Ford Focus Econetic und VW Golf 2.0 TDI im Test

Spritsparer mit einer 4 vor dem Komma

Ford Focus Econetic 1.6 TDCi, VW Golf 2.0 TDI Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

Die sparsamsten Ausführungen von VW Golf und Ford Focus haben im Normverbrauch eine Vier vor dem Komma. In der Praxis zeigen beide, wie effizient vollwertige Familienautos heute sein können. Doppeltest.

Ein bisschen Blue geht immer. Noch hält Volkswagen im Golf-Portfolio kein mit dem Siegel Blue Motion versehenes Öko-Modell bereit. Das kommt erst Mitte des Jahres und wird von einem neuen 1,6-Liter-Turbodiesel angetrieben. Aber die Preisliste zeigt eine Alternative. Neben dem regulären VW Golf 2.0 TDI steht da, zu exakt dem gleichen Preis, eine weitere Variante mit reduziertem Verbrauch und damit CO2-Ausstoß.

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Ford Focus Econetic mit geringerem CO2-Ausstoß

Der nach dem gesetzlichen Fahrzyklus ermittelte Wert unterschreitet mit 119 Gramm pro Kilometer knapp jene 120 Gramm, die als CO2-Fernziel für die europäische Automobilindustrie definiert sind. 128 Gramm schickt die normale Ausführung in die Luft - der Fortschritt sieht also recht stattlich aus. Im gängigen Verbrauchsmaßstab entspricht das einer Reduzierung um 0,4 auf 4,5 Liter pro 100 Kilometer. Ford ist mit dem Ford Focus da schon weiter. Nur 115 Gramm Kohlendioxid werden für das Modell Econetic genannt - entsprechend 4,3 Liter/100 km. Hauptverantwortlich dafür ist ein nur 1,6 Liter großer Diesel-Vierzylinder mit einem speziell auf Knausrigkeit abgestimmten Motorsteuergerät. Dazu kommen eine Verbesserung der Aerodynamik durch eine um einen Zentimeter tiefergelegte Karosserie sowie Reifen mit reduziertem Rollwiderstand.

VW muss, gehandikapt durch den größeren Hubraum, etwas tiefer in die Öko-Kiste greifen. Das modifizierte Steuergerät und die Tieferlegung (um 1,5 Zentimeter) gibt es auch hier, außerdem noch abgedeckte Öffnungen an der Frontpartie zur Optimierung des cW-Werts sowie ein Schaltgetriebe mit längeren, die Drehzahl reduzierenden Übersetzungen der Gänge drei, vier und fünf. Leichtlaufreifen gehören natürlich ebenso zum VW -Sparpaket. Sie stammen wie beim Ford Focus von der französischen Firma Michelin, die beim Rollwiderstand derzeit Marktführer ist. Allerdings sind die Reifen der Version Comfortline etwas üppiger bemessen als beim Ford. Dessen schmalen 195/65 R 15 steht die Standardgröße 205/55 R 16 gegenüber. Entscheidend dabei ist, das wissen wir seit den Zeiten des Kanzlers Helmut Kohl, was am Schluss herauskommt. Um das herauszufinden, absolvieren die beiden Kandidaten ausgedehnte Testfahrten, wobei die Fahrer in regelmäßigen Abständen die Autos wechseln, um den Einfluss unterschiedlich temperamentvoller Gasfüße zu eliminieren.

Schaltanzeige im VW Golf-Cockpit

Denn die sorgen in der Praxis für deutlich größere Verbrauchsdifferenzen als die paar Zehntelliter, um die es hier letztlich geht. Eines vorweg: Auf das Niveau der Normverbrauchswerte kommt man nur, wenn das rechte Pedal so vorsichtig behandelt wird wie ein rohes Ei. Auch nur annäherndes Ausschöpfen der Motorleistung ist tabu. Stattdessen gilt es, beim Beschleunigen möglichst schnell in die höheren Gänge zu kommen, was der VW Golf dadurch unterstützt, dass er im Gegensatz zum Focus eine entsprechende Schaltanzeige im Cockpit besitzt. Das Ergebnis der Sparfahrt überrascht: Der VW ist mit 4,2 Liter/100 km sogar noch eine Spur genügsamer als der Ford Focus, der 4,5 Liter verbraucht. Beide Werte zeigen auch, wie unrealistisch das vorgeschriebene und mit dem Kürzel RL 80/1268/EWG versehene Messverfahren zur Ermittlung des Normverbrauchs ist.

