Ford Ka 1.3 im Test

Ka and Driver

Ford Ka 1.3

100.000 Kilometer sind kein Pappenstiel für ein kleines Auto wie den Ford Ka. Es gab Stärken während dieser automobilen Marathon-Distanz, es gab Schwächen. Und es wurde ziemlich teuer.

Klein sein ist in bei Automobilen. Über die Vorzüge der Kompaktheit im Stadtverkehr muss man nicht mehr reden. Aber mit der Güte moderner, gut gemachter Kleinwagen wuchs auch die Zahl jener Käufer, die sich vor Fernstrecken in einem Renault Twingo , VW Lupo oder auch Ford Ka nicht mehr scheuen.

1200 Tages-Kilometer legte ein auto motor und sport-Leser mit seinem Ford Ka zurück und war gleichermaßen erstaunt wie beglückt. Es geht nicht nur, sondern es geht erstaunlich gut. Auch Rainer Herrmann, Mitarbeiter im Redaktions-Archiv, wagte sich mit dem Dauertest-Ka weit hinaus. Bis nach Skandinavien und dort an das allseits beliebte Skagerrak ging seine Fahrt. Befund nach der geglückten, pannenlosen Rückkehr: alles kein Problem, bis auf die nicht nur von ihm geschmähten Sitze mit ihrer zu kurzen Beinauflage. Viele Leser teilen den Sitz-Unmut, einer übertreibt ein bisschen und meint, die Polster seien ein Fall für Amnesty International.

Christine Oehling, Produktionerin, kam zwar meist nur bis ins heimatliche Nagold unweit Stuttgarts, doch die Sitze behagten auch ihr nicht. Sie lobt, wie viele andere Ka-Fahrer, die Handlichkeit, vermisst hingegen poppige Farben ä la Smart. Das 3,62 Meter lange Automobil mit dem gewöhnungsbedürftigen Pavian-Hintern könnte davon profitieren, mehr als von den in der Praxis vorherrschenden dunklen, seriösen Tönen.

Der Lack des Dauerläufers, ausschließlich maschinell gepflegt, hat zwar etwas an Tiefe verloren, zeigt aber keine offensichtlichen Schäden. Alterung dagegen bei den Plastik-Materialien im Innenraum. Die ohnehin billig wirkende Armaturenverkleidung aus einem auch taufrisch wenig appetitlichen Grauton, zeigt sich fleckig und auch nicht ganz geräuschfrei.

Leichte Alterungserscheinungen auch bei der im Prinzip sehr steifen, ausschließlich zweitürig lieferbaren Karosse. Knistergeräusche beim Überfahren von gröberen Unebenheiten zeugen davon, dass die 100.000 Kilometer an dem kleinen Auto nicht ganz spurlos vorübergegangen sind. Dennoch ist der Gesamtzustand des Ka recht ordentlich.

Türen und Schlösser kommen nach wie vor gewissenhaft ihrer Arbeit nach, die Zentralverriegelung funktioniert zuverlässig mit ihrem charakteristischen Wimmerton. Dass man umständlich mangels Zugvorrichtung zum Öffnen der Heckklappe und zur Tankentriegelung den Zündschlüssel braucht, ist eine wenig zeitgemäße Ford -Eigenheit.

100.000 Kilometer in nur 27 Monaten – das bedeutet ja nicht nur Skagerrak und Nagold, sondern auch ein Streckenprofil mit langen Autobahn-Abschnitten. Niemand fühlte sich bei Distanzen zwischen 500 und 600 Kilometern Länge gequält, und dies hat vor allem drei Gründe.

Der Ka hat einen auch absolut gesehen befriedigenden Federungskomfort. Die Laufruhe seines Vierzylindermotors ist auch bei höheren Dauerdrehzahlen gut, und mit den 60 PS, die es jetzt ausschließlich zu kaufen gibt, sind angemessene Durchschnitts-Tempi möglich.

Nur eine Triebwerk-Version mittlerweile, Ford wiederholt beim Ka die Einfachheit der Motorisierung, die einst mit ebenfalls nur einem Vierzylinder das legendäre T -Modell auszeichnete. Die alte 50-PS-Variante, die ohne Servolenkung auskommen musste und nur einen Verkaufsanteil von 15 Prozent erreichte, fiel weg.

