Ford Focus RS, VW Golf R, Exterieur Rossen Gargolov
Ford Focus RS, Exterieur
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Ford Focus RS, Interieur 21 Bilder

Gebrauchte Sportwagen: Ford Focus RS, VW Golf R

Ford Focus RS und VW Golf R im Gebrauchtwagen-Check Beliebte Hot Hatch als Gebrauchte

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Turbomotoren mit 300 bis 350 PS und Antrieb über alle Viere: schaffen Ford Focus RS und VW Golf R den Spagat zwischen Alltag und Trackday? Was taugen sie als Gebrauchte?

Mal kurz ein Griff ins Regal: sport auto 9/2016, Seite 2. Ein leuchtend blauer Focus RS buhlt um neue Kunden: "Ein Hauch von Motorsport für die heimische Garage!", so der blumige Anzeigentext. Oder im VW-Prospekt der neue Golf 7 R: "Kein Weg zu weit, keine Aufgabe zu schwer, keine Kurve zu eng." Hmmm, hier wie da vollmundige Versprechen. Von unseren vielen Tests und Vergleichen wissen wir: Alles ist relativ.

Wenn der Motorsport als Maßstab herhalten muss oder nichts unmöglich erscheint, muss man schon genauer hinsehen. Zum Beispiel auf das Gewicht – im Motorsport die Kennzahl schlechthin. Gewicht runter, Performance rauf. Der Focus RS war im großen Kompaktwagenvergleich (Ausgabe 9/2016) mit 1.570 Kilo der Zweitschwerste, auweia. Aber auch der Zweitschnellste. Nur der AMG A 45 war ihm über bzw. überlegen. Doch wir testen ja hier keine Neuwagen, sondern nehmen uns zwei Gebrauchte zur Brust, die nicht mehr neu zu bekommen sind (Focus) oder vom Nachfolger abgelöst wurden (Golf).

Ford Focus RS, VW Golf R, Exterieur
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Gebrauchte Golf 7 R sind schon für unter 20.000 Euro zu haben, ein Focus Mk3 RS kostet mindestens 7.000 Euro mehr.

Der Golf geht in Führung, und zwar beim Preis: Gebrauchte Siebener-R sind schon für unter 20.000 Euro zu haben. Das ist die Gnade der frühen Geburt, denn die Markteinführung des 300-PS-Allradlers begann bereits Ende 2013. Mindestens 27.000 Euro kostet ein Focus Mk3 RS auf dem deutschen Markt heute. Das 350-PS-Modell erschien Anfang 2016. Zu teuer? Zu viel PS? Dann einfach zu Focus ST bzw. Golf GTI greifen. Beide gebrauchten Fronttriebler haben wir in den sport auto-Ausgaben 2/2021 und 2/2018 porträtiert.

Die PS-Zahl verdreifacht

Doch zurück zu unseren 300-plus-PS-Allradlern. Vorfahrt Jonas Drexel im schwarzen Golf R. Wann gekauft? "Vor gut einem Monat", grinst der 22-Jährige. Da kann noch nicht viel gewesen sein, oder? "Nee, bisher nur viel Spaß gehabt. Das Einzige, was nervt, ist der vordere Parkpiepser. Irgendwas stimmt mit dem Nummernschildhalter nicht." Nach dem Wechsel von einem Mini Cooper Diesel mit 95 PS stellt sich die Frage nach der Umstellung auf die dreifache PS-Zahl. "Man gewöhnt sich an alles", lacht der frischgebackene Besitzer. Einen gebrauchten Golf 7 R zu finden, war kein Problem, das Angebot ist riesig. Eher schon, den alten Diesel-Mini loszuwerden. "Privat keine Chance, das ging nur über einen gewerblichen Aufkäufer", so Jonas. Nach ein paar flotten Runden auf der 1,1 Kilometer langen Start- und Landebahn von Grob Aircraft im schönen Allgäu steigt Jonas aus seinem Golf R.

VW Golf R, Motor
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Besitzer Jonas freut sich über 300 statt zuvor 95 PS. Der EA888 der dritten Generation hat keine Probleme mit dem Ölverbrauch.

"93.000 Kilometer, Erstzulassung Mitte 2016, aus dritter Hand gekauft." Der Viertürer macht keinen abgewohnten Eindruck. Das Lederlenkrad ist zwar etwas speckig, aber nirgends abgegriffen. Weder die Sitze noch die 19-Zöller, die Bremsen oder die zweieinhalb Jahre alten Dunlop Sport Maxx sorgen für Stirnrunzeln.

Golf ohne Extravaganzen

Der frische Eindruck bestätigt sich auf einer ausgedehnten Landstraßenrunde. Schon bei 2.000 packt der Zweiliter zu und klingt gewohnt knurrig. Bei 4.000 kommt mehr Musik in die Bude. Über die Drehfreude gibt es keine Beschwerden. Trocken ploppt das Sechsgang-DSG die Gänge rein. Und das kurze Rülpsen beim Hochschalten unter Volllast klingt immer wieder aufs Neue supersympathisch. Übrigens: Keine zehn Prozent der angebotenen Golf 7 R haben die manuelle Schaltung.

VW Golf R, Exterieur
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Wenn Kurven ins Spiel kommen, lenkt der R sauber ein, folgt brav seiner Linie. Traktion top, dazu hohe Fahrsicherheit – typisch Golf eben.

Jonas’ Golf besitzt dafür kein DCC, doch auch mit dem Standard-Set-up lässt es sich gut leben. Straff, aber nicht zu hart, passt die Abstimmung für die meisten Anwendungszwecke. Wenn Kurven ins Spiel kommen, lenkt der R sauber ein, folgt brav seiner Linie und macht das, was die meisten von ihm erwarten. Extravaganzen wie ein agiles Heck beim Lastwechsel kann der Golf nicht bieten, er gibt den Ausgewogenen. Traktion top, dazu hohe Fahrsicherheit – typisch Golf eben, mit allen Vor- und Nachteilen.

