Ford Mondeo und Citroën C5

Platz-Halter

Foto: Hans-Dieter Seufert 32 Bilder

Der neue Citroën C5 Tourer und der Ford Mondeo Turnier sind typische Vertreter eines Trends: Kombis der Mittelklasse werden größer, agiler und zugleich komfortabler. Welcher der beiden Diesel in der 140-PS-Klasse ist das bessere Angebot?

Volksentscheid einmal anders: Von ihrem Image als bloße Transporter der Handwerkergilde und Gemüsehändler haben sich Kombis längst gelöst und stehen sowohl auf der Wunschliste von Familienvätern als auch engagierten Dienstwagenpiloten. Doch egal, ob Nutzdenken oder Lifestyle-Streben – Platz wird auf jeden Fall gebraucht. Schon auf den ersten Blick signalisieren die beiden Mittelklasse-Kombis Größe. Mit jeweils 4,83 Meter Länge scheinen sowohl C5 Tourer als auch Mondeo Turnier der Mittelklasse fast entwachsen, und mit gefälligem Design und guter Ausstattung soll der Kunde auch ein bisschen Premium-Luft schnuppern. So gesehen haben beide Hersteller ihre Hausaufgaben erledigt.

Ford mit mehr Raum

Mit seinem gewaltigen Ladeabteil von 554 Liter unter dem Abdeckrollo übertrifft der Ford das auch nicht gerade knappe Volumen des Citroën schon um 21 Liter. Noch größer wird der Unterschied nach dem Umklappen des Fond-Gestühls. Da geht der Ford sogar mit 1.745 : 1.490 Liter in Führung. Aber Größe ist nicht alles, wichtig ist, wie sich der Raum nutzen lässt. Beide bieten da sehr gute Voraussetzungen. Denn ihr Laderaum erstreckt sich als topfebene Fläche zwischen den kaum einschränkenden Radhäusern, und der Umbau geht leicht vonstatten: Mit einem ersten Handgriff werden die teilbaren Sitzflächen nach vorn geschwenkt, mit einem zweiten entriegelt man die Lehnen und klappt sie vor, was ohne rückenmordende Verkrümmungen und eingeklemmte Finger funktioniert. Beim Citroën tauchen die Gurtschlösser nach dem Zurückklappen sogar wieder exakt in den vorgesehenen Ausschnitten auf.

Citroën mit vielen Details

Die Hinterbänkler sitzen jeweils bequem und mit genügend Knieraum, wobei der C5 mit besonders körpergerechten Sitzflächen punktet. Der Ford dagegen hat mehr Kopffreiheit zu bieten. Und seine Kopfstützen können selbst Menschen im Lulatsch-Format zufriedenstellen. 

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Citroen bleibt Citroen
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Die Citroën-Philosophie spiegelt sich in der Liebe zu vielen Detaillösungen wider: einer Durchladeluke, einer Kofferraumleuchte, die auch als Taschenlampe entnommen werden kann, einer Abschlusskante aus Alu-Blech oder der exakt geführten Abdeckung. Die flutscht, anders als beim Mondeo, ohne jegliche Fummelei. Zur Serienausstattung in der getesteten Tendance- Version gehört zudem ein Trennnetz- Rollo. Das kostet beim Mondeo 205 Euro extra, und er gibt sich auch sonst etwas spartanischer: CD-Radio, Dachreling oder Tempomat sind zum Beispiel beim C5 Tourer frei Haus an Bord. Das verschafft dem Franzosen bei einem nahezu identischen Grundpreis im Ausstattungskapitel Pluspunkte. Bei beiden geben die Ausrüstungsoptionen allerdings reichlich Raum, um den Preis in schwindelnde Premium-Höhen zu treiben. Doch schon bei Materialauswahl und Verarbeitung ist bei beiden das Streben nach Höherwertigkeit mit Händen zu greifen.

Mondeo präsentiert sich konventioneller

Bei Citroën, denen lange der Ruf einer eher nonchalanten Einstellung zur Detailqualität anhing, ist das sogar einen Tick besser gelungen. Da scheint ein neuer Geist eingekehrt zu sein. Doch überschreitet er mitunter auch den Grat zur Selbstverliebtheit, etwa bei der Gestaltung von Armaturen und Bedienelementen. Rundinstrumente mit außengeführten Stummelzeigern und zentralen Balkenanzeigen fördern die Übersichtlichkeit nicht. Auf der überfrachteten, feststehenden Lenkradnabe schrumpfte die Hupe auf zwei kleine Knöpfe, und die Tasten zur Steuerung von Navigation und Audiofunktionen sind nicht nur für Senioren-Finger mitunter eine recht schwierige Übung. Konventioneller, aber auch klarer und übersichtlicher präsentiert sich da der Mondeo mit zwei Rundinstrumenten und einem zentralen Display. Ziemlich nutzlos allerdings die Außentemperaturanzeige, die sich bei echten acht bis auf 31 Grad hochschraubte. Und die schlüssellose Start-Funktion sorgt für Verdruss, denn ohne festen Platz ist der elektronische Bedienknubbel selten da, wo man ihn sucht. Zudem ist er keine wirkliche Erleichterung, wenn man ihn, beladen mit Einkaufstaschen, dann doch erst noch suchen muss.

