Ford S-Max 2.0 TDCi im Test

Mut zur Lücke

Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Platz ist in der kleinsten Markt-Lücke. Die hat Ford zwischen Kombi und Van entdeckt – und mit dem S-Max gefüllt. Mit dem Namen Sport-Van war dazu noch fix ein frischer Gattungsbegriff zur Hand.

Sind sie lediglich Geschwister oder gar Zwillinge? Der Unterschied zwischen den neuen Modellen Ford Galaxy und S-Max ist manchen Beobachtern, zumal unbeteiligten, keineswegs auf Anhieb klar.

Kein Wunder, schließlich haben beide den gleichen Radstand, und mit nur 52 Millimeter weniger Länge wirkt der S-Max nicht wirklich kleiner. Auch sonst gibt es eine Fülle von Verwandtschaftsmerkmalen, die man im Auto-Jargon mit einer gemeinsamen Plattform erklärt: Bodengruppe, Achskonfiguration, Bremssystem, Lenkung, selbst das Motorenprogramm – das alles erinnert doch stark an eineiige Zwillinge. Doch mit dem S-Max füllen die Ford-Planer eine gefühlte Nische zwischen klassischem Van und konventionellem Kombi. Und mit dem Namen Sport-Van war fix ein frischer Gattungsbegriff zur Hand. Dass er sich – sportlich eben – von den eher pragmatischen Bedürfnissen üblicher Familien abhebt, kehrt der S-Max mit Designelementen wie der dynamischen, nach hinten abfallenden Dachlinie und den angedeuteten Kiemen hinter den ausgestellten Radläufen heraus. Wer allerdings unter der geduckten Dachlinie des nur 1,66 Meter hohen Van-Derivats eingeschränkte Sitz- und Raumverhältnisse vermutet, erlebt eine angenehme Überraschung. Das gilt auch für die Sitze der getesteten Titanium-Topversion. Elektrisch verstellbar, lassen sie kaum Wünsche offen; ihre sportliche Ausformung vermittelt Fahrer und Beifahrer optimalen Seitenhalt. Das gilt kaum weniger für die Sitze der zweiten Reihe.

Am meisten überrascht das üppige Platzangebot, das selbst Mitfahrern über 1,80 Meter Größe reichlich Beinfreiheit lässt. Das ist auch dem flexiblen Sitzsystem zu verdanken. Längsverschiebung und stufenloses Verstellen der Lehnenneigung bis in die Horizontale sind damit ohne großen Kraftaufwand möglich.

Zudem können auf der Ladefläche selbst ausgewachsene Freizeitaktivisten zur Not einmal ihr Nachtlager aufschlagen, was dem sportlichen Grundcharakter genauso wenig Abbruch tut, wie die reichlich vorhandenen Ablage- und Staufächer. Mit 755 Liter Basisvolumen zwischen Abdeckrollo und Ladeboden ist jedenfalls Gepäckraum reichlich vorhanden – im Normalfall. Denn der S-Max kann auch mit zwei zusätzlichen, klappbaren Sitzen im Heck (ab 775 Euro) geordert werden oder stattdessen mit ausziehbarem Gepäckraumboden (370 Euro), der das Be- und Entladen erleichtern soll. Im Cockpit weckt der S-Max durchaus sportliche Assoziationen.

Der puristischelegante Instrumentenblock liegt zentral im Blickfeld. Die in der Anmutung von gebürstetem Alu gehaltenen Applikationen der Front münden in die durchgängige Mittelkonsole. Hier wohnt der Schalthebel, der zwar perfekt zur Hand liegt, aber ein etwas stumpfes Schaltgefühl vermittelt. Und ergonomisch eher ungünstig legt sich dahinter ein Handbremsbügel quer. Unterschäumte Oberflächen und der Eindruck hoher Verarbeitungsqualität unterstreichen im Innern den Wohlfühlcharakter. Die sehr flach auslaufende Front macht jedoch das Abschätzen des vorderen Endes schwierig und damit den Ultraschall-Parkpiloten (490 Euro) fast schon obligatorisch. Und dann dieser Motor! Der Zweiliter- Duratorq-Diesel in der leistungsstärkeren 140 PS-Version ist trotz seiner Anfahrschwäche im unteren Drehzahlbereich ein echtes Sahnehäubchen. Ab 2000/min ist er enorm durchzugsstark und verleiht dem S-Max vorbildliche Agilität. Bei alledem verhält er sich akustisch eher dezent.

Die Stufung der sechs Gänge des serienmäßigen Schaltgetriebes passt ins Gesamtbild und wird mit einem budgetfreundlichen Testverbrauch von 8,7 L/100 km abgerundet. Dass der S-Max seinem Anspruch als Sport-Van Ehre macht, dazu leistet auch das Fahrwerk seinen Beitrag. Ab Spätsommer kann es zudem mit einem adaptiven Dämpfersystem aufgerüstet werden.Angesichts der sehr guten Basiseigenschaften wird es aber nicht wirklich vermisst.

Fazit

Drehmomentstarker Motor, gute Fahrleistungen, variables Raumangebot, pfiffiges Sitzkonzept, Partikelfilter Serie. Dagegen sprechen lediglich die Anfahrschwäche, die eingeschränkte Übersichtlichkeit nach vorn und das fehlende Automatikgetriebe im Angebot.

Technische Daten
Ford S-Max 2.0 TDCi Titanium
Grundpreis 32.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4768 x 1884 x 1658 mm
KofferraumvolumenVDA 755 bis 2000 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
0-100 km/h 11,0 s
Verbrauch 6,0 l/100 km
Testverbrauch 8,7 l/100 km
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