Es gab keinen einzigen Ausfall des einzig möglichen Ka-Motors, kein Ziegenbleiben, nichts. Ein zäher Hund, der alte, 1,3 Liter große Vierzylinder, dessen Nockenwelle noch wie zu Ur-Escort-Zeiten tief im Gehäuse liegt und über altmodische Stoßstangen und Kipphebel die beiden Ventile pro Zylinder steuert. Doch der standfeste Motor, der sich zusammen mit dem bis zum Schluss exakt schaltbaren Getriebe als ein bescheidener Freudenquell entpuppte, zeigte auch Schwächen.

Die kleinen betreffen Unregelmäßigkeiten im Leerlaufbetrieb, die zum lästigen Absterben des Motors führen und ihre Ursache in Verschmutzungen des Leerlaufstellers haben. Die größere Schwäche liegt allerdings im Benzinverbrauch, der im Testmittel fast acht Liter pro 100 Kilometer erreicht. Zuviel für ein so kleines Autos, das Maximalwerte von zehn Litern realisiert und selbst bei konsequenter Economy-Nutzung immer noch über der Sechs-Liter-Grenze liegt.

Mit der Leistungsfähigkeit des 60-PS-Motors gab es keine grundsätzlichen Probleme, denn mit 946 Kilogramm ist der Ka kein Schwergewicht. Gleichwohl zeigen die Beschleunigungs- und Elastizitätswerte, die zu Anfang des Dauertests und gegen Ende gemacht wurden, einen Kräfteschwund. Auch die Höchstgeschwindigkeit sank von 159 km/h auf 155 – nicht gravierend, aber doch Anlass für eine Überprüfung der Leistung.

Sie zeigte auf einem Bosch-Rollenprüfstand Maximalwerte zwischen 44,2 und 44,6 Kilowatt – keine Zweifel also am Vorhandensein der deklarierten 60 Pferdestärken. Gleichzeitig drängt sich der Schluss auf, dass der Motor zuvor besser im Futter stand und den Ka zu besseren Zeiten in 26,2 Sekunden auf 120 km/h beschleunigte (Dauertest-Ende: 30,3 s).

Die Störungsliste verschont den Motor, der sich unter dem Strich als zuverlässige Antriebsquelle herausstellte. Sehr viel gravierender erscheint da in der Endabrechnung ein anderer typischer Ka-Mangel, nämlich die verschleißanfällige Bremsanlage. Übermäßiger Belag- und Scheibenverschleiß mit viermaligem Erneuern der Beläge und zweimaligem Wechseln der vorderen Scheiben wirft weder auf die Dimensionierung der Anlage noch auf deren Qualität ein gutes Licht. Rund 150 Euro kostet ein solcher Akt – noch deutlich entfernt von jenen 380 Euro, die gegen Ende des Dauerlaufs auch an der Hinterachse investiert werden mussten.

Nach dem Lösen der Handbremse hatte ein Mahlgeräusch auf die Reibung von Metall auf Metall hingedeutet. Die Demontage zeigte einen abgerissenen Trommelbremsbelag und als Folgeschaden einen beschädigten Radbremszylinder. Damit war die zweithöchste Summe bei den Reparaturkosten erreicht. Als dickster Hund entpuppte sich eine Undichtigkeit der Servolenkung: Der Austausch des Aggregats bei km-Stand 92 624 belastete das Kosten-Budget mit 915 Euro (Kulanzanteil von Ford 305 Euro).

Auch kleinere Defekte gingen ins Geld, so der Austausch des wimmernden Gebläsemotors mit 235 Euro oder der Ersatz der Frontscheibe ziemlich zu Anfang mit 362 Euro. Möglicherweise ein Spannungsriss, der kein Einzelfall bleiben sollte. Bei km-Stand 45 663 musste die Scheibe ein zweites Mal gewechselt werden. Auch ein Radlager hinten hielt nicht durch, ebenso wenig die Klimaanlage, bei der sich eine Leitung verabschiedete und das Autos samt einem erneuten Bremsbelag-Wechsel nicht weniger als sechs Tage in die Werkstatt zwang.

Fünf Mal insgesamt musste der Ka außerplanmäßig betreut werden – keine besonders gute, aber auch keine extrem schlechte Bilanz. In einem ähnlichen Tenor können die Kosten für die Wartung interpretiert werden. Die Inspektionsintervalle sind mit 15.000 Kilometern kurz, doch die Preise halten sich mit Kosten zwischen knapp 150 und gut 200 Euro im Rahmen.

