Da darf man mit Fug und Recht auch neue Ideen erwarten. Doch die Vorfreude wird enttäuscht: Der C-Max bietet vier Passagieren bequem Platz und kann, mit spürbarer Komforteinbuße, auch fünf befördern. Diese Eigenschaft teilt er mit der überwiegenden Zahl aller Autos. Kein Van-Wunder somit, was Ford damit zu erklären versucht, dass die Vielsitzigkeit manches Konkurrenten in der Praxis ohnehin nicht genutzt wird. Warum also C-Max statt einer schlichten Focus-Limousine? Wer in den Fond geschickt wird, erkennt den Vorteil. Hier gibt es drei Sitzplätze, wobei der schmal geschnittene in der Mitte aber alles andere als bequem ist. Das Beste daran: Man kann ihn wegklappen, allerdings nur ab der gehobenen, in diesem Test beschriebenen Ausstattungsversion Trend. Das geht leicht mit wenigen Handgriffen, der Sitz verschwindet dabei im Kofferraum, der dadurch geringfügig von seinem ursprünglich stattlichen 460-Liter-Volumen einbüßt. Nur zwei Fond-Gäste genießen dann reichlich Ellenbogenfreiheit. Zusätzlich können sie ihre Sitze nach hinten verschieben. Dabei gleiten diese auf diagonal angeordneten Schienen ein Stück in Richtung Wagenmitte. Das schafft eine komfortable Distanz zu den Türen.

Der Abstand zu den Vordersitzen wächst gleichzeitig auf ein Gardemaß, wie es sonst höchstens bei Autos der oberen Mittelklasse zu finden ist. Der Kofferraum leistet mit einem Minus von 100 Litern seinen Beitrag zu der Raumfülle, weist aber ein in der Kompaktklasse immer noch akzeptables Stauvolumen auf. Weil unter den hoch montierten Sitzen der ersten Reihe genügend Raum bleibt, um die Füße zu verstauen, dürfen auch lang gewachsene Mitfahrer ihre Beine bequem ausstrecken. So entsteht ein sehr großzügiges Raumgefühl. Die Formgebung der Fondsitze verhindert jedoch, dass man sich wirklich wohl fühlt. Flach wie ein Brett bieten Lehne und Sitzfläche nur ein dürftiges Maß an Seitenhalt und Sitzkomfort. Vorn gibt es nichts zu meckern. Die Sitze sind bequem, die Position hinter dem Lenkrad hat nicht den Kutschbock- Charakter vieler Vans, sondern gleicht der in einer konventionellen Limousine. Einziger Unterschied: Man sitzt vergleichsweise hoch. Das erleichtert den Einstieg spürbar und verbessert die Sicht auf das Verkehrsgeschehen. Nur beim Einparken ist der C-Max-Fahrer wegen der stark abfallenden Frontpartie auf ein gut ausgeprägtes Schätzvermögen angewiesen. Das Armaturenbrett, wie bei allen Vans von ausladenden Dimensionen, wirkt aufgeräumt und qualitativ hochwertig, der hoch positionierte Schalthebel liegt gut zur Hand. Geräumige Ablagefächer gibt es in ausreichender Zahl, und an der Bedienungsergonomie gibt es nichts auszusetzen. Es sei denn, das teure Navigationssystem (3250 Euro) ist installiert. Das Regulieren der Klima-Automatik kann dann über den Bildschirm mit Touchscreen- Technik oder über konventionelle Tasten erfolgen – ein klassisches Beispiel dafür, wie auch einfache Dinge durch den Einsatz der Elektronik verkompliziert werden können. Abgesehen davon steht einem vergnüglichen Aufenthalt im C-Max nichts entgegen, wozu in erster Linie das wohl abgestimmte Fahrwerk beiträgt. Die Focus-Basis liefert dafür bekannt gute Voraussetzungen und vermag damit den grundsätzlichen Nachteil des beim C-Max höher liegenden Schwerpunkts weitgehend auszugleichen. Dass durch die hohe Sitzposition die Bewegungen der Karosserie in flott gefahrenen Kurven stärker spürbar werden, ändert nichts an dem ausgeprägten Sicherheitsgefühl, das der Ford- Van vermittelt.

