Ford Focus C-Max gegen Renault Scénic und VW Touran

Platz da

Foto: Achim Hartmann

Die etablierte Minivan-Konkurrenz trifft auf den neuen C-Max. Kann sie der fünfsitzige Neuling auf die Plätze verweisen? Vergleich der Dieselversionen.

Es hat ewig gedauert, bis Ford mit dem Focus C-Max aus den Blöcken gekommen ist. Renault macht derweil bereits mit der zweiten Auflage des Scénic ordentlich Kasse, wäh­rend VW mit dem Touran einen zwar späten, aber dafür umso flotteren Start hingelegt hat. Der Focus-Ableger versucht nun, mit einer flachen Karosserie sowie knackfrischem Handling auf sportliche Weise Raum zu gewinnen. Optisch liegt der Ford mit seiner geringen Höhe und der vergleichsweise stark geneigten Front- und Heckscheibe zwischen Kombi und Kompaktvan. Sein 1,6-Liter-Diesel mit Common-Rail-Technik entwickelt maximal 109 PS und kompensiert sein Hub­raum-Manko mit außergewöhnlicher Drehfreude bei befriedigender Durchzugskraft. Für die sorgt beim Touran ein 1,9 Liter großer Pumpe-Düse-TDI. Der ist zwar nicht besonders drehfreudig, zieht aber ab 1800/min ordentlich durch. Der Touran ist Pragmatiker durch und durch. Auch bei der Karosseriegestaltung: Mit 4,39 Meter Außenlänge und 1,64 Meter Höhe überragt er die Konkurrenten deutlich. Das kastenartige Äußere dokumentiert, dass sich der auf dem Golf V basierende Van der Effizienz verpflichtet fühlt und lifestylige Anflüge anderen überlässt. Etwa dem Renault Scénic. Sein Credo: Hauptsache anders, notfalls sogar auf Kosten der Praxistauglichkeit. Für die sorgt immerhin der 1,9 Liter große Common-Rail-Diesel. Er ist mit 120 PS nicht nur der Stärkste im Feld, sondern läuft leise, kultiviert und spendet generös Leis­tung über das gesamte Drehzahlband. Weniger gut ist es um das Ladevolumen bestellt: 430 Liter bei fünfsitziger Bestuhlung und nur 472 Kilogramm Zuladung – das können sogar viele Limousinen besser. Vor allem aber Praktiker wie der VW Touran. Mit 695 Litern bietet er nicht nur über 200 Liter mehr Standard-Gepäckraum als seine Rivalen, sondern verkraftet zudem mit bis zu 570 Kilogramm auch eine standesgemäße Zuladung. Die tiefe Ladekante und eine weit nach oben öffnende Heckklappe setzen seinen Transportfähigkeiten das Sahnehäubchen auf.

Raum hat der Touran aber auch für Passagiere. Ob Front oder Fond, es geht luftig zu. Ellenbogen und Beine dürfen freizügig ausgefahren werden, und ausladende Glasflächen erlauben einen großzügigen Rund­umblick. Nichts im Touran ist bloße Staffage, alles hat seinen Sinn – bis hin zu den Brillenfächern im Dachhimmel. Da lässt es sich sogar verkraften, dass Feingeister dem gut ver­arbeiteten Interieur das gewisse Etwas absprechen. Er ist eben ein typischer Volkswagen: ohne Umschweife zu bedienen, mit haptisch ansprechenden Materialien und karger Basisausstattung versehen, wenn man vom serienmäßigen CD-Radio und dem Bordcomputer mal absieht. Im C-Max geht es deutlich limousinenhafter zu. Obwohl auch hier kein Platzmangel herrscht, sollte die Fahrt zum Baumarkt angesichts eines Fassungsvermögens von maximal 1620 Litern sowie mageren 442 Kilogramm Zuladung schon genauer geplant werden. Einen deutlichen Schritt nach vorne hat der Focus beim Interieur gemacht. Ob die Gestaltung ohne New-Edge-Experimente oder die Materialauswahl, alles wirkt deutlich hochwertiger und weniger verspielt als bei Limousine und Kombi. Leider mit einer Einschränkung: Die in einem Touchscreen kombinierte Navigations- (3250 Euro Aufpreis), Klimaautomatik- und Radio-Bedienung stürzt den Fahrer in ein Wechselbad der Gefühle – schwankend zwischen genial und unverständlich. Die serienmäßige Klimaanlage gibt da­gegen keine Rätsel auf. Das lässt sich vom Renault nicht behaupten. Das ordentlich verarbeitete Cockpit des Scénic wirkt wegen der unterschiedlichen Materialien und der wie der Inhalt einer Wundertüte wahllos verstreuten Bedienelemente und Anzeigen ziemlich wirr. Hier ein Knopf, da ein Schalter. Und die Navigations-Bedienung sitzt direkt vor dem zu kleinen digitalen Mäusekino des mittigen Instrumententrägers. Bitte etwas mehr ­ergono­mischen Feinschliff, Re­nault. Den Feinschliff besitzt der Scénic an anderer Stelle. Sowohl bei der Komfort- wie bei der passiven Sicherheitsausstattung hat er seinen Konkurrenten einiges voraus. In der Ausstattungs-Variante Luxe Dynamique zählen CD-Radio, Klimaautomatik, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie ein umfang­reiches Sicherheitspaket nebst Reifendruckkontrolle und mehrstufig auslösenden Airbags zur Serienausstattung. Wer noch etwas mehr haben möchte, wird bei Renault günstig bedient: ­Eine Telefonvorbereitung etwa kostet 90 Euro. Bei der Variabilität gibt der Scénic mit komplett umklapp- und ausbaubaren Fondsitzen ­sowie einer optionalen Sitzschiene ebenfalls sein Bestes, doch speziell der C-Max stiehlt ihm hier die Schau. Dessen hintere Sitzkonstruktion erlaubt es, den mittleren Platz einfach wegzuklappen und so mehr Raum für die diagonal nach innen fahr­baren Außensessel zu schaffen. Eine clevere Konstruktion, welcher auch der bei Bedarf mit sieben Plätzen lieferbare Touran nichts entgegenzusetzen hat. Dafür bietet der VW zusammen mit dem Ford die bequemsten Sitze, wenn auch der Vorsprung zu den ebenfalls hervorragenden, allerdings etwas zu kurz geratenen Exemplaren des Re­nault gering ausfällt.

