Ford Mondeo im Test

Neues Topmodell als Sportwagenschreck

In persönlicher Bestzeit über die Piste oder mit Kind und Kegel komfortabel in den Urlaub – der Ford Mondeo ST 220 kann beides und ist dazu erschwinglich. Ein spaßiges Vernunftsauto?

Langsam schiebt sich der Porsche vorbei. Seit der Einfahrt ins Hockenheimer Motodrom hängt er dem Ford Mondeo erfolglos auf den Fersen: Spätbremsen in die Sachskurve. Außer Heckschwenk nichts gewesen. Kuppe Linksknick. Mehr als Windschatten ist nicht drin. Südkurve. Innen geht der Platz aus. Start und Ziel. Endlich reicht’s – dank Leistungsüberschuss.

Am Limit bewegt taugt das neue Mondeo-Topmodell ST 220 zum Sportwagenschreck. Was weniger an den stramm galoppierenden 226 PS des Dreiliter-V6 als am gutmütigen Fronttriebler-Fahrverhalten liegt: Unbeschwerter lässt es sich bei hohen Geschwindigkeiten kaum räubern. Wer den verantwortlichen Entwickler kennt, wundert sich nicht: Es ist Jost Capito, der bis zu seinem Ford-Gang den Erfolg des Formel 1-Teams Redbull Sauber Petronas beschleunigte. Jetzt leitet er die Abteilung Special Vehicle Engineering (SVE) – 30 Autoverrückte, deren Know-how Familien-Kutschen in Freizeit-Renner transformiert. Die Modelle unter dem Label ST (Sport Technologie) sind Bodybuilding-Versionen ihrer schwächeren Brüder: im Antrieb erstarkt, im Fahrwerk gestrafft und im Auftritt selbstbewusst. Was nicht bedeutet, dass dicke Räder unter ausgestellten Backen quellen wie Arnies Bizeps unter einem viel zu kleinen T-Shirt. Nein. Wäre der ST 220 ein Mann, würden ihm Frauen einen gut sitzenden Anzug attestieren. Die bulligen Front- und Heckschürzen fügen sich so harmonisch in die Karosserie-Linie ein, dass ein Basis-Mondeo im Vergleich schmalbrüstig aussieht. Einzig der kleine Heckspoiler auf dem Kofferraumdeckel wirkt aufgesetzt. Im Innenraum fallen nur die schlecht ablesbaren, silberfarbenen Zifferblätter als pseudosportlicher Zierrat negativ auf. Angenehm dagegen sind die belederten Recaro-Sitze. Sie bieten guten Seitenhalt, der Fahrersitz lässt sich optimal zum Lenkrad positionieren, die Sitzposition stimmt. Auch am Rest gibt’s wenig zu meckern: Bis auf Tempomat und Navigationssystem ist die Ausstattung komplett.

Dezent getunt wurde das Fahrwerk. Kaum sichtbare 15 Millimeter kommt die Mondeo-Karosserie nun dem Asphalt näher. In Verbindung mit härteren Buchsen der Radaufhängung sorgt das für ein präziseres Fahrverhalten. Glücklicherweise wissen die SVE-Entwickler, dass tief und hart alleine weder glücklich noch schnell macht. Denn Ziel war es nicht, den Mondeo fit für Rundstreckenrennen zu machen, sondern für den ganz normalen Fahrspaß. Also darf die Federung möglichst wenig Karosseriebewegung zulassen. Schließlich will kein ambitionierter Freizeit-Pilot entenartig um die Kurve wanken. Trotzdem darf die sportliche Härte nicht die Bandscheibe von Ehefrau und Schwiegermutter malträtieren. Sonst ist der Familienfrieden ganz beim Teufel. Der Eiertanz ist der SVE-Abteilung geglückt – so harmonisch erwartet man die Abstimmung einer sportlichen Limousine. Und das ohne Verstellmöglichkeiten, ohne Luftfederung. Wer hätte so etwas noch für möglich gehalten? An seine Grenzen stößt das Fahrwerk in engen Kurven. In den ersten beiden Gängen ist der wohldosierte Gasfuß gefragt – andernfalls zuckt die Lenkung, und der Mon-deo zackt. Der Fahrer registriert den kurzzeitigen Verlust der Richtungskompetenz unwirsch und muss den Ford mit harter Hand dirigieren. Dagegen verbreitet die im Grenzbereich leicht untersteuernde Auslegung ein Gefühl der Zufriedenheit und Kontrolle. Keine Überforderung – selbst dann nicht, wenn der Pilot im Geschwindigkeitsrausch eine Kurve zu schnell angeht und der ST 220 in Richtung Graben schiebt. Untersteuern lässt sich, lange bevor ESP maßregelnd eingreift, wirkungsvoll kurieren: mit Gaslupfen und einer leichten Korrektur an der ungemein präzisen Lenkung. Dann dreht der ST 220 mit dem Heck ein und folgt schnurstracks dem eingeschlagenen Radius. Diese Mühelosigkeit lockt den Piloten allerdings auf seiner Hausstrecke in Führerschein gefährdende Bereiche.