Die exakt ansprechende Lenkung sorgt für ein behändes Handling, der Geradeauslauf bei hohem Tempo wirkt Vertrauen erweckend. Nur bei starkem Seitenwind wird deutlich, dass die hohe Karosserie eine große Angriffsfläche bietet. Ansonsten bringt den CMax nichts aus der Ruhe. Unter den Kompaktvans ist er so etwas wie ein Sportwagen. Keine Sänfte, sondern straff gefedert, ohne aber Bodenwellen in störender Weise an die Insassen weiterzugeben. Mit kräftig zupackenden, standfesten Bremsen. Und mit einem über einen weiten Bereich nahezu neutralen Eigenlenkverhalten. Wer es versehentlich übertreibt, wird durch verstärktes Schieben über die Vorderräder vorgewarnt. Das serienmäßige ESP sieht höchst selten einen Anlass zum Eingriff. Selbst bei Nässe wird meist nur die integrierte Antriebsschlupfregelung tätig. Viel zu tun hat aber auch sie nicht, denn der 1,8-Liter-Vierzylinder der Test-Version ist kein Ausbund an Temperament. 165 Newtonmeter maximales Drehmoment erst bei 4000 Umdrehungen dämpfen die Erwartungen, zumal der C-Max rund 200 Kilogramm mehr wiegt als eine Focus-Limousine. Von kraftvollem Durchzug kann also keine Rede sein. Mit dem 1,8-Liter-Motor erreicht der C-Max ausreichende Fahrleistungen, mehr nicht. Im unteren Drehzahlbereich wirkt das Triebwerk phlegmatisch, erst oberhalb von 4000/min entwickelt es ein nennenswertes Temperament. Mit einer kurzen Antriebsübersetzung versucht Ford, dieser Leistungscharakteristik gerecht zu werden. Sie verbessert die Durchzugskraft und sorgt dafür, dass der Griff zur leicht und exakt arbeitenden Schaltung nicht zur Dauerbeschäftigung wird. Die Kehrseite der Medaille stellt das hohe Drehzahlniveau auf der Autobahn dar. Bei Höchstgeschwindigkeit bleibt der C-Max nur 200 Umdrehungen unterhalb der Nenndrehzahl von 6000/min. Und dann wird es laut. Denn nur bis 5000/min entwickelt der Motor ein zurückhaltendes Laufgeräusch. Darüber brummt er durchdringend. Wer sich mit seinen Mitfahrern unterhalten will, ist mit einem gemäßigten Reisetempo deutlich besser beraten. Das wiederum kommt dem Verbrauch zugute. Wenn die Drehzahlreserven nicht angetastet werden, pendelt er sich um 7,5 Liter/100 Kilometer ein und garantiert damit eine große Reichweite. Viel Volllast auf der Autobahn setzt den Zeiger der Tankuhr dagegen in zügige Bewegung – über zehn Liter sind dann keine Seltenheit. Es ist nicht zuletzt dieser Motor, der den neuen C-Max Sympathien kostet. Immerhin gibt es Alternativen. Wer Kraft und Sparsamkeit vereinen will, muss zwangsläufig zum Turbodiesel greifen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Platzangebot im Fond
  • bequemer Einstieg
  • großer Kofferraum
  • guter Qualitätseindruck
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • geringe Bedienungskräfte
  • bequeme Sitze vorn
  • befriedigende Federung
  • schlecht konturierte Sitze im Fond
  • lautes Innengeräusch bei hohem Tempo
Antrieb
  • exakte Schaltung
  • zu kurze Gesamtübersetzung
  • wenig Durchzugskraft
Fahreigenschaften
  • gute Handlichkeit
  • sehr sicheres Fahrverhalten
  • präzise Lenkung
  • erhöhte Seitenwindempfindlichkeit
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung
  • standfeste Bremsen
  • ESP serienmäßig
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • attraktiver Anschaffungspreis
  • lange Inspektionsintervalle
  • 3-Jahres-Garantie gegen Aufpreis

Fazit

Der Focus C-Max ist nichts für Großfamilien. Wer viel Raumkomfort für vier Personen sucht, liegt mit ihm richtig. Handlichkeit und sehr gutes Fahrverhalten überzeugen weit mehr als der durchzugsschwache 1,8-Liter-Motor.

Technische Daten
Ford Focus C-MAX 1.8 16V Trend
Grundpreis 20.875 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4333 x 1825 x 1560 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 1620 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 88 kW / 120 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
0-100 km/h 11,3 s
Verbrauch 7,1 l/100 km
Testverbrauch 9,3 l/100 km
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