Nicht besonders wartungsfreundlich ist der Ventiltrieb des alten Ford-Motors, der ohne hydraulischen Spielausgleich arbeitet und manuell justiert werden muss. Dafür braucht der Stoßstangenmotor keinen Zahnriemen-Wechsel.

Im Gegensatz zu den Bremsbelägen ging der Ka mit den Reifen schonend um. Hier können Laufleistungen zwischen 40.000 und 50.000 Kilometer erwartet werden.

Mit den während der kalten Tage eingesetzten Winterreifen von Pneumant zu Anfang des Dauertests und dem Continental Winter TS gegen Ende gab es keine Traktionsprobleme. Grundsätzlich zeigt auch der mit einer wirksamen Heizung versehene Ka, dass besonders kleine Fronttrieber zu jenen Automobilen gehören, die im Schnee Fahrvergnügen bereiten können.

Doch der Spaß wird spätestens beim Betrachten der Kostenbilanz getrübt. Zwar lässt der offizielle Schätzpreis von fast 5.000 Euro nach Ablauf der 100.000 Kilometer, ausgehend von einem Neuwagenwert von 10.660 Euro, keine Katastrophenstimmung aufkommen, aber die hohen Reparaturkosten treiben dann doch etwas die Tränen in die Augen. Über 3000 Euro flossen in den kleinen Ka, abzüglich Benzin-, Öl- und Reifenkosten ergibt dies den stolzen Betrag von acht Pfennig pro Kilometer.

Das kleine Auto, das seinen Grundpreis von gut 9.000 Euro über die Jahre gehalten hat und sich nur in der Extra-Liste eine Verdoppelung des Preises für das Audio-System 6000 von ehemals 300 auf 615 Euro erlaubt, war nicht nur lieb, sondern auch teuer.

Abgastest: Der Ford Ka wurde nach der bis 1998 gültigen D3-Norm typ­geprüft. Von der heutigen D3 unterscheidet sie sich durch et­was strengere Limits und einen weniger anspruchsvollen Fahrzyklus: Vor der eigentlichen Messung liegen, wie noch bei der EU2-Norm, 40 Sekunden Leerlauf, in denen sich der Ka­talysator schon etwas erwär­men kann.

Die obligatorische Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollen­prüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böb­lingen ergab die folgenden Wer­te (Grenzwerte in Klammem): Kohlenmonoxid (CO): 0,075 (1,50) Gramm pro Kilometer, Stickoxide (NOx) 0,068 (0,14) Gramm pro Kilometer und Kohlenwasserstoffe (HC): 0,884 (0,17) Gramm pro Kilo­meter.

Störungen:

Verunreinigungen waren der Grund dafür, dass der Leerlaufsteller nach Unregel­mäßigkeiten zwei Mal gereinigt werden musste. Undichtigkeiten führten zum Ausfall der Klima­anlage. Der Austausch der Klimaleitung, der einen mehrtägigen Werkstatt­aufenthalt zur Folge hatte, behob den Schaden. Undichtigkeiten an der Lenkung machten einen Austausch des Lenkgetriebes nötig. Es war die teuerste Reparatur im Dauertest

Der Ford ist witzig in der Form, weckt Emotionen auch bei unbeteiligten Be­trachtern, hoher Aufmerk­samkeitswert (ich fahre mit Werbebeschriftung), schon beim Einsteigen bekomme ich gute Laune; insofern ist er ein legitimer Nachfolger für 2 CV und Mini . Aber: Die Sitze sind ein Fall für „Amne­sty International". Folter ist doch verboten.
Kai-Reginald Noack, 90522 Oberasbach
 
Innerhalb von zwölf Mona­ten musste das Wägelchen zehn Mal Bekanntschaft mit Schraubenschlüsseln, Hebe­bühnen und rätselnden Me­chanikern machen. Schon ab Werk konnte der Ka nicht schneller als mit 120 km/h gefahren werden, weil das Lenkrad mit einem Aus­schlag von etwa einem Zen­timeter vertikal zitterte. Zu­dem rubbelten die Bremsen, der Wagen zog bei star­ken Bremsungen gefährlich nach rechts, und die Tankan­zeige zeigte stets zehn Liter zu wenig an. Allein wegen dieser Mängel war das Auto drei Mal in der Werkstatt. Doch Ford gelang es nicht, die Fehler zu beseitigen. Dabei wurden Bremsschei­ben, Felgen, die Tankanzei­ge und der Tankfühler aus­getauscht, außerdem die Vorderachse auseinander ­und wieder zusammenge­baut - es half alles nichts.
Joachim Welding, 24105 Kiel