Dass der Scénic aus dem Land der Parkrempler stammt, merkt man seiner üppigen Beplankung mit Kunststoff-Stoßleisten sofort an. Der an den Stoßfängern rundum lackierte Touran nimmt – trotz austauschbarer Stoßleisten – Kratzer an seiner Praxistauglichkeit in Kauf. Auf langen Bodenwellen beweist der Renault dann, dass eine weiche Fahrwerksabstimmung nicht zwangsläufig auch komfortabel ist. Seine Karosserie neigt zu merklichen Aufbaubewegungen, während Stö­ße nicht kurz und knackig verdaut werden, sondern zu behäbigem Schaukeln führen. Bei langsamer Fahrt macht die daraus resultierende Geschmeidigkeit und Sanftheit durchaus Freude, zügigem Vorankommen ist dies ebenso abträglich wie die diffuse, indirekte Servolenkung. Die Franzosen sollten mal probehalber Touran fahren: Seine elektromechanisch unterstützte Lenkung leitet Richtungswechsel ebenso fein ein, wie seine Federelemente selbst deftige Unebenheiten verarbeiten. Einzig eine spürbare Stößigkeit auf Autobahn-Querfugen kann man ihm, wie auch auch dem Focus C-Max, vorwerfen. Bei Ford wird das Bemühen der Ingenieure um Agilität spürbar. Mitreisende Kids dürften sich in seinem Fond frühzeitig an beherzte Querbeschleunigung gewöhnen müssen. Trotz betont strafferer Abstimmung wird der Ford aber nie richtig unkomfortabel, bei voller Zuladung schließt er sogar fast zum Touran auf. Beide teilen sich allerdings das Manko der störenden Ge­räuschentwicklung, wenn auch aus verschiedenen Gründen: Beim Touran ist es der rau ­brummende TDI, der eine kernige Diesel-Akustik an den Tag legt, beim C-Max sind es Windgeräusche, die ab Tempo 120 nerven. Rundum kultiviert und leise benimmt sich lediglich der Renault. Gut gedämmte Abroll- und Windgeräusche sowie der sehr lauf­ruhige Dieselmotor machen ihn zum Leisetreter. Dabei verbraucht der 1,9-Liter-dCi kaum mehr als die Konkurrenten – bei höherer Leistung. Einzig der C-Max kann ihm bei hohem Tempo auf den Fersen bleiben: Beide rennen deutlich über 180 km/h. Der 177 km/h schnelle Touran muss sich beim Topspeed-Duell mit der Erkenntnis trösten, dass in diesem Fall der Letzte der Erste ist – nämlich im Endergebnis dieses Vergleichstests. Im Gegensatz zum Ford, der sein spätes Erscheinen auf dem Markt nicht in einen Sieg ummünzen kann.

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Technische Daten
Ford Focus C-MAX 1.6 TDCi Trend Renault Scénic 1.9 dCi Luxe Dynamique VW Touran 1.9 TDI
Grundpreis 21.700 € 24.550 € 22.150 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4333 x 1825 x 1560 mm 4259 x 1810 x 1620 mm 4391 x 1794 x 1652 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 1620 l 430 bis 1840 l 695 bis 1989 l
Hubraum / Motor 1560 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min 88 kW / 120 PS bei 4000 U/min 74 kW / 100 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h 188 km/h 177 km/h
0-100 km/h 12,1 s 11,4 s 13,3 s
Verbrauch 4,9 l/100 km 5,9 l/100 km 6,0 l/100 km
Testverbrauch 7,0 l/100 km 7,4 l/100 km 7,2 l/100 km
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