Ford Mustang GT V8 Cabrio im Test

Horse-Power

Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Amerikanischer Frischluftspaß mit 300-PS-V8-Motor für vier Personen: Der heißeste Mustang unter dem Ford-Logo kommt als Cabrio mit knapper Stoff-Kapuze. Ein offenes Auto, das für wehende Mähnen sorgt.

Bei echten Mustangs muss die Mähne wehen. Ein Grund, warum Ford zur Detroit Motorshow im Januar seinem feurigsten Pferd im Stall das Dach abgenommen hat. Es gibt aber noch einen besseren: So blubbert es jetzt noch offenherziger und ungefilterter in den Gehörgängen. Kein langweiliger Weichspüler- Sound, sondern tiefes V8-Kampfgebrüll aus einem 4,6-Liter-Smallblock, je nach Gaseinsatz wechselnd zwischen sonorem Barry White- Soul und schmutzigem Kurt Cobain-Grunge. Garniert mit einer Portion an explosivem Fehlzündungs-Chili im verchromten Doppelrohr-Auspuff, der den Hörgenuss so scharf macht. Genau das richtige für coole Landstraßen-Cowboys. Einmal gehört und schon verliebt, welches moderne Auto bietet das schon?

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Vor allem in dieser Preisklasse. In den USA kostet der offene Reitspaß ab 25.000 Dollar. Von diesen Preisen können deutsche Fans der Pferdestärke nur träumen. Bis das 4,77-Meter-Schiff den Atlantik überquert hat, sind bei grauen Importeuren (www. geigercars.de) für die hochwertig ausgestattete GT-Version mit V8-Motor 41.057 Euro fällig. Immer noch ein Schnäppchen für ein viersitziges 300-PS-Cabrio. Viel Kraft für den großen amerikanischen Bruder von Fusion und Co., der entwickelt wurde ohne verstohlenen Blick auf die Alte Welt, sondern mit der Freiheitsstatue im Visier. So bullig, so kantig, so männlich. Ein echtes Musclecar, bei dem nur der aufgesetzte Heckspoiler peinlich auffällt wie ein Stetson- Hutträger in einer deutschen Fußgängerzone.

Amerikanisch ist auch die Konstruktion: üppiger Materialeinsatz statt Elektrozeugs, Robustheit statt Detailversessenheit. Wer das vergisst, degradiert den Mustang zum Mondeo und genießt ihn nicht als kultiges Männerspielzeug, sondern nur als banales Fortbewegungsmittel. Doch der Mustang reitet nicht vollends am Fortschritt vorbei. Wer seine Stoff-Kapuze abnehmen will, muss zwei herzhaft klackende Hebel umlegen und wird sogleich Zeuge der knopfinitiierten elektrischen Offenfaltung. Dann tauchen auch die ungefütterten Metallstäbe ins Heckteil. Und der Beginn des luftigen Ausritts wird nur noch behindert von der Persening mit ihren fummeligen Schlaufen und Klammern.

Dem Fahrer stehen nun zwei höchst genüssliche Gangarten zur Verfügung: der entspannte Blubber-Trab oder röhrender Galopp.

Kerniges Startzeichen von Letzterem: rauchende 235er Pneus – bei ausgeschalteter Traktionskontrolle. Was dann folgt, ist kein kreislaufgefährdender Katapultstart, sondern eine Demonstration bulliger Leistungsentfaltung.

Das Dreiventil-Aggregat liefert allzeit genügend Kraft für einen Zwischenspurt, ohne dass der Fahrer hektisch nach dem kurzen Schalthebel angeln muss. Das macht auch Sinn, denn das exakt zu schaltende manuelle Fünfganggetriebe flutscht nicht buttrig wie kalifornischer Chardonnay, sondern rau und sperrig wie junger Bourbon- Whiskey.

Der offene Mustang des Jahrgangs 2005 verlangt mit vielen seiner Eigenarten Toleranz. Sein Besitzer sollte weder eine Allergie gegen das allgegenwärtige Hartplastik im Innenraum haben, noch darf es ihn stören, dass sich die Motorhaube bei schnellem Autobahntempo aufstellt wie die Oberlippe einer gereizten Stute.

Schließlich empfiehlt sich robustes Schuhwerk, wenn der Mustang beim nervenaufreibenden Tankvorgang immer wieder rüde mit Normalbenzin um sich spritzt. Und die Benzin-Tränken müssen schneller angesteuert werden, als es dem Umweltminister lieb sein dürfte: 15,2 Liter säuft das Ford-Pferd auf 100 km und hat mit seinem 59-Liter- Tank nach nur 388 Kilometern schon wieder Durst.

