Ford Fusion

Grund zur Freude

Der Ford Fusion ist ein gutes Beispiel für ein braveres und preiswerteres Konglomerat der verschiedensten Auto-Moden und Strömungen. Im Test die 1,6-Liter-Version mit 100 PS.

Die erste Begegnung mit dem Ford Fusion erweckt Konfusion: Ist das ein neuer Kompaktvan, ein leichter Offroader oder einfach ein etwas größerer Kleinwagen? Ford meint, er sei das geeignete Vehikel für den Großstadtdschungel und eine Fusion von drei Arten – mit dem Nutzwert eines Mehrzweckautos, der Agilität eines Kleinwagens und der Optik eines Geländewagens. Auf Neudeutsch könnte man von Crossover reden, wenngleich es sich hier technisch gesehen schlicht um einen Fies-ta mit mehr Bodenfreiheit und größerer, eigenständiger Karosserie handelt. Der Stil wirkt sachlich, gefällig und nach Art des Ausgangsprodukts, aber mit weicheren Linien und kubischen Konturen. Bei unverändertem Radstand wuchsen Länge und Höhe um zehn sowie die Breite um vier Zentimeter, was ohne Beeinträchtigung der Wendigkeit einen deutlich höheren Nutzwert verspricht. Das beginnt mit dem größeren Kofferraum (337 statt 284 Liter), der sich durch eine bis zum Boden reichende Heckklappe leicht beladen und stufenweise auf 1175 Liter (Fiesta: 613) erweitern lässt. Wie die im Verhältnis 40 zu 60 geteilte Rückbank kann man zudem die Beifahrer-Rückenlehne umlegen (Serie ab Trend), womit eine fast drei Meter lange Staufläche oder ein Picknicktisch entsteht. Wer allerdings auf mehr Variabilität hofft, sieht sich enttäuscht. Weder hintere Einzelsitze noch eine verschieb- oder leicht ausbaubare Rückbank sind vorgesehen. Selbst mit den üblichen Becherhaltern ist der Fusion nur sparsam bestückt, während es für den sonstigen Kleinkram genügend Ablagefächer in den Türen, unter den Vordersitzen und im Armaturenbrett gibt. Der besondere Reiz des Fusion gegenüber herkömmlichen Kleinwagen liegt jedoch in seinem luftigen Raumgefühl, das in der Vier-Meter-Klasse nicht selbstverständlich ist. Vier große Türen erleichtern den Einstieg, üppige Fensterflächen und die angehobene Sitzposition vermitteln eine gute Übersicht. Selbst im Fond mangelt es nicht an Kopf- und Beinfreiheit sowie an Kopfstützen und Dreipunktgurten für jeden Platz, höchstens an einer besseren Ausformung des Gestühls. Das Interieur ist nüchtern und sachlich gestaltet. Aber statt Farbenfreude und Originalität herrscht die Tristesse grauer Kunststoffe, die mit ihren harten, unterschiedlich genarbten Oberflächen arg billig wirken. Immerhin macht das Ganze einen klapperfreien, ordentlich verarbeiteten Eindruck und hält darüber hinaus eine umfangreiche Sicherheitsausstattung bereit.

So verfügen alle Fusion über ABS, Front- und Seitenairbags; seitliche Kopfairbags vorn und hinten werden mit 200 Euro extra berechnet. In Verbindung mit dem 1,6-Liter-Benziner bekommt man sogar einen Bremsassistent, während ein elektronisches Stabilitätsprogramm derzeit ebenso in der Optionsliste fehlt wie ein Automatikgetriebe. Doch es bleiben genügend Möglichkeiten, das bescheiden ausstaffierte Basismodell Ambiente durch das Trend- oder Elegance-Paket (plus 775/1975 Euro) sowie weitere Extras bis hin zum Navigationssys-tem aufzuwerten. Weil der Fusion schon in Grundausstattung gut 100 Kilogramm mehr als ein vergleichbarer Fiesta wiegt, werden die schwächeren 1,3-Liter-Motoren erst gar nicht angeboten. Zur Markteinführung im Oktober gibt es zunächst den mit Peugeot entwickelten Common-Rail-Diesel in der 68-PS-Version sowie die Benziner mit 80 oder 100 PS. Letzterer gefiel bei der ersten Ausfahrt mit guter Laufkultur und gleichmäßiger Leistungsentfaltung, aber nicht gerade mit Durchzugskraft. Das bescheidene Drehmoment des Vierventilers (146 Nm bei 4000/min) taugt fürs unauffällige Mitschwimmen im Verkehrsstrom, ohne besondere Spritzigkeit oder motorisches Vergnügen zu vermitteln. Immerhin erfüllt er die Euro-4-Abgasnorm und mit 6,6 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer die zeitgemäßen Erwartungen an Sparsamkeit. Wie das höhenverstellbare Lenkrad liegt der angehobene Schalthebel gut zur Hand, mit dem sich die fünf Gänge mühelos und exakt wechseln lassen. Leichtgängigkeit und Präzision sind auch die vorherrschenden Eindrücke vom Fahrwerk. Behend und quirlig folgt der Fusion in Kurven dem eingeschlagenen Kurs und macht dabei weder durch Schieben über die Vorderräder noch durch tückische Heckschwenks bei Lastwechseln Probleme. Allerdings wird die ausgeprägte Agilität mit Abstrichen beim Komfort erkauft, weil die straffe Federung zwar die Seitenneigung in Grenzen hält, aber zugleich die Versäumnisse der Straßenbauer offenlegt. Als geräumige Alternative zu Fiesta und ähnlichen Rivalen (siehe Kasten) passt der Fusion offenbar genau in die Zeit, obwohl sich der Mehrwert gegen- über herkömmlichen Kleinwagen in Grenzen hält. Aber den anvisierten jungen Paaren dürfte es angesichts des maßvollen Aufschlags (1310 Euro gegenüber einem vergleichbaren Fiesta) schon reichen, dass dies auch für den Preis gilt.

Fazit

Der Fusion ist ein erfreulicher Neuzugang in seiner Klasse. Er zeigt, dass automobile Vernunft und Fahrfreude sich nicht ausschließen.

Technische Daten
Ford Fusion 1.6 16V Trend
Grundpreis 15.875 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4018 x 1720 x 1498 mm
KofferraumvolumenVDA 337 bis 1175 l
Hubraum / Motor 1596 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
0-100 km/h 10,8 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km
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