An der Position hinterm Lenkrad gibt es bei beiden Kandidaten wenig auszusetzen, höchstens an den fast schon zu hohen Seitenwangen der C5-Dynamiksitze. Die erschweren mitunter den Einstieg, fixieren dafür aber Fahrer und Beifahrer wie einbetoniert. Seitenhalt, wie ihn sich manch sportlicher Fahrer vielleicht wünscht. Von der motorischen Seite sind sportlichen Ambitionen Grenzen gesetzt, allerdings keine sehr engen. Denn der aus der PSA-Ford-Kooperation stammende Common-Rail-Diesel passt ideal zu beiden Kombis. Abgesehen von einer minimalen Anfahrverzögerung im Mondeo präsentiert er sich durchzugsstark und harmonisch. Deutlicher sind da schon die akustischen Unterschiede.

Im C5 wirkt der Zweiliter-Diesel spürbar leiser und kultivierter als im Mondeo. Dafür ist bei ihm die Gesamtübersetzung des prinzipiell gleichen Sechsganggetriebes kürzer ausgelegt, was sich in den etwas besseren Beschleunigungs- und Elastizitäts-Werten, aber auch in einem minimal höheren Praxisverbrauch äußert. Im Schnitt begnügen sich beide mit rund 8,5 Litern auf 100 Kilometer - ein respektabler Wert für Kombis dieser Gewichts- und Größenklasse. Noch sparsamer zeigten sich die Kontrahenten auf der auto motor und sport-Normrunde, wo sie mit fünf Litern gleichauf liegen. Das gilt im Prinzip sogar für das Fahrwerk, denn in der getesteten Version schwebt der C5 nicht auf der Hydropneumatik, sondern baut auf Stahlfedern. Wer allerdings nicht auf die Citroën-Spezialität verzichten will, muss entweder auf die Ausstattungsvariante Confort, die Sechsgang-Automa oder die leistungsstärkeren Motoren ausweichen.

Um es vorweg zu nehmen: Schmerzlich vermisst wird die jüngste Ausbaustufe, die unter dem gestelzten Etikett HydractivIII+ firmiert, nicht. Auch so ist die Federung sehr komfortabel, gibt lediglich kurze Bodenwellen recht ungeschminkt an Karosserie und Lenkung weiter. Da zeigt sich der Mondeo spürbar ausgewogener, dessen Aufbau sich auch auf Schlechtwegstrecken wesentlich ruhiger verhält. Auch mit seinem neutralen Kurvenverhalten ist er dem Citroën deutlich voraus, ein mäßigender Eingriff des ESP ist seltener nötig. Unterstützt durch seine sportliche direkte Lenkung vermittelt der Ford eine Leichtfüßigkeit, die seine Größen- und Gewichtsklasse fast vergessen lässt. Da kann der C5 Tourer, der auch ein etwas synthetischeres Lenkgefühl vermittelt, nicht ganz mithalten, obwohl beide keine Welten trennen.

Mondeo: Fahrsicher auf Platz eins

So bleibt dem jüngsten Citroën- Spross nur ein zweiter Platz, wenngleich ein sehr ehrenvoller. Trotz deutlichem Zuwachs an Qualität und originellen Detaillösungen kann sich der geschmeidig-komfortable Franzose nicht am soliden und fahrsicheren Mondeo vorbeischieben. Der leistet sich keine wirklichen Schwächen - das Bremsenkapitel einmal ausgenommen, das ihn fast noch um den Gesamtsieg gebracht hätte.

Fazit

1. Ford Mondeo 2.0 TCDi Turnier
488 Punkte

Echte Schwächen zeigt der Mondeo Turnier lediglich im Kapitel Bremsen, seine stärksten Seiten sind Fahrsicherheit und Handling. Mit seinen insgesamt ausgewogenen Eigenschaften hat er die Nase knapp vorn.

2. Citroen C5 HDi 135 FAP Tourer
477 Punkte

Gelungenes Karosseriekonzept, ordentliche Verarbeitung, gute Ausstattung und die besseren Bremsen sprechen für den C5 Tourer. Vor allem das Kapitel Fahrsicherheit bringt ihn jedoch um den Platz an der Sonne.

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Technische Daten
Ford Mondeo Turnier 2.0 TDCi Trend Citroën C5 HDi 135 FAP Tourer Stahlfederung Tendance
Grundpreis 29.400 € 28.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4830 x 1886 x 1512 mm 4829 x 1853 x 1512 mm
KofferraumvolumenVDA 554 bis 1745 l 533 bis 1490 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h 200 km/h
0-100 km/h 10,4 s 11,1 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,5 l/100 km 8,4 l/100 km
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