Anfang April traten bei ei­nem km-Stand von 12 600 Bremsprobleme auf, die mich veranlassten, die ange­schlossene Tankstelle eines hiesigen Ford-Händlers auf­zusuchen. Das Ergebnis der Untersuchung war nieder­schmetternd: Die vorderen Bremsen waren bis auf eine Restbelagstärke von drei Milli­meter abgenutzt. Nach Aus­kunft des Monteurs sahen die Bremsscheiben aus, „als hät­ten die mindestens 80 000 Ki­lometer auf dem Buckel".
Walter Römgens, 52134 Herzogenrath
 
Bis heute habe ich 18 000 Ki­lometer zurückgelegt. Direkt nach Ablauf der Garantiezeit (also nach nur einem Jahr) musste der Stoßdämpfer hin­ten rechts ausgetauscht wer­den. Da dieser Schaden für ei­ne so kurze Laufzeit nach An­sicht der Werkstatt ungewöhn­lich war, erfolgte dies auf Ku­lanz. Sonst fiel der Wagen durch Klappern aus dem Heckbereich auf, weswegen er drei Mal die Werkstatt sah. Die Ursache konnte nicht ge­klärt werden, dennoch tritt das Klappern nicht mehr auf und scheint witterungsabhän­gig (besonders bei warmem Wetter) zu sein. Der Motor ist ausreichend kräftig und arbei­tet (auch bei Autobahntempo) sehr leise, macht aber Lust auf mehr. Wo bleibt der Ka mit 100 PS? Ford, bitte tut was.
Susanne Stratmann, 17489 Greifswald
 
Ich fahre seit Februar 1999 ei­nen Ford Ka mit 49 PS und habe bisher zirka 17 500 Kilo­meter zurückgelegt. In dieser Zeit hat der Wagen sich als zu­verlässiges Fahrzeug heraus­gestellt, das mit allen Fahr­situationen in der Stadt und auch auf der Autobahn sehr gut fertig wird. Die Qualität ist im Ganzen sehr gut, auch wenn das kratzanfällige Plas­tik im Innenraum den Ge­samteindruck etwas stört. An Reparaturen waren bisher nur Arbeiten an der Heizung und die Ausbesserung von zwei kleinen Lackfehlern auszu­führen.
Stefan Hesse, 51597 Morsbach­Stockshöhe

Von meinem Ka war ich vom ersten Moment an begeis­tert. In der Stadt ist er un­schlagbar, flink, wendig und passt in fastjede Parklücke. Auch auf der Autobahn bei Tempo 150 fühle ich mich absolut sicher. Auch Extrem­situationen ist der Ka dank ABS und feinfühliger Servo­lenkung gewachsen.
Regina Flackskamp, 50765 Köln
 
Nach bisher 12 500 Kilometern sind keine Defekte aufgetreten. Der Benzinverbrauch beträgt 7,2 Liter/100 km. Verbesse­rungsbedürftig ist das billige Hartplastik im Innenraum.
Klaus Hild 63477 Maintal

Vor- und Nachteile

  • Gute Zuverlässigkeit
  • Gute Fahrleistungen
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Sehr gute Handlichkeit
  • Exakt schaltbares Getriebe
  • Befriedigende Federung
  • Gutes Raumangebot vorne
  • Angemessene Servicekosten
  • Günstiger Grundpreis
  • Geringer Reifenverschleiß
  • Hoher Bremsenverschleiß
  • Unbequeme Sitze
  • Sehr kleiner Koffer¬raum
  • Hoher Benzinverbrauch
  • Kurze Wartungsintervalle
  • Hohe Reparaturkosten
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Technische Daten
Ford Ka
Grundpreis 9.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3620 x 1639 x 1413 mm
KofferraumvolumenVDA 186 bis 724 l
Hubraum / Motor 1299 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 44 kW / 60 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
Verbrauch 6,3 l/100 km
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