Ford Galaxy 2.3, Mitsubishi Space Wagon GDI, Peugeot 806 2.0 16 V, Renault Espace 2.0 16 V

Der Van-Markt boomt, wobei der Kategorie um den europäischen Pionier Renault Espace besondere Bedeutung zukommt. Hier kämpft er um den Titel, zusammen mit Ford Galaxy, Mitsubishi GDI Space Wagon und Peugeot 806.

Was treibt den Menschen in den Van? Der Kinderreichtum kann es zumindest auf dem deutschen Markt nicht sein, bei – statistisch durchschnittlich – 1,7 Kindern pro Familie. Doch was ist es dann? Ist es die andere Erlebniswelt, die auch VWChef Ferdinand Piëch bei den Vans notierte? Ist es eine besondere Form des Cocoonings, des Zuhauseseins auf Rädern? Oder vielleicht nur Mode wie enge und weite Hosen? Vermutlich spielt von allem etwas mit, auch natürlich der abgedroschene Begriff vom Freizeitmenschen, der zum Müßiggang eine Vielzahl von Gerätschaften zwecks Unterhaltung benötigt.

Nur der Van bietet dank seiner Größe und der Interieur-Variabilität das Volumen für Mountain-Bikes, Surfbretter oder andere sperrige Gerätschaften, nur er läßt sich in eine gut nutzbare Vesperstube verwandeln, in der es allenfalls an Atmosphäre, nicht aber an Cupholdern mangelt. Die gute Stube, die all dies auf Rädern bereithält, ist auch im Falle der hier geprüften Midi-Vans kürzer, als man zunächst denkt.

Mit einer Länge von 4,62 respektive 4,60 Metern sind Ford Galaxy und Mitsubishi Space Wagon in dieser Runde die größten Exemplare, ohne daß sie an die Länge eines Fünfer-BMW heranreichen. Renault Espace (4,52 Meter) und Peugeot 806 (4,45 Meter) sind deutlich kürzer und erreichen, wenn man in den populären Limousinen-Bereich geht, nur das Maß eines Skoda Octavia. Der optische Eindruck täuscht. Nicht zuletzt durch seine Bauhöhe wirkt der Van weit voluminöser, als er tatsächlich ist.

In der Raumausnutzung hat er konzeptionsbedingt Vorzüge gegenüber der klassischen Limousine – Onebox-Design und Kastenform zeigen Wirkung. Doch es gibt bei annähernd gleicher Grundfläche Unterschiede im Raumangebot Dabei ist grundsätzlich von Bedeutung, ob in der Basis-Version eine zweite hintere Sitzreihe vorgesehen ist oder nicht. Nur der sechssitzige Mitsubishi mit seinem neuen Benzin-Direkteinspritzer- Vierzylinder ist damit ausgerüstet und büßt deshalb an Kofferraum-Volumen erheblich ein. Seine Bandbreite reicht von bescheidenen 240 Litern bis zu knapp 2000 Litern bei umgeklapptem Rücksitz. Beim Ford Galaxy reicht der Stauraum nötigenfalls bis 2610 Liter, beim Renault Espace sind es schon 2850 Liter.

Der Kofferraum- König ist jedoch der Peugeot 806 mit einem Spektrum von 340 zu 3300 Litern. Das für Van-Besitzer so wichtige Thema Variabilität wird auf sehr ähnliche Weise interpretiert. Die große Ausnahme ist aufgrund seiner abweichenden Bestuhlung der Mitsubishi, weil sich die beiden mittleren Einzelsitze nicht entfernen, sondern nur aufrecht zusammenfalten lassen.

Das setzt der Mitnahme sperriger Güter enge Grenzen. Die hinteren Sitze lassen sich hingegen leicht aus-, aber nicht ganz so einfach wieder einbauen. Im übrigen geschieht der für den Fall der Fälle vorgesehene Sitzausbau zwecks größtmöglicher Transportkapazität bei den restlichen drei Vans ohne große Verrenkungen. Als angenehmen Nebeneffekt beim Abtransport des Mobiliars zeigt der Peugeot 806, der einzige übrigens mit Schiebetüren, das geringste Sitzgewicht. Die Sessel des Renault Espace sind etwas schwerer, den größten Kraftaufwand erfordert das Gestühl des Ford Galaxy. Kein Nachteil ohne Vorteil. Seine Sitze hinten sind verschiebbar, und die Polsterung ist von angenehmer Festigkeit und guter Konturierung.

