Doppeltest

Ford Scorpio Turnier gegen Opel Omega Caravan

Sie zählen nicht nur zu den Raumwundern in diesem Marktsegment, sie verkaufen sich auch genauso gut wie die dazugehörenden Limousinen. Als Konkurrent zum erfolgreichen Opel Omega Caravan betritt der Ford Scorpio Turnier jetzt in neuer Form die Bühne.

Bei der Gestaltung der Kombi- Heckpartie verließ die Designer von Ford offensichtlich der Mut: Der neue Scorpio Turnier sieht von hinten genauso aus wie sein Vorgänger. Kritiker des Limousinen-Hecks, das mit seiner gewöhnungsbedürftigen Gestaltung die Autowelt derzeit in Aufregung versetzt, mögen froh sein: Zumindest beim Anblick des Turnier- Rückens bleibt ihnen Vergleichbares erspart. Bei objektiver Betrachtung erscheint der Turnier, der vorne jetzt ebenfalls mit Rundscheinwerfern und ovalem Kühlergrill ausgestattet ist, am Heck mit seinen Ecken und Kanten jedoch ganz schön alt.

Selbst der Opel Omega Caravan, der bereits im letzten Jahr neu geformt auf den Markt kam, wirkt da jünger. Ansonsten stehen sich die zwei Kombis recht nahe: Beide treiben auf konventionelle Weise die Hinterräder an, sie verfügen mit einer Vorderachse nach dem McPherson-Prinzip und einer Hinterachse mit Schräglenkern über die gleiche Fahrwerkskonstruktion und werden – zumindest in der getesteten Version – beide von Zweiliter-Vierventilern angetrieben, die jeweils 136 PS leisten. Daß der Gewichtsunterschied gerade mal ein Kilogramm beträgt (Omega: 1557 Kilogramm; Scorpio: 1558 Kilogramm) sei da nur noch am Rande erwähnt. Ein doppeltes Lottchen also? Nein, auch wenn sich Omega und Scorpio in der Summe ihrer Charaktereigenschaften sehr ähnlich sind. Der Ford, zum Test in der Luxus-Version Ghia angetreten, wirkt im Innenraum mit seinen neuen Holzimitationen im Cockpit eine Spur eleganter als der Omega CD, der den geringeren Charme mit der besseren Funktionalität kompensiert: Die Instrumente sind nicht nur leicht ablesbar, sondern auch sehr übersichtlich angeordnet.

Die Sitze sind darüber hinaus besser zu verstellen als beim Ford, bei dem vor allem das Verstellrad für die Lehne schlecht zugänglich ist. Dafür ist die Karosserie des Omega wesentlich unübersichtlicher. Während man wegen der flach abfallenden Motorhaube vorne keinen Anhaltspunkt mehr findet, stören bei der Sicht nach hinten die drei Fondkopfstützen, die in dieser Version serienmäßig sind. Wer allein fährt, sollte zumindest die mittlere Stütze entfernen.

Der Ford, hinten nur mit zwei Kopfstützen ausgestattet, gewährt dagegen freie Sicht und erleichtert vor allem das Einparken, weil der Fahrer nach vorne noch Orientierungspunkte an der Karosserie findet. Viel Platz bieten beide Modelle, sowohl auf der Rücksitzbank als auch im Gepäckraum. Mit einem Laderaumvolumen von 540 Litern (bei umgeklappter Rücksitzbank: 1000 Liter) zieht der Omega mit dem Scorpio (550/1020) fast gleich, um ihn hinsichtlich des Quadermaßes, dessen Kantenlänge unter anderem von den Abständen zwischen den Raddomen, den Abmessungen der Hecktür und der Neigung der Sitzlehnen bestimmt wird, zu übertreffen.

Wegen seines stärker gerundeten Heckausschnittes verschenkt der Scorpio in der Länge Platz, im Vergleich zum Omega sogar fast 20 Zentimeter, in der Breite immerhin 14 Zentimeter. Die Chance, große und sperrige Gegenstände wie Tische oder Schränke verstauen beim Umklappen der Rücksitzlehne versenken, während die drei Fondkopfstützen des Omega sehr umständlich herausgezerrt werden müssen. Der Umklappmechanismus ist bei beiden Modellen zufriedenstellend, lästig erscheint nur, daß die Rücksitzbänke nicht vorgeklappt werden können. Besonders beim Ford Scorpio ergibt sich dadurch keine ganz ebene Ladefläche. zu können, ist im Opel also größer. Auch hinsichtlich der Variabilität bietet der Omega mehr. Die CD-Ausstattung umfaßt serienmäßig die umklappbare Beifahrersitzlehne, die den Transport sehr langer Utensilien möglich macht. Dieser ebenso einfache wie nützliche Mechanismus ist für den Scorpio nicht vorgesehen.