Nicht nur den Landstraßen-Galopp beherrscht der ST 220. Er ist vielmehr gleichzeitig ein komfortabler Gran Turismo. Auf langen Strecken fühlen sich alle Passagiere wohl, weil die Sitze trotz deutlicher Ausformung sehr bequem sind. Und weil dank serienmäßiger Lederausstattung zumindest im Fond ein Hauch von wohnzimmerartigem Flair weht. Trotzdem ist der Mondeo  eher ICE als rollender Salon. Zwar erreicht der ST 220 die optimistische Werksangabe von 243 km/h nicht, doch auch mit echten 235 km/h gehört die Reisegesellschaft im Mondeo zu den schnellsten auf Deutschlands Fernstraßen. Dafür muss der Ford bei eiliger Fahrt häufig an die Tankstelle. Hier rächt sich die betont sportliche Leistungscharakteristik: Unter 4500/ min ist der Sechszylinder zwar munter, doch Druck kommt erst danach. So muss der Schalthebel fleißig auf langen Wegen geführt werden, will man bei der Musik sein. Und die ist bei Bedarf ein Saxophonsolo. Der warme Ton des V6 entschädigt für die Drehmomentschwäche. Unter Last kitzelt er Magen wie Ohren angenehm. Dabei dreht der kurzhubige, ausgleichswellenfreie Dreiliter ohne Vibrationen willig hoch. Klar, einen echten Sportwagen ersetzt der ST 220 nicht. Dank seines sportlichen Talents ist er aber geeignetes Gerät für ambitionierte Piloten mit beschränktem Budget – schließlich machen ihn 33 250 Euro auch für mittlere Einkommen erschwinglich. Und wer 1350 Euro drauflegt, erhält den ST 220 sogar als Turnier. Da passt mehr als nur die komplette Familie samt Gepäck rein. Die ST 220-Reihe ist schlicht ein gelungener Konsens. Davon kann Kanzler Schröder derzeit nur träumen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot
  • großer Kofferraum
  • geteilt umklappbare Rücksitzlehne
  • reichhaltige Ausstattung
  • kein Griff zum Zuziehen des Kofferraumdeckels
Antrieb
  • drehfreudiger V6
  • passende Übersetzung
  • Motor antrittsschwach
Fahrkomfort
  • komfortable Federung
  • Sitze mit gutem Halt
  • poltriges Abrollgeräusch
Fahreigenschaften
  • direkte Lenkung
  • agiles Handling
  • leicht beherrschbarer Grenzbereich
  • Antriebseinflüsse in der Lenkung
Sicherheit
  • sehr gute Bremsleistung
  • ESP serienmäßig
  • zweistufige Frontairbags
Kosten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • niedrige Inspektionskosten
  • ungünstige Haftpflicht- und Vollkasko-Einstufung
  • hohe Reifenkosten
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Verbrauch

Fazit

Dank leichter Straffung ist das Mondeo-Fahrwerk im ST 220 noch agiler. Leider zerrt der Antrieb bei Leistungseinsatz am Lenkrad. Der V6 dreht willig hoch, könnte aber vehementer antreten. Zudem verbraucht der Dreiliter zuviel. Positiv dagegen ist die nahezu komplette Ausstattung.

Technische Daten
Ford Mondeo ST 220 Siver Magic
Grundpreis 33.375 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4731 x 1812 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 166 kW / 226 PS bei 6150 U/min
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h
Verbrauch 10,3 l/100 km
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