Real-Verbrauch bei VW Golf und Ford Focus höher

Die in den Prospekten herausgestellten Werte können allenfalls als Anhaltspunkte für den Vergleich unterschiedlicher Autotypen dienen - mit dem, was im Alltag verbraucht wird, haben sie herzlich wenig zu tun. Das zeigt zuverlässig der von auto motor und sport ermittelte Verbrauch während des Doppeltest, der sich aus einer Vielfalt von Fahrbedingungen zusammensetzt: Geruhsame Fahrt auf der Landstraße gehört ebenso dazu wie Stadtverkehr oder forciertes Tempo auf der Autobahn - kurz, es wird möglichst realitätsnah das abgebildet, was der Fahrer im Alltag erlebt.

Und auch da liegt der VW Golf wieder vorn. 5,8 stehen 6,1 Litern beim Ford Focus gegenüber. Beides kann sich sehen lassen für vollwertige, geräumige Automobile mit ordentlichen Fahrleistungen. Die ermittelte Differenz kann also nicht die Entscheidung bringen, denn hochgerechnet auf 100.000 Kilometer reden wir hier gerade mal über 300 Liter Kraftstoff oder, beim gegenwärtigen Preisniveau, über die gleiche Zahl von Euro.

Der VW Golf bietet bessere Material- und Verarbeitungsqualität

Was der Volkswagenkäufer mehr ausgibt für sein Auto - nach Preislisten-Theorie sind das immerhin 1.525 Euro -, wird er auch in einem langen Autoleben über den Verbrauch nicht wieder einsparen können. Es sind andere Werte, die den Mehrpreis rechtfertigen: die bessere Material- und Verarbeitungsqualität beispielsweise oder die ausgefeiltere Bedienungsergonomie. Höchste Fahrsicherheit und ein Fahrvergnügen förderndes Handling bieten beide; die besseren Werte, die der VW Golf bei den Bremsmessungen und den Fahrdynamik-Prüfungen erzielt, dürfen dem Konto seiner großzügiger dimensionierten Bereifung gutgeschrieben werden.

Den wichtigsten Unterschied macht letztlich der Federungskomfort: Da ist der ungewöhnlich ausgewogene VW Golf eine Klasse besser als der speziell auf kurzen Unebenheiten steifbeinig und holprig wirkende Ford Focus. Der neue VW Golf bildet wieder einmal den Maßstab seiner Klasse. Alles andere wäre auch zu wenig gewesen.

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Der König der Kompaktklasse?
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Ein anderer

Fazit

1. VW Golf 2.0 TDI
519 Punkte

Es sind nicht die Eigenschaften seines Antriebs, die den VW Golf zum Meister der Sparklasse machen. Da liegt er nahezu gleichauf mit seinem Konkurrenten von Ford. Entscheidend ist die geschliffene Harmonie des Wolfsburger Modells, die in den meisten Kriterien des Tests für einen Punktvorsprung sorgt. Vor allem im Komfort ist der VW Golf seinem Konkurrenten weit überlegen.

2. Ford Focus 1.6 TDCi
490 Punkte

Was der Ford Focus im Prospekt verspricht, kann er nicht halten. Der Normverbrauch seines im Hubraum kleineren Motors ist zwar geringer als der des VW Golf, aber in der Praxis schluckt er geringfügig mehr. So bleibt nur ein Punkt, in dem er dem VW Golf  davonfährt: Er kostet deutlich weniger.

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Technische Daten
Ford Focus 1.6 TDCi ECOnetic 99g VW Golf 2.0 TDI Comfortline
Grundpreis 21.600 € 23.140 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4337 x 1839 x 1497 mm 4199 x 1779 x 1479 mm
KofferraumvolumenVDA 396 bis 1258 l 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1560 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min 81 kW / 110 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 190 km/h
0-100 km/h 11,3 s 11,1 s
Verbrauch 4,5 l/100 km 4,5 l/100 km
Testverbrauch 6,6 l/100 km 5,8 l/100 km
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