Diese unartigen Symptome amerikanischen Automobilbaus muss das überragende Cruising-Gefühl wieder ausgleichen. Völlig gelassen lässt es sich mit dem 1,7-Tonner wehenden Haares über breite Straßen flanieren. Nervöses Vollgas-Gehabe gehört nicht zum Fahrvokabular des Mustang.

So muss er sich auch nicht mit den Sportversionen moderner Kompakt- Limousinen anlegen, die ihm mit deutlich weniger PS, aber besserem Handling auf einer kurvigen Straße zügig die Hufe zeigen würden. Fehlendes ESP verbietet fahrdynamische Sperenzien sowieso. Bei zu viel Gas in der Kurve verlangt der mit dem Heck auskeilende Bolide einen Virtuosen an den Zügeln.

Ansonsten ist der Mustang ein höflicher Hengst, er begrüßt jede enge Kurve mit einem freundlichen Nicken und schafft dann seine ausladende Nase ums Rund. Keineswegs undynamisch, aber auch nicht übermäßig sportlich.

Die beim V8 vorn wie hinten innenbelüfteten Bremsscheiben zwingen das Kultauto nach guten 41 Metern zum Stand. Das Pedalgefühl dabei liegt zwischen Marshmellow und Cheeseburger. Das Fahrwerk spendet Nostalgie: eine Starrachse statt Einzelradaufhängung hinten.

Doch es funktioniert. Satt und komfortabel überrollt der Mustang grobe Schlaglöcher. Die leichte Karosserie-Torsion hat dabei etwas antiquiert Gemütliches. Nur wenn die Fahrbahnwellen überhand nehmen, stößt er unpässlich auf.

Dann wird dem Fahrer klar, dass über 40 Jahre Automobilentwicklung deutlich aufwendigere, aber auch bessere Achskonstruktionen hervorgebracht haben. Auch das Interieur versetzt den Mustang-Reiter fast in die Frühzeit zurück.

Wie in den Sechzigern, als der Mustang noch 2370 Dollar kostete, glotzen einen tiefe, chromumrandete Instrumentenhöhlen mit Meilenskala an. Nicht ablesbar für Europäer. Who cares? Ohne Kopfstützen könnten die bequemen roten Ledersessel – serienmäßig in der GT Premium-Version – auch im Ur-Mustang sitzen. Und den breiten Alustreifen quer übers Armaturenbrett hätte man sich auch damals schon gewünscht. Das intensive Ertasten der einfachen Materialien sollte man jedoch vermeiden. Es schadet der Faszination.

Modernes gibt es auch, es kommt aus der Mittelkonsole und hört auf die Namen MP3 und Shaker 1000. HiFi-Zutaten, die in keinem amerikanischen Auto dieses Kalibers fehlen dürfen. So ist der Fahrer gerüstet für den Soundfight auf dem McDonalds-Parkplatz.

Auf den Menübefehl „Shaker on“ starten im Kofferraum zwei mächtige Bass-Nachbrenner. Dann bebt der Fahrer auch ohne laufenden Achtzylinder.

The show must go on – auch im Stand. Drei Sterne für den Mustang. Die coolsten, die auto motor und sport zu vergeben hat.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • einfache Bedienung kultiges Interieur einfache Verdeckbedienung
  • billige Materialien knappes Platzangebot im Fond umständliche Betankung
Fahrkomfort
  • bequeme Vordersitze guter Federungskomfort
  • trampelnde Hinterachse
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen gute Elastizität attraktives Motorgeräusch
  • schwergängige Schaltung
Fahreigenschaften
  • souveräner Cruising-Charakter gute Traktion
  • Übersteuer-Neigung schwerfälliges Handling
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • kein ESP nur Fahrer- und Beifahrer-Airbag
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Spritverbrauch
Kosten
  • günstiger Grundpreis
  • hoher Wertverlust hohe Versicherungsprämien

Fazit

Blubbernder V8-Sound und ein überragendes Cruising-Gefühl machen den offenen Mustang zu einem Leckerbissen für Fans amerikanischer Autokultur. Dafür gilt es, Nachteile bei Qualität und Sicherheit hinzunehmen.

Technische Daten
Ford Mustang GT V8 Cabrio
Grundpreis 41.057 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4765 x 1880 x 1384 mm
KofferraumvolumenVDA 275 l
Hubraum / Motor 4606 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 224 kW / 304 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 229 km/h
0-100 km/h 6,2 s
Verbrauch 10,7 l/100 km
Testverbrauch 15,2 l/100 km
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