Neben dem Mitsubishi Space Wagon kassiert der Galaxy die besten Sitznoten, wobei dies auch für den Fond gilt. Renault Espace und Peugeot 806 müssen sich hier Punktabzüge gefallen lassen. Mit kurzen Sitzflächen und einer hohen Position (Espace) wird hier weniger Bequemlichkeit und schlechtere Ergonomie geboten. Das Ausstattungsniveau ist bei den getesteten besseren Varianten insgesamt hoch und offeriert im Falle Renault Espace und Peugeot 806 sogar Dinge wie Klimaautomatik oder Radio. Elektrische Fensterheber vorn und Zentralverriegelung haben sie alle, der Mitsubishi muß sich trotz guter Ausstattung, zu der auch Klimaanlage und Navigations-Vorbereitung zählen, Punkte abziehen lassen. Während für seine Konkurrenten viele Extras zusätzlich erhältlich sind, ist bei ihm nicht einmal ein Schiebedach zu bekommen. Im Qualitätsgefühl macht der Ford zusammen mit dem Renault den besten Eindruck, in der Sicherheits-Ausstattung gibt es wegen fehlender Sidebags Punktabzüge für den Galaxy und den Peugeot. Dreipunktgurte an allen Sitzen bieten nur Renault Espace und Mitsubishi Space Wagon, integrierte Kindersitze gibt es beim Galaxy und Peugeot auf Wunsch.

Schöner wohnen im Van, dazu gehören ja nicht nur Klapptische und Dosenhalter, sondern auch Bedienungselemente. Für ein neuartiges Ambiente sorgt hier nur der aktualisierte Espace, dessen Instrumentarium mit seinen Digital- Anzeigen ein wenig an den Dienstwagen von Captain Future erinnert. Überall zuckt und leuchtet es – ein Stück automobiler Lifestyle. Von allen Vans wird hier der gattungstypischste Flair vermittelt. Man bewegt eigentlich kein Automobil, sondern eine üppig verglaste Kanzel, durch die man den restlichen Verkehr mit einer gewissen Distanz zur Kenntnis nimmt. Diese Gefühle soll und kann man nicht bepunkten, dafür aber schon die Art und Weise, wie die Raumgleiter motorisiert sind. Mit Hubräumen zwischen zwei (Renault, Peugeot) und 2,3 Liter (Ford, Mitsubishi) sowie einer Leistungsbreite von 132 PS (Peugeot) über 140 PS (Renault) und 145 PS (Ford) bis zu den 150 Pferdestärken des Mitsubishi GDI repräsentieren die Motoren eine durchaus temperamentvolle Autowelt.

Man sieht es weder dem Galaxy noch dem Espace an, daß sie in weniger als elf Sekunden auf Tempo 100 drängen. Die Vierzylinder, Vierventiler allesamt, unterscheiden sich in den Tiefen ihrer Gehäuse am stärksten voneinander.

Sowohl das Galaxy-Triebwerk als auch der Mitsubishi-Motor tragen hier zwei gegenläufig rotierende Ausgleichswellen zwecks Vibrations-Eindämmung. Insgesamt macht der Ford- Vierzylinder den besten Eindruck – mit geschmeidigem Lauf und bester Gasannahme.

Der Konkurrent aus Japan steht ihm nur wenig nach, aber ihm reicht es nicht zu dem erwarteten Verbrauchsvorteil. Als einziger nämlich ist der Vierzylinder des Space Wagon ein Benzin-Direkteinspritzer, der sich bei den zügig absolvierten Vergleichsfahrten freilich nicht positiv in Szene setzen konnte. Wahrhaft sparsam sind die schweren und groß im Wind stehenden Vans allesamt nicht. Forcierte Gangart zeitigt Verbräuche über zwölf Liter pro 100 Kilometer, der Ford Galaxy genehmigte sich unter solchen Bedingungen sogar 14,4 Liter. Die durchweg kraftvolle Motorisierung erlaubt natürlich auch eine nicht ganz vangemäße Gangart, bei der vor allem der Space Wagon mit starken Karosserie-Bewegungen aus der Rolle fällt.