Nachteile? Nun, wer nicht links und rechts schaut, wird mit dem Golf R sicher glücklich. Doch wer schon andere Hot Hatches gefahren ist, weiß, wovon wir reden. Stichwort Honda Civic Type R. Oder eben Ford Focus RS. Es geht um das Messbare, aber auch um das Erlebnis, die Emotionen. Und hier kann der Kölner aus Saarlouis wirklich punkten. Das hat er diverse Male unter Beweis gestellt.

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Anfang 2016 erschien das 350-PS-Modell des sportlichsten Focus. Es wird wohl der letzte Focus RS ever.

Und so steht er jetzt vor uns, der wohl letzte Focus RS ever. Stämmig, angriffslustig und schon im Stand schneller als der Golf. Dazu passen die dunkel getönten Heckleuchten und die schwarzen ATS-Räder, die Besitzer Stephan Lange dem grauen Ford gegönnt hat. Er will sich für 32.700 Euro von seinem Ende 2016 zugelassenen Kraftmeier trennen, der "knapp 60.000 Kilometer runter hat und keinen Meter Rennstrecke gesehen hat. Winterkompletträder inklusive." Aber wieso trennen? "Ich habe mir eine Lotus Exige Final Edition gekauft." Gute Wahl!

Wolf-Doping auf 385 PS

Auch an Stephans Focus finden wir kaum Auffälligkeiten. Reifen, Bremsen, Felgen – alles sieht gut aus. Nur die Sitzwange des Fahrersitzes ist abgeschabt. Hmm, und das nach so kurzer Zeit? Spaß ohne Reue dafür beim Fahren. Schon beim Rumrollen gefällt der röhrende Klang des Zwodrei-Liters. Voll durchgetreten packt dich der RS mit seinem rotzigen Klang so richtig. Bei jedem Schaltvorgang spratzelt er hemmungslos aus seinen armdicken Rohren. Ja, das klingt beeindruckender als im Golf, dafür fehlt ihm etwas der Eifer bei höheren Drehzahlen. Fairerweise muss gesagt werden: Der Vergleich hinkt, denn Wolf Racing hat Stephans RS auf 385 PS und 550 Newtonmeter gedopt. Das sind 35 PS und vor allem 110 Nm mehr – und die spürt man, sakradi!

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Der stärkste Focus läuft ab Werk 268 Topspeed. Sitze und Fahrwerk verlangen Kompromisse, vor allem beim Komfort.

Ähnlich zupackend wie der Motor präsentieren sich Sitze und Fahrwerk. Beide verlangen Kompromisse. Vor allem beim Komfort. Also doch ein Hauch von Motorsport? Ja, das Bild passt. Zumal Fords spezieller Allradantrieb die Fahrsicherheit lockerer interpretiert. Sprich: das Heck agiler arbeiten lässt. Mit lästigem Untersteuern hat der Focus-Driver viel seltener zu kämpfen. Und dann der Drift-Modus, von Ford erfunden und von AMG und VW später frech kopiert. Herrlich, wie easy man den Hintern raushängen kann. Und eben nicht nur auf Nässe und Schnee. Nein, auch mit reichlich Speed auf trockenem Asphalt. Noch mehr Kurvenperformance liefert das Blue-&-Black-Modell mit Vorderachssperre.

Wo zeigt der Focus RS Schwächen, Stephan? "Bei Kilometerstand 20.000 musste der Zylinderkopf getauscht werden. Zunächst ging die Heizung nicht, dann hat er Kühlwasser verloren. Ab Werk war die falsche Kopfdichtung montiert worden, und zwar vom Mustang-Motor, der nicht zu 100 Prozent identisch ist." Kurz darauf startete Ford eine Rückrufaktion für 2.900 Fahrzeuge. In Foren werden auch Geräusche im Innenraum und Vibrationen vom Lüfter thematisiert.

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Auch wenn beide Sportler irgendwie das gleiche Ziel haben, sind sie komplett verschieden und daher auf ihre Weise eine Empfehlung wert.

Und der Golf? Er hat den berüchtigten EA888-Motor unter der Haube; und aus diversen Werkstattgesprächen wissen wir, dass die dritte Generation, die im Golf 7 zum Einsatz kam, keine Probleme mit den Kolbenringen hat. Wichtig ist, die Ölwechselintervalle von Motor, DSG und Allrad einzuhalten. Probleme können die Haldex-Pumpe, die Kupplung bei zu vielen Launch-Control-Starts und ausgeschlagene Koppelstangen an der Hinterachse machen. Ein Dauerbrenner: Ärger mit dem Infotainment, hier helfen Software-Updates.

Zeit, jetzt mal ’nen Punkt zu machen? Okay, aber noch zwei Sätze, die auch als Werbeslogan funktionieren könnten: Kaufen Sie ihn! Den gebrauchten Focus RS – oder den Golf R. Wie Sie wollen.

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Fazit

Vertrauensfrage: Wer Zeit mit Golf R und Focus R verbringt, fühlt sich wie ein Verdächtiger, der es mit Good Cop und Bad Cop zu tun bekommt. Der eine agiert zurückhaltend, verständnisvoll, will niemandem zur Last fallen und denkt dabei immer an seine Karriere. Der andere ist laut und unbequem, er tut Dinge, die ihn letztlich den Job kosten. Zu weit hergeholt? Mag sein. Doch auch wenn beide Sportler irgendwie das gleiche Ziel haben, sind sie doch so verschieden wie Schimanski und Thanner.

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