Beim Ford lassen sich dafür die hinteren Kopfstützen Die Heckklappen schwingen weit genug auf, auch wenn zum Beispiel ein Mercedes T-Modell mit 1,97 Metern darunter eine noch bessere Stehhöhe als Omega (1,82 Meter) und Scorpio (1,83 Meter) bietet. Beim Omega besteht außerdem wegen der gefährlichen Ecken durchaus ein Verletzungsrisiko. Auf einfachste Art und Weise läßt sich beim Scorpio die Kofferraumabdeckung entfernen – ein Mechanismus, auf den Opel-Kunden trotz mittlerweile oft geäußerter Kritik immer noch warten. Ohne Bedienungsanleitung und den Einsatz roher Kräfte ist die Abdeckung aus der Seitenführung nicht zu befreien. Wesentlich unkomplizierter sind die Fahreigenschaften des Opel, der sich auch beladen von seiner gutmütigen Seite zeigt. In Kurven neigt er zwar zu einem leichten Übersteuern, ohne dabei aber überraschend mit dem Heck auszubrechen. Etwas stärker drängt dagegen der Scorpio mit dem Heck zum Kurvenaußenrand, allerdings muß der Fahrer auch in diesem Fall keine Angst haben, die Kontrolle zu verlieren.

Gleichwohl unterliegt der Scorpio im Kapitel Fahreigenschaften dem Omega, weil er darüber hinaus seitenwindempfindlicher ist und bei hohem Tempo ständig Lenkkorrekturen verlangt, um auf der richtigen Spur gehalten zu werden. Daß der Omega trotz nahezu identischer Technik das bessere Fahrwerk besitzt, zeigt auch sein Federungskomfort. Beladen bietet das weicher abgestimmte Modell auf kurzen Bodenwellen einen besseren Komfort als der Scorpio, dessen Federung dann Schwächen im Schluckvermögen zeigt. Beiden Kombis gemein ist ein zwar sehr solides, aber auch wenig aufregendes Triebwerk, das sowohl beim Opel als auch beim Ford bei hohen Drehzahlen laut und vernehmlich brummt. Die Caravan-Fahrer kommen im direkten Vergleich etwas zügiger voran, weil der Omega nicht nur kraftvoller beschleunigt, sondern vor allem im fünften Gang die bessere Elastizität bietet.

Dem Ford, der etwas kürzer übersetzt ist, fehlt es dagegen an Drehmoment: Seine 175 Newtonmeter erreicht er erst bei 4200/min, während beim Opel mit 185 Newtonmeter mehr Drehmoment bei niedrigerer Drehzahl (4000/min) zur Verfügung steht. Die Stärke des Scorpio, da besteht kein Zweifel, liegt in seinem niedrigen Preis. Seitdem Ford den Turnier zum Preis der vergleichbaren Limousine anbietet, kann die Konkurrenz nicht mehr mithalten. 2400 Mark ist der Ford billiger als der Omega, und er bringt darüber hinaus noch serienmäßig eine vollautomatische Niveauregulierung an der Hinterachse mit. Omega-Kunden müssen für dieses gerade bei einem Kombi sinnvolle Extra 1075 Mark Aufpreis zahlen.

Trotzdem ist der Ford auf lange Sicht nicht das billigere Auto. Weil er auf 100 Kilometer im Schnitt ein einhalb Liter Benzin mehr verbraucht als der Opel, sind Vielfahrer mit dem Omega wirtschaftlicher unterwegs. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der Opel in diesem Vergleich die Nase vorn hat. Auch wegen der besseren Fahreigenschaften, der komfortableren Federung, der geringeren Seitenwind-Empfindlichkeit und der besseren Elastizität gewinnt er knapp vor dem neuen Ford Scorpio Turnier, der nicht nur an der Heckpartie noch ein wenig verbessert werden könnte.

Technische Daten
Ford Scorpio Turnier 2.0i 16V Opel Omega Caravan 2.0 16V
Grundpreis 21.295 € 22.453 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4826 x 1760 x 1442 mm 4819 x 1786 x 1505 mm
KofferraumvolumenVDA 550 bis 1020 l 540 bis 1800 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 6300 U/min 100 kW / 136 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 202 km/h
0-100 km/h 11,7 s 11,1 s
Verbrauch 9,8 l/100 km
Testverbrauch 12,4 l/100 km 10,4 l/100 km
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