Der Galaxy hebt im Grenzbereich gern die kurveninneren Räder, bleibt aber gut kontrollierbar. Die Fahreigenschaften des sehr handlichen Peugeot werden mit steigender Zuladung sogar besser. Leichte Traktionsmängel bei forciertem Betrieb haben alle, auch die Bremsanlagen verdienen kein generelles Lob. Der Galaxy zeigt nur mit kalter Bremse gute Verzögerungswerte, aber starkes Fading unter Belastung. Noch schlechter bremst der Peugeot, der sich schon bei kalter Bremse in beladenem Zustand Schwächen erlaubt. Allein der Mitsubishi verzögert auch unter strengen Auflagen gut und standfest. Daß er in der Gesamtabrechnung praktisch punktgleich mit dem Peugeot 806 den vorletzten Platz belegt, daran können auch die guten Bremsen nichts ändern. Denn beim Federungskomfort kann der Van aus Japan nur Unterdurchschnittliches bieten.

Der Gesamtkomfort entspricht nicht dem Maßstab dieser Klasse, vor allem voll beladen zeigen sich gravierende Schwächen – mit Durchschlagen der Federung und den damit verbundenen abrupten Stößen. Die meisten Reserven hat hier der Ford Galaxy zu bieten, aber auch Peugeot 806 und Renault Espace meistern unebene Passagen so souverän, wie man das erwartet.

Wie üblich bei Vergleichstests, gewinnt das harmonischste Produkt, in diesem Falle der Ford Galaxy. Sowohl Eigenschafts- als auch Gesamtwertung gehen klar an den Van aus Portugal. Er schlägt damit auch den Van-Pionier Espace, der sich ebenso klar von den fast punktgleichen Mitstreitern Mitsubishi Space Wagon und Peugeot 806 distanziert. Für sie gibt es nach Addition aller Punkte ein Foto-Finish – aus der Raum.

Fazit

1. Ford Galaxy 2.3
572 Punkte

Der Van aus dem Hause Ford gewinnt mit deutlichem Abstand. Seine qualitativ hochwertige Karosse hat daran ebenso Anteil wie die guten Sitze und die durchdachte Variabilität. Ein erfreuliches Kapitel auch der überzeugende Vierzylinder. Beim Bremsen gab es Schwächen.

2. Renault Espace 2.0 16V
563 Punkte

Mit einem großen, gut nutzbaren Innenraum und insgesamt gutem Federungskomfort kommt der Renault auf den zweiten Rang. Er bietet gute Fahreigenschaften und eine gute Sicherheitsausstattung. Sitze und Sitzposition befriedigen weniger, die Fahrleistungen sind erfreulich.

3. Mitsubishi Space W. GDI
546 Punkte

Die zweite Sitzreihe hinten beschert dem Space Wagon mehr Nach- als Vorteile. Er hat den kleinsten Kofferraum, ist am unhandlichsten und zeigt Komfortmängel vor allem bei voller Zuladung. Der Motor ist temperamentvoll, enttäuscht aber im Benzinverbrauch

4. Peugeot 806 2.0 16 V
545 Punkte

Ein echter Verlierer ist der Peugeot nicht, liegt er doch in der Eigenschaftswertung vor dem Mitsubishi. Seine Schiebetüren-Karosse überzeugt, ebenso die Fahreigenschaften. Der Motor verbraucht viel, ohne besonders viel zu leisten, die Bremsen zeigen große Schwächen.

Technische Daten
Peugeot 806 2.0 16V Prémium Mitsubishi GDI Space Wagon Motion Ford Galaxy 2.3 GLX Renault Espace 2.0 RXE
Grundpreis 25.227 € 25.406 € 23.877 € 25.411 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4454 x 1834 x 1714 mm 4600 x 1775 x 1690 mm 4617 x 1810 x 1730 mm 4517 x 1810 x 1690 mm
KofferraumvolumenVDA 340 bis 3300 l 240 bis 1930 l 266 bis 2610 l 275 bis 2850 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 2351 cm³ / 4-Zylinder 2295 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 97 kW / 132 PS bei 5500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5500 U/min 107 kW / 145 PS bei 5500 U/min 84 kW / 114 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h 190 km/h 192 km/h 175 km/h
0-100 km/h 11,4 s 11,4 s 13,1 s
Verbrauch 10,3 l/100 km 9,4 l/100 km 10,1 l/100 km 9,7 l/100 km
Testverbrauch 11,1 l/100 km 12,3 l/100 km 11,9 l/100 km
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